Feste Wortverbindungen wie z.B. 'Haare auf den Zähnen haben', 'etwas auf dem Herzen haben' etc. sind neben Einzelwörtern und Komposita eine Teilmenge des „Sprachmaterials“, das in deutschen Universalwörterbüchern verzeichnet ist. Sie werden von der neueren Sprachforschung unter dem Oberbegriff Phraseologismen zusammengefasst. Um diese jederzeit korrekt zu verwenden und zu interpretieren sind eine Reihe Zusatzinformationen innerhalb der Wörterbücher nötig, etwa um einen hinreichenden Differenzierungsgrad zu erreichen oder auch um unterschiedliche phraseologische Formen dem Wörterbuchbenutzer verständlich zu machen.
In der Vergangenheit wurden von der Sprachwissenschaft aber gerade hinsichtlich der lexikographischen Behandlung von Phraseologismen Defizite beklagt - insbesondere uneinheitliche und unvollständige Klassifizierung und Darstellung, sowie Mängel bei den Bedeutungserklärungen und Paraphrasierungen. Forderungen nach Vereinheitlichung der Terminologie, nach systematischerem Aufbau der Wörterbucheinträge und Auswahl geeigneterer Beispiele sind daher genauer zu untersuchen.
Im vorliegenden Band wird einerseits mittels Analyse phraseologischer Klassifikationskriterien, sowie der Sichtung und dem Vergleich einzelner Wörterbücher jenen Kritikpunkten nachgegangen.
Zum anderen werden Überlegungen zur Standardisierung der Phraseographie in einsprachigen deutschen Universalwörterbüchern sowie phraseologischen Spezialwörterbüchern angestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung in das Thema, Zielsetzung
1.2 Abgrenzung und methodische Vorgehensweise
2. Zu Begriff, Theorien und Merkmalen von Phraseologismen
2.1 Klassifikations - und Abgrenzungsprobleme
2.1.1 Nominationsstereotype - Termini - Eigennamen
2.1.2 kommunikative Formeln und Sprichwörter
2.1.3 Phraseoschablonen
2.1.4 Funktionsverbgefüge
3. Lexikographischer Umgang mit Phraseologismen in einsprachigen deutschen Wörterbüchern
3.1 Konzeptionelle Bedeutung der Phraseologie in Vorworten / Einleitungen
3.2 Defizite in Erfassung und Darstellung
3.2.1 Auswahl
3.2.2 Kennzeichnung, Nennform, Präsentation und Verständlichkeit
3.2.3 Bedeutungserklärungen
3.3 Vorschläge zur lexikographischen Standardisierung von Phraseologismen in einsprachigen Universalwörterbüchern
3.4 Bedeutungsmodifikationen und Phraseographie
4. Einige kurze Überlegungen zur lexikalischen Erfassung von Phraseologismen in einem spezialisierten Wörterbuch
5. Schlussbetrachtung
6. Anmerkungen zur Gestaltung
7. Quellen / verwendete Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die lexikographische Behandlung von Phraseologismen in deutschen Wörterbüchern, identifiziert bestehende Defizite in der Erfassung, Klassifizierung und Darstellung und entwickelt Vorschläge zur Standardisierung für eine nutzerfreundlichere und präzisere Wörterbuchkonzeption.
- Heterogenität in der lexikalischen Behandlung von Phraseologismen
- Problematiken der Klassifizierung und Nennung
- Kritische Analyse des lexikographischen Umgangs mit phraseologischen Einheiten
- Lexikographische Standards und Idealformen für Universalwörterbücher
- Optimierung von Bedeutungserklärungen und Nennformen
Auszug aus dem Buch
1.1 Einführung in das Thema, Zielsetzung
Neben Einzelwörtern und Komposita sind in deutschen Universalwörterbüchern eine Vielzahl fester Wortverbindungen verzeichnet wie etwa den Bock zum Gärtner machen, der Stein der Weisen, auf die Pauke hauen oder auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Von der neueren Sprachforschung unter dem Oberbegriff Phraseologismen zusammengefasst (vgl. Fleischer 1997 | Burger 1998), repräsentieren sie eine Teilmenge unseres Sprachguts, deren Entstehung durch Prozesse der Verfestigung ursprünglich freier syntaktischer Wortverbindungen und Wortgruppen, durch Idiomatisierung, Bedeutungswandel oder auch sozio-kulturelle Einflüsse begründet ist und die in unterschiedlichen semantischen wie syntaktischen Strukturen existiert.
Die Menge an spezifischer Information, die erforderlich ist, um Phraseologismen korrekt zu verwenden und zu interpretieren, geht jedoch weit über die Menge an Informationen hinaus, die benötigt wird, einzelne Wörter richtig zu verwenden. Entsprechend sind Differenzierungsgrad und Konsequenz in Erfassung, Nennungsform und Erläuterung phraseologischer Formen Kriterien, nach denen die Qualität eines Wörterbuches zu einem Teil beurteilt werden kann. Für den Benutzer eines Wörterbuches sind beim Nachschlagen einer festen Wortverbindung Fragen von Bedeutung wie:
1. Unter welchem Stichwort ist ein Phraseologismus zu suchen?
2. Handelt es sich bei der gesuchten Wortverbindung tatsächlich um einen Phraseologismus?
3. An welcher Stelle des Stichwortartikels ist der Phraseologismus aufgeführt?
4. Wie aufschlussreich sind die neben der Nennform angeführten Beispiele des Phraseologismus im Sinne einer syntaktisch einwandfreien Verwendung?
5. Was bedeutet der Phraseologismus (vgl. auch Burger 1998: 168 f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Phraseologismen ein, erläutert die Relevanz der korrekten lexikographischen Darstellung und definiert das methodische Vorgehen der Untersuchung.
2. Zu Begriff, Theorien und Merkmalen von Phraseologismen: Es werden die theoretischen Grundlagen, Merkmale wie Idiomatizität und Stabilität sowie verschiedene phraseologische Teilgruppen und deren Abgrenzungsprobleme diskutiert.
3. Lexikographischer Umgang mit Phraseologismen in einsprachigen deutschen Wörterbüchern: Dieses zentrale Kapitel analysiert und kritisiert die Erfassung, Kennzeichnung, Nennformen und Bedeutungserklärungen in verschiedenen Wörterbüchern und macht Vorschläge für eine Standardisierung.
4. Einige kurze Überlegungen zur lexikalischen Erfassung von Phraseologismen in einem spezialisierten Wörterbuch: Hier werden Überlegungen zur spezialisierten Lexikographie angestellt, insbesondere zur Trennung zwischen Universal- und Spezialwörterbüchern.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit konzeptioneller Verbesserungen in der Wörterbuchherstellung.
6. Anmerkungen zur Gestaltung: Dieses Kapitel erläutert die editorischen Konventionen und Formatierungen, die in der vorliegenden Seminararbeit Anwendung finden.
7. Quellen / verwendete Literatur: Dieses Verzeichnis listet sämtliche für die Arbeit herangezogenen Wörterbücher, Lexika und wissenschaftliche Fachliteratur auf.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Phraseologismus, Lexikographie, Wörterbuchforschung, Idiomatizität, Nominationsstereotype, Funktionsverbgefüge, Phraseoschablonen, Nennform, Bedeutungserklärung, Standardisierung, Linguistik, Deutsch als Fremdsprache, Universalwörterbuch, Sprachpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie deutsche Wörterbücher mit Phraseologismen umgehen, und zeigt auf, dass es in der Lexikographie an einheitlichen Standards und systematischer Erfassung dieser festen Wortverbindungen mangelt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Klassifizierung von Phraseologismen, die Problematik ihrer lexikographischen Aufbereitung, Fragen der Lemmatisierung sowie die Qualität der Bedeutungserklärungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Wörterbücher Schwachstellen in der Darstellung von Phraseologismen aufzudecken und fundierte Vorschläge für eine optimierte, benutzerfreundliche Lexikographie zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Methode basiert auf einer vergleichenden Analyse von Wörterbucheinleitungen und Artikelbeispielen, gestützt durch den theoretischen Diskurs der modernen Phraseologieforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Klassifikations- und Abgrenzungsproblemen, der Analyse spezifischer Defizite in Erfassung und Darstellung sowie konkreten Verbesserungsvorschlägen für die Standardisierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Phraseologismus, Idiomatizität, Lexikographie, Wörterbuchbenutzung, Nennform und Bedeutungsvariation.
Welche Rolle spielt das "Zentrum-Peripherie-Modell" in dieser Arbeit?
Es dient als theoretischer Rahmen, um die Zugehörigkeit von sprachlichen Konstrukten zur Phraseologie zu bestimmen, wobei Phraseologismen im Zentrum alle typischen Merkmale aufweisen, während periphere Formen Abgrenzungsschwierigkeiten bereiten.
Warum wird der "Duden 11" im Vergleich zu anderen Werken positiv hervorgehoben?
Der Duden 11 wird positiv bewertet, da er der Phraseologie im Einleitungsteil einen größeren Stellenwert einräumt und sich als spezialisiertes Wörterbuch explizit der Diskussion über Kriterien für Phraseologismen stellt.
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- Bertram Wetzel (Author), 2005, Phraseologismen in deutschen Wörterbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48243