Verehrungsstätten, Märtyrerverehrung und frühe Kirchen in den Katakomben Roms


Essay, 2018
10 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Verehrungsstätten, Märtyrerverehrung und frühe Kirchen in den Katakomben
2.1 Die Katakomben in Rom und ihre frühe Entwicklung
2.2 Märtyrerkult und erste Verehrungsstätten in den Katakomben
2.3 Unterirdische Kirchen in den Katakomben

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserem Seminar haben wir uns vorwiegend mit dem spätantiken und frühchristlichen Rom beschäftigt und damit einhergehend auch mit den unterirdischen Katakomben in Rom sowie frühen unterirdischen Kirchen. In diesem Exposé wird auf jenen Teilaspekt des Seminars eingegangen und darüber hinaus ein Schwerpunkt auf die Entwicklung, Verbreitung und Ausübung des Märtyrerkults in Zusammenhang mit den Katakomben gesetzt. Wenn man sich mit dem Phänomen des Märtyrerkults auseinandersetzt, muss man unter anderen auch den Totenkult im spätantiken und frühchristlichen Rom selbst berücksichtigen. Die Bestattung der Verstorbenen sowie derer Erinnerung verbindet die meisten Kulturen und Epochen menschlicher Zivilisationen und lässt die Frage zu, inwiefern Totenkult gar Kultur determiniert. Die Entstehung und Ausübung der Märtyrerverehrung in Rom geht auf die Verehrung von Menschen zurück, die verfolgt, getötet oder gefoltert wurden, während sie sich dabei zum christlichen Glauben bekannten. Auch wenn diese Definition von Märtyrern sehr oberflächlich erscheinen mag, lässt sie aber die Frage zu, welchen Stellenwert das Martyrium für die Menschen der damaligen Zeit hatte und warum es zu einer derartigen Verbreitung des Märtyrerkultes kam. Dazu wird im Folgenden zuerst auf die Entstehung und den Nutzen der Katakomben in Rom per se eingegangen und mit diesen auf bestimmte Symbole, Bräuche und Phänomene bei dem christlichen Totenkult in der Spätantike.

2.Verehrungsstätten, Märtyrerverehrung und frühe Kirchen in den Katakomben

2.1 Die Katakomben in Rom und ihre frühe Entwicklung

Bei der Betrachtung der Bestattungsformen in der Antike kann man vor allem im 2. Jahrhundert einen Einschnitt erkennen, da sich der Brauch der Körperbestattung ab hier langsam auch in Rom durchsetzte. Aber dieser Wandel entsprang nicht nur christlichen Tendenzen, sondern auch heidnischen, wie man daran erkennen kann, dass es zu dieser Zeit zum Wiederaufleben der Sarkophage kam, welche sich die christliche, zum großen Teil ärmere, Bevölkerung, nicht hätte leisten können. Vor allem mit diesem Wechsel der römischen Grabsitten erhält das Begräbnis an sich im Christentum einen bedeutenden religiösen Aspekt, da die Körperbestattung und der Gedanke der Wiederauferstehung miteinander verbunden werden. Eine Konsequenz daraus war das Entstehen der Katakomben ab dem Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrhunderts. Diese waren unterirdische, christliche Friedhofsanlagen, welche sich aus Gängen und Gräbern zusammensetzten und intensiv für Bestattungen genutzt wurden. Der Begriff Katakombe, welcher eigentlich Talsenke bedeutet, ist dabei aber wohl nicht der Terminus, den die Christen dieser Zeit schon benutzten, sondern diese Grabanlagen wurden einfach als Cryptae bezeichnet. In Rom entstanden über 60 Katakomben, welche an den großen Ausfallstraßen außerhalb der Stadtmauern lagen, da die Körperbestattung in Rom selbst nach dem Gesetz verboten war. Sie konnten mehrere über Treppen verbundene Ebenen haben und wiesen verzweigte, fischgrätenähnliche Gangsysteme auf, in deren Wände sich einfache Nischengräber, sogenannte „Loculi“-Gräber, befanden. Soziale Unterschiede waren zunächst bei den Gräbern nicht zu erkennen , zum einen, da die hier bestatteten Menschen der ärmeren Bevölkerung entsprangen, zum anderen aber auch, weil monumentale Gräber in der Zeit vor und während diesem Wandel der Grabsitten unüblich waren. So wurden auch Päpste zunächst in einfachen „Loculi“-Gräbern beigesetzt. Ab der Mitte des 3. Jahrhunderts schlossen sich an diese Gangsysteme aber auch immer öfter kleine separate Grabkammern an, die „Cubiculum“ genannt wurden und im Laufe der Zeit immer aufwendiger ausgeschmückt waren. Dieser Begriff, der eigentlich mit dem Schlafgemach des römischen Hauses in Verbindung gebracht wird, spiegelt dabei den immer populäreren Aspekt im Christentum wieder, nach welchem der Tod nur als vorübergehender Schlaf verstanden wurde. Im 3. Jahrhundert etablierte sich der Brauch, die Gräber mit einer mörtelüberzogenen Grabplatte zu verschließen, in die Gegenstände der Verstorbenen oder christlichen Symbolik eingedrückt, beziehungsweise eingeritzt wurden. Aber auch Marmorplatten mit lateinischer oder griechischer Inschrift, die meist Namen, Alter und das Datum der Beisetzung enthielten waren üblich, falls man sich dies leisten konnte. Dieser individuelle Charakter der Wiedererkennung zeigt auch schon früh, dass die Katakomben nicht nur bloße Orte der Bestattung waren, sondern auch von den Angehörigen besucht wurden. Die Gestaltung der Gräber wurde vor allem im 4. Jahrhundert wesentlich aufwendiger. Sogenannte „Arkosolgräber“ waren immer öfter in den Grabkammern vertreten. Diese wiesen einen gewölbten Bogen über dem Sarkophag auf, welcher oft aufwendig und kunstvoll bemalt war. Die Motive und Malereien in den Katakomben hatten in den meisten Fällen einen christlichen Charakter, aber auch heidnische Mythologie, die sehr häufig christlich umgedeutet wurde und alltägliche Themen wie Berufe wurden in diesen widergespiegelt. Die reiche Ausgestaltung lässt natürlich auf einflussreiche Auftraggeber schließen und tritt deshalb erst im Laufe der Christianisierung Roms auf, als auch mehr der vermögenderen Familien Roms zum Christentum konvertierten und nicht auf eine monumentale Ausgestaltung des eigenen Grabes oder das der Familie verzichten wollten. Mit dem Religionsfrieden im Jahre 312 n. Chr. kann man bei den Katakomben einen bedeutenden Einschnitt erkennen. Zum einen werden die Katakomben stark ausgebaut und neue geschaffen, wobei vor allem die Umgangsbasiliken christlicher Heiliger Mittelpunkte für die unterirdischen Friedhöfe werden. Zum anderen werden Grabkammern immer populärer und monumentaler. Es werden architektonisch aufwendige, wie zum Beispiel kreuzförmige, runde, rechteckige Formen gewählt und die Kammern werden nicht selten mit Marmorverkleidungen, Mosaiken, Fresken oder sogar Säulen ausgestaltet. In den „Cubicula“ findet man seit konstantinischer Zeit auch Einrichtungsgegenstände für das Totenmahl vor, also Tische, Stühle oder Brunnen, welche meist aus Steinblöcken bestanden. Diesen Bereichen der Katakomben kann man anhand von Inschriften entnehmen, dass sie vor allem von römischen Christen mit hohem sozialen Niveau genutzt wurden.

2.2 Märtyrerkult und erste Verehrungsstätten in den Katakomben

Beschäftigt man sich mit dem Märtyrerkult und deren Verehrung müssen einige Fragen gestellt werden, um die Entwicklung vollständig zu erfassen. Da es sich hierbei um ein Phänomen des Totenkults handelt, welches ihre Wurzeln auch in den Katakomben hatte, ist zu fragen, warum diese Verehrungsstätten für Märtyrer überhaupt entstanden, welche Wirkung Märtyrer auf die Gläubigen hatten, also ob sie als Vorbild gesehen wurden oder zur Nachahmung anregen sollten und wie diese Verehrung vonstattenging. Aber auch die Entwicklung des Märtyrerkultes soll betrachtet werden. Die intensive Verehrung der Märtyrergräber hatte ihre Anfänge vor allem in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts, als begonnen wurde vereinzelt die Gräber der bedeutendsten Märtyrer, wie das des heiligen Laurentius, umzugestalten. Sie wurden zum Beispiel mit Marmordekorationen, Lichtschächten und Lampen versehen sowie wurden die Gräber durch Erweiterung der Gänge und Treppen für die Gläubigen zugänglich gemacht. Dies zeigt, dass schon ab hier ein Anspruch darauf bestand, die Heiligen auch an ihren Gräbern zu verehren. Zusätzlich wurden erstmals neue Bereiche im direkten Anschluss an die Gräber geschaffen, um privilegierte Bestattungen aufzunehmen. Mit dem Pontifikat des Papst Damasus in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts änderte sich der Märtyrerkult und ihre Verehrungsstätten maßgeblich. Die Anlage neuer Katakomben ging zurück und vor allem der Ausbau sowie die monumentale Ausgestaltung der Märtyrergräber rückte in den Vordergrund. Diese Förderung der Märtyrerverehrung selbst ging mit den vorherrschenden Spaltungen in der christlichen Glaubensgemeinschaft und Schwierigkeiten bei der Anerkennung seines Pontifikats einher. Die nun eintretende offizielle Begünstigung der Heiligenverehrung durch die Kirche – unter Papst Damasus wurden gezielt Marmorplatten an vielen der Heiligengräber aufgestellt, die an deren Taten erinnern sollten und zur Nachahmung dieser Taten aufriefen – hatte das Ziel die christliche Volksfrömmigkeit zu kontrollieren und genau die Taten und Verhaltensweisen der Märtyrer hervorzuheben, welche den Zielen der Kirchenpolitik entsprachen, um zum Beispiel die Einheit der christlichen Gemeinschaft wiederherzustellen. Diese Förderung der Heiligenverehrung hatte neue Dimensionen der Wallfahrten und Pilgerreisen zur Folge, welche die Gräber der Märtyrer besuchen wollten. Dass diese Besuche schon vorher stattfanden, wurde bereits erwähnt und wird dadurch gestützt, dass schon seit Beginn des 4. Jahrhunderts die Zugangsmöglichkeiten von den Basiliken zu den Gräbern der Märtyrer verbessert wurden. Zusätzlich führte dieser neue Umgang mit der Märtyrerverehrung auch zu einem rapiden Anstieg der Bestattungen ad sanctos. Dies war zwar schon vorher bei Beisetzungen bedeutender Personen nicht unüblich, wurde aber mit Papst Damasus zu einem immer populärer werdenden Phänomen, zum einen weil man annahm, dass die Nähe des eigenen Grabes zu einem Märtyrergrab jemanden einen Vorteil im Jenseits brachte und zum anderen, da der Gedanke der Widerauferstehung ein allgegenwärtiger Aspekt des christlichen Totenkults war und man deshalb die Nähe zu einem Heiligen bewusst suchte. Der Vorteil und die Popularität der Bestattungen ad sanctos wurden durch Papst Damasus gezielt von kirchlicher Seite sanktioniert, um den Märtyrerkult weiter zu fördern. So kam es unter den Gläubigen zu einem regelrechten Wettstreit, wer die nähesten Gräber zu den Heiligen bekam und die Erweiterung der Katakomben wurde dadurch determiniert, sodass man vor allem privilegierte Plätze in den schon vorhandenen Katakomben und so nah wie möglich an den Heiligen schaffen wollte, anstatt neue Katakomben anzulegen. So entwickelten sich zum Beispiel hinter dem damasianischen Heiligtum, analog zu anderen Märtyrergräbern, neue Bezirke aus monumentalen Grabkammern. Diese neuen Katakombenbezirke, retro sanctos, waren durch ausgeschmückte und monumental gestaltete Gräber sowie Sarkophage gekennzeichnet, was darauf hindeutet, dass diese privilegierten Plätze denen vorbehalten waren, welche sich diese auch leisten konnten. Denn der Ausbau der Verehrungsstätten für Märtyrer musste auch finanziert werden. Der Beitrag von beispielsweise Adelsfamilien oder großzügige Schenkungen an die Kirche durch Privatpersonen, die den Ausbau der Katakomben in Hinsicht auf die neue Heiligenverehrung ermöglichten, wurde, wie man den Überlieferungen entnehmen kann, mit diesen privilegierten Plätzen in den neuen Friedhofsbezirken retro sanctos belohnt. Dieser finanzielle Aspekt der Märtyrerverehrung ist natürlich auch ein wichtiger Grund, um sich seine nun eintretende konsequente kirchliche Förderung zu erklären.

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Verehrungsstätten, Märtyrerverehrung und frühe Kirchen in den Katakomben Roms
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
10
Katalognummer
V484139
ISBN (eBook)
9783668962798
ISBN (Buch)
9783668962804
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Katakomben, Rom, Christentum, Märtyrer, Verehrung, Verehrungsstätten, Märtyrerverehrung, frühe Kirchen
Arbeit zitieren
Adrian Karmann (Autor), 2018, Verehrungsstätten, Märtyrerverehrung und frühe Kirchen in den Katakomben Roms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/484139

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