1. Einleitung
Um zum eigentlichen Thema, der Sprachnormierung in der Frankophonie hinzuleiten, müssen zunächst einige Begriffe geklärt werden. Dies geschieht im ersten Kapitel. Hier werden zunächst der Normbegriff, dann die Sprachnormierung und Sprachpflege in Frankreich erläutert, um dann im zweiten Kapitel die Frankophonie zu beleuchten. Im dritten Kapitel wird dann die Sprachpflege und Sprachnormierung in Québec thematisiert. In Québec lebt die größte frankophone Gemeinschaft außerhalb Frankreichs. Hier wird auf Unterschiede in der Normierungspraxis zu Frankreich hingewiesen.
2. Sprachnormierung in Frankreich
2.1 Sprache, Norm und Sprachnorm
Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel des Menschen. Sie kann als „ein historische entstandenes und überliefertes sozial institutionalisiertes System von Zeichen, das der menschlichen Gesellschaft zur Kommunikation dient […]“ interpretiert werden. Kommunikation funktioniert aber nur, wenn es bestimmte Regeln gibt, wie Sprache benutzt werden kann oder welche Wörter mit welcher Bedeutung besetzt sind. Hier setzt der Begriff der Norm an. Allgemein wird Norm als „Regel, Maßstab des Handelns“ definiert. Settekorn stellt folgendes fest: „Normen sind auf Handlungen bezogen, […]. Sie regulieren Abläufe von Interaktionen, da sie für die wechselseitigen Erwartungen der Interaktanten konstitutiv sind. In diesem Sinn sind Normen sozial.“ Eine gültige Definition besagt, dass soziale Normen „empirisch feststellbare Verhaltensweisen […]“ sind, „[…] die in einer Gesellschaft erwartet werden und denen man zu entsprechen hat (Brauch, Sitte), wenn keine Sanktionen folgen sollen“ .
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Sprachnormierung in Frankreich
2.1 Sprache, Norm und Sprachnorm
2.2 Sprachnormierung der französischen Sprache
2.3 Die Académie française
3. Frankophonie – ein Begriff, viele Bedeutungen
3.1 Historische Entwicklung des Begriffes
3.2 Die institutionelle Frankophonie
3.3 Die Rolle der Académie française in der Frankophonie
4. Sprachpflege und Sprachnormierung in Québec
4.1 Historische Entwicklung in Québec
4.2 Das français québécois
4.3 Das Office québécois de la langue française
4.3.1 Das OQLF und der normative Diskurs
4.3.2 Das OQLF und les québécismes
4.4 Unterschiede in der Sprachpflege zu Frankreich
4.5 Einfluss der Académie française auf die Sprachnormierung in Québec
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Mechanismen und Unterschiede der Sprachnormierung zwischen Frankreich und der frankophonen Gemeinschaft in Québec. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das französische Normmodell durch eigene sprachpolitische Ansätze in Québec ergänzt oder in Frage gestellt wird und welche Rolle die Académie française in diesem Prozess spielt.
- Sprachnormierung und Sprachpflege in Frankreich
- Entwicklung und institutionelle Ausgestaltung der Frankophonie
- Sprachliche Besonderheiten und Normierungspraxis in Québec
- Die Rolle und der Einfluss der Académie française
- Konfliktlinien zwischen zentralistischen Normen und regionaler Emanzipation
Auszug aus dem Buch
Die Académie française
Im Jahre 1634 gründete Kardinal Richelieu die Académie française. Er wollte „aus dem Französischen ein diplomatisches Instrument machen […]“, was durch intensive Beschäftigung mit der Sprache erfolgen sollte. Zu seiner Zeit fanden regelmäßige Treffen einiger Schriftsteller und Bürger der höfischen Elite in den Pariser Salons statt. Hier wurde über Literatur und Sprache diskutiert. Als Richelieu auf diese Treffen aufmerksam wurde, institutionalisierte er sie, um sie unter königliche Autorität zu stellen.
Heute ist die Académie française die wichtigste nationale Einrichtung öffentlicher Sprachpflege in Frankreich. Sprachpflege kann folgendermaßen definiert werden: sie „stellt […] ein bewußtes, zielorientiertes Eingreifen in Sprechen und Sprache dar, sie dient der gelenkten Herausbildung, Entwicklung und Bewahrung der Gemeinsprache […].“ Die Académie selbst sieht sich auch als „greffier du bon usage,“ also als Urkundsbeamter des bon usage.
Die 40 Mitglieder der Académie sind hauptsächlich Schriftsteller, aber auch Philosophen, Wissenschaftler oder Politiker, „deren literarischen Werke Vorbildfunktionen übernehmen und zur Festigung des bon usage beitragen.“ Sie müssen sich folglich durch eine vorbildliche Benutzung der französische Sprache auszeichnen: „[…] qui ont tous illustré particulièrement la langue française.“ Nur nach dem Tod eines Mitglieds kann ein neues Mitglied aufgenommen werden. Außerdem müssen Mitglieder die französische Staatsbürgerschaft besitzen, mindestens als zusätzliche Staatsbürgerschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Hinführung zum Thema der Sprachnormierung, Definition des normativen Rahmens und Abgrenzung der behandelten geografischen Schwerpunkte.
2. Sprachnormierung in Frankreich: Analyse des Normbegriffs, der historischen Entwicklung des Französischen und der zentralen Rolle der Académie française bei der Definition des bon usage.
3. Frankophonie – ein Begriff, viele Bedeutungen: Untersuchung der historischen Entwicklung und der heutigen institutionellen Struktur der Frankophonie sowie des Einflusses der Académie française auf diese internationale Gemeinschaft.
4. Sprachpflege und Sprachnormierung in Québec: Beleuchtung der sprachlichen Besonderheiten in Québec, der Arbeit des Office québécois de la langue française und der Divergenz zur französischen Normierungspraxis.
5. Schlussbemerkung: Fazit über die gegensätzlichen Sichtweisen der Sprachnormierung und das Streben Québecs nach sprachlicher Eigenständigkeit gegenüber Frankreich.
Schlüsselwörter
Sprachnormierung, Sprachpflege, Académie française, Frankophonie, Québec, français québécois, Office québécois de la langue française, bon usage, Sprachpolitik, Norm, Terminologie, Sprachbewusstsein, Emanzipation, Anglizismen, Sprachvarietät.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Sprachnormierung in Frankreich und in der frankophonen Gemeinschaft in Québec.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Sprachnormen, die Rolle der Académie française und die spezifische Sprachpolitik in Québec.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in der Normierungspraxis zwischen Frankreich und Québec aufzuzeigen und die Auswirkungen auf das heutige Sprachverständnis zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Untersuchung sprachwissenschaftlicher Konzepte der Normierung und Sprachpflege.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der französischen Norm, die Entstehung der institutionellen Frankophonie und die spezifische Situation des français québécois unter dem OQLF.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Sprachnormierung, Sprachpolitik, Frankophonie, Académie française und Québec.
Welche Funktion hat das OQLF in Québec?
Das Office québécois de la langue française agiert als staatliche Institution, die für die Franzisierung, Terminologie und den Schutz der Sprachqualität in Québec zuständig ist.
Warum gibt es Konflikte zwischen der Académie française und dem OQLF?
Die Konflikte ergeben sich aus unterschiedlichen Ansätzen: Die Académie gilt oft als konservativ, während das OQLF einen liberaleren und progressiveren Weg zur Wahrung der regionalen Identität verfolgt.
Was sind Quebezismen?
Quebezismen sind sprachliche Besonderheiten (Archaismen, Neologismen oder Entlehnungen), die spezifisch für das Französische in Québec sind.
- Quote paper
- Steffen Kittler (Author), 2005, Sprachnormierung in Frankreich und der Frankophonie am Beispiel Québécs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48376