Die Hamburger Schreibprobe


Hausarbeit, 2005

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Begriffsklärung und Zielsetzung der Hamburger Schreibprobe

2 Der Aufbau der Hamburger Schreibprobe
2.1 Die Wortauswahl
2.2 Die Rechtschreibstrategien
2.2.1 Die Logographemische Strategie
2.2.2 Die Alphabetische Strategie
2.2.3 Die orthographische Strategie
2.2.4 Die morphematische Strategie
2.2.5 Die wortübergreifende Strategie

3 Die Ermittlung individueller Rechtschreibleistung
3.1 Allgemeine Vorgehensweise
3.2 Interpretation von Strategieprofilen
3.2.1 Das Beispiel Meikel und René
3.2.2 Förderung bei Strategiedefiziten

4 Die Entwicklung der Hamburger Schreibprobe
4.1 Gründe für die Entwicklung
4.2 Theoretische Grundannahmen
4.3 Empirische Grundlagen
4.3.1 Daten zur Verfahrensentwicklung
4.3.1.1 Stichprobe für die Vergleichswerte
4.3.1.2 Trennschärfe und Differenzierungsmöglichkeit der Schreibaufgabe
4.3.1.3 Reliabilität und Stabilität
4.3.1.4 Objektivität der Auswertung

5 Kritische Bewertung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Begriffsklärung und Zielsetzung der Hamburger Schreibprobe

Der Schriftspracherwerb in der Grundschule arbeitet im Idealfall präventiv, diagnostisch und bietet Fördermöglichkeiten an. Hierbei stellt die Hamburger Schreibprobe (HSP) ein neuartiges, diagnostisches Gesamtkonzept zur Erfassung des orthographischen Strukturwissens und der grundlegenden Rechtschreibstrategien dar und bietet Fördermaßnahmen an. Verschiedene Versionen für die 1. bis zur 9. Klasse ermöglichen eine Erfassung der Lernfortschritte individueller oder klassenbezogener Leistungen über längere Zeit hinweg.[1]

Die Ziele des Rechtschreibtests liegen vor allem in der objektiven Analyse von Problemen, in der Ableitung von Handlungen zur individuellen Förderung und in der Einschätzung des Leistungsstandes im Vergleich zur „Normentwicklung“.[2] Neben der Zuordnung der individuellen Schreibungen zu dominanten Rechtschreibstrategien ist die Ermittlung der allgemeinen Rechtschreibleistung oberstes Ziel der HSP.[3]

Die HSP zielt besonders auf den unteren Leistungsbereich, da nicht nur die Fehler, sondern Gekonntes im Mittelpunkt stehen und eine feine Analyse der Verschreibungen durch die Lehrerin ermöglicht.

Inwieweit die HSP diesen Anforderungen gerecht wird, soll im Folgenden geprüft werden, indem zuerst der Aufbau, sodann die Ermittlung der Rechtschreibleistung und die Entwicklung der HSP beschrieben und in einem letzten Punkt kritisch beleuchtet werden.

2 Der Aufbau der Hamburger Schreibprobe

Die HSP besteht aus Einzelwörtern und Sätzen, wobei die Wörter durch Illustrationen veranschaulicht werden. Der erste Test in der ersten Klasse ist in drei verschiedene Teile untergliedert: Bildbenennung, freier Text und Wortzusammensetzungen. Dieser Aufbau wird beim zweiten Test der ersten Klasse bis auf einige Ergänzungen beibehalten.

Der kurze, übersichtliche Aufbau wurde dafür konzipiert, ein individuelles Lerntempo zu ermöglichen. Dabei liegt die durchschnittliche Bearbeitungszeit deutlich unter 45 min. und ist damit gerade für Kinder geeignet, die sich aufgrund von Konzentrationsproblemen Testsituationen nur schwer unterziehen lassen.

Neben den Testvordrucken besteht auch die Möglichkeit, die Schreibprobe anhand eines freien Textes des Probanden vorzunehmen. In diesem Fall wird die Auswertung dadurch erschwert, dass der Text zunächst nach den Lupenstellen hin analysiert werden muss. Diese treten in freien Texten nicht gleichmäßig auf und eventuell können deswegen keine ausreichenden Aussagen über Rechtschreibstrategien getroffen werden. Zudem kann bei einem längeren Text nicht gewährleistet werden, dass sich der Proband seines Könnens entsprechend konzentriert hat.

Die Testbögen sind aufgrund der Fehlerquellen, dem entfallenden Mehraufwand und der Erleichterung in der Auswertung den freien Texten im Normalfall vorzuziehen.

2.1 Die Wortauswahl

Die Wortauswahl wurde entsprechend der Zielsetzung, den Grundannahmen der Schreibprobe und den verschiedenen Rechtschreibphänomenen getroffen, sodass wenige geschriebene Worte den größtmöglichen Aufschluss über die Rechtschreibleistung ermöglichen. Die Wortauswahl integriert folgende Aspekte:

Die Auswahl der „Modellwörter“ bezieht sich auf keinen bestimmten Grundwortschatz oder Übergangswortschatz, der von Lehrgang zu Lehrgang unterschiedlich ausgeprägt wird.[4] Die Probanden sollen lediglich ihre Artikulation verschriftlichen und nach und nach orthographische Besonderheiten berücksichtigen.[5]

Die oben genannten Aspekte werden ihrer Art nach Rechtschreibstrategien zugeordnet, die bei der Testauswertung anhand der Lupenstellen abgelesen werden können. Diese Lupenstellen ermöglichen anhand weniger Wörter größtmöglichen Aufschluss über den Leistungsstand der Kinder.

2.2 Die Rechtschreibstrategien

Damit das Chaos verschiedener Einzelleistungen (Tabelle s.o.) eines Probanden einem Leistungsniveau zugeordnet werden kann, gliedert die HSP die ausgeführten Phänomene in vier Strategien. Anhand der Auswertung der Lupenstellen können die Strategieprofile der einzelnen Lerner ermittelt und weitere Förderungsmöglichkeiten eingeleitet werden. Dabei beeinflusst die Art des Rechtschreibunterrichts, in welchen Zeiträumen die Strategien ausgeprägt werden.[6]

2.2.1 Die Logographemische Strategie

Die logographemische Strategie ist der erste Schritt im Schriftspracherwerb. Das Kind merkt sich Symbole und Zeichen, so genannte Logos wie z.B. FANTA. Bei dieser Strategie versucht das Kind noch aus der graphischen Gestalt des Wortes auf dessen Bedeutung zu schließen und die Schreibung erfolgt noch unabhängig von Artikulation und Lautung nach dem gemerkten graphemischen Muster.[7]

2.2.2 Die Alphabetische Strategie

Die Alphabetische Strategie beschreibt die Fähigkeit, den Lautstrom der Wörter aufzuschließen und mit Hilfe von Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen schriftlich festzuhalten. Diese Zugriffsweise basiert also auf der Analyse des eigenen Sprechens und kann auch als „Verschriftlichung der eigenen Artikulation“ bezeichnet werden.[8] Ein Kind, das diese Strategie anwendet, würde statt „Fenster“ „fensta“ oder statt „spielen“ „schbiln“ schreiben. Spätestens im ersten Schuljahr sollten die Buchstabenfolge eines Wortes durch Artikulation zu bestimmen und einzelnen Phonemen( Laute) Grapheme (Buchstaben) zuzuordnen.[9]

2.2.3 Die orthographische Strategie

Diese Strategie beschreibt die Fähigkeit des Kindes, die einfachen Laut-Buchstaben-Zuordnungen der alphabetischen Strategie durch die Beachtung bestimmter orthographischer Prinzipien zu modifizieren. Bei den orthographischen Elementen unterscheidet man nochmals die Merkelemente (deren Schreibung sich der Lerner abweichend von der Lautschreibung merken muss, z.B, Hexe, statt Hekse) und die Regelemente (deren Verwendung abgeleitet werden können, wie z.B. Koffer, stehen, Hand).[10]

2.2.4 Die morphematische Strategie

Beherrscht das Kind bereits die morphematische Strategie, so ist es dazu fähig, sowohl durch die Erschließung des jeweiligen Wortstammes wie bei „Staubsauger“ und „Räuber“ (morphematisches Bedeutungswissen) wie durch Zerlegung komplexer Wörter in Wortteile wie bei Fahrrad und Geburtstag (morphologisches Strukturwissen) die Schreibung eines unbekanntes Wortes herzuleiten.[11] Diese Fähigkeit entwickelt sich meist während der Grundschulzeit aus.[12]

2.2.5 Die wortübergreifende Strategie

Diese Strategie hält die Fähigkeit des Kindes fest, beim Schreiben von Sätzen und Texten weitere sprachliche Aspekte wie die Wortart (für die Herleitung der Groß- und Kleinschreibung), die Wortsemantik (für die Zusammen – bzw. Getrenntschreibung), die Satzgrammatik (z.B. für die Kommasetzung oder die „dass“- Schreibung) und die Verwendungsart eines Satzes ( wörtliche Rede) zu beachten.[13]

3 Die Ermittlung individueller Rechtschreibleistung

3.1 Allgemeine Vorgehensweise

Die individuelle Rechtschreibleistung wird durch vier Werte ermittelt. Der erste Wert bestimmt sich aus der Zahl der richtig geschriebenen Grapheme, d.h. der Graphemtreffer und dient der Einschätzung des erreichten Niveaus des Rechtschreibkönnens. Der Wert, der aus den Graphemtreffern ermittelt wird, bildet nach Peter May „den Hauptkennwert der HSP“ und „bündelt das Maß für den erreichten Stand des Rechtschreibkönnens“.[14]

Durch die Analyse der vier Rechtschreibstrategien wird die grundlegende Zugriffsweise des Kindes auf die Schrift beschrieben und dient damit der Bestimmung des individuellen Lernstandes. Zudem können sie eventuelle Störungen des Schreiblernprozesses aufzeigen.

[...]


[1] May, Peter, 2000, S. 1

[2] Thelen, Tobias S. 2

[3] May, Peter, 2000, S.9 f

[4] May, Peter (2000), S. 13

[5] ebd., S. 10

[6] May, Peter (2000), S. 24

[7] ebd., S. 19f

[8] May, Peter (2005) S.3

[9] May, Peter (2000), S. 20f

[10] May, Peter (2005),S. 3

[11] ebd., S. 3f

[12] May, Peter (2000), S. 22

[13] ebd., S. 24

[14] ebd., S. 14f

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Hamburger Schreibprobe
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V48141
ISBN (eBook)
9783638449229
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hamburger, Schreibprobe
Arbeit zitieren
Melanie Kugler (Autor), 2005, Die Hamburger Schreibprobe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48141

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