Jugendliche neigen heutzutage immer mehr dazu ihre Ängste durch Aggression und Gewalt zu äußern. Die polizeilichen Studien von 1963 bis 1993 bestätigen das ein hoher Anteil von Jugendlichen und Heranwachsenden an der Gesamtkriminalität beteiligt sind. Die Kriminalitätsrate ist in diesem Zeitraum um das Zweieinhalbfache gestiegen. Besonders Jugendliche zwischen dem vierzehnten und dem zwanzigsten Lebensjahr zeigen eine hohe Beteiligung an Gewalthandlungen. Die Gewalt ist eine Reaktion der Jugendlichen auf ihre Lebensverhältnisse, vor allem für die weniger privilegierten Jugendlichen, also die keinen Schulabschluss oder einen Ausbildungsplatz haben.
Focus dieser Arbeit ist es, die möglichen Ursachen für Gewalthandlungen von Jugendlichen herauszuarbeiten. Es wird verdeutlicht, dass Gewalt und Gewalttaten immer im Kontext einer Situation oder eines Prozesses stehen. Der Schwerpunkt wird dabei auf die Schule gesetzt , wobei auch die außerschulischen Einflussfaktoren behandelt werden.
Um ein besseres Verständnis der gesamten Arbeit zu verschaffen, werden am Anfang die Begriffe Aggression und Gewalt genauer definiert. Allerdings kann keine eindeutige Definition der Begriffe Aggression und Gewalt gegeben werden, da es sich nicht nur um physische, sondern auch um psychische Formen in allen Varianten handeln kann, also einer drohenden, diskriminierenden oder abgewendeten Gewalt in verbaler, körperlicher oder symbolischer Form. Zum Schluss folgen mögliche Erklärungsansätze für die Gewalthandlungen Jugendlicher. Sie sollen zeigen welche möglichen Ursachen es gibt die Jugendliche dazu veranlassen ihre Aggressionen in Handlungen umzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Aggression und Gewalt
3. Gewalt in der Schule
3.1 Charakteristika eines Gewaltopfers
3.2 Charakteristika eines Gewalttäters
4. Erscheinungsformen der Gewalt
5. Risikofaktoren für Gewalthandlungen
5.1 Erziehungsumfeld
5.2 Freizeitgestaltung
5.3 Freundesgruppe
6. Erklärungsansätze
6.1 Trieb- und Instinkttheorie
6.1.1 Psychoanalytische Triebtheorie
6.1.2 Ethnologische Triebtheorien
6.2 Frustrations- und Aggressionstheorie
6.3 Lernpsychologische Theorien
6.4 Anomietheorie
6.5 Etikettierungstheorie
6.6 Theorie der sozialen Kontrolle
7. Handlungsmöglichkeiten
7.1 Gesellschaftliche Lösungswege
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Ursachen von Gewalthandlungen bei Jugendlichen im schulischen Kontext unter Einbeziehung außerschulischer Einflussfaktoren. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie Gewaltprozesse entstehen und welche theoretischen Erklärungsmodelle sowie Präventionsstrategien zur Bewältigung dieses Phänomens beitragen können.
- Definition und Erscheinungsformen von Aggression und Gewalt
- Soziale und strukturelle Risikofaktoren im Schul- und Familienumfeld
- Psychologische und soziologische Erklärungsansätze für aggressives Verhalten
- Präventionsstrategien und Handlungsmöglichkeiten für pädagogische Fachkräfte
Auszug aus dem Buch
3.1 Charakteristika eines Gewaltopfers
Das typische Gewaltopfer ist ängstlich und meist unsicherer als die Mitschüler. Das Opfer ist meistens vorsichtig, empfindsam und still. Bei einem Angriff der Mitschüler reagiert es mit weinen und Rückzug. Die Gewaltopfer haben so gut wie kein Selbstwertgefühl und sind zu sich selbst äußerst negativ eingestellt. Sie finden sich mit ihrem Versagerdasein ab und empfinden sich als nicht besonders intelligent, wenig anziehend und schämen sich. Die Opfer sind meist alleingelassen in der Schule und haben keine Freunde. Da sie nicht aggressiv sind und eine negative Einstellung gegenüber Gewalt zeigen, kann man die Gewaltanwendung gegen sie nicht als Folge durch herausgefordertes Verhalten erklären. Dan Olweus nennt diesen Opfertyp „den passiven oder ergebenen Opfertyp“. Anscheinend zeigt das „passive Opfer“ seinen Mitschülern, „[…] dass er sich unsicher und wertlos fühlt und nicht zurückschlagen wird, wenn er angegriffen oder beleidigt wird.“ Wiederholte Anwendung von Gewalt gegen solche Opfer durch Gleichaltrige kann die Furcht, Unsicherheit und allgemeine negative Selbsteinschätzung steigern. Dann gibt es noch die kleinere Gruppe der „provozierenden Opfer“, die sowohl aggressive, wie auch ängstliche Verhaltensweisen zeigen. Die „provozierenden Opfer“ weisen Konzentrationsschwierigkeiten auf, welche in ihrem Umfeld Spannung und somit Gewalt auslösen kann. Ihr Verhalten kann provozierend wirken und negative Reaktionen der Mitschüler hervorrufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Anstieg der Jugendkriminalität und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die Ursachen für schulische Gewalt zu analysieren.
2. Definition von Aggression und Gewalt: Dieses Kapitel differenziert zwischen weiten und engen Aggressionsbegriffen sowie verschiedenen Gewaltformen im gesellschaftlichen und historischen Wandel.
3. Gewalt in der Schule: Es werden Definitionen von Gewalt im schulischen Raum sowie spezifische Charakteristika von Opfern und Tätern dargestellt.
4. Erscheinungsformen der Gewalt: Hier erfolgt eine Kategorisierung verschiedener Gewaltarten, von physischer und psychischer bis hin zu sexueller und fremdenfeindlicher Gewalt.
5. Risikofaktoren für Gewalthandlungen: Das Kapitel analysiert das Erziehungsumfeld, die Freizeitgestaltung und die Bedeutung der Freundesgruppe als Risikofaktoren.
6. Erklärungsansätze: Es werden verschiedene psychologische und soziologische Theorien, wie die Triebtheorie, Lerntheorie und Anomietheorie, zur Erklärung von Gewalt vorgestellt.
7. Handlungsmöglichkeiten: Hier werden präventive Lösungsansätze und pädagogische Strategien zur Gewaltbewältigung diskutiert.
8. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit ganzheitlicher Präventionsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Jugendgewalt, Aggression, Schule, Erziehung, Prävention, Mobbing, Bullying, Sozialisation, Risikofaktoren, Konfliktlösung, Gewaltopfer, Gewalttäter, Pädagogik, Sozialverhalten, Schulklima
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Gewalt an Schulen und untersucht, warum Jugendliche aggressives Verhalten zeigen und welche Faktoren diesen Prozess fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Definition von Gewalt, die Identifikation von Täter- und Opfermerkmalen, Risikofaktoren sowie theoretische Erklärungsansätze und Lösungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen für Gewalthandlungen herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie Schule und Erziehungsumfeld aktiv zur Prävention beitragen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Zusammenführung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Psychologie, Soziologie und Pädagogik, insbesondere basierend auf der Arbeit von Klaus Hurrelmann.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Gewalt, die Analyse von Risikofaktoren im sozialen Umfeld, verschiedene psychologische und soziologische Erklärungsmodelle sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten für Lehrer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Jugendgewalt, Prävention, Erziehungsumfeld, Schule, Sozialisation, Aggression sowie psychologische und soziologische Theorieansätze.
Was unterscheidet „passiven“ von „provozierenden“ Opfern?
Passive Opfer zeichnen sich durch Ängstlichkeit und Rückzug aus, während provozierende Opfer durch Konzentrationsschwierigkeiten und aggressiv-ängstliche Verhaltensweisen Spannungen im Umfeld erzeugen können.
Welche Rolle spielt die Freundesgruppe für Jugendliche?
Die Freundesgruppe fungiert oft als Familienersatz, der Zugehörigkeit und Sicherheit bietet. Sie stellt zudem den stärksten Einflussfaktor für physische Gewalthandlungen dar.
Warum ist der Lehrer oft Ziel von Aggressionen?
Der Lehrer ist Repräsentant der Schulordnung und Autorität. In der Identitätsphase lehnen Schüler oft gesellschaftliche Normen ab, wodurch der Lehrer zur Zielscheibe des Protests wird.
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- Feride Bayram (Author), 2004, Gewalt an Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48314