Der römische Legat Titus Labienus machte während der Feldzüge Caesars in Gallien 58-50 v.Chr. eine beeindruckende Karriere. Von Beginn an Caesars oberster General, wurden ihm im Laufe des Krieges immer schwierigere Manöver selbst überlassen und er erwarb sich mit seinen Fähigkeiten das uneingeschränkte Vertrauen seines Feldherrn.
Ausgestattet mit Ruhm und Reichtum, sowie dem Oberbefehl in Gallien während Caesars Abwesenheit 49, schlug er sich dann überraschend nach Ausbruch der Bürgerkrieges auf die Seite des Pompeius. Auch nach dessen Tod bei Alexandria 48 verfolgte Labienus weiterhin die Sache der Gegner Caesars, zuerst mit Cato Uticensis in der Provinz Africa, dann mit den Söhnen des Pompeius in Spanien, wo er 45 v.Chr. den Tod in der Schlacht bei Munda fand.
Das sog. Corpus Caesarianum umfasst das bekannte, von Caesar selbst geschriebene „De bello Gallico“, weiter das 8. Buch eben dieses Werkes über die letzten beiden Jahre in Gallien (51-50 v.Chr.) ab dem Tod des Vercingetorix bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges, verfasst von Aulus Hirtius nach dem Tod Caesars 44 und außerdem den Bürgerkrieg vom Ausbruch 49 bis zur letzten Niederlage des Pompeius bei Pharsalos 48 v.Chr. Dieser Teil ist wieder von Caesar selbst verfasst („De bello Civili“). Die drei ebenfalls zum Corpus zugehörigen Anschlusswerke, das „bellum Alexandrinum“, „bellum Africum“ und „bellum Hispaniense“ behandeln die Zeit bis zum Ende des Bürgerkriegs bei der Schlacht von Munda 45; ihre genaue Autorschaft ist bis heute ungeklärt.
Titus Labienus begleitet das Corpus Caesarianum von den ersten Kampfhandlungen in Gallien bis nach Munda in Spanien. Diese Arbeit möchte einen Blick auf Caesars General werfen und seine Darstellung in den verschiedenen Teilen des Corpus untersuchen, um die charakteristischen Unterschiede der Autoren herauszuarbeiten. Besonders die Problematik der Werke der Autorschaft Caesars ist dabei hervorzuheben: Dem sprachlich einfachen und klaren Text des Commentarius, dessen inhaltlich sowie taktische Aussagen z.T. sogar archäologisch verifiziert werden konnten, steht eine komplexe propagandistische Verfasserintention diametral entgegen.
Zuletzt sollen antike Quellen und moderne Forschungsliteratur über den „Seitenwechsel“ des Labienus untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die politische Karriere in Rom
1.1. Herkunft
1.2. Karriere
II. Labienus in de bello Gallico
2.1. Die ersten Erwähnungen durch Caesar
2.2. Caesars Legaten in Gallien
2.3. Die Bewährung in Gallien
2.4. Der Höhepunkt der Karriere unter Caesar
2.5. Labienus im Entscheidungsjahr 52
III. Der Wechsel zu Pompeius
3.1. Die Darstellung in den antiken Quellen
3.2. Die Motive des Labienus
IV. Labienus bei Aulus Hirtius
4.1. Die neue Darstellung im 8. Buch
4.2. Bewerbung um das Konsulat 48?
V. Labienus in Caesars Bellum Civile
5.1. Der Reichtum des Labienus
5.2. Pax esse nulla potest
5.3. Die Propaganda Caesars gegen seine Feinde
5.4. Das strategische Talent des Labienus
VI. Labienus in Africa
6.1. Die Wahrnehmung des Autors
6.2. Der Autor des Bellum Africum
6.3. Hinterhalte und Misserfolge
VII. Labienus in Spanien
7.1. Die Loyalität zu den Söhnen des Pompeius
7.2. Das Ende des Labienus
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle und literarische Darstellung des römischen Generals Titus Labienus innerhalb des Corpus Caesarianum, von den frühen Feldzügen in Gallien bis zu seinem Tod im Bürgerkrieg. Ziel ist es, die Entwicklung seines Bildes durch verschiedene Autoren zu analysieren und den propagandistischen Hintergrund seines Seitenwechsels von Caesar zu Pompeius zu beleuchten.
- Militärische Laufbahn des Titus Labienus als Caesars Legat
- Der Seitenwechsel des Labienus im Jahr 49 v. Chr.
- Literarische Stilisierung und Propaganda in den verschiedenen Teilen des Corpus Caesarianum
- Analyse der Autorschaft und Darstellung in den Anschlusswerken (Bellum Africum/Hispaniense)
- Historische Einordnung des Ehrgeizes und der Motive des Labienus
Auszug aus dem Buch
2.3. Die Bewährung in Gallien
Als Caesar 54 zu seiner zweiten Britannien Expedition aufbrach, blieb Titus Labienus mit 3 Legionen und 2000 Reitern als Oberbefehlshaber auf dem Festland zurück. Seinen Auftrag formuliert Caesar genau aus: „[...] ut portus tueretur et rei frumentariae provideret, quaeque in Gallia gererentur cognosceret, consiliumque pro tempore et pro re caperet,[...]“
Sprachlich macht der Feldherr durch die Parallelismen im aufgegliederten ut-Satz die besondere Bedeutung des Auftrages deutlich. Labienus sollte nicht nur als Brückenkopf auf dem Festland die sichere Rückkehr Caesars garantieren, sondern auch die Expedition durch unerlässlichen Getreidenachschub unterstützen. Im weiteren Verlauf des Feldzuges kam die Anweisung hinzu, mit dem Bau möglichst vieler Schiffe die bei einem Sturm Verlorengegangenen zu ersetzen. Des weiteren machten dem Statthalter Schwierigkeiten mit den Eburonen unter dem Kommando des Haeduers Ambiorix Sorgen, weshalb sein Legat die Lage im Land zu beobachten und nach eigenem Ermessen (consilium capere) zu planen und zu handeln hatte. War der Auftrag bei den Treverern im Vorjahr noch an ein bestimmtes Gebiet und präzise militärische Anweisungen Caesars gebunden, so ließ der Feldherr seinem Offizier (neben Befehlen zur Unterstützung der Unternehmung) durch die ungenaue Formulierung bewusst freie Hand. Erstmals kann Labienus hier als Caesars Stellvertreter in ganz Gallien mit eigenem Kommando konstatiert werden. Die Motive des Feldherren könnten hierbei die guten Leistungen seiner Offiziere bei den selbstbestimmten Operationen in den Vorjahren gewesen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Die politische Karriere in Rom: Überblick über die Herkunft des Labienus aus Picenum und seinen frühen politischen Aufstieg als Volkstribun.
II. Labienus in de bello Gallico: Analyse seiner militärischen Rolle unter Caesar und seiner wachsenden Bedeutung als Legat in den gallischen Kriegen.
III. Der Wechsel zu Pompeius: Untersuchung der historischen und persönlichen Beweggründe, die zum Übertritt des Labienus auf die Seite des Pompeius führten.
IV. Labienus bei Aulus Hirtius: Bewertung der kritischen und propagandistisch gefärbten Darstellung des Labienus im 8. Buch des Bellum Gallicum.
V. Labienus in Caesars Bellum Civile: Analyse der feindseligen Darstellung des ehemaligen Generals als Verräter in Caesars eigenem Werk über den Bürgerkrieg.
VI. Labienus in Africa: Untersuchung der Rolle des Labienus in den anonymen Anschlusswerken und der Wahrnehmung durch den Autor des Bellum Africum.
VII. Labienus in Spanien: Betrachtung seiner letzten Lebensphase an der Seite der Söhne des Pompeius bis zu seinem Tod bei der Schlacht von Munda.
Schlüsselwörter
Titus Labienus, Corpus Caesarianum, Gaius Julius Caesar, Pompeius Magnus, Gallischer Krieg, Bürgerkrieg, Bellum Gallicum, Bellum Civile, Aulus Hirtius, Seitenwechsel, Militärgeschichte, römische Politik, Propaganda, Legat, Schlacht bei Munda.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle und die literarische Darstellung des römischen Generals Titus Labienus innerhalb des Corpus Caesarianum.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die militärische Karriere unter Caesar, der folgenschwere Seitenwechsel zu Pompeius sowie die propagandistische Instrumentalisierung seiner Person in verschiedenen historischen Quellen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie sich das Bild des Labienus im Verlauf der Texte vom geschätzten Legaten zum verhassten „Verräter“ entwickelt und inwieweit diese Stilisierung durch die jeweilige Intention der Autoren (Caesar, Hirtius, Anonymi) beeinflusst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historisch-philologische Textanalyse, indem sie die Darstellungen in Caesars eigenen Werken mit den Anschlusswerken vergleicht und in den Kontext der modernen Forschungsliteratur setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von Labienus' frühen Jahren in Rom über seinen Aufstieg als Caesars wichtigster Offizier in Gallien bis hin zu seinem dramatischen Überlaufen und seinem Tod im spanischen Munda.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Labienus, Caesar, Bürgerkrieg, Propaganda, Corpus Caesarianum und das Verhältnis von Legat zu Feldherr.
Warum wurde Labienus in Caesars Schriften später negativ dargestellt?
Nach seinem Überlaufen diente Labienus Caesar als ideale Projektionsfläche für einen Verräter der Kameradschaft, was Caesar nutzte, um die Legitimität des eigenen Kampfes zu unterstreichen.
Welche Bedeutung hatte das Konsulat 48 v. Chr. für Labienus?
Historiker wie Ronald Syme spekulieren, dass Labienus möglicherweise eine politische Karriere als Konsul anstrebte, wobei unklar bleibt, ob er dies an Caesars Seite oder als eigenständiger Akteur anstrebte.
- Quote paper
- Lukas Freise (Author), 2005, Titus Labienus im Corpus Caesarianum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48045