Herz- und Kreislauferkrankungen bei Kindern und Jugendlichen


Examensarbeit, 2005

72 Seiten, Note: 2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

HAUPTTEIL

2. DAS HERZ-KREISLAUF-SYSTEM UND ERKRANKUNGEN
2.1. Aufbau des Herz-Kreislauf-Systems
2.1.1. Das Herz
2.1.2. Die Entwicklung des Herzens
2.2. Arten von Erkrankungen
2.2.1. angeborene Herzfehler
2.2.1.1. Ventrikelseptumdefekt
2.2.1.2. Vorhofseptumdefekt
2.2.1.3. Persistierender Ductus arteriosus
2.2.1.4. Aortenisthmusstenose
2.2.1.5. Aortenklappenstenose
2.2.1.6. Pulmonalklappenstenose
2.2.1.7. Fallotsche Tetralogie
2.2.1.8. Transposition der großen Arterien
2.2.1.9. Truncus arteriosus communis
2.2.1.10. Trikuspidalklappenatresie
2.2.1.11. Kompletter Atrioventrikular-Kanal
2.2.1.12. Pulmonalklappenatresie
2.2.1.13. Lungenvenenfehlmündungen
2.2.1.14. Hypoplastisches Linksherz
2.2.1.15. Singulärer Ventrikel
2.2.2. erworbene Herzfehler
2.2.2.1. Bakterielle Endokarditis
2.2.2.2. Myokarditis
2.2.2.3. Perikarditis
2.2.2.4. Aortenklappeninsuffizienz
2.2.2.5. Mitralklappeninsuffizienz
2.2.2.6. Mitralklappenstenose
2.2.2.7. Mitralklappenprolaps-Syndrom
2.2.2.8. Kawasaki-Syndrom
2.2.2.9. Anmerkungen

3. UNTERSUCHUNGSMETHODEN
3.1. Elektrokardiogramm
3.1.1. Langzeit-EKG
3.1.2. Belastungs-EKG
3.2. Röntgenbild
3.3. Echokardiographie
3.4. Kernspintomographie und Computertomographie
3.5. Kipptisch-Untersuchung
3.6. Langzeit-Blutdruckmessung
3.7. Herz-Szintigraphie
3.8. Herzschalluntersuchung
3.9. Herzkatheteruntersuchung und Angiokardiographie

4. GRÜNDE UND URSACHEN VON HERZ-KREISLAUF-ERKRAKUNGEN
4.1. Genetische Ursachen
4.2. Umwelteinflüsse
4.2.1. Strahlenbelastung
4.2.2. Erkrankungen der Mutter
4.2.2.1. Röteln und andere Virusinfektionen
4.2.2.2. Diabetes mellitus
4.2.2.3. Epilepsie
4.2.2.4. Phenylketonurie
4.2.3. Chemische Substanzen
4.2.4. Alltagsdrogen
4.3. Zufälle

5. BEHANDLUNG UND THERAPIE
5.1. Notfallbehandlung von Herzfehlern
5.1.1. Zyanotischer Herzfehler
5.1.1.1. Transposition der großen Arterien
5.1.1.2. Pulmonalklappenatresie mit intakter Kammerscheidewand
5.1.2. Blutströmungsstörungen der linken Seite
5.1.2.1. Aortenisthmusstenose
5.1.2.2. Valvuläre Aortenklappenstenose
5.1.2.3. Aortenklappenatresie mit hypoplastischer linker Kammer
5.1.2.4.Offener Ductus arteriosus bei Frühgeborenen
5.2. Behandlung von Krankheiten ohne Operation
5.2.1. Behandlung einer Herzinsuffizienz mit Medikamenten
5.2.2. Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit Medikamenten
5.2.2.1. Tachykardie
5.2.2.2. Bradykardien
5.2.2.3. Vorhof- und Kammerextrasystolen
5.2.3. Kathetereingriffe
5.2.3.1. Aortenklappenstenose
5.2.3.2. Mitralklappenstenose
5.2.3.3. Vorhofseptumdefekt
5.3. Herzfehler, die später operiert werden
5.3.1. Operationsverfahren
5.3.1.1. Operationsverfahren am geschlossenen Herzen
5.3.1.2. Operationsverfahren am offenen Herzen
5.4. Komplexe Herzkrankheiten mit differenzierter Therapie
5.4.1. Komplexe angeborene Herzfehler
5.4.1.1. Pulmonalklappenatresie mit Ventrikelseptumdefekt
5.4.1.2. Trikuspidalklappenatresie mit Unterentwicklung der rechten Kammer
5.5. Komplikationen aufgrund von Krankheit und Behandlung
5.5.1. Nebenwirkungen und Komplikationen der Medikamentenbehandlung
5.5.1.1. Digoxin
5.5.1.2. Ausschwemmende Medikamente
5.5.2. Komplikationen nach chirurgischen Eingriffen
5.5.2.1. Rhythmusstörungen nach der Operation
5.5.2.2. Später auftretende Rhythmusstörungen
5.5.2.3. Bakterielle Infektionen
5.5.2.4. Virusinfektionen
5.5.2.5. Schäden am Gehirn
5.5.2.6. Postperikardiotomie-Syndrom
5.5.2.7. Bakterielle Endokarditis

6. PRÄVENTION
6.1. Bewegungsmangel
6.2. Ernährung
6.3. Rauchen
6.4. Bluthochdruck

7. ZUSAMMENFASSUNG

8. LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1:Schema des Herzens

ABBILDUNG 2:Vorhof- und Kammerscheidewanddefekt, offener ductus arteriosus

ABBILDUNG 3:Aortenisthmusstenose und Aortenklappenstenose

ABBILDUNG 4:Pulmonalklappenstenose

ABBILDUNG 5:Transposition der großen Arterien

ABBILDUNG 6:Truncus arteriosus communis

ABBILDUNG 7:Trikuspidalklappenatresie

ABBILDUNG 8:Kompletter AV-Kanal

ABBILDUNG 9:Pulmonalklappenatresie mit Ventrikelseptumdefekt

ABBILDUNG 10:Singulärer Ventrikel

ABBILDUNG 11:Herz-Lungen-Maschine

ABBILDUNG 12:Vorhofumkehroperation nach Mustard bei der Transposition der großen Arterien

ABBILDUNG 13:Ballonvalvuloplastie der Pulmonalklappenstenose

ABBILDUNG 14:Korrektur der Fallot-Tetralogie

1. Einleitung

In Deutschland sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems die Haupttodesursache, die nicht nur ältere Menschen, sondern oft auch schon Kinder und Jugendliche betrifft. Wenn die Menschen im Sommer draußen spazieren gehen, schauen sie alle den Kindern gerne beim Spielen zu. Sie machen flinke und geschickte Bewegungen, lachen und vermitteln das Gefühl unerschöpfliche Energie zu haben. Es ist für uns so selbstverständlich, dass Kinder ein gesundes Herz-Kreislauf-System haben und ihr Körper immer mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Dass aber auch Kinder an Herz- und Kreislauferkrankungen leiden können, ist in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt. Dabei sind Herzfehler bei Säuglingen die häufigste angeborene Missbildung.

Zwar gibt es heutzutage sehr aufschlussreiche und gute Untersuchungsmethoden, um während der Schwangerschaft schon angeborene Missbildungen zu erkennen, jedoch gibt es hierbei keine absolute Sicherheit und oft ist es für die Eltern ein Schock, wenn ihr Kind mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt kommt. Es kommen dann Fragen auf, wie zum Beispiel „Wie konnte das passieren?“ und „Warum gerade bei unserem Kind?“. Die Eltern bekommen Schuldgefühle und suchen die Ursachen und Gründe bei sich selber. Aber was sind genau die Ursachen, die zu einer so schwerwiegenden Erkrankung führen? Gibt es überhaupt Möglichkeiten sich davor zu schützen?

Im Blickpunkt der vorliegenden Ausarbeitung stehen die verschiedenen Herz- und Kreislauferkrankungen als ein Thema, das uns alle betreffen kann. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der verschiedenen Erkrankungen mit ihren Behandlungsmethoden. Im Zentrum steht zudem die Fragestellung, inwiefern sich die Aussichten ändern, wenn genügend präventive Maßnahmen getroffen werden und verschiedene Gründe und Ursa­chen, die zu dieser Art von Erkrankung führen können, berücksichtigt werden. Daneben soll aber auch ein Einblick in das Herz-Kreislauf-System und die Entwicklung des Herzens sowie die möglichen Methoden zur Untersuchung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegeben werden.

Das erste Kapitel Aufbau des Herz-Kreislauf-Systems thematisiert das Herz als zentrales Organ unseres Körpers mit all seinen Aufgaben und Funktionen. Außerdem wird hier die Entwicklung des Herzens beim Embryo bis hin zum erwachsenen Menschen dargestellt.

Die verschiedenen Arten von Erkrankungen, unterteilt in die angeborenen und die erworbenen Herzfehler, stehen im Mittelpunkt der Überlegungen des zweiten Kapitels. Ob es nur ein kleiner unkomplizierter oder ein sehr komplexer Herzfehler ist, für die Eltern ist die Nachricht immer ein Schock. Kinder mit Herzfehlern müssen viele Dinge beachten, auch wenn der Fehler erfolgreich korrigiert werden kann. Das fängt bei so kleinen Dingen wie dem Zähneputzen schon an. Außerdem müssen sie zu regelmäßigen Untersuchungen gehen und können oft nur eingeschränkt am Sportunterricht teilnehmen.

Im dritten Kapitel werden die verschiedenen Untersuchungsmethoden angesprochen, durch die sich die einzelnen Erkrankungen besser lokalisieren lassen und man einen Überblick über das Ausmaß der Erkrankung bekommt. Dazu zählen neben ambulanten Untersuchungen auch Untersuchungsmethoden wie das Langzeit-EKG, die zuhause in gewohnter Umgebung gemacht werden.

Da die Eltern von erkrankten Kindern oft nicht verstehen können, wie es zu einer Fehlbildung im Bereich des Herzens kommen konnte, werden im vierten Kapitel die Gründe und Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dargestellt. Neben den genetischen Ursachen treten Einflüsse aus der Umwelt und Zufälle in Betracht.

Im fünften Kapitel Behandlung und Therapie werden die verschiedenen Behandlungs- und Therapiemethoden dargelegt. Hierbei spielt es eine Rolle, ob mit Operation oder nur Medikamenten behandelt wird und wie dringend ein operativer Eingriff ist. Außerdem wird ein kurzer Einblick in die möglichen Komplikationen gegeben, die durch die Krankheit oder ihre Behandlung ausgelöst werden können.

Wie es möglich ist sich gegen diese Arten von Erkrankungen zu schützen oder ihnen vorzubeugen wird im letzten Kapitel Prävention vorgestellt. Ob diese präventativen Maßnahmen jedoch den Menschen vor solchen Erkrankungen schützen, ist nicht erwiesen. Jedoch kann er dadurch mögliche Auslöser meiden oder verringern.

Hauptteil

2. Das Herz-Kreislauf-Systems und Erkrankungen

2.1. Aufbau des Herz-Kreislauf-Systems

2.2.1. Das Herz

Das Herz ist das zentrale Organ des Körpers, von dem aus alle wichtigen Funktionen ge­steuert werden. Durch das Herz kann das Blut den Körper mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen. Es wiegt 300 bis 500 Gramm (0,4 – 0,5 % des Körpergewichtes) und hat beim Erwachsenen Menschen die Größe einer geballten Faust. Das Herz wird in das linke Herz das sauerstoffreiches Blut pumpt und das rechte Herz das sauerstoffarmes Blut pumpt, unterteilt. Es setzt sich zusammen aus dem Herzmuskel (Myokard), der ein Hohlmuskel ist und sich in die vier Abschnitte, rechte und linke Herzkammer (Ventrikel) sowie rech­ten und linken Vorhof (Atrium) gliedert, der Herzinnenhaut (Endokard) und dem Herz­beutel (Perikard). Der Herzmuskel ist anders als der Skelettmuskel aufgebaut, da er sich anders als ein Skelettmuskel, der sich kontrahiert und erst nach einiger Zeit wieder er­schlafft, andauernd abwechselnd zusammenziehen und erschlaffen muss. Die Vorhöfe dienen als eine Art Füllreservoir für das Blut aus Körper und Lunge und sind dünnwandi­ger als die Herzkammern. Die Wand der Kammern ist dick und muskulös, da sie den größten Teil der Pumpaktion übernehmen (Lewin, 1994). Es befindet sich im Me­diasti­num (Mittelteil des Brustkorbes) zwischen den Lungen und die Herzspitze liegt auf dem Zwerchfell auf und zeigt nach links unten (Culclasure, 1971: S.28).

Das Blut wird von den zwei Vorhöfen aufgenommen und einerseits durch die Trikuspi­dalklappe zwischen rechtem Vorhof und Kammer und zum anderen durch die Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und Kammer in die zwei Hauptkammern gepumpt. Durch die Klappen zwischen den Vorhöfen und Kammern wird der Rückfluss des Blutes von der Kammer in den Vorhof verhindert. Diese Klappen heißen AV-Klappen, da hier das Blut vom Vorhof (Atrium) in die Kammer (Ventrikel) fließt. Das Blut der linken Kammer fließt durch die Aortenklappe in die Körperschlagader (Aorta). Aus der rechten Kammer gelangt das Blut durch die Pulmonalklappe in die Lungenschlagader. In den bei­den Hauptkammern befinden sich sind Muskeln (Papillarmuskeln), die speziell dazu die­nen, die feinen Segel, aus denen die AV-Klappen bestehen, zu halten und zu bewegen. Aus Taschen bestehen die beiden Aterienklappen (Aortenklappe und Pulmonalklappe) die sich passiv bewegen, da sie von dem Blut, das aus der Kammer gepumpt wird, geöffnet werden. Dadurch kann das Blut nicht zurück in die Kammer fließen, da sich die Tasche bei abfallendem Druck in der Kammer aufbläht und somit der Zugang verschlossen wird (Lewin, 1994).

Es gibt einen Körperkreislauf und einen Lungenkreislauf. Beim Lungenkreislauf wird das sauerstoffarme Blut aus der rechten Herzkammer durch die Lungenschlagader in die Lun­gengefäße gepumpt. Dort gibt das Blut das Kohlendioxid ab und die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) können dann wieder neuen Sauerstoff aufnehmen. Von hier aus gelangt das mit Sauerstoff angereicherte Blut für den Körperkreislauf über die Lungenvenen in den linken Vorhof und von dort aus in die linke Herzkammer. Die linke Herzkammer pumpt es anschließend durch die Hauptschlagader durch den Körperkreislauf und es kommt dann als sauerstoffarmes Blut über die obere und untere Hohlvene in den rechten Vorhof zurück. Zwischen den beiden Vorhöfen und den beiden Kammern sind Trenn­wände, damit das sauerstoffarme und das sauerstoffreiche Blut nicht vermischt werden. Diese Trennwände heißen Septen und deshalb gibt es ein Vorhofseptum und ein Ventri­kelseptum. Die linke Herzkammer muss das Blut in den Körperkreislauf pumpen und die rechte Herzkammer nur in die Lunge. Daher ist der Druck in der linken Herzkammer beim Erwachsenen etwa fünfmal höher als in der echten Herzkammer. Diesen unter­schiedlichen Druck müssen die Septen voneinander fern halten. Die rechte Herzkammer ist darum auch dünnwandiger als die linke. Dieses ist wichtig bezüglich angeborener Herzfehler. Wenn es durch Herzfehler zu einem erhöhten Druck in der rechten Herzkam­mer und in der Lungenschlagader kommt, führt das mit der Zeit zu einer nachteiligen Veränderung der Lungengefäße. Nach etwa ein bis zwei Jahren kommt es zu dauerhaften und irreversiblen Schäden durch den hohen Druck.

Die Lungenschlagader verläuft vom Herzen aus nach links und rechts und verzweigt sich in der Lunge in ganz kleine Blutgefäße. Sie liegen neben feinen Luftwegen durch deren Trennmembran dann der Luftaustausch stattfindet. Das Kohlendioxid, das wir ausatmen wird an die Lunge abgegeben. Der neu aufgenommene Sauerstoff in der Atemluft wird durch die Lungenbläschen von den roten Blutkörperchen aufgenommen, die dann in die linke Herzkammer gelangen. Dieses Blut wird über den Körperkreislauf verteilt und der Sauerstoff kommt in die einzelnen Organe und Gewebe.

Wie oft das Herz schlägt ist vom Alter und der Aktivität jedes einzelnen Menschen ab­hängig. 40- bis 200mal pro Minute wiederholt sich der Herzschlag. Somit schlägt das Herz eines Erwachsenen im Durchschnitt mehr als 35 Millionen Mal im Jahr. Das Herz eines Neugeborenen oder Säuglings sogar doppelt so oft.

Das Reizleitsystem des Herzens ist für den geregelten Ablauf von Zusammenziehen (Systole) und Erschlaffung (Diastole) verantwortlich. Hierüber erfolgen ebenfalls die Kontrolle der Häufigkeit des Herzschlages (Herzfrequenz) sowie die Botschaft, dass sich die Vorhöfe etwas früher zusammen ziehen als die Kammern. Durch den Sinusknoten, der im rechten Vorhof liegt, wird ein elektrischer Impuls erzeugt, der als natürlicher Schrittmacher unseres Herzens dient. Dieser Impuls läuft über die beiden Vorhöfe und es kommt zu einem Druckanstieg in den Vorhöfen. Anschließend geht der Impuls weiter zum Übergang zwischen Vorhöfen und Kammern, wo der Atrioventrikularknoten (AV‑Knoten) liegt. Dieser Knoten gibt den elektrischen Impuls an die leitenden Strom­bahnen der Herzlammern weiter. Zwei Hauptleitungen (Tawara-Schenkel) existieren in der linken Kammer und in der rechten nur eine. Zu sehr feinen Fasern (Purkinje-Fasern) ver­zweigen sich die Bahnen, die den Impuls zur Kontraktion an den Herzmuskel weiter ge­ben.

Die Herzkranzgefäße, die außen auf dem Herzmuskel lang laufen, geben sauerstoffreiches Blut und Nährstoffe an den Muskel ab. Während der Erschlaffungsphase des Herzens fin­det die Durchblutung der Herzkranzgefäße für die linke Herzkammer statt. Ist der Herz­­schlag zu schnell, kann die Zeit der Versorgung des Herzmuskels zu kurz sein. Die Ver­sorgung erfolgt immer von außen nach innen, wodurch bei zu geringer Versorgung die weit innen in der Kammer liegende Muskelschicht Schaden nimmt und daher kann es auch bei einem verdickten (hypertrophierten) Herzmuskel zu Schäden kommen (Lewin, 1994).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schema des Herzens (Lewin, 1994: S.13)

Abkürzungen: 1. obere und untere Hohlvene, 2. rechter Vorhof, 3. Trikuspidalklappe,

4. rechter Ventrikel, 5. Pulmonalklappe, 6. Lungenschlagader,
7. Lungenvenen, 8. linker Vorhof, 9. Mitralklappe, 10. linker Ventrikel,
11. Aortenklappe, 12. Körperschlagader.
Blau = sauerstoffarmes Blut, Rot = sauerstoffreiches Blut

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2. Die Entwicklung des Herzens

In den ersten zehn Schwangerschaftswochen erfolgt die Entwicklung des Herzens und danach wächst es nur noch bis zur vorgesehenen Größe heran (Lewin, 1994). Das Herz des Embryos beginnt um den 17. Tag zu schlagen. Aus kleinen Zellgruppen, die sich im oberen Abschnitt des Bauchraumes befinden, entwickelt sich das Herz. Diese Zellen ent­wickeln sich zu zwei dünnen Kanälen, die sich in der Mitte des Körpers zum Herz­schlauch vereinigen, der aus ca. 3 bis 5 Schichten von Muskelzellen besteht. Um den 23. Tag besteht der Herzschlauch aus vier Schichten, der Innenschicht (Endokard), der Herz­muskulatur (Myokard), der Herzgallerte[1] in der Mitte und einer äußeren Zellschicht (Epi­kard). Es bildet sich die erste nach rechts gerichtet Schleife. Bereits am 27. Tag fließt Blut vom Herzen in den Körper des Embryos. Die Vorläufer der späteren Herzklappen heißen Endokardkissen und werden aus der Herzgallerte entwickelt. Während der Ent­wicklung des Embryos verdünnen sich die Kissen und bilden die Herzklappen und be­nachbarte Ab­schnitte der Vorhof- und Kammerscheidewand (Neill et al, 1997). Der Herz­schlauch dreht und windet sich während des Wachstums und bildet die Form eines „S“, da er viel schneller als der Embryo wächst. Herzfehler können hierbei entstehen, wenn die Drehung nicht komplett oder in die falsche Richtung verläuft. Hierdurch lässt sich auch erklären, warum manche Menschen ihr Herz auf der rechten Seite im Brustkorb haben. Aus den sich bildenden Ausbuchtungen entwickeln sich die Kammern. Die Klappen for­men sich aus Einengungen und Zellnestern, die zwischen den Ausbuchtungen liegen. Als letztes entwickeln sich die Trennwände zwischen den Kammern und Vorhöfen sowie die Aorta und Lungenschlagader. Erst nach der Geburt kommt es zu einer vollständigen Trennung des Lungen- und Körperkreislaufes. Bis dahin besteht ein ovales Loch (Fora­men ovale) in der Vorhofscheidewand und der Ductus Botalli[2], der die Verbindung zwi­schen Lungen- und Körperschlagader herstellt, damit das während der Fetalzeit für die Lunge nicht be­nötigte Blut direkt in die Aorta abgeleitet wird. Nur eine geringe Menge Blut gelangt in die Lunge, damit sie sich als vollständiges Organ entwickeln kann. Das Blut des Embryos ist Mischblut, da es keine Trennung zwischen den beiden Kreisläufen gibt und sauerstoff­armes und sauerstoffreiches Blut miteinander vermischt werden (Le­win, 1994). Nach der Geburt werden die Lungen mit dem ersten Atemzug gedehnt. Es fließt nun eine viel grö­ßere Menge an Blut durch die Lunge und kommt dann mit Sauer­stoff angereichert in den linken Vorhof, wodurch es zu einem Blutdruckanstieg kommt, der höher ist als im rechten Vorhof. Das ovale Loch zwischen den Vorhöfen wird dadurch verschlossen, dass die Membran zur Vorhofscheidewand hin verschoben wird und somit der Durchgang funkti­onell verschlossen wird. Durch den ersten Atemzug des Babys steigt außerdem der Sauer­stoffgehalt des Blutes, das führt dazu, dass die Muskelzellen in der Wand des Ductus Bo­talli kontrahieren und sich das Gefäß innerhalb von Stunden bis Ta­gen schließt. Der im Mutterkuchen produzierte Stoff Prostaglandin[3] E1 führt dazu, dass sich die Muskelzellen in der Wand des Ductus entspannen und somit nach der Trennung vom Mutterkuchen der Ductus Botalli verschwindet. Bei Frühgeborenen kann es passie­ren, dass der Ductus nach der Geburt offen bleibt. Hierdurch wird die Anpassung des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge an die Umwelt verzögert. Die Kreislaufverhält­nisse verändern sich im Laufe des körperlichen Wachstums. Mit dem Wachstum des Kin­des nimmt die Herzfrequenz ab. Das Herz wächst gleichmäßig mit der Größe des Kindes. Somit werden die Herz­kammern größer und ihre muskulären Wände dicker. Schon wäh­rend der Kindheit werden die Wände der Arterien dicker und damit unelastischer. Da das Herz-Kreislauf-System mit zunehmendem Alter auch immer mehr leisten muss, kommt es zu altersabhängigen Veränderungen. Je größer und schwerer ein Körper ist, umso mehr Sauerstoff braucht er. Durch das Abnehmen der Herzfrequenz und das größer Werden der Herzkammern steigt das Herzschlagvolumen. Das heißt, dass die Blutmenge die bei je­dem Herzschlag in den Körper gepumpt werden muss mit zunehmendem Alter und Größe ansteigt (Neill, 1997).

[...]


1 Masse komplexer Eiweißmolekühle

2 Ductus Botalli oder Ductus arteriosus

3 In vielen Körperteilen gebildete, hormonähnlich wirkende biochemische Verbindung (Neill u.a.,
1997: S.361)

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Herz- und Kreislauferkrankungen bei Kindern und Jugendlichen
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
72
Katalognummer
V48144
ISBN (eBook)
9783638449243
Dateigröße
2450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herz-, Kreislauferkrankungen, Kindern, Jugendlichen
Arbeit zitieren
Susanne Greve (Autor:in), 2005, Herz- und Kreislauferkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48144

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