Krafttraining mit Hypertrophie. Vergleich eines Blocktrainings mit einer 'wellenförmigen Periodisierung'


Magisterarbeit, 2003

72 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemdarstellung
1.2 Begründung der Themenwahl
1.3 Aufbau der Arbeit, Vorgehensweise im Überblick
1.4 Allgemeine Formulierung der Fragestellung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Theoretische Bezüge (Stand der Forschung)
2.1.1 Periodisierung im Krafttraining
2.1.2 Zur Trainierbarkeit der Maximalkraft
2.1.3 Trainingsmethoden zur Erhöhung der Muskelmasse (Hypertrophietraining)
2.1.4 Zur Trainierbarkeit der Schnellkraft
2.1.5 Zur Trainierbarkeit der Reaktivkraft
2.1.6 Neuronale Einflussgrößen im Krafttraining
2.1.7 Anatomische und physiologische Grundlagen
2.1.8 Forschungsergebnisse zum Training mit wechselnden Belastungsintensitäten
2.2 Analyse bisheriger Forschungsergebnisse
2.3 Konsequenzen für die eigene Arbeit
2.4 Explizite Formulierung der Untersuchungsziele

3 Methodologie
3.1 Darstellung der Hypothesen
3.2 Untersuchungsverlauf
3.3 Untersuchungsplan
3.3.1 Personenstichprobe
3.3.2 Versuchsdesign
3.4 Datenerhebung
3.4.1 Messmethodik/-instrumentarium
3.5 Datenverarbeitung und Statistik

4 Ergebnisse
4.1 Darstellung der Rohdaten
4.2 Inferenzstatistische Hypothesenüberprüfung
4.2.1 Darstellung der Ergebnisse zur Maximalkraft (EWM)
4.2.2 Darstellung der Ergebnisse zur Bewegungsschnelligkeit (Vmax)

5 Diskussion
5.1 Kritis che Wertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung von Störeinflüssen
5.2 Bezug zu Untersuchungszielen und Hypothesen
5.3 Bewertung der Ergebnisse in Bezug auf die unter 2 ausgewählten Theorien
5.4 Bewertung der Ergebnisse in Bezug auf die sportwissenschaftliche Theoriebildung
5.5 Konsequenzen aus den Resultaten für die Sportpraxis

6 Zusammenfassung und Ausblick
6.1 Kurze Darstellung der Vorgehensweise sowie der Ergebnisse
6.2 Wertung der Arbeit im Hinblick auf künftige Forschungsansätze

7 Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

8 Literaturverzeichnis

9 Danksagung

10 Anhang
10.1 Lebenslauf
10.2 Erklärung

1 Einleitung

1.1 Problemdarstellung

Der Bereich des Krafttrainings (Training von Kraftfähigkeiten) hat in den letzten dreißig Jahren, nicht nur im Leistungssport, zunehmend an Bedeutung gewonnen. Auch im Fitness- und Gesundheitstraining, im Schulsport sowie im Rehabilitationssport werden Methoden zur Verbesserung der Kraftfähigkeiten eingesetzt (HOHMANN, A., LAMES, M., LETZELTER, M., 2003, S.9). Neben den direkten sport- und leistungsbezogenen Motiven kann ein Krafttraining auch Aspekte wie die Schulung der funktionalen Haltung, der Gelenkstabilität und des muskulösen Gleichgewichts bedienen (vgl. Güllich/Schmidtbleicher, 1999, S.223). Welche einzelnen Trainingsmethoden dabei welche Komponenten des Kraftverhaltens ansteuern ist weitgehend geklärt (wird in Kapitel 2 näher erläutert). Was aber hinsichtlich der Kraftfähigkeiten passiert, wenn einzelne Trainingsmethoden systematisch miteinander kombiniert, und dazu noch die Trainingsintensitäten- und Methoden von Trainingseinheit zu Trainingseinheit variiert werden, kann die Literatur nur unzureichend beantworten. Aus diesem Mangel heraus soll in dieser Arbeit der Einfluss eines „wellenförmig“ gestalteten Krafttrainings (die Trainingsmethoden und/oder Trainingsintensitäten werden von Trainingseinheit zu Trainingseinheit variiert) mit dem Ziel der Maximalkraftsteigerung und der Steigerung der Bewegungsschnelligkeit untersucht werden.

1.2 Begründung der Themenwahl

Die Wahl meines Themas zur Magisterarbeit basiert primär auf meinem Interesse an trainings- und bewegungswissenschaftlichen Fragestellungen allgemein. Und hierbei stellt das „Undulating Model“ von FLECK und KRAEMER sowohl einen aktuellen Forschungsansatz, als auch inhaltlich eine vielversprechende Konzeption dar.

Des weiteren bewegten mich meine praktischen Erfahrungen als Proband bei einer Studie von Andreas Schlumberger und Klaus Wirth mit ähnlicher Problemstellung zu meinem Entschluss. Hinzu kommt, dass es mir ermöglicht wurde, durch die Ausbildung zum

Fitnesstrainer (A-Lizenz) am Institut für Sportwissenschaften, tiefere Erkenntnisse über die Themenkomplexe des Krafttrainings zu erwerben.

1.3 Aufbau der Arbeit, Vorgehensweise im Überblick

Im Anschluss an eine allgemeine Formulierung der Fragestellung erfolgt im 2. Kapitel eine Einführung in die theoretischen Grundlagen des Krafttrainings. Hier werden die einzelnen Komponenten der Kraftfähigkeiten definiert, die für das Verstehen der Untersuchungskonzeption relevant sind. Außerdem werden die gängigen Methoden zur Ansteuerung dieser Komponenten vorgestellt. Darüber hinaus erfolgt eine kurze Übersicht über die neuronalen Einflussgrößen, sowie den anatomische Aufbau und die physiologischen Eigenschaften der Muskulatur. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels werden die Forschungsergebnisse zum Training mit wechselnden Belastungsintensitäten vorgestellt, analysiert, und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für diese Studie aufgezeigt. Im 3. Kapitel erfolgt eine Darstellung der methodischen Vorgehensweise. Hier werden die Hypothesen formuliert, der Untersuchungsverlauf und der Untersuchungsplan erklärt. Die Datenerhebung und die anschließende Datenverarbeitung geben Einblicke in die Messmethodik und die spätere statistische Verarbeitung des Datenmaterials. Das 4. Kapitel stellt die einzelnen Ergebnisse der Untersuchung vor. Zunächst erfolgt eine Darstellung der Rohdaten, um die jeweiligen Ergebnisse der einzelnen Probanden zu illustrieren. Anschließend werden die Verfahren zur inferenzstatistischen Hypothesen-überprüfung angewandt, und die Ergebnisse zur Maximalkraft (EWM) und zur Bewegungsschnelligkeit (Vmax) präsentiert. Im 5. Kapitel erfolgt anhand der Ergebnisse die Diskussion der Resultate unter Berücksichtigung von Störeinflüssen, des Bezugs zu den Untersuchungszielen und Hypothesen, ein Vergleich zu den unter 2.1.8 dargestellten Forschungsergebnissen, und eine Bewertung der Ergebnisse in Bezug auf die sportwissenschaftliche Theoriebildung, sowie die Sportpraxis. In Kapitel 6. werden die Vorgehensweise und die Ergebnisse noch einmal in Kurzfassung vorgestellt, und eine Wertung der Arbeit im Hinblick auf zukünftige Forschungsansätze vorgenommen.

1.4 Allgemeine Formulierung der Fragestellung

In dieser Untersuchung soll geklärt werden, ob ein auf Hypertrophie ausgerichtetes Training mit wechselnden Belastungsintensitäten und Methoden (Hypertrophietraining, Schnellkrafttraining, Reaktivkrafttraining) sich vom Einfluss auf die Maximalkraft (EWM) und die Bewegungsschnelligkeit (Vmax) signifikant von einem reinen hypertrophieorientierten Blocktraining unterscheidet.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Theoretische Bezüge (Stand der Forschung)

2.1.1 Periodisierung im Krafttraining

Der Begriff Periodisierung wird definiert als „die Festlegung einer Folge von Perioden, deren inhaltliche, belastungsmäßige und zyklische Gestaltung die Herausbildung der optimalen sportlichen Form für einen bestimmten Zeitraum innerhalb des Periodenzyklus ansteuert“ (MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.247). Da sich Sportler im Verlauf eines langjährigen Trainingsprozesses nicht permanent in „Hochform“ befinden können, werden die einzelnen Trainingsphasen an gewisse Rahmenbedingungen angepasst. In den meisten Sportarten orientieren sich diese Trainingsphasen an den jeweiligen sportartspezifischen Wettkämpfen. Dieser Vorgang wird als Periodisierung bezeichnet.

Ein Trainingszyklus kann sich je nach Sportart und Qualifikation des Sportlers ein-, zwei-, oder sogar dreimal im Verlauf des Jahres wiederholen. Häufig wird dieser Trainingszyklus in drei Perioden unterteilt:

1.) Die Vorbereitungsperiode

Zielsetzung: Entwicklung der sportlichen Form

2.) Die Wettkampfperiode

Zielsetzung: Weiterentwicklung der sportlichen Form durch die Wettkampfteilnahme

3.) Die Übergangsperiode

Zielsetzung: aktive Erholung und Regeneration des Sportlers, Verlust der sportlichen Form verhindern (vgl. WEINECK, J., 1988, S. 353).

„Diese Phasen der Formentwicklung erreichen im Laufe der Trainingsjahre ein stetig zunehmendes Niveau und führen letztlich zu der angestrebten individuellen Höchstleistung. Die Einteilung in Vorbereitungs-, Wettkampf- und Übergangsperiode und ihre jeweilige Zielsetzung hat in mehr oder weniger differenzierter Form für alle Bereiche Gültigkeit:

sie ist unabhängig vom „Trainingsalter“ oder der Qualifikation des Sportlers. Was jedoch das Verhältnis von Umfang und Intensität bzw. den Einsatz allgemeiner und spezieller Trainingsinhalte in den einzelnen Perioden betrifft, so lassen sich deutliche Unterschiede in den Bereichen des Spitzensports bzw. des Nachwuchstrainings oder des Trainings auf mittlerem Niveau feststellen“ (WEINECK, J., 1988, S. 353). Neben der Aufteilung in Vorbereitungs-, Wettkampf- und Übergangsperioden erfolgt aus Gründen der besseren Steuerbarkeit des Trainingsprozesses eine weitere Unterteilung dieser Perioden in Makro-, Meso- und Mikrozyklen. Ein Mikrozyklus umfasst in der Regel einen Zeitraum von einer Trainingswoche. Dagegen besteht ein Mesozyklus aus 3-4 Mikrozyklen. „Ein Makrozyklus unterscheidet sich aufgrund veränderter inhaltlicher Schwerpunktlegung und einer veränderten Belastungsstruktur von einem anderen und setzt sich aus der für diese Aufgabenlösung erforderlichen Anzahl von Mikrozyklen zusammen. Makrozyklen sind deshalb ungleich lang“ (MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.254 / 255).

WEINECK (1988) empfiehlt für die Periodisierung im Krafttraining, für die Vorbereitungsphase im Bereich des Breitensports Maximalkrafttrainingsarten und ein allgemeines Kraftausdauertraining. In der Wettkampfperiode sollte dagegen ein Schnellkrafttraining erfolgen. Allerdings sollten in Sportarten mit hohen Kraftanforderungen auch noch während der Wettkampfperiode Maximal-krafttrainingsmaßnahmen intramuskulärer Art, und während der Vorbereitungsperiode Schnellkrafttrainingselemente in geringem Umfang durchgeführt werden (vgl. WEINECK, J., 1988, S.197).

In einer zusammenfassenden Untersuchung von FLECK (1999), in der insgesamt 9 Studien untersucht wurden die sich mit dem Vergleich von periodisierten Krafttrainingsmethoden mit Ein-Satz-Training und/oder nichtperiodisierten Trainingsplänen befassten, kam er zu dem Schluss, dass die periodisierten Programme im Kraftanstieg (1RM) sowohl den nichtperiodisierten Mehr-Satz-, als auch den nichtperiodisierten Ein-Satz-Trainingsprogrammen überlegen sind. Seine Daten weisen darauf hin, dass periodisierte Programme einen größeren Anstieg für die Parameter LBM (Lean-Body.Mass), Körpergesamtgewicht und motorische Entwicklung (im vertical jump), und eine größere Abnahme vom prozentualen Körperfettgehalt versprechen, als nichtperiodisierte Trainingsprogramme (vgl. FLECK, S.J., 1999, S.88 / 89).

2.1.2 Zur Trainierbarkeit der Maximalkraft

Die Maximalkraft wird als „die höchste Kraft verstanden, die das neuromuskuläre System bei einer maximalen willkürlichen Kontraktion entfalten kann“ (GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.224). Zu einer ähnlichen Definition gelangen MARTIN et al. Sie verstehen unter dem Begriff der Maximalkraft „die höchstmögliche Kraft, die das Nerv-Muskelsystem bei maximaler willkürlicher Kontraktion auszuüben vermag“ (MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.103). Die Maximalkraft stellt die übergeordnete Dimension der Kraftfähigkeiten dar (siehe Abbildung 1). Die Kraftfähigkeit „ist die konditionelle Basis für Muskelleistungen mit Krafteinsätzen, deren Werte über ca. 30% der jeweils individuell realisierbaren Maxima liegen“ (MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.102).

Die Schnellkraftleistungen (und damit auch die Explosivkraft, die Reaktivkraft und das dynamisch realisierte Kraftmaximum – unter exzentrisch-konzentrischen, sowie unter isometrischen Bedingungen) und Kraftausdauerleistungen (Impulsgröße, Ermüdungswiderstand unter konzentrischen, isometrischen sowie exzentrisch-konzentrischen Bedingungen) hängen alle von ein und derselben Kraftfähigkeit, der Maximalkraft, ab. Die Maximalkraft und die untergeordneten Kraftfähigkeiten sind noch von physiologisch-morphologischen Einflussgrößen wie neuronalen Faktoren (Rekrutierung, Frequenzierung, Synchronisation, Inhibitionsabbau, Reflexförderung), tendomuskulären Faktoren (Muskelmasse, Muskelfaserzusammensetzung, Muskel-faserausprägung, enzymatische Kapazität, Kapillarisierung, Muskelelastizität, Sehnenelastizität) und anthropometrisch-biomechanischen Faktoren (Hebelverhältnisse, Gelenkbeschaffenheit, etc.) abhängig (SCHMIDTBLEICHER, D., 1999 / 2000. S.16).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Struktur der motorischen Eigenschaft Kraft (GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.224)

Um die Maximalkraft zu ermitteln gibt es unterschiedliche Methoden. Die drei am häufigsten praktizierten Vorgehensweisen zur Ermittlung der Maximalkraft sind:

1.) die Messung unter isometrischen Bedingungen (hierbei wird gegen einen unüberwindlichen Widerstand kontrahiert). Bei diesem Vorgehen handelt es sich um eine wissenschaftlich exakte Ermittlung der isometrischen Kraft. Der Nachteil dieser Methode besteht darin, dass die Apparaturen, die zur Ermittlung der isometrischen Kraft benötigt werden, im allgemeinen Übungsbetrieb nicht zugänglich sind. Außerdem ist der damit verbundene organisatorische Aufwand relativ groß (vgl. WEINECK, J., 1988, S.193 / 194).
2.) Die Messung unter dynamisch-konzentrischen Bedingungen (das höchstmögliche Gewicht, das bei einer bestimmten Übung gerade ein Mal über die komplette Amplitude bewegt werden kann) (vgl. SCHLUMBERGER, A., 2000, S.14). Diese Art der Kontrolle der Maximalkraft „stellt im normalen Übungsbetrieb meist das einzig mögliche Testverfahren dar und gibt im allgemeinen ausreichend genaue Hinweise auf das vorliegende Kraftniveau“ (WEINECK, J., 1988, S.193). Aufgrund des relativ kleineren organisatorischen und materiellen Aufwands wurde dieses Testverfahren für die vorliegende Untersuchung ausgewählt.
3.) Die dritte Methode zur Bestimmung der Maximalkraft erfolgt mit Hilfe des desmodromischen Trainingsgerätes. Vom Prinzip her ist das desmodromische Krafttraining mit dem isokinetischen Krafttraining verwandt. Es beinhaltet ebenfalls einen stetigen Wechsel von konzentrischer und exzentrischer dynamischer Kraftarbeit. Ein Unterschied besteht lediglich in der Muskelbelastung, weil beim desmodromischen Training fortlaufend Druck gegen die Widerstandsleiste des Gerätes ausgeübt wird, was dazu führt, dass zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit der Muskelentspannung besteht (im Gegensatz dazu bietet das traditionelle Training an den Umkehrpunkten der Endstreckung bzw. -beugung eine kurze Entspannung der Muskulatur). „Dadurch wird verhindert, dass der Muskel sein energetisches Potential (Resynthese von ATP aus KP) zu erneuern vermag: Es kommt zur vollständigen Ausschöpfung der muskulären ATP-Vorräte und damit zur völligen Auslastung der an der Bewegung beteiligten Muskelfasern“ (WEINECK, J., 1988, S.179). Das desmodromische Trainingsgerät bietet die Möglichkeit einer separaten Ermittlung der positiv und negativ dynamischen Maximalkraft mittels der sogenannten Schnellkraftkurve. Dem Vorteil einer optimalen Kraftermittlung „in allen Kraftbereichen steht der Nachteil der fehlenden Verfügbarkeit bzw. der hohen Anschaffungskosten“ (WEINECK, J., 1988, S.194) der Messinstrumente gegenüber.

Gegen die Unterscheidung in isometrische und konzentrische Maximalkraft sprechen sich SCHMIDTBLEICHER und BÜHRLE aus. Sie argumentieren: „Wenn eine Person eine Gewichtslast nahe ihrer individuellen Grenzlast gerade noch heben kann, muss sie zuerst eine Gegenkraft gegen diesen Widerstand entwickeln. Dabei arbeitet die Muskulatur isometrisch; dann kann die Last nur sehr langsam angehoben werden. Das heißt für die Beschleunigung kann nur noch ein geringer Kraftbetrag verwendet werden. Dabei nähert sich die konzentrische Maximalkraft der isometrischen an“ (SCHMIDTBLEICHER, D./ BÜHRLE, M., in: MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.102). MARTIN/CARL/LEHNERTZ widersprechen dieser Auffassung indem sie argumentieren, dass diese aus molekularmechanischer Sicht nicht sinnvoll sei, weil „beim Halten einer Kraft (...) nämlich kein Gleitvorgang zwischen dicken und dünnen Myofilamenten“ (MARTIN, D., CARL, K., 1993, S.103) erfolgt, und damit die Kraftbildung und der Energieumsatz gravierend beeinflusst werden.

Auch aktuellere Arbeiten von SCHMIDTBLEICHER und GÜLLICH weisen darauf hin, dass eine fähigkeitsbezogene Unterteilung zwischen konzentrischer und isometrischer Maximalkraft nicht gerechtfertigt ist. Dies begründen sie folgendermaßen: „wenn ein Sportler ein Gewicht hebt, beinhaltet die Kontraktion immer einen isometrischen und einen konzentrischen Anteil. Die Kontraktion bleibt so lange isometrisch, bis die muskulär entfaltete Kraft der zu bewältigenden Kraft entspricht. Erst wenn die Kraft darüber hinaus geht, bewegt sich das Gewicht. Der beschleunigungswirksame Anteil der Kraftentfaltung wird umso geringer, je näher die Last an der Maximalkraft liegt. Ließe sich die Masse der Last stufenlos variieren, würde theoretisch der zum Überwinden der Last erforderliche, zusätzliche, beschleunigungswirksame Anteil der Kraftentfaltung gegen Null gehen – folglich ebenso die Differenz zwischen konzentrisch und isometrisch ermittelter Maximalkraft“ (GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.224).

Die Willkürinnervation stellt aber nur einen Teil der absolut entwickelbaren Kraft dar. Untrainierte Personen sollen lediglich ca. 70% ihrer Absolutkraft willkürlich aktivieren können. Die verbleibenden 30%, das nicht-willkürlich aktivierbare Kraftpotential, wird als autonome Reserve bezeichnet (vgl. MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., S.103).

Durch gezieltes Training kann der Aktivierungsgrad jedoch auf rund 95% gesteigert werden (vgl. GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.224).

2.1.3 Trainingsmethoden zur Erhöhung der Muskelmasse (Hypertrophietraining)

Zur Erhöhung der Muskelmasse stehen im Bereich des Krafttrainings eine Reihe von Verfahren zur Verfügung. An dieser Stelle soll ein kurzer Überblick über die Reizkonfigurationen von verschiedenen Autoren gegeben werden. Einig sind sich die Autoren, dass zur Vergrößerung des Muskelquerschnitts die Methoden der wiederholten submaximalen Belastung, die „bis zur lokalen Erschöpfung führen, am effektivsten sind“ (MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.129).

Tab. 1: Empfehlung für ein Muskelhypertrophietraining nach (GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.229)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Empfehlung für ein Muskelhypertrophietraining nach (BÜHRLE, A., 1985. In: MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.130)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Empfehlung für ein Muskelhypertrophietraining nach (SCHMIDTBLEICHER, D., 1999 / 2000, ohne Seitenangabe)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 4: Trainingsmethoden zur Erhöhung des Muskelquerschnitts (HOHMANN, A., LAMES, M., LETZELTER, M., 2003, S. 79)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(* MQM = Muskelquerschnittsmethoden)

Die Erhöhung der Maximalkraft und die damit einhergehende Muskelfaserhypertrophie kann durch das Theoriemodell der Superkompensation erklärt werden. „Bei bestimmten Belastungsanforderungen werden Reize ausgelöst, die den Stoffwechselmechanismus, die Blut- und Sauerstoffversorgung und andere Regulationsmechanismen in unterschiedlicher Weise beanspruchen. Eine solche Belastung löst anschließend einen Ermüdungsprozeß aus, dem eine Erholungsphase folgt. Dabei weisen die Erholungsprozesse nach einer genügend hohen Beanspruchung ein Überkompensieren auf. Energiereserven, Stoffwechsel- und Regulationsmechanismen kehren nicht nur zum Ausgangszustand vor der Belastung zurück, sondern überschreiten ihn kurzzeitig. Das hat zur Folge, dass auch die energetische Leistungsfähigkeit des beanspruchten Organsystems kurzzeitig höher ist. (...) Trifft den Organismus bzw. bestimmte Organsysteme im Zustand der Superkompensation eine Belastung vorausgegangener Art, dann vollzieht sich der gleiche Ablauf organischer Beanspruchung und Regeneration. Es kommt zur Überlagerung und Verstärkung der Superkompensationswirkung und wahrscheinlich zu einer Anpassung im Organismus im Sinne einer Zunahme des energetischen Leistungszustandes“ (MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.94, nach FINDEISEN/LINKE/PICKENHAIN, 1980, S.213).

Weitere Leistungsbestimmende Faktoren für die Maximalkraftentwicklung sind:

- Niveau der statischen Kraft
- Die koordinative Leistungsfähigkeit der Muskulatur
- Die Muskelvordehnung
- Die Bewegungsgeschwindigkeit
- Die Art der Kraftentwicklung (positiv/negativ dynamisch)
- Der Ermüdungsgrad

(WEINECK, J., 1986, S.200).

2.1.4 Zur Trainierbarkeit der Schnellkraft

Die Schnellkraft wird definiert als die „Fähigkeit, einen möglichst großen Kraftstoß in der zur Verfügung stehenden Zeit zu produzieren“ (SCHMIDTBLEICHER, D. in: MARTIN, D., 1993, Handbuch Trainingslehre, S.104). Sie wird aber auch definiert als „die Fähigkeit des neuromuskulären Systems, einen möglichst großen Impuls (Kraftstoß) innerhalb einer verfügbaren Zeit zu entfalten“ (GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.225). Durch die Steilheit des Kraftanstiegs, das realisierte Kraftmaximum und die Impulsdauer wird dieser Kraftstoß bestimmt. In den meisten Sportarten ist die Impulsdauer aufgrund des eingeschränkt verfügbaren Beschleunigungsweges begrenzt. Deshalb sind Kraftanstieg und Kraftmaximum die bestimmenden Faktoren für die Schnellkraft. „Je kürzer die Zeit ist, die für einen Schnellkrafteinsatz zur Verfügung steht, desto höher ist die Bedeutung der Steilheit des Kraftanstiegs. Die Fähigkeit, einen möglichst steilen Kraftanstieg zu erzeugen, wird als Explosivkraft bezeichnet“ (GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.225). Die Explosivkraft bestimmt vorwiegend solche Schnellkraftleistungen, die innerhalb von 200ms realisiert werden können. Werden mehr als diese 200ms für eine Schnellkraftleistung benötigt, ist das dynamische realisierbare Kraftmaximum der bestimmende Faktor. Dieser wird wiederum maßgeblich vom Niveau der Maximalkraft bestimmt. Die Explosivkraft ist außerdem abhängig von Bio-mechanischen Faktoren (Hebelverhältnisse, Muskellänge, Verkürzungsgeschwindigkeit, Bewegungsgeschwindigkeit), Faserstruktur, Muskelquerschnitt und nicht zuletzt der Motivation, also der bereitwilligen und konzentrierten Mitarbeit der Probanden (vgl. MÜLLER, K.-J., 1985, S.145).

Neben der Maximalkraft und der Explosivkraft gibt es noch einen dritten Faktor, von dem die Schnellkraft abhängig ist, die Startkraft.

Sie bezeichnet das Vermögen des schnellen Reagierens bei der Kraftentwicklung, das heißt die Fähigkeit gleich bei Kontraktionsbeginn einen hohen Kraftanstieg zu entwickeln. Berücksichtigt wird hierbei die Kraftentwicklung während der ersten 30 ms (vgl. BÜHRLE, M., 1985, S.104).

2.1.5 Zur Trainierbarkeit der Reaktivkraft

Die Reaktivkraft wird definiert als „jene Muskelleistung, die innerhalb eines Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus (DVZ) einen erhöhten Kraftstoß generiert. Sie ist abhängig von Maximalkraft, Kraftbildungsgeschwindigkeit und reaktiver Spannungsfähigkeit“ (MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.129).

Die Leistungen im DVZ, also bei exzentrisch-konzentrischer Muskelarbeit, bilden innerhalb des Schnellkraftverhaltens eine relativ eigenständige Dimension. Schnellkraftleistungen im DVZ spielen „bei einer Vielzahl sportlicher Bewegungen, wie z.B. Gehen, Laufen, Springen (z.B. Hoch- oder Weitsprung) usw., eine entscheidende Rolle. Hier gilt es, aus einer nachgebenden (exzentrischen) Bewegungsphase in kürzester Zeit einen möglichst großen überwindenden (konzentrischen) Bewegungsimpuls zu realisieren (vgl. GOLLHOFER, A., 1986, S.205). Schnellkraftaktionen die innerhalb des DVZ durchgeführt werden, zeigen höhere Leistungswerte als rein konzentrische Aktionen (vgl. GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.225). Die Ursache dieser Leistungserhöhung im DVZ wird auf das elastische Verhalten der Muskulatur während und kurz nach der exzentrischen Kontraktion zurückgeführt. „Wenn ein aktivierter Muskel gedehnt oder ein passiver Muskel aktiviert wird, dann erhöht er seine Spannung und speichert elastische Energie in seinen serienelastischen Teilen. Sind die zeitlichen Bedingungen zwischen Dehnung und Verkürzung günstig, kann ein Teil der gespeicherten Energie wieder genutzt werden (vgl. MARTIN, D., CARL, K., LEHNERTZ, K., 1993, S.129).

„Bei Schnellkraftleistungen im DVZ werden neben der willkürlichen neuronalen Aktivierung in Abhängigkeit von der Dehnungsgeschwindigkeit in der exzentrischen Phase auch Elastizitätskräfte der Sehnen und Muskeln sowie eine – aufgrund des Dehnungsreflexes – zusätzlich aufgeschaltete neuronale Aktivierung der Muskeln wirksam. Diese Merkmale haben bei zeitlich kürzeren Dehnungs-Verkürzungs-Zyklen eine weitaus höhere Bedeutung als bei längeren. Deshalb wird zwischen Schnellkraftleistungen im kurzen DVZ (< ca. 200msec) und im langen DVZ (> ca. 200 msec) unterschieden“ (GÜLLICH, A., SCHMIDTBLEICHER, D., 1999, S.225).

Die Theorie zu diesem Phänomen besagt, dass das elastische Verhalten des Muskels auf seine mechanische Strukturen, die serienelastische Komponente (SEK) und die parallelelastische Komponente (PEK) zurückgeführt werden kann. Wird ein aktivierter Muskel gedehnt, hat die SEK für die Speicherung der elastischen Energie eine weitaus höhere Bedeutung als die PEK. Weitere Untersuchungen ergaben, dass ein wesentlicher Teil der Serienelastizität auf die Querbrücken zwischen den Aktin- und Myosinfilamenten zurückzuführen ist (vgl. KOMI, P.V., 1985, S. 256).

[...]

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Krafttraining mit Hypertrophie. Vergleich eines Blocktrainings mit einer 'wellenförmigen Periodisierung'
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Sportwissenschaften)
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
72
Katalognummer
V48040
ISBN (eBook)
9783638448482
ISBN (Buch)
9783640419739
Dateigröße
1498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Blocktrainings, Periodisierung, Hypertrophie, Krafttraining
Arbeit zitieren
M.A. Timm Knodel (Autor), 2003, Krafttraining mit Hypertrophie. Vergleich eines Blocktrainings mit einer 'wellenförmigen Periodisierung', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48040

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