Kriterien und Anforderungen zum Einsatz von Computerprogrammen beim Schriftspracherwerb


Hausarbeit, 2005
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Hintergründe zum Schriftspracherwerb
2.1 Ausgangssituation sowie grundlegende kognitive und sensorische Voraussetzungen
2.2 Modelle der Schreibentwicklung
2.2.1 Die Hamburger Schreibprobe nach May

3. Lehrmethoden und Aktivitäten zur Unterstützung beim Schriftspracherwerb
3.1 Anforderungen des Lehrplans NRW
3.2 Konsequenzen für den Rechtschreibunterricht
3.2.1 Spracherfahrungsansatz nach Brügelmann
3.2.2 Lesen durch Schreiben (Reichen)
3.2.3 Die didaktische Landkarte

4. Der Computer im Unterricht der Grundschule
4.1 Lernsoftware
4.2 Grundlegende Thesen zum Einsatz des Computers im Anfangsunterricht Deutsch
4.3 Kriterien und Anforderungen zum Einsatz von Computerprogrammen als Unterstützung beim Schriftspracherwerb

5. Resümee und Ausblick

1. Einleitung

Die Realität der Kinder ist heute durch ein umfassendes Medien- und Kommunikationsnetz geprägt. Die meisten Grundschulkinder wissen, mit einem Computer umzugehen oder besitzen bereits selber einen. Für einen Unterricht, der die Lebenswirklichkeit der Kinder in den Mittelpunkt stellt, resultiert hieraus die Notwendigkeit diese Erfahrungen aufzugreifen. Der Bildungsauftrag der Grundschule ist ohne Blick auf die kindliche Medienkompetenz nicht mehr zu realisieren. Eine Erziehung zum bewussten und kritischen Umgang mit dem umfangreichen Medienangebot, also auch mit dem Computer, muss demzufolge Bestandteil grundlegender schulischer Bildung sein. Es soll hier demnach nicht diskutiert werden, ob ein Einsatz von Computern in der Grundschule prinzipiell sinnvoll ist; entscheidend ist vielmehr die Frage, inwieweit die Inhalte und deren Einsatz konzipiert sein müssen, um Kinder in ihrem individuellen Lernprozess effektiv unterstützen zu können. Ich möchte Kriterien und Anforderungen vorstellen, die eine Software erfüllen muss, um Kinder beim Schriftspracherwerb sinnvoll begleiten und fördern zu können. In diesem Zusammenhang werde ich mich auf die Beispiele im Anhang beziehen.

Beginnen werde ich mit der Darstellung grundlegender kognitiver und sensorischer Fähigkeiten, die zum Erwerb der Schriftsprache vorhanden sein müssen. Selbstverständlich sind für einen effektiven Schriftspracherwerb auch andere Faktoren, z.B. motorische, körperliche, motivationsbezogene etc. relevant, aber eine zusätzliche Erörterung dieser würde über den Rahmen meiner Arbeit hinausreichen. Der Prozess des Schriftspracherwerbs ist individuell. Kinder durchlaufen in unterschiedlichem Tempo bestimmte Entwicklungsphasen und eignen sich entsprechende Strategien an. Es müssen günstige Lernbedingungen und eine strukturierte Förderung vorhanden sein, um Kinder in den einzelnen Phasen zu unterstützen. Basierend auf der Leitidee des Lehrplans für Grundschulen in NRW für das Fach Deutsch werde ich mich anschließend mit den didaktischen Möglichkeiten hierzu befassen. Unterrichtsgegenstände und Aufgabenbereiche, sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten der Orthografie, die bis zum Ende der Grundschulzeit erlangt werden sollen, werden, aufgrund der thematischen Schwerpunktsetzung nicht behandelt. Obwohl sich die Lese- und Schreib- Entwicklung gegenseitig bedingen, werde ich primär Ausführungen zur Schreibentwicklung machen. Hieraus darf nicht fälschlicherweise die Annahme folgen, dass dem Schreibprozess in der Grundschule mehr Aufmerksamkeit zukommen sollte. Aufgrund der starken Interdependenz zwischen Lesen- und Schreibenlernen resultieren aus den Ausführungen zum Schreibenlernen entsprechende Konsequenzen für den Leselernprozess. Aus Vereinfachungsgründen möchte ich diese nicht zusätzlich erläutern. Abschließend werden konkrete Kriterien und Anforderungen vorgestellt, die von Lernprogrammen erfüllt werden müssen, um den Schriftspracherwerb bei jedem Schüler effektiv und sinnvoll zu unterstützen.

Möglichkeiten der Internetnutzung in der Grundschule, sowie notwendige Voraussetzungen bezüglich der Hardware sollen nicht Gegenstand dieser Arbeit sein.

2. Hintergründe zum Schriftspracherwerb

Kochan definiert in Mitzlaff Schreiben als ein „Wechselspiel zwischen sozialen, geistigen und technischen Prozessen.“ Beim Erlernen der Rechtschreibung geht es unter anderem darum, mit seinem sozialen Umfeld in Korrespondenz zu treten, Einsichten in die Funktionen und den Aufbau unserer Schrift und in die Prinzipien der Orthografie zu erlangen und Strategien zum Lernen und Behalten dieser auszubilden, sowie motorische Fähigkeiten zur Verschriftlichung von Graphemen zu entwickeln

Zunächst werde ich, die Situation darzustellen, in der sich Kinder zu Beginn des Schriftspracherwerbs befinden, um hieraus wichtige sensorische Voraussetzungen und kognitive Fähigkeiten zum Schreibenlernen auszuarbeiten. Auf andere Entwicklungsbereiche soll in dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Anschließend stelle ich das Entwicklungsmodell zum Schriftspracherwerb von May vor, aus dem deutlich wird, welche Phasen Kinder beim Erlernen der Rechtschreibung durchlaufen und welche Strategien sie anwenden.

2.1 Ausgangssituation sowie grundlegende kognitive und sensorische Voraussetzungen

Kinder, die noch nicht schreiben und lesen können, haben einen anderen Zugang zur Sprache als Erwachsene. Sie beziehen Wörter auf ihren Sinnzusammenhang und interpretieren sie nicht auf der phonetischen oder schriftlichen Ebene. Wenn ein Kind beispielsweise gefragt wird, womit „Auto“ anfange, könnte als Antwort „Stoßstange“ genannt werden. Eine wichtige Voraussetzung zum Erwerb von Schriftsprache ist die Fähigkeit, den kontinuierlichen Sprechfluss in einzelne Segmente zu zergliedern. Kinder müssen erst lernen, dass sich Sprache in Wörter und diese wiederum in Morpheme und Phoneme zerlegen lassen und dass Schriftzeichen bestimmten Lauten zugeordnet sind. Einblicke in diese Phonem- Graphem- Korrespondenz zu erlangen, ist eine weitere grundlegende Voraussetzung zum Schriftspracherwerb. Schwierigkeiten resultieren allerdings daraus, dass oftmals keine eindeutige Zuordnung zwischen Phonemen und Graphemen existiert. So sind die Grapheme zum einen unterschiedlich komplex (ein Laut kann durch mehrere Buchstaben dargestellt werden), zudem gibt es Grapheme, die ein Phonem repräsentieren (z.B. l, m, t) und Grapheme, die zwei Phoneme repräsentieren, z.B. d für /d/ und /t/. Dies sind nur einige der Schwierigkeiten, mit denen sich Schüler im Anfangsunterricht auseinandersetzen müssen. Der Schriftspracherwerb setzt demnach kognitive Fähigkeiten voraus, die durch das Schreiben selbst wiederum gefördert werden.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kriterien und Anforderungen zum Einsatz von Computerprogrammen beim Schriftspracherwerb
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V48317
ISBN (eBook)
9783638450591
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriterien, Anforderungen, Einsatz, Computerprogrammen, Schriftspracherwerb
Arbeit zitieren
Petra Thiele (Autor), 2005, Kriterien und Anforderungen zum Einsatz von Computerprogrammen beim Schriftspracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48317

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