Dieser Beitrag, welcher im Rahmen des Seminars „Wissenschaftliche Methoden im Rechnungswesen“ verfasst wurde, untersucht inwieweit die Artikel „VHB-Jourqual: Ein Ranking von betriebswirtschaftlich-relevanten Zeitschriften auf der Grundlage von Expertenurteilen“ (2004) von Henning-Thurau, Walsh und Schrader sowie “Perceptions of journal quality and research paradigm: results of a web-based survey of British accounting academics” (2005) von Lowe und Locke zu einem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt im Sinne Karl Poppers und Klaus Chmielewicz beitragen. Hierzu wurde ein Kriterienraster aufgestellt, basierend auf den Werken „Logik der Forschung“ (1984) von Karl Popper und „Forschungskonzeptionen der Wirtschaftswissenschaften“ (1994) von Klaus Chmielewicz. Anhand dieses Rasters wurden im Folgenden die genannten Artikel überprüft, ihr Inhalt in die aktuelle Diskussion eingeordnet, sowie die von den beiden Autoren verwandten Forschungskonzeptionen dargestellt. Dabei galt es, den Gegenstand und die Ziele der Artikel herauszuarbeiten und die Frage zu beantworten, ob und auf welche Weise diese zu einem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt führen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Inhaltliche Einordnung und Darstellung der Beiträge
2.1 “VHB-JOURQUAL: Ein Ranking von betriebswirtschaftlich-relevanten Zeitschriften auf der Grundlage von Expertenurteilen“
2.2 “Perceptions of journal quality and research paradigm: results of a web-based survey of British accounting academics”
3 Kritische Würdigung der Beiträge
3.1 Erläuterung der verwendeten Kriterienraster
3.1.1 Kriterienraster nach Chmielewicz
3.1.2 Kriterienraster nach Popper
3.2 Überprüfung auf Erkenntnisfortschritt: „VHB-JOURQUAL: Ein Ranking von betriebswirtschaftlich-relevanten Zeitschriften auf der Grundlage von Expertenurteilen“
3.2.1 Überprüfung auf Erkenntnisfortschritt nach Chmielewicz
3.2.2 Überprüfung auf Erkenntnisfortschritt nach Popper
3.2.3 Abschließende Bewertung
3.3 Überprüfung auf Erkenntnisfortschritt: “Perceptions of journal quality and research paradigm: results of a web-based survey of British accounting academics”
3.3.1 Überprüfung auf Erkenntnisfortschritt nach Chmielewicz
3.3.2 Überprüfung auf Erkenntnisfortschritt nach Popper
3.3.3 Abschließende Bewertung
4 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit zwei spezifische Zeitschriften-Rankings zu einem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt im Sinne von Karl Popper und Klaus Chmielewicz beitragen, indem sie diese anhand wissenschaftstheoretischer Kriterienraster analysiert und deren methodische sowie inhaltliche Qualität bewertet.
- Wissenschaftstheoretische Analyse von Zeitschriften-Rankings
- Kritische Anwendung von Kriterienrastern nach Popper und Chmielewicz
- Vergleich zwischen empirischer Forschung und pragmatischer Zielsetzung
- Evaluation von Erkenntnisfortschritt im betriebswirtschaftlichen Rechnungswesen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Kriterienraster nach Chmielewicz
Nach Klaus Chmielewicz kann wissenschaftliches Arbeiten auf vier Ebenen stattfinden. Zentrales Ziel ist der Erkenntnisfortschritt, die Annäherung an die „Wahrheit“. Auf der ersten Ebene findet Begriffslehre statt, welche sich um Festlegung präziser Begriffsabgrenzungen und der Definition eines Sprachsystems bemüht. Das Wissenschaftsziel ist hier essentialistisch, es geht um die Erfassung des Wesensgehalts von Objekten. Zweite Ebene ist die Theorie, welche versucht Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge durch Zusammenfassung von Begriffen zu theoretischen Aussagen zu verdichten. Es sollen generelle Aussagen über kausale Beziehungen getroffen werden, um letztlich Erklärungen und Prognosen zu ermöglichen.
Diese sollen logisch determiniert und über Beweise überprüfbar sein. Die dritte Ebene ist die Politik, auf welcher Ziel-Mittel-Systeme durch Überführung der untergeordneten, theoretischen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge identifiziert werden sollen. Es sollen generelle Aussagen technologischer Art aufgestellt werden, welche faktisch determiniert bzw. empirisch verifiziert werden können. Auf der vierten Ebene steht die Philosophie, welche die Formulierung von normativen Aussagen zum Ziel hat. Es sollen Werturteile über technologische Ziele, Mittel und deren Nebenwirkungen gebildet werden. Es handelt sich dabei um generelle Aussagen mit normativem Charakter, die einen deutlichen Anweisungsgehalt besitzen. Wissenschaftliches Arbeiten kann auf jeder dieser Ebenen angesiedelt sein, wobei die Ebenen zwei bis vier jeweils auf der Begriffslehre aufbauen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor, ob ausgewählte Zeitschriften-Rankings einen wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt im Sinne von Popper und Chmielewicz leisten.
2 Inhaltliche Einordnung und Darstellung der Beiträge: Dieses Kapitel präsentiert die untersuchten Artikel von Henning-Thurau et al. sowie Lowe und Locke und erläutert deren Hintergrund sowie die angewandten Methoden.
3 Kritische Würdigung der Beiträge: Hier erfolgt eine detaillierte wissenschaftstheoretische Analyse anhand der Kriterien von Chmielewicz und Popper sowie die daraus abgeleitete Beurteilung der beiden Fachartikel.
4 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit stellt fest, dass beide Beiträge primär pragmatische Zwecke verfolgen und keinen klassischen wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt liefern, es sei denn, ihre Ergebnisse erlangen in Zukunft normative Gültigkeit.
Schlüsselwörter
Wissenschaftstheorie, Zeitschriften-Ranking, Erkenntnisfortschritt, Karl Popper, Klaus Chmielewicz, Betriebswirtschaftslehre, Expertenurteil, Zitationsanalyse, normative Theorie, positive Theorie, empirische Forschung, Qualitätsmessung, Konstruktivismus, kritischer Rationalismus, Methodik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert zwei konkrete Zeitschriften-Rankings im Bereich der Betriebswirtschaftslehre auf ihre wissenschaftliche Fundierung und ihren Beitrag zum Erkenntnisfortschritt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstelle zwischen betriebswirtschaftlicher Forschungspraxis und Wissenschaftstheorie, insbesondere bei der Evaluierung von Zeitschriftenqualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Beantwortung der Frage, ob und auf welche Weise die analysierten Rankings nach wissenschaftstheoretischen Maßstäben einen echten Fortschritt erzielen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine deduktive und deskriptive Analyse auf Basis der Kriterienraster von Karl Popper und Klaus Chmielewicz angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Artikel sowie deren tiefgreifende Prüfung auf den Ebenen der Begriffslehre, Theorie, Politik und Philosophie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe umfassen Wissenschaftstheorie, Erkenntnisfortschritt, Zeitschriften-Ranking und betriebswirtschaftliche Forschungsmethodik.
Warum ist das Kriterienraster nach Chmielewicz für diese Arbeit so relevant?
Chmielewicz ermöglicht es, Arbeiten nicht nur nach klassischer Wahrheitsfindung, sondern auch nach ihrer normativen Gültigkeit zu beurteilen, was für praxisorientierte Rankings entscheidend ist.
Inwiefern beeinflusst der Konstruktivismus die Bewertung der Rankings?
Da die Rankings eher pragmatische Ziel-Mittel-Beziehungen als reine Kausalzusammenhänge aufstellen, ordnet die Arbeit sie dem Bereich des Konstruktivismus zu.
Können die Rankings als empirisch-wissenschaftlich gelten?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Rankings zwar empirische Daten nutzen, aber eher den Charakter einer verbal-analytischen Forschung haben und somit keine Theorien im strengen Sinne falsifizieren.
- Quote paper
- Felix Leuschner (Author), Moritz Bauer (Author), 2005, Wissenschaftliche Methoden im Rechnungswesen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48052