Die vorliegende Arbeit dient der Einführung in das Thema der Tragödien Jean Racines. Um jedoch den Autor und seine Werke optimal zeit- und gesellschaftspolitisch einordnen zu können, ist es unabdingbar, sich die historischen und kulturellen Gegebenheiten zu Lebzeiten Racines vor Augen zu führen.
Jean Racine gilt als einer der herausragendsten Schriftsteller des 17. Jahrhunderts, d.h. er ist einer der bestimmenden Theaterköpfe des Absolutismus. Als bekanntester Vertreter des europäischen Absolutismus gilt der französische Monarch Ludwig XIV.
Das Thema muß von verschiedenen Seiten betrachtet werden.
Zunächst erfolgt die Darstellung der Person Ludwigs XIV., angefangen bei seiner Kindheit über seine Alleinherrschaft als Erwachsener bis hin zum hohen Alter und dem Ausklang seiner Herrschaft.
Im darauffolgenden Absatz geht es um eine umfassende Betrachtung der Herrschafts-form des Absolutismus. Es werden allgemeine Charakteristika, aber auch spezielle Erscheinungen des französischen Absolutismus angesprochen. Den Finanzen, der Verwaltung, der Wirtschaft und dem Heer Frankreichs widerfährt gesonderte Aufmerksamkeit.
Der dritte Abschnitt widmet sich dem Verhältnis Ludwigs XIV. zu Kunst und Kultur. Es geht um Staatsmäzenatentum, um kulturelle Blüten im allgemeinen sowie Racines Beziehungen zum Hof im Speziellen.
Um den literaturwissenschaftlichen Aspekt in die Arbeit mit einfließen zu lassen, werden die Erläuterungen mit einem Blick auf Racines Stück Bérénice und dessen vermeintliche Relationen zur realen Person des Sonnenkönigs abgerundet. Von besonderem Wert für die vorliegenden Ausführungen waren einschlägige Biographien über Ludwig XIV., wie beispielsweise von Klaus Malettke oder Bernd-Rüdiger Schwesig. Für die Definition des Absolutismus konnten die Autoren Heinz Duchhardt und Johannes Kunisch vermehrt zu Rate gezogen werden. Die abschließenden literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkte wurden mit Hilfe der Larousse-Ausgabe des Theaterstücks Bérénice und der Dissertation von Günter Glesenfeld erarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Historisch-politischer Hintergrund: Der Absolutismus von Ludwig XIV. und Racines Bérénice
2 Historisch-politischer Hintergrund: der Absolutismus von Ludwig XIV.
2.1 Die Person Ludwig XIV.
2.1.1 Kindheit und Jugend
2.1.2 Der erwachsene König und seine Alleinherrschaft
2.1.3 Alter und Herrschaftsausklang
2.2 Der Absolutismus
2.2.1 Charakteristika der absolutistischen Herrschaftsform unter Ludwig XIV.
2.2.2 Auswirkungen in Staatsverwaltung und Finanzen
2.2.3 Folgen des Absolutismus in Wirtschaft und Heereswesen
2.3 Absolutismus, Ludwig XIV. und Kunst, Kultur und Literatur
2.3.1 Staatsmäzenatentum
2.3.2 Kulturelle Blüten im allgemeinen während des Absolutismus
2.3.3 Kurzbiographie Jean Racines und seine Beziehungen zum Hofe Ludwigs
2.4 Racines Stück Bérénice und Vergleiche mit Ludwig XIV.
2.4.1 Die Entwicklungsgeschichte des Werkes
2.4.2 Inhaltliche Erschließung des Stückes
2.4.3 Vergleiche zwischen dem Stück und der Person Ludwigs XIV.
3 Schlußbetrachtungen
4 Bibliographie
4.1 Primärquellen
4.2 Sekundärliteratur
4.3 Internetadressen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Werk des Dramatikers Jean Racine in den zeitgenössischen politisch-kulturellen Kontext des französischen Absolutismus unter Ludwig XIV. einzuordnen und dabei insbesondere Parallelen zwischen der historischen Herrscherfigur und den Charakteren in Racines Stück Bérénice zu untersuchen.
- Lebensweg und Herrschaftsstil von Ludwig XIV.
- Grundlagen und Charakteristika des klassischen Absolutismus
- Einfluss des Staates auf Kunst, Kultur und Literatur (Staatsmäzenatentum)
- Biographische Einordnung von Jean Racine und dessen Hofbeziehung
- Analyse des Werkes Bérénice im Hinblick auf das Spannungsfeld von Staatsräson und Liebe
Auszug aus dem Buch
2.4.3 VERGLEICHE ZWISCHEN DEM STÜCK UND DER PERSON LUDWIGS XIV.
Von Seiten einiger Interpreten des Stückes wurden Stimmen laut, die im Inhalt des Werkes einige Parallelen zum realen politischen und privaten Leben des Sonnenkönigs festgestellt haben wollen. Inwiefern diesen Interpretationen Wahrheitsgehalt zugemessen werden darf, soll jedem Leser bzw. Zuschauer selbst überlassen werden. Racine selbst hat sich jedoch nie in dieser Hinsicht geäußert. Doch exzerpieren wir einige dieser Entsprechungen.
„L’éclat de l’Empire romain sous Titus pouvait évoquer celui du règne de Louis XIV après la paix d’Aix-en-Chapelle (1668)." (Larousse 1999, 31) So wie hier die Herrschaft Ludwigs XIV. als glanzvoll und ruhmreich beschrieben wird, gilt auch die Kaiserzeit Titus’ als glorreich. Auch konnte sich Titus durch Monumentalbauten wie z.B. das Kolosseum verewigen, so wie der Sonnenkönig dies durch den Bau von Versailles anstrebte.
„Le personnage de Titus lui-même, sa majesté, sa générosité, ses amours n’étaient pas sans rapeller Louis XIV." (Larousse 1999, 31) Titus wird als hilfsbereiter, volksfreundlicher und vorbildlicher Herrscher beschrieben. Die Herrschaft Ludwigs XIV. zeigte besonders in ihren Anfängen ähnliche Tendenzen. Er bemühte sich um sein Volk und versuchte, den Absolutismus zum Nutzen der Menschen anzuwenden. Auch Ludwig galt als ein majestätischer und großzügiger König.
Die größte Ähnlichkeit zwischen dem Schicksal Titus’ und dem Ludwigs kann in der Beziehung zu Frauen gesehen werden. Während Titus auf Bérénice aus Gründen der Staatsräson verzichten mußte, war auch Ludwig gezwungen, sich von seiner großen Liebe Maria Mancini, der Nichte Mazarins, zu trennen.
„Le jeune Louis résiste d’abord, puis finit par céder aux objurgations de sa mère et de Mazarin réunis, dans l’intérêt de l’État." (Larousse 1999, 31) Titus und Ludwig fügen sich als Herrscher eines Reiches in ihr aufoktroyiertes Schicksal, verzichten auf ihr persönliches Glück und entscheiden sich schließlich willentlich für den Weg der Staatsräson.
Das heißt, wir sehen eigentlich sowohl im Theaterstück Jean Racines als auch im realen Leben Ludwigs XIV. „die Gestaltung eines Konflikts zwischen … diesem Bereich des leidenschaftlich-erotischen Engagements und einer ethischen Forderung, der zugunsten der letzteren entschieden wird.“ (Glesenfeld 1969, 32)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Historisch-politischer Hintergrund: Der Absolutismus von Ludwig XIV. und Racines Bérénice: Einleitende Darlegung der Zielsetzung, den Autor Jean Racine durch die Analyse der historischen Rahmenbedingungen des 17. Jahrhunderts in sein gesellschaftspolitisches Umfeld einzubetten.
2 Historisch-politischer Hintergrund: der Absolutismus von Ludwig XIV.: Umfassende Untersuchung der Biografie des Sonnenkönigs, der Definition des Absolutismus sowie des Verhältnisses des Monarchen zu Kultur und Literatur unter Berücksichtigung von Racines Werk.
3 Schlußbetrachtungen: Zusammenfassende Reflexion über die gegenseitige Beeinflussung von Herrschaftspraxis und literarischem Schaffen sowie die Verknüpfung der zentralen Thesen der Arbeit.
Schlüsselwörter
Ludwig XIV., Jean Racine, Absolutismus, Bérénice, Staatsräson, Staatsmäzenatentum, Klassizismus, Sonnenkönig, französische Monarchie, Literaturgeschichte, Theater, Politik, Hofleben, Macht, Herrscherkult
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Leben und Werk des französischen Schriftstellers Jean Racine und den historisch-politischen Realitäten Frankreichs im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIV.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Person Ludwig XIV., die Regierungsform des Absolutismus, die Rolle des Staates als Förderer von Kunst und Kultur sowie eine detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse des Stückes Bérénice.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu verdeutlichen, wie die historische Epoche des Absolutismus und die Herrschaftspraxis des Königs das literarische Schaffen von Racine beeinflusst haben und ob das Stück Bérénice als Spiegelbild persönlicher und politischer Konflikte Ludwigs XIV. gedeutet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, bei der Biografien, geschichtswissenschaftliche Definitionen des Absolutismus und literaturwissenschaftliche Auslegungen von Racines Werken methodisch miteinander verknüpft werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche Darstellung der Biografie Ludwigs XIV., eine Definition des Absolutismus inklusive seiner Auswirkungen auf Verwaltung und Militär, das Verhältnis des Königs zu den Künsten und eine inhaltliche sowie vergleichende Analyse des Stückes Bérénice.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere der Absolutismus, der Sonnenkönig, die Staatsräson, das Staatsmäzenatentum und das Spannungsfeld zwischen persönlicher Neigung und politischer Pflicht.
Warum ist die Analyse der Biografie von Ludwig XIV. für das Verständnis von Jean Racine so wichtig?
Weil Racine als einer der bedeutendsten Theaterköpfe des Absolutismus gilt und sein Aufstieg sowie seine Themenwahl maßgeblich von den Bedingungen und Anforderungen des königlichen Hofes geprägt waren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Parallelen zwischen dem Stück Bérénice und der Person Ludwig XIV.?
Der Autor stellt fest, dass es zwar Interpretationsansätze gibt, die das Stück als Bearbeitung des Liebesschicksals des jungen Sonnenkönigs sehen, betont jedoch, dass Racine dies nie explizit bestätigt hat und die Deutung dem Leser bzw. Zuschauer überlassen bleibt.
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- Daniela Scharnagl (Author), 2005, Historisch-politischer Hintergrund: Der Absolutismus von Ludwig XIV. und Racines Bérénice, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48371