Danton und Robespierre: Zwei Charaktere treffen aufeinander

Analyse der Hauptcharaktere in "Dantons Tod"


Seminararbeit, 2004
16 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Person Danton
1.1 Büchners Danton
1.1.1. Danton als Politiker
1.1.2. Epikureismus und Genuss
1.2. Der historische Danton

2. Die Person Robespierre
2.1. Büchners Robespierre
2.1.1. Die Politik Robespierres
2.1.2. Tugend und Laster
2.2. der historische Robespierre

3. Die Sprache im Stück
3.1. Die Sprache Dantons
3.2. Die Sprache Robespierres

Fazit

Literatur

Einleitung

Georg Büchner stellt uns in seinem Stück „Dantons Tod“ zwei Hauptakteure gegenüber, die von Grund auf verschieden sind. Sie vertreten unterschiedliche politische Konzepte und widersprechen sich auch in ihren persönlichen Eigenschaften.

Während der eine den strebsamen Politiker darstellt, hat der andere schon längst resigniert. Robespierre und Danton – Büchners Gestalten leben von den Gegensätzlichkeiten. Die Eigenschaften der Personen stehen im Kontrast zueinander, was vor allem bei einem Zusammentreffen deutlich wird.

Doch benutzt Büchner diese differenten Merkmale nur aus stilistischen Mitteln? In wie weit sind diese Charakteristika historisch belegt?

Besonders wichtig ist es, festzustellen, welches Wesensmerkmal die Personen prägt und welche Einflüsse dies auf den Fortgang der Geschichte und die konfrontierten Personen hat.

Hauptziel dieser Arbeit ist, die Charakteristika der beiden Hauptdarsteller festzustellen und sie in Vergleich miteinander zu bringen. Dafür ziehe ich nicht nur Büchners Werk, sondern auch historische Tatsachen hinzu, um die Unterschiede der Personen im Drama, das trotz zahlreicher historischen Quellen, mit denen Büchner gearbeitet hat, auch geprägt ist von künstlerischem Hinzufügen und Verändern der Begebenheiten, aufzuzeigen. Gegenüber stehen sich also zwei bedeutende Politiker: Danton als Genussmensch, als Epikureer, der auch schon als Justizminister agiert hat und außerdem verantwortlich für die Septembermorde ist. Auf der anderen Seite Robespierre, der sich den Platz im Wohlfahrtsausschuss erkämpft und dessen leben von Tugend beherrscht wird.

Werner Frizen[1] beschreibt das Verhältnis von Danton und Robespierre als „Eros“ und „Politik“. Anfangs stehen sich die beiden so unterschiedlichen Charaktere gegenüber. Erst am Ende des ersten Aktes treffen die Personen aufeinander. Sieht man Danton und Robespierre unter den Aspekten Eros und Politik, so kann man anhand der ersten Szene folgende Unterteilung machen: Danton verkörpert Eros indem er mit den Grisetten, gleich zu Anfang des Stückes Karten spielt und nur scheinbare Belanglosigkeiten und Plaudereien äußert, während ihn seine Freunde auf die aktuelle Politik und deren Gefahren hinweisen. Im Gegensatz dazu sieht man Robespierre, der seinen ersten Auftritt in einer Volksszene hat und dort gleich eine politische Rede zur Verteidigung seiner Politik hält.

Um den Umfang dieser Arbeit in kleinem Rahmen zu halten, beschränke ich mich auf eine knappe Charakterisierung der literarischen und historischen Personen, wobei nur die wichtigsten und im Stück behandelten Eigenschaften berücksichtigt werden.

1. Die Person Danton

1.1. Büchners Danton

Der Charakter Dantons lässt sich bereits anhand des ersten Aktes veranschaulichen. Die erste Szene beginnt in einem Bordell, wo Danton und Herault mit einigen Damen Karten spielen. Genauso wie Danton in dieser Szene abseits sitzt und das Geschehen von außerhalb kommentiert, so verhält er sich auch in der Politik: als Zuschauer.[2]

Bemerkenswert sind die Widersprüchlichkeiten die im Denken und Handeln der Person auftreten. Die Faulheit zu handeln (II, 1.) steht im Gegensatz zur Szene vor dem Tribunal, als er mit einer mitreißenden Rede versucht sein Leben zu retten. Ein weiterer Widerspruch ist der von Leben und Tod. Zu Anfang des Stückes wünscht er sich noch den Tod und die „Ruhe des Grabes“, später kämpft er um sein Leben (III, 7) und will sich nicht mit dem Tod abfinden (Danton:„… nein, ich will nicht sterben.“ S. 62, Z. 7).

Der passive und programmlose Danton, den Büchner uns hier darstellt, setzt immer wieder Zeichen der Resignation und des Nicht-Handelns. Das sieht man in der Szene (II. Akt, 1. Szene) als Lacroix spottet:

Lacroix: „(...)Nichts als Faulheit! Er will sich lieber guillotinieren lassen als eine Rede halten.“ (S. 31, Z. 33)

Die Hauptfigur kann sich nur zwei Mal im Stück behaupten: Nämlich in dem Gespräch mit Robespierre (I., 6), in dem er eindeutig als Überlegener herausgeht[3] und mit der Rede vor dem Revolutionstribunal (II, 4), als er seine aussagekräftigste Rede im gesamten Stück hält. Wo vorher noch das „sich abfinden mit dem Tod“ war, glänzt Danton nun mit Wortgewandtheiten und einer Rede, die Beifall unter den Zuschauern hervorruft.

Büchner stellt Danton als eine Person dar, die sowohl Politiker, als auch Privatmensch ist. Genau das bewirkt die Sympathie der Zuschauer und lässt die Hauptfigur menschlicher wirken als zum Beispiel Robespierre[4]. Das letzte Wort vor seiner Guillotinierung gilt seinen Freunden und nicht der Politik. Er versucht seinen Freund Camille vor der Hinrichtung (IV, 7) zu beruhigen („Ruhig, mein Junge! Du hast dich heiser geschrieen.“ S. 75, Z. 3), es scheint als bewahre er sich einen Rest Souveränität, die es ihm erlaubt gleichzeitig einen Freund zu trösten während ihm selbst das gleiche Schicksal auferlegt wurde.

1.1.1. Danton als Politiker

Danton wird von Büchner als der vom politischen Leben zurückgezogenen Revolutionär veranschaulicht, der sich Müßiggang, Erotik und dem Genuss hingibt. Büchners Danton ist ganz und gar vom Epikureismus geprägt, was durch die Eröffnungsszene noch deutlicher hervorgehoben werden soll. Allerdings trügt gerade dieser Epikureismus über das Angstgefühl Dantons hinweg.[5] Seine Angst vor dem Tod und dem Fortgang der Geschichte erkennt man in den ständigen Anspielungen auf den Tod, z.B. als er zu Julie sagt “Ich liebe dich wie das Grab.“ (I,1) oder im Dialog mit Camille:„Sterbende werden oft kindisch.“ (II., 1)

Danton macht sich rar wenn es um die Revolution, ja sogar um die Rettung seiner Freunde geht.[6] Obwohl ihm diese nahe legen eine Rede vor dem Volk zu halten, scheint es, als ob er sich davor drücken möchte. Tatsächlich wird er erst im II. Akt, 4. Szene aktiv und hält seine Rede vor dem Revolutionstribunal. Diese kommt so gut an, dass die Stimmung im Publikum umschlägt.

Es scheint, als wolle es Danton erst nicht glauben was auf ihn zukommen wird. Er bleibt lange passiv und ignoriert die Warnungen seiner Anhänger. Er denkt, seine Bekanntheit schütze ihn vor der Guillotine. „Sie werden’s nicht wagen“ erwähnt entgegnet er Lacroix in selbstsicherem Ton (S. 22, Z. 27).

Im Gegensatz zum historischen Danton lässt Büchner seine Figur zu keiner Zeit ein politisches Programm formulieren. Der historische Konflikt zwischen Robespierre und Danton wird nur indirekt sichtbar.[7]

„Indem das Drama Danton als politisch richtungslos erscheinen lässt, rechtfertigt es seinen Tod vor dem Verlauf der Revolution.“[8]

Danton ist also nicht fähig zu handeln. Mit dem Satz: „wir haben nicht die Revolution, die Revolution hat uns gemacht“ gesteht Danton ein, dass er selbst keine Entscheidungen mehr zu treffen hat bzw. keine Entscheidungen mehr treffen kann.[9] Büchners Figuren, vor allem Danton sind gezwungen in einem gewissen Spielraum zu handeln und haben nur ein beschränktes Repertoire an Möglichkeiten. Die Geschichte verdammt sie zu bestimmten Handlungen und Schicksalen. Die Französische Revolution macht es nicht möglich ein politisches Konzept, wie Danton es andeutet, durchzuführen.

Doch warum handelt Danton nicht? Welcher Grund rechtfertigt ein Dasein als Epikureer? Und: Begründet sich die Politik Dantons auf den Epikureismus oder ist es anders herum?

[...]


[1] Frizen, Werner: Oldenbourg Interpretationen mit Unterrichtshilfen; Georg Büchner Dantons Tod; München 1990, S. 27 ff

[2] Vgl. Frizen, S. 11

[3] Vgl. Klett, S. 64

[4] Vgl. Ebd., S.67

[5] Vgl. Frizen, S. 11

[6] Vgl. Ebd., S.58

[7] Vgl. Knapp, S. 62

[8] Ebd., S. 62

[9] Vgl. Zeindler, S. 26

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Danton und Robespierre: Zwei Charaktere treffen aufeinander
Untertitel
Analyse der Hauptcharaktere in "Dantons Tod"
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V48274
ISBN (eBook)
9783638450294
ISBN (Buch)
9783638759083
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Danton, Robespierre, Zwei, Charaktere
Arbeit zitieren
Franziska Kraus (Autor), 2004, Danton und Robespierre: Zwei Charaktere treffen aufeinander, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48274

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