Die Epoche des Expressionismus ist gekennzeichnet durch Industrialisierung und Automati¬sierung sowie Anonymisierung und Verelendung. Der Erfahrungsbereich der Großstadt spielte in der Zeit des Expressionismus eine wichtige Rolle in der Literatur. Denn ohne die unmittelbare Großstadterfahrung wäre der Expressionismus kaum denkbar gewesen. Die Stadt bot den Schriftstellern eine schier unerschöpfliche Vielfalt an Themen und Bildern, auf die sie in ihren Werken zurückgreifen konnten. Gegenstand dieser Arbeit ist das Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis, welches zum Signal der Zeit um 1910 wurde. Zunächst
wird die durchschlagende Wirkung des Werks auf seine Zeitgenossen beschrieben. Infolgedessen wird das Gedicht formal analysiert und danach eine inhaltliche Interpretation, welche die formalen Merkmale berücksichtigt, vorgenommen. Im Weiteren wird die besondere Stellung des Bürgers im Gedicht „Weltende“ beleuchtet.
Nach der theoretischen bzw. analytischen Betrachtung des Gedichtes wird versucht, es in eine Unterrichtsstunde einzubauen. Vorab wird geklärt, für welche Jahrgangsstufe das Gedicht verwendet wird und welches Unterrichtsziel die geplante Stunde haben soll. Demzufolge werden die einzelnen Phasen der Unterrichtsstunde näher betrachtet. Der Einstiegsphase folgt die Erarbeitungsphase und zum Ende ein Ausblick gegeben werden, wie man kreativ mit dem Gedicht weiterarbeiten könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Jakob van Hoddis „Weltende“
2.1 Wirkungsgeschichte
2.2 Formale Aspekte
2.3 Interpretation
2.4 Die Darstellung des Bürgers
3 Planung einer Unterrichtsstunde
3.1 Allgemeines
3.2 Einstiegsphase
3.3 Erarbeitungsphase
3.4 Ausblick
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das expressionistische Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis unter formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten, um die Diskrepanz zwischen der bürgerlichen Welt und der darin einbrechenden Katastrophe aufzuzeigen, und entwickelt daraus ein Konzept für eine Unterrichtsstunde in der Jahrgangsstufe 6, die das Gedicht mit aktuellen Naturkatastrophen in Verbindung setzt.
- Expressionismus und die Großstadterfahrung um 1910
- Formale Analyse und Interpretation des Gedichts „Weltende“
- Darstellung und Demaskierung des Bürgertums bei Jakob van Hoddis
- Didaktische Planung einer Unterrichtsstunde
- Transfer der lyrischen Untergangsvision auf aktuelle Ereignisse (New Orleans)
Auszug aus dem Buch
2.2 Formale Aspekte
Das Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis besteht aus zwei Strophen mit jeweils acht Versen. Die beiden Strophen unterscheiden sich der Form nach im Reimschema. Während die Verse 1 - 4 durch einen umarmenden Reim (a b b a) verbunden werden, bringt der Kreuzreim (c d c d) in der zweiten Strophe eine formale Eigendynamik in das Gedicht hinein. Darüber hinaus fällt auf, dass allen Substantiven ein bestimmter Artikel vorangestellt ist, welcher den einzelnen Ereignissen einen gewissen Grad an Allgemeingültigkeit zukommen lässt.
Das entscheidende formale Merkmal jedoch ist die starke Diskrepanz zwischen Form und Inhalt. Während das Reimschema und das Metrum (5-hebiger Jambus) regelmäßig sind, steht der Inhalt im starken Kontrast zur Form. Eine weitere formale Eigenschaft dieser acht Verse ist das Prinzip der losen Reihung von Einzelbildern. Für das Gedicht selbst bedeute diese lose Reihung, dass das Gedicht sich nicht von Vers zu Vers entwickle, sondern dass es in der Form verschiedenwertiger sei und in ihm keinem Zusammenhang stehende Visionen auftauchen, die beliebig und ohne erkennbares System aus einer Skala möglicher Ereignisse herausgegriffen seien. So kommt es dazu, dass ein Schnupfen neben einer Sintflut steht und ein davonfliegender Hut neben zu Tode gefallenen Dachdeckern und hinabstürzenden Eisenbahnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verortet das Gedicht „Weltende“ im Expressionismus und skizziert den Aufbau der Arbeit, von der formalen Analyse bis zur unterrichtspraktischen Anwendung.
2 Jakob van Hoddis „Weltende“: In diesem Kapitel werden die Wirkungsgeschichte, die formalen Besonderheiten, die inhaltliche Interpretation sowie die spezifische Darstellung des Bürgers innerhalb des Gedichts detailliert behandelt.
3 Planung einer Unterrichtsstunde: Dieser Teil widmet sich der didaktischen Aufbereitung des Gedichts für eine 6. Klasse, inklusive konkreter Unterrichtsphasen und der Verknüpfung mit aktuellen Ereignissen.
4 Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse über die Diskrepanz von Form und Inhalt im Gedicht zusammen und begründet dessen Eignung als Unterrichtsgegenstand.
Schlüsselwörter
Jakob van Hoddis, Weltende, Expressionismus, Lyrikanalyse, Formale Aspekte, Simultanismus, Bürgertum, Unterrichtsplanung, Großstadtlyrik, Katastrophe, Weltuntergang, Didaktik, Lyrik im Deutschunterricht, Literaturdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Jakob van Hoddis' berühmtem expressionistischen Gedicht „Weltende“ und dessen Bedeutung für die Literatur der Zeit um 1910.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentral sind die formale Struktur des Gedichts, die Darstellung der bürgerlichen Gesellschaft und die Entstehung einer Untergangsstimmung durch den sogenannten Simultanismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der formalen Regelmäßigkeit des Gedichts und seinem inhaltlich chaotischen Charakter zu analysieren und ein Konzept zur Vermittlung dieser Erkenntnisse im Unterricht zu entwerfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden eine formale Gedichtanalyse sowie eine interpretatorische Untersuchung unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Wirkungsgeschichte, Form und Interpretation des Gedichts sowie eine pädagogische Umsetzung für eine 6. Gymnasialklasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Expressionismus, Weltende, Bürgertum, Simultanismus und didaktische Unterrichtsplanung definiert.
Warum wird das Gedicht „Weltende“ mit der Hurrikankatastrophe in New Orleans in Verbindung gebracht?
Der Autor nutzt die New Orleans-Katastrophe als aktuellen Bezugspunkt, um Schülern zu verdeutlichen, dass der Mensch auch in der modernen Zeit den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert sein kann, ähnlich wie es im Gedicht van Hoddis thematisiert wird.
Welche Rolle spielt der „Bürger“ in der Interpretation des Gedichts?
Der Bürger wird als deformierte Figur dargestellt, deren Versuch, die Welt durch Ordnung und Nützlichkeit zu beherrschen, durch die hereinbrechende Naturgewalt und das Chaos ins Lächerliche gezogen wird.
Warum ist die Gruppenarbeit ein wichtiger Teil des Unterrichtskonzepts?
Die Gruppenarbeit soll die Kooperationsfähigkeit der Schüler fördern und ihnen durch verschiedene Schwerpunkte (Form, Inhalt, Lyrisches-Ich) eine aktivere und selbstständige Auseinandersetzung mit dem Gedicht ermöglichen.
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- Britta Wertenbruch (Author), 2005, Zu Jakob van Hoddis' "Weltende", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48019