Historisch-politischer Hintergrund: Der Absolutismus von Ludwig XIV. und Racines Bérénice


Seminararbeit, 2005
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Historisch-politischer Hintergrund: Der Absolutismus von Ludwig XIV. und Racines Bérénice

2 Historisch-politischer Hintergrund: der Absolutismus von Ludwig XIV.
2.1 Die Person Ludwig XIV.
2.1.1 Kindheit und Jugend
2.1.2 Der erwachsene König und seine Alleinherrschaft
2.1.3 Alter und Herrschaftsausklang
2.2 Der Absolutismus
2.2.1 Charakteristika der absolutistischen Herrschaftsform unter Ludwig XIV.
2.2.2 Auswirkungen in Staatsverwaltung und Finanzen
2.2.3 Folgen des Absolutismus in Wirtschaft und Heereswesen
2.3 Absolutismus, Ludwig XIV. und Kunst, Kultur und Literatur
2.3.1 Staatsmäzenatentum
2.3.2 Kulturelle Blüten im allgemeinen während des Absolutismus
2.3.3 Kurzbiographie Jean Racines und seine Beziehungen zum Hofe Ludwigs
2.4 Racines Stück Bérénice und Vergleiche mit Ludwig XIV.
2.4.1 Die Entwicklungsgeschichte des Werkes
2.4.2 Inhaltliche Erschließung des Stückes
2.4.3 Vergleiche zwischen dem Stück und der Person Ludwigs XIV.

3 Schlußbetrachtungen

4 Bibliographie
4.1 Primärquellen
4.2 Sekundärliteratur
4.3 Internetadressen

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit dient der Einführung in das Thema der Tragödien Jean Racines. Um jedoch den Autor und seine Werke optimal zeit- und gesellschaftspolitisch einordnen zu können, ist es unabdingbar, sich die historischen und kulturellen Gegebenheiten zu Lebzeiten Racines vor Augen zu führen.

Jean Racine gilt als einer der herausragendsten Schriftsteller des 17. Jahrhunderts, d.h. er ist einer der bestimmenden Theaterköpfe des Absolutismus.

Als bekanntester Vertreter des europäischen Absolutismus gilt der französische Monarch Ludwig XIV.

Das Thema muß von verschiedenen Seiten betrachtet werden.

Zunächst erfolgt die Darstellung der Person Ludwigs XIV., angefangen bei seiner Kindheit über seine Alleinherrschaft als Erwachsener bis hin zum hohen Alter und dem Ausklang seiner Herrschaft.

Im darauffolgenden Absatz geht es um eine umfassende Betrachtung der Herrschaftsform des Absolutismus. Es werden allgemeine Charakteristika, aber auch spezielle Erscheinungen des französischen Absolutismus angesprochen. Den Finanzen, der Verwaltung, der Wirtschaft und dem Heer Frankreichs widerfährt gesonderte Aufmerksamkeit.

Der dritte Abschnitt widmet sich dem Verhältnis Ludwigs XIV. zu Kunst und Kultur. Es geht um Staatsmäzenatentum, um kulturelle Blüten im allgemeinen sowie Racines Beziehungen zum Hof im Speziellen.

Um den literaturwissenschaftlichen Aspekt in die Arbeit mit einfließen zu lassen, werden die Erläuterungen mit einem Blick auf Racines Stück Bérénice und dessen vermeintliche Relationen zur realen Person des Sonnenkönigs abgerundet.

Von besonderem Wert für die vorliegenden Ausführungen waren einschlägige Biographien über Ludwig XIV., wie beispielsweise von Klaus Malettke oder Bernd-Rüdiger Schwesig. Für die Definition des Absolutismus konnten die Autoren Heinz Duchhardt und Johannes Kunisch vermehrt zu Rate gezogen werden. Die abschließenden literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkte wurden mit Hilfe der Larousse-Ausgabe des Theaterstücks Bérénice und der Dissertation von Günter Glesenfeld erarbeitet.

2 Historisch-politischer Hintergrund: der Absolutismus von Ludwig XIV.

Um die Stücke Jean Racines und deren Bedeutung adäquat einordnen zu können, ist es dringend vonnöten, die historischen Zeitumstände in Politik, Wirtschaft und Kultur des 17. Jahrhunderts näher in Augenschein zu nehmen. In diese Zeit fällt der Höhepunkt des Absolutismus mit seinem wohl herausragendsten Vertreter, Ludwig XIV. Zunächst soll nun also die Person des roi soleil betrachtet werden, um den Charakter und die Lebensumstände des Monarchen besser kennenzulernen.

2.1 Die Person Ludwig XIV.

Da Ludwig XIV. auch heutzutage noch als Sinnbild für den europäischen Absolutismus in seiner stärksten Ausprägung angesehen wird, muß der Charakter, die Person und das Leben des Sonnenkönigs zunächst ausführlich dargestellt werden.

2.1.1 Kindheit und Jugend

Dieudonné nannte das Volk Ludwig XIV., als er am 5. September 1638 in Saint-Germain-en-Laye geboren wurde. 22 Jahre währte die Ehe zwischen Ludwig XIII. von Frankreich und der spanischen Infantin Anna von Österreich bereits, war jedoch bisher kinderlos geblieben. Obwohl trotz des strikten Hoflebens kaum etwas über die Kindheit von Ludwig XIV. bekannt ist, gelten doch die Verehrung seines Vaters und die intensive Hinwendung zu seiner Mutter als gesichert. Da er seinen Vater bereits im Alter von fünf Jahren verlor, konnte seine Mutter beachtlichen Einfluß auf seine persönliche, aber auch auf seine politische Entwicklung gewinnen. (Malettke 1994, 40f.)

Auf seinem Sterbebett ordnete Ludwig XIII. die Taufe seines Sohnes an und bestimmte u.a. Kardinal Jules Mazarin zum Taufpaten. „Die Wahl Mazarins war von weitreichender Bedeutung für die Zukunft des Dauphins, ja für die Zukunft Frankreichs.“ (Malettke 1994, 42)

Nach dem Tode Ludwig XIII. konnte sich Anna von Österreich als unumschränkte Regentin über Frankreich etablieren. Sie bestimmte nach 1645 Jules Mazarin zum surintendant au gouvernement et à la conduite du Roi (Malettke 1994, 43), welcher diese Aufgabe sehr ernstnahm und Ludwig umfassende Kenntnisse in Geschichte, Staats- und Kirchenrecht, Mathematik und Sprachen vermittelte.

„Mazarin wollte aus seinem Mündel keinen Pedanten machen, sondern den jungen König behutsam, aber zielstrebig auf die Leitung der Staatsgeschäfte vorbereiten. Der Kardinal führte ihn in die Feinheiten der Diplomatie und in die vielschichtigen Probleme des Kriegswesens ein. Er brachte ihm aber auch die Liebe zur Kunst sowie die Bedeutung des königlichen Mäzenatentums nahe“. (Malettke 1994, 44)

Besonders prägten den jungen König die Ereignisse zwischen seinem 10. und 15. Lebensjahr, die mit den Auswirkungen der Fronde einhergingen. Den Anlaß hierfür gaben Steuermaßnahmen Mazarins, die bereits unter Richelieu begonnen worden waren. 1649 mußte der Hof fluchtartig Paris verlassen und zwei Jahre später waren der König und die Regentin gar für kurze Zeit Gefangene der Frondeure. (Malettke 1994, 45) Noch während der Fronde wurde Ludwig für volljährig erklärt, was nach französischem Staatsrecht bereits zu Beginn des 14. Lebensjahres erfolgte (7. September 1651). Zwar endete nun die offizielle Regentschaft Annas von Österreich, doch auf Wunsch ihres Sohnes blieb sie ihm eine treue Ratgeberin.

Zunächst änderte sich faktisch kaum etwas auf dem politischen Sektor mit dem Herrschaftsantritt Ludwig XIV.

„Mazarin, seinem Paten, ließ Ludwig XIV. […] den Anschein absoluter Gewalt. In der Realität vertraute der König seinem Premierminister auf den Feldern der Außenpolitik, der Diplomatie und des Kriegswesens. Hingegen schien er mit seinen Leistungen auf den Sektoren der Innenpolitik, der Finanzen, der Verwaltung und der Justiz weniger zufrieden zu sein […]. (Malettke 1994, 54)

Die feierliche Salbung und Krönung am 7. Juni 1654 in Reims symbolisierte wohl den bisherigen Höhepunkt in Ludwigs Leben. Ein eher persönlicher Höhepunkt war für Ludwig die leidenschaftliche Liebe zu einer Nichte Mazarins, Maria Mancini, einer intelligenten und selbstbewußten jungen Frau, die Ludwigs Interesse für Literatur entfachte. (Schwesig 2001, 24) Ludwig dachte sogar daran, Maria zur Frau zu nehmen, doch „eine Ehe mit Maria hat wohl außer den jungen Leuten selbst niemand für denkbar gehalten“ (Schwesig 2001, 25). Mazarin und Anna hatten die spanische Infantin Maria Theresia für Ludwig erwählt. Die Hochzeit zwischen der 22jährigen und dem König fand am 9. Juni 1660 statt. Zwar bemühte sich Ludwig anfangs sehr um seine Frau, doch bestanden laut Ludwig „die einzigartigen Vorzüge ihrer Person in einer eher kindlichen Wesensart und geringer geistiger Beweglichkeit.“ (Schwesig 2001, 27)

Die verlängerte Jugend Ludwig XIV. endete endgültig am 9. März 1661, als Jules Mazarin in Vincennes starb. Von nun an nahm der König die Regierungsgeschäfte in seine Hände und lenkte die Geschicke Frankreichs nahezu allein und selbständig.

2.1.2 Der erwachsene König und seine Alleinherrschaft

„Am 10. März 1661 brach Ludwig mit der Tradition; an diesem Tag begann seine persönliche Herrschaft, seine Selbstregierung.“ (Schwesig 2001, 29) Er war sich bewußt, daß das dadurch anfallende Arbeitspensum nur durch eine immense Eigenleistung und durch eine gewissenhafte Wahl seiner Berater zu bewältigen war, so daß es während seiner Regierung stets „nur einen erstaunlich kleinen Kreis von politischen Ratgebern“ (Hinrichs 2003, 193) gab. Er schaffte es wie kein Monarch vor ihm, die Macht in seinen Händen zu vereinen.

Von seiner Person her war Ludwig in der Blüte seiner Jahre von gutem Aussehen und umgänglichem Charme. Er hatte ein hervorragendes Gedächtnis, bewegte sich mit Maß und Takt im öffentlichen Bereich, doch wurden diese Tugenden mit zunehmendem Alter von der Überzeugung der eigenen Unfehlbarkeit und einer starken Egozentrik überschattet. (Malettke 1994, 67) Als junger, attraktiver Mann war er auch gegen den Reiz der Damen nicht gefeit, so daß sich im Laufe der Zeit einige außereheliche Liebschaften ereigneten. Am berühmtesten wurden wohl die Beziehungen zu Madame de la Vallière, die wohl von 1661 bis 1667 dauerte und aus der vier Kinder hervorgingen und die Verbindung mit der Marquise de Montespan mit acht Kindern, wovon aber nur vier das Erwachsenenalter erreichen sollten. (Malettke 1994, 80)

Als Symbol für sich und seine Herrschaft hatte sich der König die Sonne erkoren, weil sie „an Glanz unübertroffen sei, weil sie den Sternen, die sie wie ein Hof umkreisen, Licht spende, weil sie eine wohltätige, freude- und lebenspendende Wirkung habe, weil sie sich in ständiger Bewegung befinde.“ (Zons-Giesa 1977, 32) Dieses Zeichen wurde zum Sinnbild für Ludwig als Monarch – im Bestreben, alle Macht und Gewalt in seinen Händen zu vereinen -, als Politiker – alles in Frankreich hatte sich um den Hof und den König als Zentrum zu drehen –, und als von der eigenen Egozentrik durchdrungener Mensch – über allem hatten die persönliche gloire des Herrschers und die allgemeine grandeur der absolutistischen Herrschaft zu stehen. Insgesamt ließ „sich der König von einem stark ausgeprägtem Bedürfnis nach Ruhm und Reputation leiten. Wie sein Leitmotiv ziehen sich die Begriffe ‚meine Würde’, ‚mein Ruhm’, ‚meine Größe’, ‚meine Reputation’“ (Malettke 1994, 69) durch seine Dokumente.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Historisch-politischer Hintergrund: Der Absolutismus von Ludwig XIV. und Racines Bérénice
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Romanisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar Französische Literaturwissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V48371
ISBN (eBook)
9783638451048
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Titel des Proseminars: "Die Tragödien von Jean Racine"
Schlagworte
Historisch-politischer, Hintergrund, Absolutismus, Ludwig, Racines, Bérénice, Proseminar, Französische, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Daniela Scharnagl (Autor), 2005, Historisch-politischer Hintergrund: Der Absolutismus von Ludwig XIV. und Racines Bérénice, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48371

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