Sprachwandel gehört zu den Universalien jeder natürlichen Sprache. Ursachen und Gründe für diesen Wandel sind jedoch nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Die Sprachwandeltheorie von Rudi Keller bietet eine Erklärungsmöglichkeit für das Phänomen Sprachwandel. Sie wird in dieser Arbeit kurz vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundsätzliche Fragestellungen
2.1 Was wandelt sich in einer Sprache und wie schnell vollzieht sich dieser Wandel?
2.2 Wie lässt sich Sprachwandel beschreiben und warum findet er statt?
3. Die Sprachwandeltheorie Rudi Kellers
3.1 Grundannahmen und zentrale Begriffe
3.2 Grenzen der Theorie
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Sprachwandeltheorie von Rudi Keller auseinander, um zu klären, wie Sprachveränderungen als kollektive, ungeplante Prozesse verstanden werden können. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern Sprachwandel als ein Phänomen der „unsichtbaren Hand“ beschrieben werden kann, das aus individuellen, aber nicht zielgerichteten Handlungen resultiert.
- Analyse des Sprachwandels im Kontext von Jugendsprachen
- Unterscheidung zwischen Naturphänomenen, Artefakten und Phänomenen der dritten Art
- Erläuterung der Invisible-hand-Theorie nach Rudi Keller
- Bewertung der prognostischen und diagnostischen Möglichkeiten der Theorie
- Konkrete Anwendungsbeispiele für lexikalischen Bedeutungswandel
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundannahmen und zentrale Begriffe
Keller greift in seiner Sprachwandeltheorie als erstes erneut die Frage wieder auf, ob Sprache vom Menschen gemacht sei oder aber, ob sie ein Naturphänomen sei. Er erklärt dieses Dilemma folgendermaßen:
„Der Grund dafür liegt in der Unklarheit des Prädikats ‚von Menschen gemacht’. Es ist in bemerkenswerter Weise zweideutig. Ein Gegenstand (im weitesten Sinne) kann entweder insofern von Menschen gemacht sein, als er A: Ergebnis menschlicher Handlungen ist, oder er kann in dem Sinne ‚von Menschen gemacht’ sein, dass er B: aufgrund menschlicher Intentionen entstanden ist.“
Aufgrund dieser Tatsache schließt Keller, dass es drei verschiedene Arten von Phänomenen gibt: 1) Naturphänomene, das heißt Dinge, welche nicht durch menschliche Intentionen und Handlungen entstanden sind (das Wetter, die Pyrenäen) 2) Artefakte, das heißt Dinge, die Ergebnisse menschlichen Handelns, also auch Ziele ihrer Intentionen sind (der Kölner Dom, ein Essen) 3) Dinge, die zwar Ergebnisse menschlichen Handelns sind, aber nicht Ziele ihrer Intentionen waren (Stau ohne konkreten Grund, Trampelpfade).
Keller nennt die Dinge, welche „Ergebnisse menschlicher Handlungen, nicht aber Ziel ihrer Intentionen sind, ‚Phänomene der dritten Art’.”
Als ein Phänomen der dritten Art beschreibt Keller die Entstehung des Staus aus dem Nichts.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt anhand von Beispielen aus der Jugendsprache in die Problematik des Sprachwandels ein und stellt die Theorie von Rudi Keller als Erklärungsansatz vor.
2. Grundsätzliche Fragestellungen: Das Kapitel befasst sich mit der Definition von Sprachwandel, der Geschwindigkeit von Veränderungen sowie der Unterscheidung zwischen systeminternen und systemexternen Erklärungsmodellen.
3. Die Sprachwandeltheorie Rudi Kellers: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Invisible-hand-Theorie erläutert und anhand von Fallbeispielen sowie einer Diskussion über deren prognostischen Wert analysiert.
4. Literatur: Das Verzeichnis listet die verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Grundlagenwerke auf.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Rudi Keller, Invisible-hand-Theorie, Phänomen der dritten Art, Sprachgeschichte, Sprachwandeltheorie, Linguistik, diachrone Sprachforschung, Bedeutungswandel, lexikalischer Wandel, Kommunikation, menschliches Handeln, Sprachsystem, Theoriebewertung, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Mechanismen des Sprachwandels und stellt dabei die Theorie der „unsichtbaren Hand“ von Rudi Keller in den Mittelpunkt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Natur des Sprachwandels, die Unterscheidung von menschlichen Phänomenarten sowie die Bewertung von Invisible-hand-Theorien in der Sprachwissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sprache als kollektives Phänomen entsteht, das nicht explizit von Sprechern intendiert, sondern durch eine Vielzahl einzelner Handlungen ungewollt erzeugt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse, bei der sie Kellers sprachwissenschaftliche Konzepte auf konkrete Beispiele wie Jugendsprache oder Bedeutungswandel überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sprachwandelprozessen, die theoretische Fundierung durch Rudi Keller und die Auseinandersetzung mit den diagnostischen Grenzen dieses Modells.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Begriffe Sprachwandel, Invisible-hand-Theorie, Phänomene der dritten Art, Bedeutungswandel und sprachsystemexterne Erklärungen sind zentral für die Arbeit.
Was genau ist ein „Phänomen der dritten Art“ nach Keller?
Dies sind Ereignisse oder Strukturen, die zwar das Ergebnis menschlichen Handelns sind, jedoch nicht den bewussten Intentionen der Handelnden entsprangen, wie etwa ein Stau im Straßenverkehr.
Warum ist Kellers Theorie nur eingeschränkt prognostisch wertvoll?
Da Sprachwandel auf unvorhersehbaren individuellen Prämissen beruht, lassen sich laut Keller zwar diagnostische Rückschlüsse ziehen, aber keine sicheren Vorhersagen über zukünftige sprachliche Entwicklungen treffen.
- Quote paper
- Undine Seela (Author), 2003, Von der unsichtbaren Hand in der Sprache - Die Sprachwandeltheorie von Rudi Keller, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48416