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Gemischte Charaktere in Gotthold E. Lessings 'Emilia Galotti'

Title: Gemischte Charaktere in Gotthold E. Lessings 'Emilia Galotti'

Seminar Paper , 2002 , 17 Pages , Grade: 1

Autor:in: Nicole Rösingh (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Tragödie "Emilia Galotti" gehört zweifelsohne zu den anerkanntesten Werken des Theaterdichters und Dramaturgen Gotthold E. Lessing. Sie steht nicht nur beispielhaft in der Tradition des deutschen bürgerlichen Trauerspiels, welches Lessing mitbegründet hatte, sondern gilt auch als "Musterbeispiel" einer aristotelischen Tragödie, da sich der Dramatiker bei der Konzeption seines Stückes weitgehend an den Vorgaben des großen griechischen Philosophen orientiert hat. In seiner dramentheoretischen Schrift der "Hamburgischen Dramaturgie" hat Lessing in epischer Breite die "Poetik des Aristoteles" und ihren ästhetischen Wirkungszusammenhang, im Hinblick auf die zeitgenössische Theaterkultur, analysiert. Einen wichtigen Aspekt dieser Reflexion stellt dabei die Gestaltung der Handlungsträger dar, die nach Lessing gemischten Charakteren entsprechen müssen.
Die folgende Ausarbeitung wird sich schwerpunktmäßig diesem "Phänomen" widmen, das neben der Interpretation der Katharsis zu einem der meistdiskutierten dramatischen Theoreme gehört. Der erste Teil der Arbeit wird sich zunächst mit der "Hamburgischen Dramaturgie" befassen und einen Überblick über die Ziele und Intentionen geben, die Lessing mit ihr verfolgt hat. Im Anschluss an die allgemeine Konzeption der Dramaturgie soll auf den Terminus des gemischten Charakters eingegangen werden und wie Lessing ihn definiert hat.
Der zweite Teil wird schließlich exemplarisch an den Figuren der Titelheldin und der des Prinzen von Guastalla untersuchen, inwiefern der Dramatiker seine Forderung nach gemischten Charakteren in "Emilia Galotti" umgesetzt hat. Entsprechen die Figuren tatsächlich dem "Identifikationsideal" der neuen bürgerlichen Öffentlichkeit, wie Lessing es letzten Endes gefordert hat oder sind sie immer noch auf eher stereotype Charaktere oder Märtyrer festgelegt, denen das Publikum, aufgrund ihrer "Überstilisierungen", nur mit Distanz begegnen kann?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lessings dramaturgisches Wirken am Hamburger Nationaltheater

3. Hamburgische Dramaturgie

3.1. Prinzipien und Ziele

3.2. Forderung nach gemischten Charakteren

4. Gemischte Charaktere in „Emilia Galotti“

4.1. Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla

4.2. Emilia Galotti

5. Schluss

Zielsetzung und Forschungsfragen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Gotthold E. Lessing seine theoretische Forderung nach „gemischten Charakteren“ in der Tragödie „Emilia Galotti“ praktisch umgesetzt hat. Dabei wird analysiert, ob die Figuren dem Ideal einer bürgerlichen Identifikation entsprechen oder ob sie hinter stereotypen Märtyrer-Konstruktionen zurückbleiben.

  • Die theoretischen Grundlagen der „Hamburgischen Dramaturgie“
  • Das Konzept der gemischten Charaktere als dramaturgisches Prinzip
  • Die Charakteranalyse des Prinzen Hettore Gonzaga
  • Die psychologische Untersuchung der Titelheldin Emilia Galotti
  • Die Verbindung von Erziehungsidealen und moralischer Verführbarkeit

Auszug aus dem Buch

4.2. Emilia Galotti

Die tragische Heldin Emilia Galotti, die dem Trauerspiel auch seinen Titel gab, wird erst sehr spät, im 6. Auftritt des 2. Aufzuges, in das Geschehen eingeführt. Bis dahin sind es die Aussagen der anderen dramatischen Handlungsträger, über die der Zuschauer näheres über die Titelheldin erfährt. So sind es vor allem die Attribute der Schönheit, Tugend und Frömmigkeit, über die Emilia, insbesondere von den männlichen Figuren, definiert wird. Der Maler Conti, der seinen Mäzen mit einem Portrait Emilias beglücken konnte, sieht in ihr sein „[...] einziges Studium der weiblichen Schönheit.“(I, 4 = S. 10) und Marinelli beschreibt sie, wenn auch in negativen Sinne gemeint, als „Ein Mädchen ohne Vermögen und ohne Rang [...]- mit ein wenig Larve, aber mit vielem Prunke von Tugend und Gefühl und Witz –und was weiß ich?“

Emilia ist die einzige Tochter des Landedelmannes Odoardo Galotti und seiner Frau Claudia, mit der sie getrennt vom Vater in der Stadt lebt. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter ist wie in fast allen bürgerlichen Trauerspielen ein von gegenseitiger zärtlicher Liebe bestimmtes, wenn es sich in Lessings Stück auch nicht in der gleichen schwärmerischen Weise offenbart, wie z.B. in „Miß Sara Sampson“. Wie Odoardo lebt auch Emilia nach denselben bürgerlichen Grundsätzen, die den Hof und sein lasterhaftes Treiben verabscheuen und denen Tugend und Gottesfurcht über alles geht. So erweist sie sich gegenüber ihrem Bräutigam als eine natürliche, einfach-gesinnte Frau, die jeglichen Prunk ablehnt und sehr auf Bescheidenheit bedacht ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von „Emilia Galotti“ als Musterbeispiel aristotelischer Tragödie dar und führt in die Fragestellung zur Umsetzung gemischter Charaktere ein.

2. Lessings dramaturgisches Wirken am Hamburger Nationaltheater: Das Kapitel beschreibt das Engagement Lessings in Hamburg sowie die Ziele des Nationaltheaters, die deutsche dramatische Literatur zu fördern.

3. Hamburgische Dramaturgie: Hier werden die theoretischen Ansätze Lessings, insbesondere die Abgrenzung zum französischen Klassizismus und die methodische Herangehensweise an die Theaterkritik, erörtert.

3.1. Prinzipien und Ziele: Dieses Kapitel erläutert Lessings Ziel, dem zeitgenössischen Theater durch empirische Beobachtung und kritische Analyse als Orientierungshilfe zu dienen.

3.2. Forderung nach gemischten Charakteren: Hier wird das dramaturgische Konzept der gemischten Charaktere definiert und in den Kontext der Katharsis und des bürgerlichen Trauerspiels gesetzt.

4. Gemischte Charaktere in „Emilia Galotti“: Die Überleitung zur exemplarischen Analyse der Hauptfiguren anhand der zuvor theoretisch erarbeiteten Kriterien.

4.1. Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla: Dieses Kapitel untersucht den Antagonisten und zeigt auf, dass der Prinz trotz absolutistischer Macht Anzeichen einer reflektierten Persönlichkeit und bürgerlicher Neigungen zeigt.

4.2. Emilia Galotti: Die Analyse der Titelheldin, die an der Strenge ihres bürgerlich-religiösen Erziehungsideals und ihrer eigenen menschlichen Verführbarkeit scheitert.

5. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse und kritische Reflexion des tragischen Endes sowie des Märtyrer-Status der Protagonistin.

Schlüsselwörter

Emilia Galotti, Gotthold E. Lessing, Hamburgische Dramaturgie, gemischte Charaktere, bürgerliches Trauerspiel, Aufklärung, Katharsis, Hettore Gonzaga, Odoardo Galotti, Tugend, Verführbarkeit, Absolutismus, Theaterkritik, Dramentheorie, Identifikationsideal.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die dramaturgische Konzeption von Gotthold E. Lessing im Trauerspiel „Emilia Galotti“ mit einem spezifischen Fokus auf die Charakterzeichnung der Hauptfiguren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen Lessings dramentheoretische Schrift „Hamburgische Dramaturgie“, das Konzept der gemischten Charaktere, bürgerliche Moralvorstellungen sowie die Analyse von Macht und Verführung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es zu klären, inwieweit Lessing seinen theoretischen Anspruch, Charaktere als Mischung aus Tugend und Laster darzustellen, in den Figuren des Prinzen und der Emilia Galotti erfolgreich umgesetzt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die sich auf Lessings eigene dramentheoretische Schriften stützt und diese auf die konkrete Figurengestaltung im Drama anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Dramaturgie und die anschließende exemplarische Analyse der Charaktere Hettore Gonzaga und Emilia Galotti.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind „gemischte Charaktere“, „bürgerliches Trauerspiel“, „Aufklärung“ und die „Hamburgische Dramaturgie“.

Warum wird der Prinz von Guastalla nicht als rein böser Gegenspieler betrachtet?

Obwohl er absolutistisch regiert, zeigt er in Phasen seiner Verliebtheit eine Sensibilität für bürgerliche Werte und erweist sich als Mensch, der durch sein höfisches Umfeld in Intrigen verstrickt wird.

Ist Emilia Galotti laut der Analyse eine reine Tugendheldin?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Emilia an ihrer eigenen Verführbarkeit und der Strenge ihres Erziehungsideals scheitert, was sie zu einer komplexen, fehlerhaften Figur macht.

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Details

Title
Gemischte Charaktere in Gotthold E. Lessings 'Emilia Galotti'
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg
Course
Einführung in die Dramenanalyse
Grade
1
Author
Nicole Rösingh (Author)
Publication Year
2002
Pages
17
Catalog Number
V48325
ISBN (eBook)
9783638450652
ISBN (Book)
9783638596602
Language
German
Tags
Gemischte Charaktere Gotthold Lessings Emilia Galotti Einführung Dramenanalyse Thema Emilia Galotti
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Rösingh (Author), 2002, Gemischte Charaktere in Gotthold E. Lessings 'Emilia Galotti', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48325
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