Zur Beurteilung des Fraud-Risikos im Rahmen der Abschlussprüfung


Hausarbeit, 2005
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale von Fraud
2.1 Definition des Begriffs Fraud
2.2 Täter von Fraud
2.3 Motive für Fraud
2.3.1 Motive für eine Verbesserung der Unternehmenslage
2.3.2 Motive für eine Verschlechterung der Unternehmenslage
2.4 Geschädigte durch Fraud
2.5 Folgen von Fraud

3. Verantwortlichkeit zur Aufdeckung von Fraud
3.1 Nach HGB
3.2 Nach fachlichen Verlautbarungen/Berufsrichtlinien

4. Beurteilung des Fraud- Risikos und Vorgehensweise in der Abschlussprüfung
4.1 Erörterung im Prüfungsteam
4.2 Befragungen
4.2.1 Befragungen der gesetzlichen Vertreter und anderer Führungskräfte
4.2.2 Befragungen des Aufsichtsorgans

5. Berichterstattungen über Fraud und Erteilung des Bestätigungsvermerkes
5.1 Berichterstattung
5.2 Erteilung des Bestätigungsvermerkes

6. Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Wirtschaftskriminalität nimmt stetig zu. Es vergeht kaum ein Tag an dem nicht Korruption, Betrug, Unterschlagung, unerlaubte Nutzung von Unternehmensressourcen, Diebstahl oder Bilanzfälschung in den Schlagzeilen stehen.[1] Eine Umfrage von KPMG[2], die zwischen September und November unter 1000 großen deutschen Unternehmen aller Branchen durchgeführt wurde, deckte auf, dass 64% der befragten Unternehmen in den letzten drei Jahren wirtschaftskriminellen Handlungen zum Opfer gefallen sind. Etwa 80% der befragten Unternehmen rechnen sogar mit einer Zunahme wirtschaftskrimineller Delikte.[3]

Die spektakulären Betrugsfälle der letzten Jahre (in Deutschland: Balsam/Procedo, Flowtex, Comroad; International: Enron, Worldcom, Ahold, Tyco, Parmalat) haben das Vertrauen der Öffentlichkeit sowie auch der Anteilseigner, Kapitalgeber und Mitarbeiter in die Effektivität der Abschlussprüfung erschüttert.[4] Die Öffentlichkeit (laut empirischen Untersuchungen 70%) erwartet von der Abschlussprüfung, dass Fraud[5] - Fälle mit absoluter Sicherheit aufgedeckt werden. Diese Erwartungen decken sich allerdings nicht mit der Realität[6] und auch nicht mit dem in den Prüfungsnormen festgelegten Anspruchsniveau.[7] Delikte werden am häufigsten durch Hinweise von Mitarbeitern oder durch das interne Kontrollsystem aufgezeigt. Fast 40% der Fälle werden durch Zufall aufgedeckt. Wirtschaftsprüfer tragen nur zu vier Prozent zur Aufklärung bei.

Die vorliegende Arbeit definiert im Kapitel zwei den Begriff Fraud, zeigt Täter sowie Geschädigte auf, erläutert die Motive für Fraud und geht auf Folgen von Fraud ein. Es werden die Mitteilungs- und Dokumentationspflichten des Abschlussprüfers[8] erklärt. Im Kapitel drei wird aufgezeigt, inwieweit der Abschlussprüfer für die Aufdeckung von Fraud, nach gesetzlichen und anderen Vorschriften, verantwortlich ist. Im Focus dieser Arbeit steht die Beurteilung des Fraud- Risikos und die Vorgehensweise in der Abschlussprüfung in Kapitel vier. Auf die Berichterstattung im Prüfungsbericht sowie auf Folgen für den Bestätigungsvermerk wird in Kapitel fünf eingegangen. Im Kapitel sechs wird ein kurzes Fazit gegeben.

Abbildung 1: Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: verändert aus ZIR, Abwehr von Wirtschaftskriminalität und Korruption Heft 3/05

2. Merkmale von Fraud

2.1 Definition des Begriffs Fraud

Im IDW PS 210 wird von Unregelmäßigkeiten gesprochen, die zu falschen Angaben (durch fehlerhafte oder vorschriftswidrig unterlassene Angaben) im Abschluss[9] führen. Unregelmäßigkeiten sind Unrichtigkeiten und Verstöße sowie sonstige Gesetzesverstöße. Unbeabsichtigt falsche Angaben, z. B. Schreib-, Rechenfehler, Übersehen von Sachverhalten etc., gelten als Unrichtigkeiten (Fehler) und werden in dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt. Ebenso werden die sonstigen Gesetzesverstöße (beabsichtigt und unbeabsichtigt), ohne Auswirkungen auf die Rechnungslegung, nicht behandelt. Als Fraud werden Unregelmäßigkeiten bezeichnet, die zu falschen Angaben in der Rechnungslegung führen. Bei diesen beabsichtigten Verstößen (Fraud) werden folgende Formen unterschieden:

- Täuschungen (Manipulation der Rechnungslegung)

Täuschungen sind bewusst falsche Angaben im Abschluss, Fälschungen und Änderungen der Buchführung oder deren Grundlagen, Manipulation, z. B. durch Buchungen ohne Vorliegen eines Geschäftsvorfalles, Unterdrückung von Buchungsbelegen, unterlassene Buchungen etc., sowie die bewusst falsche Anwendung von Rechnungslegungsgrundsätzen.[10]. Manipulationen gehen häufig mit einer Umgehung des internen Kontrollsystems durch gesetzliche Vertreter und anderen Führungskräften einher (management override).[11]

- Vermögensschädigungen (Veruntreuung/dolose [12]Handlungen)

Vermögensschädigungen sind alle auf die widerrechtliche Aneignung oder Verminderung von Gesellschaftsvermögen sowie auf die Erhöhung von Verpflichtungen für das Gesellschaftsvermögen gerichtete Handlungen. Hierzu werden insbesondere Unterschlagung (Veruntreuung) und Diebstahl gerechnet.

Vermögensschädigungen stellen Verstöße dar, sofern sie nicht zutreffend in der Rechnungslegung abgebildet werden, anderenfalls sind sie den sonstigen Gesetzesverstößen zuzurechnen. Als Verstöße werden auch die Folgen von Gesetzesverstößen, z. B. Geldstrafen, Schadenersatzverpflichtungen, betrachtet, falls diese in der Rechnungslegung nicht zutreffend berücksichtigt sind.[13]

Ferner wird zwischen Darstellungsfälschungen (erfolgsneutral) und Ergebnisfälschungen (erfolgswirksam) unterschieden. Die Folge für beide Manipulationen ist die Gleiche:

Der Abschluss vermittelt ein nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage nach § 264 Abs. 2 HGB.[14]

Zusammenfassender Überblick:

Abbildung 2 : Unregelmäßigkeiten i. S. d. IDW PS 210

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: verändert aus: Die Wirtschaftsprüfung, 2003, S. 382

Treten Fraud- Fälle auf, sind folgende Bedingungen erfüllt

(Fraud- Triangle- Ansatz):[15]

- Möglichkeiten für Fraud sind gegeben. Kontrollmechanismen sind nicht vorhanden oder die vorhandenen Kontrollen zu schwach. Des Weiteren können Möglichkeiten bestehen, Kontrollen zu überwinden, z. B. durch das Management (management override).

In der Abschlussprüfung liegt in der Prüfung der Möglichkeiten für Fraud ein Schwerpunkt, da die übrigen Bedingungen für Fraud schwer prüfbar sind.

- Fraudulente Motivation: Es gibt ein Motiv[16] Fraud zu begehen. Der Täter erhofft sich Vorteile aus der Tat. Möglich ist auch, dass wirtschaftlicher Druck auf dem Unternehmen lastet oder ein finanzieller Engpass im Unternehmen zu Fraud „zwingt“.[17]

Dem Abschlussprüfer ist es meist nicht möglich die Motivlage der potenziellen Täter zu erfassen, da keine Prüfungshandlungen im privaten Bereich vorgenommen werden. Es lässt sich bspw. schwer feststellen, ob ein Motiv für Fraud dadurch gegeben ist, dass der potentielle Täter über seine Verhältnisse lebt.

- Geringe Moral:

Geringe Moral umschreibt die persönliche, charakterliche, kulturelle Komponente. Die Einschätzung der Wirtschaftsmoral ist dem Abschlussprüfer meist nicht möglich. Nur in Ausnahmefällen kann es möglich sein, dass er direkt oder indirekt Kenntnis über die Moral erhält.

Gemäß diesem Fraud- Triangle- Ansatz ist das Fraud- Risiko hoch, wenn eine oder mehrere Personen, die ein Motiv für Fraud haben, eine Gelegenheit zur Tat finden und dabei nicht durch eine entsprechende Wirtschaftsmoral davon abgehalten werden.[18]

2.2 Täter von Fraud

Grundsätzlich kann Fraud von allen Personen begangen werden, die bei der Erstellung des Abschlusses mitwirken bzw. die Einfluss auf die Rechnungslegung haben, z. B. gesetzliche Vertreter, Management, Mitarbeiter, ggf. unter Mitwirkung Dritter. [19] Fraud kann sowohl durch Einzeltäter als auch durch Zusammenschluss mehrerer Personen begangen werden.

[...]


[1] Vgl. Wehling/Weiß, Abwehr von Wirtschaftskriminalität und Korruption; ZIR, Heft 3, 2005, S. 25.

[2] Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft der „Big Four“, Abkürzung steht für die Gründerväter der Gesellschaft: Klynveld, Peat, Marwick und Goerdeler.

[3] Vgl. http://www.kpmg.de/services/advisory/812_7722.htm, 29.07.05.

[4] Vgl. Schruff, Neue Ansätze zur Aufdeckung von Gesetzesverstößen der Unternehmensorgane, WPg 2005, S. 207.

[5] Englisch= Betrug, Schwindel, List, Täuschung, Unterschlagung.

[6] Vgl. Abbildung 1 dieser Arbeit.

[7] Vgl. Marten u. a., Die Wirtschaftsprüfung, 2003, S. 380; vgl. Schindler/Gärtner, Verantwortung des Abschlussprüfers zur Berücksichtigung von Verstößen, WPg 2004, S. 1234. Erwartungslü>

[8] In dieser Arbeit wird als Abschlussprüfer der Berufstand der Wirtschaftsprüfer verstanden.

[9] In dieser Arbeit werden der Jahresabschluss und Lagebericht sowie der Konzernabschluss und –lagebericht als „Abschluss“ bezeichnet.

[10] Vgl. Förschler/Peemöller, Wirtschaftsprüfung und interne Revision, 2004, S. 219; vgl. IDW PS 210, Tz. 7. Vgl. Schindler/Gärtner, Verantwortung des Abschlussprüfers zur Berücksichtigung von Verstößen, WPg 2004, S. 1234.

[12] heimtückisch, vorsätzlich.

[13] Vgl. IDW PS 210, Tz. 7; Sell, Bilanzdelikte, 1999, S. 51.

[14] Vgl. Henzler, Bilanzmanipulationen, 2005, S. 9; Sell, Bilanzmanipulationen, 1999, S. 19.

[15] Vgl. ISA 240, TZ 12,51; vgl. Knabe, u. a., Beurteilung des Fraud- Risikos in der Abschlussprüfung, WPg 2004, S. 1058.

[16] Vgl. Abschnitt 2.3 dieser Arbeit.

[17] Vgl. Abschnitt 2.2.

[18] Vgl. Knabe u. a., Beurteilung des Fraud- Risikos, WPg 2004, S. 1058.

[19] Vgl. Henzler, Bilanzmanipulationen, 2005, S. 16; vgl. IDW PS 210, diverse Tz.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Zur Beurteilung des Fraud-Risikos im Rahmen der Abschlussprüfung
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V48148
ISBN (eBook)
9783638449274
ISBN (Buch)
9783638637558
Dateigröße
7954 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fachlich gut fundierte und gut lesbare Arbeit
Schlagworte
Beurteilung, Fraud-Risikos, Rahmen, Abschlussprüfung
Arbeit zitieren
Diplom-Betriebswirtin (FH) Ines von Hollen (Autor), 2005, Zur Beurteilung des Fraud-Risikos im Rahmen der Abschlussprüfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48148

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