A. S. Neil und die Summerhill Schule


Hausarbeit, 2005
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

1.Einleitung:

In dem Seminar Utopie und Erziehung ist mir oft der Gedanke durch den Kopf gegangen: Braucht Erziehung utopische Gedanken oder hemmt die Auseinandersetzung mit der Utopie die Erziehung, indem man sich in Konstrukte verliert, die nicht umsetzbar sind?

Da ich selbst in einem Internat erzogen worden bin und sicherlich eine andere Art von Erziehung erlebt habe als andere, hat es mich gereizt, mich mit dem Thema der Kinderrepubliken und hier speziell der Schule Summerhill zu beschäftigen. Des Weiteren habe ich selbst zwei Kinder und stecke seit Jahren mitten im Erziehungsprozess. Auch da stellt sich immer wieder die Frage, ob es nicht anders gehen könnte und wenn ja, wie?

Im Folgenden möchte ich gerne kurz beschreiben, was Utopie mit Erziehung zu tun hat oder haben kann. Danach stelle ich A. S. Neill und seine Grundsätze vor und beschreibe dann die Schule Summerhill in England.

In meinem Resümee am Ende möchte ich gerne noch einmal auf die von mir gestellten Fragen eingehen.

2.Utopie und Erziehung

Utopien sind immer Bilder von etwas, was nicht vorhanden ist, sondern nur vorgestellt wird. Es ist ein Bild dessen, was "sein soll". Es ist die Folge eines kritischen Auseinandersetzens mit der gegenwärtigen Beschaffung der Welt, dabei werden Missstände aufgezeigt und ein Bild entwickelt, wie es sein könnte.

Wunsch ist die Sehnsucht nach dem Rechten, was sich aber nicht im einzelnen, sondern nur in der menschlichen Gemeinschaft realisieren lässt. Charakteristisch für die Utopie ist, dass sie dem Menschenwillen unterworfen ist. Dies bedeutet, dass ein Gesellschaftsbild entsteht, das so entworfen ist, als ob es keine anderen Faktoren gäbe, als der bewusste Menschenwille (Martin Buber, Pfade in Utopia - Über Gemeinschaft und deren Verwirklichung, 1985, S.29 f.)

Auch in der Pädagogik sind Utopien entstanden, die das gemeinschaftliche Zusammenleben von Jugendlichen, Kindern und Erwachsenen regeln. Es wurden Kinderrepubliken gegründet, in denen durch praktische Einübung Demokratie und demokratisches Verhalten vermittelt wird. Es handelt sich dabei meist um Internate, Lager oder auch Privatschulen, in denen den Lehrenden und Lernenden "die demokratische Republik, der Staat und die sich selbst regierende Stadt zum Vorbild" dient (wikipedia.org/wiki/Kinderrepublik).

Im Folgenden möchte ich Alexander Sutherland Neill vorstellen, und seine Utopie einer antiautoritär geführten Schule, der Summerhill Schule.

3. Alexander Sutherland Neill

3.1 Biographie

Alexander Sutherland Neill wurde am 17. Oktober 1883 als viertes Kind von Mary Sutherland und Georg Neill in Schottland geboren. Mit viereinhalb Jahren wurde er in die von seinem Vater geleitete Schule eingeschult. Da Neill von seinem Vater unterrichtet wurde und nicht als bevorzugt gelten sollte, wurde er sehr streng behandelt. Er erhielt nur ein schlechtes Abschlusszeugnis und begann mit 14 Jahren eine Ausbildung als Buchhändler und danach eine Ausbildung als Einzelhändler. In beiden Berufen scheiterte er.

1899 stellte ihn sein Vater an seiner Schule als "Pupil Teacher" ein. Nach 4-jähriger Lehrzeit bekam er ein Lehrerdiplom und war von da an Hilfslehrer. Die Arbeit befriedigte ihn nicht sonderlich, da er die damaligen Methoden der Pädagogik (Schläge und Strafen) ablehnte.

Von 1903 bis 1908 arbeitete Neill an verschiedenen schottischen Dorfschulen. Er entwickelte eine tiefe Abneigung gegen die brutalen Erziehungsmethoden an diesen Schulen, nahm selbst Privatunterricht und entschied sich, ein Studium aufzunehmen. Von 1908 bis 1912 studierte Neill in Edinburgh. Sein Studium schloss er mit dem M.A. (Master of Arts) ab.

1914 wurde Neill Schulleiter der Gretna Public School in Schottland. Er lehnte den Lernzwang und das strafende System ab und legte mehr Wert auf Spiel und Freude. In dieser Zeit schrieb Neill sein erstes Buch "A Dominie´s Log". Die Veröffentlichung stellte den Beginn seiner Karriere sowohl als Schriftsteller wie auch als Reformpädagoge dar. Entscheidend war, dass auch Kontakte zu ähnlich Denkenden entstanden, wie zum Beispiel Homer Lane.

1916 meldete sich Neill zum Militär, schied jedoch wegen seines schlechten Gesundheitszustandes dort nach einiger Zeit wieder aus.

1917 hatte Neill Homer Lanes "Little Commenwealth", eine amerikanische Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter, besucht und lernte durch Lane Sigmund Freuds Psychoanalyse kennen. Er wurde Schüler, Freund und Patient von Lane und übernahm viele seiner Grundsätze, wie zum Beispiel die psychoanalytisch motivierte "paradoxe Sanktion", in der Schüler zum Einschlagen einer Scheibe ermutigt oder Diebe belohnt wurden.

Durch diesen Kontakt merkte Neill, dass sein Leben durch moralische Normen in seiner Kindheit zum Teil "ruiniert" worden war. Dies regte ihn an, eine neue Form der Erziehung zu entwickeln.

Mit diesem Gedanken bemühte sich Neill 1918 um eine Anstellung an der "King Alfred School" in Hampstead. Diese koedukative Reformschule in London hatte Noten und Prügelstrafe abgeschafft, und er führte nach Lanes Beispiel dort das "Self-government" ein. Die Zeit in Hampstead verlief für Neill sehr enttäuschend, da es Schwierigkeiten innerhalb des Lehrerkollegiums und mit dem Schulleiter gab. Hier lernte er seine spätere Frau Lilian Neustätter kennen, verließ die Schule und fasste den Entschluss seine eigene wirklich freie Schule zu gründen.

Neills radikale Haltung, die er durch Vortragsreisen und durch Veröffentlichungen bekannt machte, entfachte viele Diskussionen und Streitereien mit anderen Reformpädagogen.

1921 gilt als Gründungsjahr von "Summerhill". Nach verschiedenen Zwischenstationen in Deutschland und Österreich war die Schule von 1924 bis 1927 in einem Haus in Lyme Regis in England untergebracht. Die Schule spezialisierte sich auf Problemkinder, die an anderen Schulen beschwerlich, faul, träge und (oder) antisozial erschienen. 1926 erhöhte sich die Popularität von Neills Schule, nachdem sein inzwischen achtes Buch "The Problem Child" erschienen war.

1927 zog Neill mit der Schule in die südenglische Grafschaft Suffolk nach Leiston um, wo sie bis heute besteht.

Auf seine zahlreichen Vortragsreisen lernte Neill den Psychoanalytiker und Sexualforscher Wilhelm Reich kennen, bei dem er eine Psychoanalyse machte und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

1944 starb seine Frau Lilian, die er 1927 geheiratet hatte. Bereits ein Jahr später, im Alter von 62 Jahren, heiratete er Ena Wood, die wesentlich jünger war als er.

1946 wurde Neills erstes und einziges Kind Zoe geboren. Ihre Entwicklung während der ersten sechs Jahre beschrieb er in einem Buch "The Free Child".

1949 kam es zur ersten Schulinspektion, bei deren Bewertung die Schule sehr positiv abschnitt. Bei einer weiteren Schulinspektion 1959 war das Ergebnis "fair, aber desillusionierend" und die Schülerzahlen nahmen danach stark ab.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
A. S. Neil und die Summerhill Schule
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V48273
ISBN (eBook)
9783638450287
ISBN (Buch)
9783640330409
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neil, Summerhill, Schule
Arbeit zitieren
Heike Matejka (Autor), 2005, A. S. Neil und die Summerhill Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48273

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