Verhaltensstörungen bei Kindern und deren Ursachen


Hausarbeit, 2003

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Verhaltensstörungen

3. Ursachen- Gegenwärtige Lebensverhältnisse und Probleme im sozialen Umfeld
3.1 Allgemeine Situation
3.2 Das Kind in der Gesellschaft
3.3 Das Kind und die Erziehungsstile seiner Eltern
3.3.1 Die Unterdrückung von Problemen
3.3.2 Die Verleugnung von Problemen
3.3.3 Überreaktion auf Probleme
3.4 Das Kind und heutige Familienkonstellationen
3.5 Das Kind in der Gleichaltrigengruppe
3.6 Das Kind und die Schule
3.7 Fernsehen und geringe Kommunikation

4. Mögliche Verhaltensmuster und ihre Ursachen
4.1 Sozialtheoretische Ansätze
4.2 Hyperkinetische Verhaltensauffälligkeiten
4.3 Schulangst
4.4 Störungen des Sozialverhaltens

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

„Erwachsene verbinden mit Kindern gerne Unbeschwertheit und Fröhlichkeit. Unsicherheit, Verzweiflung, Arbeits- und Lernstörungen, Depressionen, Ängste und Suchtkrankheiten gestehen sie nur Erwachsenen zu. Es ist ihnen gar nicht vorstellbar, dass auch schon Kinder unter diesen Schwierigkeiten leiden können. Sie machen sich nicht klar, dass Kinder eine Entwicklung mit dichtgedrängten Reifungsaufgaben zu bewältigen haben, die oft mit krisenhaften Zuständen verbunden sind. Kinder sind besonders sensible Menschen Sie stehen mitten im Entwicklungsprozess und befinden sich auf einer untergeordneten Position in der Welt der Erwachsenen, zum einen auf Grund ihrer Unselbstständigkeit und zum anderen gibt es in unserer Gesellschaft wenig Möglichkeiten für Kinder, ihre Interessen durchzusetzen. Sie müssen hier ihren eigenen Weg finden und nie mehr später im Leben des Menschen gibt es so viel Neues, das fasziniert, ängstigt und belastet, dennoch aber bewältigt und angeeignet werden muss, wie in den ersten 15 Lebensjahren.“[1] Von seinem Umfeld muss das Kind in seiner Einzigartigkeit, Individualität und Personalität gesehen werden. Es muss beachtet werden, dass das Kind in verschiedenen Systemen lebt und so muss eine ganzheitliche Betrachtung des Kindes auch Einflüsse von Familie, Verwandtschaft, Freundeskreis, Arbeitswelt, Politik, Kultur usw. berücksichtigen. Das Kind ist ein Körper-Seele-Geist-Wesen und Forschende und Handelnde, die von einem der Wirklichkeit entsprechenden ganzheitlichen Menschbild ausgehen, müssen somatische, psychische und geistige Strukturen bzw. Prozesse berücksichtigen.[2] Ist dies nicht der Fall, so ist es nicht verwunderlich, dass auch Kinder Störungen entwickeln, die sie in ihrer Entwicklung erleben, wiedergeben, brechen oder verstärken...“ Oft ziehen sie sich auf Grund der hohen Überforderung zurück, werden „ auffällig, Schulleistungen lassen nach, (...) sie werden kontaktunfähig oder egoistisch, aufmerksamkeitsgestört oder aggressiv.[3]

„Der Zuschreibungen gibt es viele- und manchmal gewinnt man den Eindruck, als würden die Zuschreibungen zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Man schafft sich ein Konstrukt und handelt danach. Wenn man sein Kind als aggressiv bezeichnet, sieht man nur dieses Verhaltensmuster. Wenn man sein Kind als wahrnehmungsgestört erklärt, dann bemerkt man dessen Stärken vielleicht genauso wenig wie jene Eltern, die ein Kind mit Aufmerksamkeitsdefiziten haben und nicht dessen Kreativität, Intuition und soziales Verantwortungsgefühl wahrnehmen.“[4]

Diese ganzen Verhaltensweisen sind als Widerstand der Kinder anzusehen- manche tun es still, andere laut. Manche treten ihren Eltern auch einfach vors Schienbein, andere werden weinerlich und manche machen bei der Erziehung ihrer Eltern einfach nicht mehr mit: Sie stellen sich auf die Hinterbeine. Entwicklungsstillstand oder Verzögerung sind die Folge- und keine Macht der Welt bringt diese Kinder in Bewegung.

„Kinder die den Rahmen sprengen“ signalisieren mit ihrem unangepassten Verhalten, dass er weiter gesteckt werden muss, dass ihr Leben beeinträchtigt, ja sogar bedroht ist. Sie brauchen mehr Räume, mehr Zeit und mehr Verständnis. Ihr Verhalten ist ein Hilferuf.[5]

Wie ich nun auf das Thema meiner Seminarsarbeit kam möchte ich kurz erläutern: Da ich zum Nebenverdienst bei einem Kinderarzt arbeite und dort fast tag täglich mit sämtlichen Verhaltensstörungen- und Auffälligkeiten konfrontiert werde, fand ich es schon immer interessant, mich mit dieser Thematik auseinander zu setzen! Denn jedes Kind scheint auf den ersten Blick „ganz normal“, wie jedes andere Kind. Meist wies die Anamnese und auch die momentanen Lebensverhältnisse eines Kindes für mein Verhältnis nichts Außergewöhnliches auf und ich konnte mir deshalb nicht vorstellen, worin ihre Verhaltensauffälligkeiten begründet sein könnten. Am Ende war es dann in fast jedem Fall nur eine kleine Veränderungen im Umfeld eines Kindes, eine kurze Begebenheit in seinem Leben oder auch ein sich langsam fortschleichender Prozess, der für einen Außenstehenden kaum auffällig war, was am Ende zu solchen Störungen führte. Was sind aber die Gründe für solche Erscheinungsbilder? Was muss in dem Leben eines Kindes falsch gelaufen sein, dass es mit gestörtem oder auffälligem Verhalten reagiert? Was sind die wirklichen Ursachen?

...Es gibt viele Aspekte, welche die Gefühlswelt eines Kindes und seine Emotionen so stark beeinflussen, die ein Kind total aus dem Gleichgewicht bringen können und somit auch den Umgang mit ihm erschwert, dass sich Eltern am Ende nicht mehr anders zu helfen wissen, als einen Arzt mit ihren Problemen zu konfrontieren. Doch auf Grund der Kürze dieser Arbeit möchte ich nur auf einen bestimmten Aspekt eingehen; auf den soziologischen, denn ich konnte im Laufe meiner Arbeitszeit feststellen, dass gerade diese soziologischen Aspekte, neben den psychologischen und den neurologischen Aspekten, und die mit ihnen einhergehenden Ursachen in unserer heutigen Zeit eine immer bedeutendere Rolle spielen, was Verhaltenauffälligkeiten bei Kinder und Jugendlichen betrifft. Welche Rolle dies ist, möchte ich im Folgenden anhand der gegenwärtig bestehenden Lebensverhältnisse und Probleme, die sich für Kinder und Jugendliche durch ihr soziales Umfeld ergeben, sowie durch einige Verhaltensmuster und deren jeweilige Ursachen verdeutlichen.

2. Definition von Verhaltensstörungen

Wie eine Verhaltensstörung aussehen kann, möchte ich kurz an einem Beispiel verdeutlichen:

„Jens (11 Jahre) ist irgendwie merkwürdig.

Er findet Dinge amüsant, die andere Menschen peinlich erscheinen. Z.B. hat er bei der letzten Schulfeier die Bühne der Aula gestürmt und mit dem Walkman auf den Ohren wild getanzt.

Seine Stimmung war schwankend, von hochgradig sentimental bis menschenverachtend. Er scheint sich selber nicht zu mögen und behandelt andere Menschen- zumindest zeitweise- wie Spielzeug.“[6]

Was genau man aber unter einer Verhaltensstörung versteht, will ich im Folgenden kurz erläutern:

Der Begriff „Verhaltensstörung“ wird auch in der Alltagssprache verwendet. Es wird davon ausgegangen, dass das Verhalten eine gewisse Variationsbreite besitzt. Die Normabweichungen können ihren Schwerpunkt im körperlichen, im psychischen, im sozialen und im allgemeinen Verhaltensbereich ( Leistung, Emotionalität ) haben. Durch diese Abweichung, die in der Regel in mehreren Bereichen gleichzeitig auftritt, ist immer die Beziehung zur Umwelt mit betroffen.

Normales und von der Norm abweichendes Verhalten:

Bei der Einschätzung von Verhalten gilt, dass die Normalität des Verhaltens niemals eine absolut messbare Größe ist. Die Bezeichnung normal/ nicht normal braucht immer eine Beziehungsgröße, die hierzu genannt werden muss. Für ein zweijähriges Kind ist es noch normal, wenn es ab und zu am Daumen lutscht. Für ein siebenjähriges Kind gilt diese Verhaltensweise nicht mehr als normal.

Die wichtigsten Kriterien zur Bestimmung des von der Norm abweichenden Verhaltes (= nicht normales Verhalten) beziehen sich dabei auf die Häufigkeit und Intensität des Auftretens, gesellschaftliche Normen und rechtliche Vorschriften sowie persönliche Idealvorstellungen.

Ein Problem bei der Beurteilung der Normalität von Verhalten und abweichendem Verhalten ist, dass viele Menschen glauben, ihre persönliche Norm stimme nicht mit der gesellschaftlichen oder statistischen überein. Dabei wird übersehen, dass Verhalten immer einen Spielraum hat- was für eine Person „normal“ ist, ist für eine weitere noch „hinnehmbar“, für eine dritte vielleicht schon nicht „nicht mehr normal“.

Beispiele für Verhaltensstörungen:

Schwerpunkt im körperlichen Bereich, wie z.B. Nägelbeißen, Essstörungen, Schlafstörungen, Sprachstörungen oder Daumenlutschen

Schwerpunkte im psychischen Bereich, wie z.B. Angststörung, Zwangsvorstellungen, Zwangshandlungen

Schwerpunkte im Verhaltensbereich, wie z.B Streitsucht, häufiges Schlagen, Trotz, Ungehorsam, Wutanfälle (eher aggressiv); Kontaktgestörtheit, Clownerie, Überangepasstheit, Überempfindlichkeit (eher gehemmt);

mangelnde Ausdauer, Hyperaktivität, Verträumtheit, fehlende Initiative, kurze Aufmerksamkeitsspanne, Schulversagen (im Leistungsbereich)

Schwerpunkte im sozialen Bereich, wie z.B. Teilnahme an Diebstählen, Brutalität gegenüber Gleichaltrigen, Bandenzugehörigkeit, Schuleschwänzen, Lügen.

Verhaltensstörungen sind in der Regel durch mehrere Ursachen ( multikausal ) bedingt; es wirken mehrere Faktoren zusammen. Verhaltensstörungen treten immer in einem sozialen Gefüge bzw. innerhalb eines sozialen Rahmens auf. Sie werden im Verlauf der individuellen Entwicklung erworben.

Tritt eine Verhaltensstörung als Folgesystem von Sinnes-, Körper- oder Intelligenzschäden auf, dann spricht man von einer sekundären Verhaltensstörung. Eine Verhaltensstörung, die unabhängig von Behinderungen entsteht, wird als primäre Verhaltensstörung bezeichnet.

Nicht jedes Kind, bei dem z.B. eine leichte Hirnschädigung vorliegt oder das aus einem problematischen Elternhaus kommt, entwickelt zwangsläufig eine Verhaltensstörung. Um zu erklären warum eine oder mehrere Ursachen zur Ausbildung einer Verhaltensstörung führen, müssen die durch die Ursachen ausgelösten Probleme untersucht werden. Die bedeutendsten in der Verhaltensgestörtenpädagogik verwendeten Theorien zur Erklärung von Verhaltensstörungen sind die tiefenpsychologischen Theorien und die Lerntheorien.

Diese betonen bei der Verursachung die große Bedeutung der frühen Kindheit sowie der Eltern- Kind- Beziehung. Sie sehen die Hauptursache von Verhaltensstörungen in der frühen kindlichen Entwicklung.

Die lerntheoretische Sichtweise betrachtet die Verhaltensstörungen, wie alle Verhaltensweisen, als gelernt. Sie geht davon aus, dass Verhaltensstörungen wieder verlernt werden können, wenn die spezifischen Bedingungen erkannt und ausgeschaltet werden, die zum fehlgeleiteten Lernprozess geführt haben.[7]

3. Ursachen- Gegenwärtige Lebensverhältnisse und Probleme im sozialen Umfeld

3.1 Allgemeine Situation

„Viele Kinder wachsen in einem sozialen wie familiären Rahmen auf, der die Entwicklung fördert und in dem sie menschengerecht und sozial angepasst erzogen werden. Andere wiederum in einem Rahmen, der lebenswichtige Prozesse behindert, indem sie misshandelt, missbraucht, verzogen oder vernachlässigt werden.[8] Die Sozialisation, der Lern- und Erziehungsprozess, der das Hineinwachsen in die Gemeinschaft bewirkt, ist somit beeinträchtigt. Die Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten können in der Familie, der Schule, dem sozialen Umfeld oder in der Gleichaltrigengruppe liegen, aber auch im Kind selbst. Es ist von großer Bedeutung, dass Schule, Familie und Gleichaltrigengruppe so eng miteinander verknüpft sind, denn alle erfüllen Sozialisationsfunktionen. Die Reaktionen der Eltern können negative Einflüsse aus Schule oder Klassengemeinschaft verstärken oder abschwächen, die Gleichaltrigengruppe kann ein hilfsbedürftiges Kind auffangen oder zum Außenseiter machen, der Lehrer kann Eltern auf Erziehungsfehler aufmerksam machen oder die Familienprobleme und ihre Auswirkungen auf den Schüler ignorieren. Die durch alle Lebensalter fortgesetzten Anpassungsprozesse sind dadurch gestört. Es ist wichtig, sich immer erst ein Bild von der Gesamtsituation eines verhaltensauffälligen Kindes zu machen und zu prüfen, inwieweit Familie, Schule und Gleichaltrigengruppe bei der Hilfe einbezogen werden müssen.[9]

3.2 Das Kind in der Gesellschaft

Die hohe Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen, steht heute im Widerspruch zu den vielfältigen Möglichkeiten der Schwangerschaftsverhütung. 88 % der 1992 vorgenommenen Schwangerschaftsabbrüche sind mit einer „sozialen Notlage“ begründet worden. Verbergen sich hinter diesem Begriff soziale und wirtschaftliche Gründe, die Unreife der Persönlichkeit der werdenden Eltern, oder die Tatsache einer für die Entfaltung des Kindes immer komplizierter und bedrohlich werdenden Gesellschaft und Umwelt?

Greift man nun einige Aspekte heraus, die das Phänomen der „Sozialen Notlage“ genauer erklären, wird schlagartig erkennbar, unter welchen sozialen Bedingungen Kinder und Jugendliche heute aufwachsen. Während Eltern noch Vorbereitungen für die Geburt treffen, hat die Gesellschaft- unsere soziale Großgruppe- mit ihrem Verhalten, ihren Institutionen und Vorschriften schon längst Entscheidungen getroffen, in welchem großen Rahmen sich die Entwicklung des Kindes vollziehen wird.

Die Statistik zeigt eine abnehmende Zahl von Geburten. Dies, so meinen viele, ist allerdings das Ergebnis einer immer kinderunfreundlicheren Gesellschaft und Umwelt, in welcher Kinder in der sozialen Werteskala nicht selten hinter Eigentum, Haus und Auto rangieren. Die Geburtenabnahme beruht aber auch auf der Einstellung der Bevölkerung zur Ehe und Familie. Es ist deshalb eine „Aufwertung der Elternschaft“ notwendig. Eine Aufwertung der Elternschaft bedeutet eine grundsätzliche Veränderung der psychischen Einstellung und damit ein soziales Entgegenkommen Kindern und Eltern gegenüber.

Auch die Bedrohung von gegenwärtigen Umweltproblemen, zunehmende Massenarbeitslosigkeit von Jugendlichen und der hohe Zeitfaktor, der mit einem Kind verbunden ist, wirken wenig motivierend für Eltern, ein Kind in die Welt zu setzen. Kinder scheinen heute nach wie vor „Störenfriede“ zu sein. Das kindliche Verhalten wird an unausgesprochenen Regeln festgelegt und diejenigen die dagegen verstoßen, werden als sozial abweichend abgestempelt. Kinderspielplätze gleichen einem Kleinzoo, abgezäunt durch einen Maschendraht, isoliert zwischen verkehrsreichen, belebten Straßen. Öffentliche und private Einrichtungen für Kinder sind Ausdruck des Lebensraums, den ihnen unsere Gesellschaft gibt. Wohnungen sind in Großstädten für junge Eltern finanziell kaum zu tragen. Kinderheime werden, was pädagogische Mitarbeiter anbetrifft, knapp ausgestattet und unpersönlich eingerichtet.

Kindergärten können, anhand der großen Kinderanzahl, wenig pädagogisch sinnvolle Arbeit leisten. Die privaten Kindergärten, haben meist eine überschaubare Gruppenstärke (10 bis 12 Kinder), doch leider ist eine solche Institution nur einer gewissen Schicht unserer Gesellschaft vorbehalten, nämlich jener, die über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügt. Aber leider müssen wir feststellen, dass gerade in wohlhabenderen Familien zu Hause dafür eine Art von „Wohlstandsverwahrlosung“ herrscht infolge des Arbeitsstresses der Eltern. Der Übergang von Kindergarten zur Schule wird meist schwer, weil Eltern einen Teil ihrer Verantwortung „öffentlich“ werden ließen.

Das Verhalten des Kindes, seine Integrations- seine Konflikt- und Gruppenfähigkeit werden in der Schule dann auf die Probe gestellt. Probleme treten meist in Form von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten des Kindes zu Tage, in Form von Hemmungen des Verhaltens den Mitschülern gegenüber, Aggression oder irrationaler Angst. Anforderungen an intellektuelle Leistung und Verhalten nehmen in den folgenden Schulklassen zu. Viele Eltern treffen die Entscheidungen über den weiteren Bildungsweg, die nicht dem Bildungsstand ihres Kindes entsprechen. Das Kind wird schwer darunter zu leiden haben, da sie diese Aufgaben meist nicht bewältigen können. Eine schwere psychische Störung in der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, verbunden mit depressiven Erscheinungen sind Folge dieses unbewussten Mechanismus, mit dem Eltern, als „Vertreter gesellschaftlicher Normen und Werte“, etwas auf ihre Kinder übertragen. Letztlich treffen die Eltern mit der Wahl des Bildungsweges für ihr Kind infolge des Konkurrenzdruckes in unserer Gesellschaft immer eine Entscheidung über den sozialen Stand oder das Ansehen, dass sie selbst im Freundes- oder Bekanntenkreises genießen. Das trifft auch auf die Wahl der Schule zu, die mehr die persönlichkeitsentfaltenden und musischen Seiten betonen (z.B. Montessori- Schulen, Waldorf).

Das Verständnis für die Kleinen geht deutlich zurück! Nicht ihre Bedürfnisse stehen im Vordergrund, sondern Lebensqualität und ein Leben der Norm entsprechend. Der Lebensraum nimmt deutlich ab, die Rücksicht auf Kinder wird immer weniger. Die Liebe zum Kind, die Bereitschaft des selbstverständlichen Teilens mit Kindern sind im Rückzug. Der Egoismus beherrscht immer mehr das Feld. Verhaltensstörungen sind vorprogrammiert, denn die Probleme entstehen nicht durch das Individuum selbst, sondern durch die sozialen Erwartungen der Gesellschaft.[10]

3.3 Das Kind und Erziehungsstile seiner Eltern

„Die vielfältigen Methoden der Empfängnisverhütung, ihre Verbreitung durch alle Bevölkerungsschichten hinweg, haben es den werdenden Eltern ermöglicht, den Zeitraum für die Geburt ihres Kindes selbst zu bestimmen. Wir können daher davon ausgehen, dass der größte Teil der heute geborenen Kinder in Deutschland von den Eltern erwünscht wurde.“[11]

Und doch gibt es immer wieder Probleme, die in einer Familie auftreten und die zwangsläufig zu einer Störung bei einem Kind führen müssen.

Die Ursachen für Verhaltensstörungen liegen sicher zum einen darin, dass sich Eltern heute in viel zu hohem Maße verunsicherter fühlen, als die vorige Generation. Die auffallenste Aspekt hierfür ist das Fehlen der Großeltern, mit denen man früher im Haus zusammenlebte und die immer mit Erfahrungen und Hilfe zur Verfügung standen. Das intensive Familienleben, die Zeit, welche die einzelnen Familienmitglieder hatten, bot die Möglichkeit zum Gespräch und zum Erfahrungsaustausch. Heute besteht ein deutlicher Mangel, der sich an der großen Anzahl der Hilfesuchenden bei Ärzten zeigt.

Die Orientierungs- und Hilflosigkeit der Eltern zeigt sich z.B. in der erschreckend hohen Zahl von Kindermisshandlungen, die jährlich begangen werden. Viele Eltern fühlen sich mit den Problemen ihres Kindes alleine gelassen und wissen sich nur noch mit körperlicher Gewalt zu helfen. Die Hilflosigkeit offenbart sich in verschiedenen Formen: a) die Unterdrückung von Problemen, b) die Verleugnung von Problemen und c) die Überreaktion auf Probleme.

[...]


[1].Link/ Wieczorek, 1994, S.9

[2] Vgl. Textor vom 08.05.03

[3] Vgl. Link/ Wieczorek, 1994, S.9

[4] Rogge/ Mähler, 2001, S.7

[5] Vgl. Ebenda, S.8

[6] Brüggebors, 1996, S.32

[7] Vgl. Brüggebors, 1996, S.32 ff.

[8] Vgl Textor vom 08.05.03

[9] Vgl.Becker/ Textor vom 08.05.03

[10] Vgl. Link/ Wieczorek, 1994, S.27 ff.

[11] Ebenda, S. 27

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Verhaltensstörungen bei Kindern und deren Ursachen
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V48302
ISBN (eBook)
9783638450485
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhaltensstörungen, Kindern, Ursachen
Arbeit zitieren
Melanie Durst (Autor), 2003, Verhaltensstörungen bei Kindern und deren Ursachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48302

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