Südafrika wird in seiner gegenwärtigen Form industriell als Schwellenland bezeichnet, das einzige Land dieses Ranges im Afrika südlich der Sahara. Geprägt wurde die wirtschaftliche Entwicklung durch eine Agrar-Periode (1652 – 1867), in der ab dem Zeitpunkt der Besiedlung des Landes durch die niederländische Kompanie die Landwirtschaft dominierte, eine Bergbau-Agrar-Periode (1867 – 1914), in der der Bergbau die Landwirtschaft als wich-tigsten Wirtschaftszweig ablöste und eine Bergbau-Industrie-Periode, die ab 1914 Kennzeichen der Wirtschaft war (Steinberg 1986, S. 46 – 49).
Besonders die Landwirtschaft und vor allem der Bergbau bestimmen bis in die heutige Zeit die Wirtschaft und bedeuten für Südafrika eine Stel-lung als eine der größten Ökonomien Afrikas. Die Landwirtschaft als traditio-neller Wirtschaftszweig weist durch die Kolonialzeit und die Apartheid noch deutliche Diskriminierungen zwischen weißen und schwarzen Farmern auf, was neben dem wirtschaftlichen Aspekt auch gesellschaftliche Auswirkungen hatte.
Der Gold- und Diamantenbergbau haben Südafrika von dem Status eines Entwicklungslandes gelöst und dem Sekundären Sektor durch die enormen Exporterlöse große Bedeutung verliehen. Allerdings birgt eine solche Abhängigkeit vom Weltmarkt auch immer Risiken in Bezug auf Krisen und Sanktionen, die dem ganzen Land Schaden zufügen können.
Trotz der wirtschaftlichen Potentiale leben 30% der Bevölkerung weiter in Armut und müssen sich durch illegale Beschäftigungen den Lebensun-terhalt verdienen, vor allem in den Townships der Großstädte, die durch eine Landflucht, besonders der jungen Menschen, weiter wachsen.
Mit den Auswirkungen der landwirtschaftlichen, industriellen, aber auch der sozialen Entwicklungen in Südafrika werde ich mich in der folgen-den Arbeit beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Landwirtschaft in Südafrika
2.1 Landwirtschaftliche Entwicklung
2.2 Weidewirtschaft
2.3 Ackerbau
2.4 Bewässerungswirtschaft
2.5 Kleinbauernlandwirtschaft
2.6 Probleme der Landwirtschaft
3. Der Bergbau
3.1 Die Entwicklung des Bergbaus
3.2. Probleme des Bergbaus
3.3. Industrielle Metropolregionen
4. Die Dienstleistung in Südafrika
5. Der Informelle Sektor
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas unter besonderer Berücksichtigung der strukturellen Prägung durch den primären Sektor (Landwirtschaft und Bergbau) sowie der daraus resultierenden sozialen Disparitäten. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie die historischen Erblasten der Kolonialzeit und Apartheid die heutige ökonomische Struktur beeinflussen.
- Historische Wirtschaftsperioden Südafrikas
- Strukturelle Probleme in der Landwirtschaft
- Bedeutung des Bergbaus als Wirtschaftsmotor
- Industrielle Metropolregionen und ihre Spezialisierung
- Funktion und Relevanz des informellen Wirtschaftssektors
Auszug aus dem Buch
3.2 Probleme des Bergbaus
Gerade durch seine enorme Bedeutung für die Wirtschaft birgt der Bergbau aber auch enorme Risiken. Die Goldvorkommen liegen im Durchschnitt in 3000m Tiefe, wodurch der Kostenfaktor enorm beeinträchtigt wird. Der Tiefenbergbau wird erst durch eine geothermische Stufe im Boden möglich, wodurch im Gegensatz zu europäischen Untertagebergwerken (1°C/35m) die Temperatur nur um 1°C/100m steigt. Trotzdem muss die Temperatur auf 32°C gekühlt werden, was in Verbindung mit einer Luftfeuchtigkeit von über 90% den Arbeitern volltropische Verhältnisse bereitet und ein hohes technisches Vermögen und einen erhebliche Kapitalaufwand erfordert (Wiese 1999, S. 157f). Mitte der 90er Jahre entwickelte sich durch Produktivitätsverluste im südafrikanischen Goldbergbau eine Krise aufgrund von sinkender Arbeitsproduktivität, steigenden Löhnen und dem Verfall des Goldpreises auf dem Weltmarkt seit 1987, der durch eine verstärkte Konkurrenz aus den USA, Kanada und Australien ausgelöst wurde. Dies bedeutete für die Großunternehmen einen Verlust von drei Milliarden Rand Devisen. Daraufhin wurden zwischen 1989 und 1997 insgesamt 180.000 Arbeiter entlassen und 1997 sogar erste Goldmienen geschlossen (Wiese 1999, S. 160).
Die Abhängigkeit vom Goldbergbau, der trotz der erhöhten Stenkohlexporte immer noch 40-50% der Exporterlöse darstellt, ist eine große außenwirtschaftliche Schwachstelle, da sie ein Ansatzpunkt für Sanktionen ist. Westliche Zentralbanken können mit ihren Goldreserven den Weltmarktpreis manipulieren, so dass eine Reduzierung des Goldpreises von 50$/Unze einen Verlust von einer Milliarde Dollar an Exporterlösen bewirkt (Maull 1990, S. 252).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die historische wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas in drei Perioden dar und skizziert die Problematik von Armut und sozialer Ungleichheit.
2. Die Landwirtschaft in Südafrika: Das Kapitel analysiert die verschiedenen landwirtschaftlichen Betriebsformen sowie die massiven strukturellen Probleme durch Apartheid und natürliche Gegebenheiten.
3. Der Bergbau: Dieser Abschnitt beschreibt die zentrale Rolle des Bergbaus für die Industrialisierung Südafrikas sowie die aktuellen Herausforderungen und regionalen Zentren.
4. Die Dienstleistung in Südafrika: Es wird die wachsende Bedeutung des tertiären Sektors im Kontext von Bildungsproblemen und wirtschaftlichem Wandel erläutert.
5. Der Informelle Sektor: Das Kapitel befasst sich mit der Bedeutung der illegalen ökonomischen Tätigkeiten für die Überlebenssicherung der armen Bevölkerung in den Townships.
6. Fazit: Das Fazit fasst die atypische, polyzentrische Wirtschaftsstruktur zusammen und bewertet die Auswirkungen derApartheid kritisch.
Schlüsselwörter
Südafrika, Landwirtschaft, Bergbau, Apartheid, Gold, Diamanten, Informeller Sektor, Schwellenland, Industrialisierung, Homelands, Wirtschaftsentwicklung, Agrarökonomie, PWV-Gebiet, Arbeitsmarkt, Bodenreform
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas und beleuchtet dabei insbesondere die prägende Rolle von Landwirtschaft und Bergbau vor dem Hintergrund politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die historischen Phasen der südafrikanischen Wirtschaft, die landwirtschaftliche Flächennutzung, die Bedeutung der Bodenschätze, die industrielle Metropolenbildung sowie der informelle Wirtschaftssektor.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanzen innerhalb der südafrikanischen Wirtschaft aufzuzeigen, die durch die Geschichte der Kolonialisierung und Apartheid entstanden sind, und die Abhängigkeiten vom Weltmarkt zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung geographischer und wirtschaftswissenschaftlicher Literatur sowie der Analyse von statistischen Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die Landwirtschaft, der Bergbau, die Dienstleistungsbranche und der informelle Sektor sowie deren spezifische Probleme und räumliche Schwerpunkte erörtert.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Südafrika, Apartheid, Primärsektor, Bergbau, Landwirtschaft, Informeller Sektor, Bodenreform und wirtschaftlicher Strukturwandel.
Warum wird der Goldbergbau als sowohl Chance als auch Risiko bezeichnet?
Er gilt als Chance, da er die Industrialisierung maßgeblich förderte, birgt aber das Risiko einer hohen Weltmarktabhängigkeit und Anfälligkeit für Sanktionen bei sinkenden Preisen.
Welche Rolle spielen die sogenannten "Spaza Shops"?
Sie dienen als informelle Kleinstgeschäfte der Nahversorgung in Townships und sind aufgrund ihrer familiären Struktur und lokalen Nähe essenziell für die ärmere Bevölkerung.
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- Sebastian Scheiwe (Author), 2005, Die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas unter besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft und des Bergbaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48297