Wahlen, wirtschaftliche Entwicklung und Kriege


Seminararbeit, 2005

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
Vorstellung eines theoretischen Modells
1.1 Annahmen und Definitionen des Modells
1.2 Die Aussagen des Modells
1.3 Die Aussagen der Erweiterung des Modells

2 Vorstellung einer empirischen Untersuchung
2.1 Markovketten
2.2 Die Anwendung in der UntersuchungAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Vorstellung der Ergebnisse und Vergleich der Untersuchungen
3.1 Ergebnisse der empirischen Untersuchung für das theoretischen Modell
3.2 Ergebnisse der empirischen Untersuchung von Blomberg und Hess
3.3 Vergleich der empirischen Untersuchungen

4 Methodische Einordnung und Würdigung des theoretischen Modells

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Wahrscheinlichkeit von Kriegen: 1953-1988

Tabelle 2: Wahrscheinlichkeit von großen und kleinen Kriegen: 1948-1988

Tabelle 3: Schätzungen eines Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenMarkovprozesses für externe Konflikte

1 Einleitung

„Long before the appointed day (of a Presidential election) arrives, the election becomes the greatest, and one might say the only, affair occupying men`s mind….

The President…no longer rules in the interest of the state, but in that of his own reelection…”

Alexis de Tocqueville, Democracy in America, 1848

Wie dieses Zitat zeigt, wird in der Politik- und Wirtschaftswissenschaft schon lange der Sorge nachgegangen, dass der Regierende eines Landes seinen Entscheidungsspielraum nicht im Sinne der sozialen Wohlfahrt nutzt, sondern im Sinne der Beeinflussung seiner Wiederwahl.[1]Er kann bei Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik zu seinen Gunsten handeln ebenso wie bei der Frage, ob ein Krieg begonnen werden soll oder nicht.

Diese Arbeit konzentriert sich auf die zuletzt genannte Entscheidungsmöglichkeit und hat die Beantwortung der Frage zum Ziel, ob und welchen Zusammenhang es zwischen Wahlen, der wirtschaftlichen Entwicklung und Kriegen gibt.

Im Rahmen der „New Political Economy“ ist ein theoretisches Modell entwickelt worden, welches sich mit diesem Thema beschäftigt. Es wurde von den Autoren Hess und Orphanides 1995 aufgestellt und soll zu Beginn dieser Arbeit vorgestellt werden. Es analysiert die politische Nutzung von Kriegen in Verbindung mit dem Wahlzyklus und der Wirtschaftsleistung. Es wird die jeweilige Situation beschrieben, die daraus resultierende optimale Strategie abgeleitet und eine generell gültige Aussage getroffen. Die Autoren haben 1999 eine Erweiterung des Modells vorgestellt, welche die Größe von Kriegen in die Überlegungen einbezieht. Die Aussagen, die sich hieraus ergeben, werden ebenfalls erläutert.

Es folgt anschließend eine Erklärung der Funktionsweise von Markovketten , da diese Methodik in einer empirische Untersuchung verwendet wird. Diese wird vorgestellt und wie die Autoren Blomberg und Hess diese Methodik in ihrer Untersuchung anwenden.

Daraufhin werden die Ergebnisse der drei beschriebenen Erhebungen vorgestellt. Sie werden miteinander verglichen und es wird gezeigt, wodurch sich die Abweichungen erklären lassen.

Schließlich wird das theoretische Modell methodisch eingeordnet und gewürdigt.

Vorstellung eines theoretischen Modells

1.1 Annahmen und Definitionen des Modells

[2]Die Autoren Hess und Orphanides unterscheiden in ihrem Modell zwischen unvermeidbaren und vermeidbaren Kriegen. Es wird angenommen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen unvermeidbaren Krieg unabhängig von Wahlen und der wirtschaftlichen Entwicklung ist. Der Regierende des Landes hat in diesem Fall keinen Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen einen Krieg. Wohingegen er bei einem vermeidbaren Krieg beeinflussen kann, ob er ihn beginnt oder nicht.

Weiterhin wird angenommen, dass die Wähler rational und risikoneutral sind. Es wird davon ausgegangen, dass für die Wähler folgende zwei Eigenschaften des Regierenden von Bedeutung sind: seine Kompetenz die Wirtschaft zu leiten und seine Kompetenz einen Krieg zu führen, was die Fähigkeit beinhaltet die damit verbundenen Kosten zu minimieren. Die erstgenannte Eigenschaft wird mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenbezeichnet und kann vollständig beobachtet und erlernt werden sobald der Regierende einmal im Amt ist. Diese Information steht dann allen kostenlos zur Verfügung. Die zweitgenannte Eigenschaft wird mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten bezeichnet und kann nur herausgefunden werden, wenn der Regierende tatsächlich einen Krieg führt. Die Autoren gehen in ihrer ersten Darstellung des Modells von 1995 davon aus, dass diese Information vollständig gewonnen ist, sobald der Regierende einmal einen Krieg geführt hat. Außerdem nehmen sie hier an, dass Kriege eine wohlfahrtsreduzierende Wirkung haben und somit immer mit Kosten verbunden sind. Es wird unterstellt, dass diese beiden Fähigkeiten über die gesamte Amtszeit andauern.

Zwischen den Wählern, den zur Wahl stehenden Kandidaten und dem amtierenden Regierenden herrscht Informationssymmetrie, da sie alle gleich viel bzw. wenig Informationen über Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten haben.

Das Modell beschränkt sich nur auf Demokratien und nimmt an, dass eine Wahl immer nur zwischen zwei neuen Kandidaten oder zwischen einem alten und einem neuen Kandidaten stattfinden kann, wie es in den Vereinigten Staaten der Fall ist. Außerdem kann eine Person maximal zwei Perioden im Amt sein.

Unter Krieg wird in dieser Theorie eine internationale Krise verstanden, in welche das Land mit direkter militärischer Aktivität involviert ist, die zu Gewalttätigkeit führt.[3]

1.2 Die Aussagen des Modells

Beginnend mit der Darstellung der Ziele der Wähler und des Regierenden, werden die optimalen Strategien für den Regierenden in der jeweiligen Situation abgeleitet. Anschließend wird in Kapitel 2.3 auf die Aussagen eingegangen, die sich ergeben, wenn die Größe von Kriegen berücksichtigt wird.

Das Ziel der Wähler ist die Maximierung ihrer Wohlfahrt Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (1)

Hierbei bezeichnetAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten einen Diskontierungsfaktor, der zwischen 0 und 1 liegt, t stellt einen Zeitindex dar, s einen Startindex und E steht für Erwartungswert. Der Konsum c hängt von den beiden oben genannten Fähigkeiten des Regierenden Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten ab. Es wird angenommen, dass Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltennicht negativ ist mit einem Mittelwert von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund der Unterstützung (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten) und dass Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltennicht positiv ist mit einem Mittelwert von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund der Unterstützung Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für den Fall, dass es zu keinem Krieg kommt, gilt c=Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Kommt es zu einem Krieg, dann gilt c=Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten+Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Das Ziel des Regierenden ist die Maximierung von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, einer konvexen Kombination aus sozialer Wohlfahrt und der Rendite, die er erzielt, wenn er im Amt bleibt. Er kann maximal zwei Perioden regieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (2)

Der erste Term der Gleichung stellt die soziale Wohlfahrt dar, die der Regierende in Abhängigkeit von seiner Selbstsüchtigkeit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten mit (1-Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten)gewichtet.Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenliegt zwischen 0 und 1. Je stärker sich Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten der 1 nähert, umso selbstsüchtiger ist der Regierende und die soziale Wohlfahrt erhält eine umso geringere Bedeutung. Je näher Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten dem Wert 0 kommt, umso weniger selbstsüchtig ist er und der Regierende berücksichtigt Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten umso stärker. Der zweite Term der Gleichung berechnet die Rendite des Regierenden, die er erhält, wenn er zwei Perioden im Amt ist, gewichtet mit seiner Selbstsüchtigkeit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Hierbei ist x die Rendite des Regierenden, wobei x>0 ist. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltensteht für die Wahrscheinlichkeit, die in der Periode t gilt, während der Periode t+1 noch im Amt zu sein. Die Rendite der zweiten Amtszeit wird mit dem Faktor Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten diskontiert. Ist Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0, verbleibt dem Regierenden nur noch Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenx aus der zweiten Hälfte der Gleichung, da er zukünftig nicht mehr im Amt sein kann.

Die Wahrscheinlichkeit eines unvermeidbaren Krieges wird mit dem Parameter Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten beschrieben und die Wahrscheinlichkeit eines vermeidbaren Krieges mit dem Parameter Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Der zeitliche Ablauf in der Periode t ist wie folgt: Es wird gewählt. Die Wähler lernen Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenüber den Gewählten - wenn sie es nicht schon von vorherigen Periode wissen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltentritt ein unvermeidbarer Krieg ein. Wenn es nicht zu einem Krieg gekommen ist, entscheidet der Regierende ob er einen Krieg startet. Wenn ein Krieg stattgefunden hat, dann wird Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltengelernt – wenn es nicht schon aus der vorherigen Periode bekannt ist. Der auftretende Konsum entspricht Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, wenn es zu keinem Krieg gekommen ist, ansonsten entspricht er Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Der Regierende realisiert eine Rendite von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. In der Periode t+1 findet wieder eine Wahl statt.

Nun wird der Frage nachgegangen, welche Strategie für den Amtierenden in welcher Situation optimal ist. Sollte er seinen Entscheidungsspielraum ausnutzen und einen vermeidbaren Krieg initiieren, damit er wiedergewählt wird oder nicht? Wenn von der Situation ausgegangen wird, dass der Regierende nicht wiedergewählt werden kann, da er schon die zweite und damit letzte Periode im Amt ist, dann ist seine KriegsführungskompetenzAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenfür ihn ohne Nutzen. Wenn er einen Krieg initiiert gilt: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund wenn er keinen Krieg beginnt: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Der Index w steht für Krieg, der Index n für keinen Krieg und der Index i für den momentan Regierenden. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten setzt sich ausAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenbzw.Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten summiert mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenzusammen, da in der nächsten Periode ein neuer Kandidat gewählt werden muss. Die erwartete soziale Wohlfahrt Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten in der Folgeperiode ist für alle Kandidaten gleich, da sie noch keine ihrer Eigenschaften unter Beweis stellen konnten, diskontiert mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Der Term Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten aus Gleichung (2) entfällt, da Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten ist. Unter der Annahme, dass Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, folgt Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Somit ergibt sich die erste Aussage des Modells:Ein Regierender, der nicht wiedergewählt werden kann, initiiert keinen vermeidbaren Krieg.

Die Autoren bezeichnen Regierende in diesem Fall als „lahme Enten“.

In einer Situation, in welcher der Amtierende für die zweite Amtszeit wiedergewählt werden kann, vergleichen die Wähler Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten stellt , wie bereits erwähnt, den erwarteten, diskontierten Gegenwartswert für alle zukünftigen Perioden dar, die mit der Wahl eines neuen Kandidaten verbunden sind. Aus der o.g. ersten Aussage ergibt sich, dass es in der zweiten Amtszeit nur zu unvermeidbaren Kriegen kommen wird, daher istAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Die erwartete soziale Wohlfahrt der Wähler bei der Wiederwahl des alten Kandidaten ist: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Der Regierende gewinnt die Wahl, wenn die mit ihm verbundene erwartete Wohlfahrt größer ist als die mit einem neuen Kandidaten verbundene erwartete Wohlfahrt: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Es muß folglich gelten, dass Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten bzw. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Die zweite Aussage des Modells ist somit:Die Wähler werden den Amtsinhaber nur dann wiederwählen, wenn ihre erwartete Wohlfahrt größer ist als bei der Wahl eines Neuen, d.h. wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Es soll nun betrachtet werden, wie der Regierende innerhalb seiner ersten Amtsperiode entscheidet, ob er einen Krieg beginnt oder nicht. Wenn er keinen Krieg initiiert, wird er nur die Wiederwahl verlieren, falls seine Leistungen in der Wirtschaftsleitung sehr schlecht sind: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Hierbei ist Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendas kleinste Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, das ausreicht, ohne einen Krieg die Wiederwahl für sich zu entscheiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (3)

Da die Wähler ohne Krieg keine Information über Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten haben, können sie nur vom Mittelwert der Verteilung, nämlich Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, ausgehen. Wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, braucht er keinen Krieg zu beginnen.

Sind seine Fähigkeiten zur Führung der Wirtschaft aber so schlecht, dass diese selbst durch die beste Leistung in der Kriegsführung, d.h.Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten hat den Wert 0, nicht ausgeglichen werden können, dann wird er die Wahl verlieren. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenist hier also nicht negativ. Für den Wahlausgang ist es dann nicht relevant , ob er einen Krieg führt oder nicht. Diese geringe Fähigkeit wird mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(4)

Hieraus lässt sich die dritte Aussage ableiten:Ein Regierender, bei dem Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten oder Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, wird keinen vermeidbaren Krieg initiieren.

Schließlich wird eine solche Situation betrachtet, in der eine Kriegsentscheidung die Wahrscheinlichkeit der Wiederwahl verbessern kann, d.h. wenn wie in der dritten Aussage gilt, dass: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. DasAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenunter der Bedingung des Auftretens von einem Krieg und einer Wiederwahl bei einem gegebenem Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, wird mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten bezeichnet und berechnet sich wie folgt: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Wie bereits erläutert, wird der Regierende nur wiedergewählt, wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Je schlechter Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten ist, umso besser mussAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten sein. Die Wiederwahlwahrscheinlichkeit unter der Bedingung, dass er wegen eines Krieges gewählt wird bei gegebenem Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenist: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, wobei Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendie Verteilungsfunktion von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenbeschreibt. Wenn ein Krieg geführt wird, ist der erwartete Nutzen des Regierenden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (5)

Innerhalb der eckigen Klammer wird die soziale Wohlfahrt berechnet. Die ersten beiden Summanden beziehen sich auf die erste Amtszeit und die zweiten beiden Summanden auf die zweite Amtszeit. Die zuletzt genannten beziehen sich zum einen auf die Wahrscheinlichkeit nicht wiedergewählt zu werden und zum anderen auf die Wahrscheinlichkeit die Wahl zu gewinnen. Ohne das Führen eines Krieges kann der erwartete Nutzen für den Regierenden wie folgt beschrieben werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (6)

Durch Subtraktion der Gleichung (6) von (5) ergibt sich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (7)

Falls der Regierende absolut selbstsüchtig ist, d.h.Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, ist das Ergebnis aus Gleichung (7) positiv. Daher wird er einen Krieg gegenüber dem Frieden immer bevorzugen, wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten innerhalb des in Aussage 3 genannten Bereiches liegt, d.h. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Ist der Regierende jedoch komplett selbstlos, d.h. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, ergibt sich ein negativer Wert. Er wird sich nicht für einen vermeidbaren Krieg entscheiden, wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Das kleinste Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, das gerade noch zu einem vermeidbaren Krieg führen könnte wird mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten bezeichnet und es gilt: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, falls Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, falls Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten und Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten ist für Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten die einzige Null für die übrigen Werte von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenDie vierte Aussage des Modells lautet somit:Falls es nicht zu einem unvermeidbaren Krieg kommt, wird der Regierende während seiner ersten Amtszeit nur dann einen Krieg initiieren, wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Dies ist die zentrale Aussage, die anders ausgedrückt besagt, dass das Vorkommen von vermeidbaren Kriegen immer dann häufiger ist, wenn innerhalb der ersten Amtsperiode eines Regierenden eine Rezession herrscht als wenn eine Expansion auftritt. Die Wahrscheinlichkeit für einen Krieg läßt sich aus der Summe von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten und Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenberechnen. Aus Aussage 4 kann nun Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenfolgendermaßen ermittelt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (8)Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

G stellt die Verteilungsfunktionen von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten bzw. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten dar.

Im folgenden soll auf die weitere Arbeit der Autoren Hess und Orphanides eingegangen werden, die sie 1999 veröffentlicht haben.[4]

1.3 Die Aussagen der Erweiterung des Modells

Hess und Orphanides gehen nun ergänzend auf die Größe von Kriegen ein. Die Annahme der perfekten Beobachtung von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, sobald ein Krieg geführt wird, wird aufgehoben. Vielmehr gehen die Autoren in dieser Untersuchung davon aus, dass Kriege mit kleinem Ausmaß nicht so teuer sind wie große Krieg. Dafür sind sie aber auch weniger informativ bezüglich Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Durch diese Veränderung der Annahmen ergibt sich, dass Kriege nicht nur wohlfahrtsreduzierend sein können. Der Konsum verändert sich bei dieser Betrachtung folgendermaßen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (9)

Mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenist die Größe des Krieges in der Periode t dargestellt.

Wenn der Regierende nicht noch mal gewählt werden kann, besteht wie oben erläutert kein Anreiz für einen vermeidbaren Krieg. Daher beschränken sich die erwarteten Kosten auf unvermeidbare Kriege und berechnen sich wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (10)

Wenn s den Wert 1 besitzt, dann handelt es sich um einen großen Krieg; wenn s=Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, dann ist der Krieg klein und wenn s den Wert 0 hat, dann gibt es keinen Krieg. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenist ein Indikator für die relativen Kosten eines kleinen Krieges versus eines großen Krieges bei gegebenen Fähigkeiten des Regierenden. Dies ist ein fixer Parameter, der nicht vom Regierenden gewählt werden kann. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten beschreibt den Anteil an unvermeidbaren Kriegen, die klein sind mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.Die beste Schätzung der Wähler der Eigenschaft Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendes Regierenden ist mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendargestellt. Der Term in der Klammer wird mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenzusammengefasst. Die o.g. zweite Aussage kann nun dahingehend präzisiert werden, dass die Wähler den Amtierenden nur dann wiederwählen, wennAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Es stellt sich hierbei die Frage nach dem Informationsgehalt von Kriegen. Wie bilden die Wähler ihre Schätzung Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten? Der Mittelwert der Verteilung von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, der durch die Beobachtungen der letzten Periode gebildet wurde lautet: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten ist dabei eine Zufallsvariable mit der vorherigen Verteilung von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Wenn es zu keinem Krieg kommt, ist Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten und Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Kommt es jedoch zu einem Krieg, ist die Schätzung folgendermaßen: Große Kriege sind informativer als kleine Kriege, wenn davon ausgegangen wird, dass die Kosten eines großen Krieges die wahren Fähigkeiten des Regierenden perfekt reflektieren, hingegen bei einem kleinen Krieg nur imperfekt. Die Kosten eines kleinen Krieges lauten: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Wobei der zweite Parameter die beobachteten Fähigkeiten bezüglich der Krieges beschreibt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (11)

Hierbei misst Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenden relativen Informationsgehalt von kleinen Kriegen. Wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0 ist, dann sind kleine Kriege genauso informativ wie große Kriege. Ist jedoch Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=1, dann sind kleine Kriege komplett uninformativ über das wahre Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Bei gegebenem Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten schätzt der Wähler Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (12)

Für den Fall, dass ein Krieg nicht informativ ist, stimmen die Überlegungen mit denen für eine Situation ohne Krieg überein: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Ist ein Krieg vollständig informativ, sind Schätzung und Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten gleich und die Verteilung von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten entspricht der Verteilung von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Bei einem kleinen Krieg, der nur teilweise informativ ist, wird die Verteilung, von welcher die Schätzung für Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten gebildet wird, schmaler sein als bei einem großen Krieg. Beide Verteilungen sind dabei bei Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten zentriert.

Welche Konsequenzen ergeben sich für die soziale Wohlfahrt durch Kriege und ihre Größe? Wenn kein Krieg geführt wird, dann haben die Wähler keine neue Information; sie haben weiterhin nurAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Wie bereits erläutert wird der Regierende nur wiedergewählt, wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, wobei Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (13)

Die soziale Wohlfahrt lautet daher:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (14)

Die Wähler können im Falle eines Krieges die Schätzung Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenneu anpassen. Es läßt sich der kleinste Wert von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, der in einer Wiederwahl resultiert bei gegebenem Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, berechnen mit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (15)

Die erwartete soziale Wohlfahrt bei einem kleinen Krieg ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (16)

und bei einem großen Krieg:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (17)

Die Indices s und b bezeichnen kleine bzw. große Kriege und Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten bzw. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenkennzeichnen die erwarteten Fähigkeiten in der Kriegsführung eines wiedergewählten Regierenden, der einen vermeidbaren kleinen bzw. großen Krieg initiiert.

Welche Entscheidung trifft nun ein komplett wohlwollender Regierender, der nicht selbstsüchtig ist, d.h. wenn Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenist? Ob er sich für einen kleinen vermeidbaren Krieg oder für keinen Krieg entscheidet ist abhängig vom Ergebnis folgender Gleichung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (18)

Für den Fall, dass Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, ist ohne Krieg keine Wiederwahl möglich, d.h. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Daher fällt der letzte Term in Gleichung (18) weg. Der erste Term ist negativ, da er Kosten darstellt. Der zweite Term ist nicht-negativ, da er den potentiellen Informationsgehalt eines kleinen Krieges beschreibt. Im Ergebnis kann der Nutzen der Information die Kosten übersteigen, wenn die Kosten sehr gering sind.

Gilt der andere Fall, nämlich dass Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, dann besteht auch ohne Krieg die Sicherheit der Wiederwahl, d.h. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Hier gilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. (19)

Der erste Term beschreibt die erwarteten Kosten, der zweite Term den potentiellen Verlust eines Regierenden, der ohne Krieg wiedergewählt wird und der dritte Term den Nutzen, der aus den Informationen gewonnen werden kann. Ob das Ergebnis positiv oder negativ ist, hängt somit von den relativen ökonomischen Kosten und dem Nutzen der Information eines kleinen Krieges ab. Insgesamt läßt sich eine ergänzende Aussage des Modells festhalten:Wenn kleine Kriege ausreichend geringe Kosten beinhalten und der Regierende komplett wohlwollend ist, dann kommt es in der ersten Amtszeit häufiger zu kleinen Kriegen.

Ein Amtierender, der aber komplett selbstsüchtig ist, kümmert sich nur um seine Wiederwahl und nicht um die soziale Wohlfahrt, d.h.Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Auch er wird keinen Krieg starten, wenn


[...]

[1]Vgl. Rogoff, Sibert (1988): „Elections and Macroeconomic Policy Cycles“,Review of Economic Studies, 55, S.1-16 und vgl. Downs (1957):An Economic Theory of Democracy

[2]Vgl. Hess, Orphanides (1995): „War Politics: An Economic, Rational-Voter Framework“,American Economic Review, 85, S. 828-846 und vgl. Hess, Orphanides (2001): “Economic Conditions, Elections and the Magnitude of Foreign Conflicts”,Journal of Public Economics, 80, S. 121-140

[3]Vgl. Hess, Orphanides (1995): „War Politics: An Economic, Rational-Voter Framework“,American Economic Review, 85, S. 828-846

[4]Vgl. Hess, Orphanides (2001): “Economic Conditions, Elections and the Magnitude of Foreign Conflicts”,Journal of Public Economics, 80, S. 121-140

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Wahlen, wirtschaftliche Entwicklung und Kriege
Hochschule
Universität Hamburg  (Arbeitsbereich für Makroökonomie und quantitative Wirtschaftspolitik)
Veranstaltung
Ausgewählte ökonomische Analysen zum Thema Terrorismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V48104
ISBN (eBook)
9783638448970
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahlen, Entwicklung, Kriege, Ausgewählte, Analysen, Thema, Terrorismus
Arbeit zitieren
Cosima Lütge (Autor), 2005, Wahlen, wirtschaftliche Entwicklung und Kriege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48104

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