Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Habitation and Urban Sociology

Ausgrenzung und urbane Kontrolle am Beispiel der Europapassage in der Hansestadt Hamburg

Title: Ausgrenzung und urbane Kontrolle am Beispiel der Europapassage in der Hansestadt Hamburg

Diploma Thesis , 2005 , 98 Pages , Grade: 1

Autor:in: Bodil Pohl (Author)

Sociology - Habitation and Urban Sociology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Unter dem Begriff des 'öffentlichen Raums' hat man in der Regel Straßen, Plätze oder Parks vor Augen. Diese Räumlichkeiten sind Orte des Austausches, der zufälligen Begegnung, des Kennenlernens von Neuem und Andersartigem, hier spielt sich gesellschaftliches Leben ab - eben Orte, wo Menschen zusammenkommen und in Interaktion treten. Dieser öffentliche Raum hat im vergangenen Jahrhundert die Vorstellung von Stadt bzw. Urbanität geprägt. Gegenwärtig erlebt dieser öffentliche Raum einen tief greifenden Wandel, der sich vorläufig in zwei Aspekte gliedern lässt:
1. der öffentlicher Raum wird aufgelöst, zu Gunsten simulierter von einander getrennter öffentlicher Räume.
2. diese simulierten öffentlichen Raume werden dominiert durch neue Formen der Sicherheitsherstellung.
Die Veränderung des öffentlichen Raums bzw. seine Auflösung hin zu unterschiedlichen Simulationen von öffentlichen Räumen, bedeutet aber mehr als nur die Veränderung der äußeren Bedingungen von städtischem Leben. Sie markiert zugleich eine neue Technologie von Herrschaft und Verhaltenskontrolle. Es ist eine neue Form der Kontrolle entstanden, um sich Räume anzueignen und Sicherheit zu gewähren. So werden in der vorliegenden Arbeit diese Neudefinitionen der Räume aufgezeigt und anhand eines Fallbeispieles existente, unsichtbare und diskursive Ausgrenzungsmechanismen beschrieben. Konkret wird hier der Wandel der Hamburger Innenstadt durch die Passagesierung, mit einhergehender Privatisierung, benannt.
Im ersten Kapitel wird das theoretische Gerüst der Arbeit erläutert. Als theoretische Grundlage der Analyse wird das Konstrukt der Kontrollgesellschaft von Gilles Deleuze und die new penology von Jonathan Simon und Malcom M. Feeley in der Arbeit verwendet.
Der Begriff Kontrollgesellschaft ruft in erster Linie Orwell’sche Fantasien in Form eines diktatorischen Überwachungsstaates hervor, der mit der heutigen Realität nicht in Verbindung gebracht wird. Diese Orwellschen Fantasien spiegeln aber eine fiktionale Realität wider, die sich mittlerweile in immer mehr Archipelen unserer Gesellschaft wieder finden lässt. Galt es früher, die Gesellschaft zu disziplinieren (Disziplinargesellschaft), ist man, nach Foucault mittlerweile in einer Phase, in der Menschen nicht mehr 'erzogen' werden, sondern man ist dazu übergegangen, die Individuen in Form von Ausschluss (aus Räumen) zu kontrollieren (Kontrollgesellschaft).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Was ist Raum, oder wo leben wir eigentlich?

1.1 Disziplinargesellschaft oder Kontrollgesellschaft

1.2 Sicherheit kennt keine Grenzen

1.2.1 Raum und Ort

1.2.2 Sicherheit und gefährliche Orte

1.3 Sicherheit durch Architektur

1.3.1 Crime Prevention Through Environmental Design

1.3.2 Ästhetisierung und Sauberkeit

1.4 Nicht - Orte

1.5 Fazit

2 Shopping Mall – eine Form des öffentlichen Raumes?

2.1 Die Shopping Mall

2.2 Passagen

2.3 Skywalks

2.4 Fazit

3 Konkretisierungen am Beispiel der geplanten Europapassage in HH und ihrer Zugangsmechanismen

3.1 Wirtschaftliche Legitimation des Standortes

3.2 Architektur

3.2.1 Design und Raummobiliar

3.2.2 Architektur der Europapassage

3.2.3 Fazit

3.3 Die Gestaltung der Sicherheit durch Licht

3.3.1 Das gestalterische Mittel Licht in der Europapassage

3.3.2 Fazit

3.4 Kameraüberwachung

3.4.1 Closed Circuit Television

3.4.2 Kameraüberwachung in Shopping Malls

3.4.3 Geplanter Einsatz von Kameraüberwachung in der Europapassage

3.4.4 Fazit

3.5 Sicherheitspersonal

3.5.1 Sicherheitspersonal in einer Shopping Mall

3.5.2 Geplanter Einsatz von Sicherheitspersonal in der Europapassage

3.5.3 Fazit

4 Die Europapassage als Archipel der Sicherheit in der Hamburger Innenstadt – eine Veränderung der Innenstadt?

4.1 Die Theorie der Inseln, oder wie darf ich mich verhalten ?

5 Ausblick – Szenarien

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel des öffentlichen Raums in modernen Innenstädten, insbesondere unter dem Aspekt neuer Technologien der Herrschaft und Verhaltenskontrolle. Ziel ist es, am Fallbeispiel der Europapassage in Hamburg aufzuzeigen, wie durch Privatisierung und architektonische sowie sicherheitstechnische Maßnahmen "Sicherheitsarchipele" entstehen, die exklusive Zugangsmechanismen etablieren und den öffentlichen Charakter städtischen Lebens simulieren.

  • Auflösung des öffentlichen Raums zugunsten privatisierter, simulierter Räume.
  • Die Kontrollgesellschaft und die "New Penology" als theoretischer Rahmen.
  • Architektonische Ausschlussmechanismen (CPTED) und die Ästhetisierung von Sicherheit.
  • Die Rolle von Kameraüberwachung und Sicherheitspersonal als Instrumente der Vertreibung.
  • Widerstandspraktiken in kontrollierten Räumen.

Auszug aus dem Buch

3.4.2 Kameraüberwachung in Shopping Malls

Die Sicherheit in einer Shopping Mall basiert auf dem Zusammenspiel zwischen der Architektur, den privaten Sicherheitsdiensten und der Videoüberwachung. An den Stellen, wo die Architektur im Rahmen des CPTED nicht mit Übersichtlichkeit arbeitet, werden Videokameras eingesetzt. Videokameras können bis zu 200m weit sehen. Diese Distanz kommt dem vom menschlichen Auge zu erfassenden Blickfeld sehr nahe. Sobald die Übersichtlichkeit wieder gegeben ist, wird die Sicherheit bzw. Konformität durch die Käufer und das Sicherheitspersonal hergestellt.

Die Kamera, ob gezielt versteckt oder deutlich sichtbar, überwacht grundsätzlich alle im Raum, und so dient sie nicht nur der Abschreckung bzw. Ortung unerwünschter (konsumuntauglicher) Personen, sondern sie dient auch als Messinstrument. So genannte 'people counter' überwachen die Eingänge, wobei das Gerät menschliche Gestalten in Zahlen umwandelt. Wer benutzt zu welcher Zeit welche Eingänge oder Ausgänge? Welche BesucherInnen werden zu KäuferInnen? Es ist unmöglich, sich diesem Phänomen zu entziehen: Selbst wenn man diesen Zentren einen Besuch in kritischer, beobachtender Absicht abstattet, wird man zu den BesucherInnen gezählt und durch die Registrierung unweigerlich zu einem statistischen Beweis ihres Erfolges.

Neben der fehlenden Möglichkeit, sich dem Phänomen der Registrierung zu entziehen, ist es aus juristischer Sicht ein ganz legaler Vorgang. Obwohl Einkaufszentren ebenso wie Passagen meist in privater Hand sind, haben sie nur allzu oft einen „öffentlichen Charakter“, bzw. sind baulich so in das Stadtbild integriert, dass ein Passieren notwendig ist (vgl. Alisch, http://www.aktuelle-kamera.org/). Die Kontrolle über die persönliche Freiheit der Passanten wird meist nur durch einen längeren Umweg möglich. Am Beispiel der Europapassage würde das bedeuten den direkten, aber kameraüberwachten Weg durch die Passage zu meiden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Was ist Raum, oder wo leben wir eigentlich?: Das Kapitel führt in die theoretischen Konzepte der Disziplinargesellschaft nach Foucault und der Kontrollgesellschaft nach Deleuze ein und definiert den Wandel des öffentlichen Raums.

2 Shopping Mall – eine Form des öffentlichen Raumes?: Hier werden die Shopping Mall, Passagen und Skywalks als neue, privatisierte Raumstrukturen analysiert, die den Konsum in den Mittelpunkt stellen.

3 Konkretisierungen am Beispiel der geplanten Europapassage in HH und ihrer Zugangsmechanismen: Dieser Hauptteil konkretisiert die theoretischen Erkenntnisse am Beispiel der Europapassage durch eine Untersuchung von Architektur, Licht, Videoüberwachung und Sicherheitspersonal.

4 Die Europapassage als Archipel der Sicherheit in der Hamburger Innenstadt – eine Veränderung der Innenstadt?: Das Kapitel bettet die Europapassage in die stadtplanerische Entwicklung ein und analysiert die Auswirkungen als neuen "Sicherheitsarchipel" sowie Möglichkeiten des Widerstands.

5 Ausblick – Szenarien: Der Ausblick thematisiert Risse und Nischen innerhalb der Kontrollgesellschaft und diskutiert, wie durch kreative Raumaneignung Kontrolle hinterfragt werden kann.

Schlüsselwörter

Kontrollgesellschaft, Europapassage, öffentlicher Raum, Sicherheitsarchipel, Überwachung, Architektur, Ausschlussmechanismen, New Penology, Privatisierung, Konsum, Stadtentwicklung, Sicherheit, Widerstand, Nicht-Orte, CPTED.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Wandel des öffentlichen Raums in Innenstädten hin zu kontrollierten, konsumorientierten Orten und analysiert am Beispiel der Hamburger Europapassage, wie dies durch architektonische und sicherheitstechnische Mittel umgesetzt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die soziologischen Konzepte von Raum und Kontrolle, die Entstehung "privater" öffentlicher Räume wie Shopping Malls sowie Strategien zur Sicherheit durch Überwachung und Gestaltung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die unsichtbaren Ausgrenzungsmechanismen in modernen Passagen aufzudecken und zu zeigen, wie durch "Sicherheitsarchipele" soziale Segregation im städtischen Raum forciert wird.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt eine fundierte Theorieanalyse (Deleuze, Foucault, Simon, Feeley, Newman) in Kombination mit einer Fallstudie der Europapassage, basierend auf Medienberichten und einem dokumentierten Interview mit der Projektleitung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die konkreten Kontrollmechanismen der Europapassage: architektonische Gestaltung, Lichtkonzepte, Kameraüberwachungssysteme und das Sicherheitspersonal.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Kontrollgesellschaft, Sicherheitsarchipel, Überwachung, Privatisierung, Ausschluss, Architektur, Konsum und Widerstand.

Warum wird die Europapassage als "Sicherheitsarchipel" bezeichnet?

Der Begriff beschreibt den Charakter der Passage als kontrollierte, in sich geschlossene Insel inmitten der Innenstadt, die durch Barrieren (physisch und symbolisch) nur für ein bestimmtes Klientel zugänglich ist.

Welche Rolle spielt die "New Penology" für die Sicherheitsstrategie?

Die New Penology liefert das theoretische Modell für das Risikomanagement, bei dem nicht mehr individuelle Straftäter im Fokus stehen, sondern die effiziente Verwaltung und statistische Einschätzung ganzer Gruppen, um unliebsames Verhalten präventiv aus konsumorientierten Räumen fernzuhalten.

Was ist das "Ligna Radioballett"?

Das Radioballett ist ein Beispiel für einen künstlerischen, aktionistischen Widerstand, bei dem durch Radioanweisungen in öffentlichen Räumen alltägliche Gesten verfremdet wurden, um die geltenden Kontroll- und Verbotsmechanismen durch spielerische Aneignung zu konterkarieren.

Excerpt out of 98 pages  - scroll top

Details

Title
Ausgrenzung und urbane Kontrolle am Beispiel der Europapassage in der Hansestadt Hamburg
College
University of Bremen
Grade
1
Author
Bodil Pohl (Author)
Publication Year
2005
Pages
98
Catalog Number
V48397
ISBN (eBook)
9783638451178
Language
German
Tags
Ausgrenzung Kontrolle Beispiel Europapassage Hansestadt Hamburg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bodil Pohl (Author), 2005, Ausgrenzung und urbane Kontrolle am Beispiel der Europapassage in der Hansestadt Hamburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48397
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  98  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint