Filme im Englischunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
31 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Warum sollten Filme Gegenstand des Fremdsprachenunterrichts sein?
2.1 Unterschiede von Buch und Film
2.2 Gründe für den Einsatz von Filmen
2.3 Kriterien für die richtige Auswahl von Filmen im Unterricht
2.4 Darstellungsverfahren von Filmen
2.5 Verschiedene Aufgabentypen
2.6 Allgemeine Lernziele
2.7 Fazit

3. Filmbeispiel “Angela’s ashes”
3.1 Inhalt des Films
3.2 Begründung für den Film
3.3 Der Einsatz des Films mit Hilfe von pre -, while - und post-watching Aufgaben
3.4 Lernziele

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

Anhang

1.Einleitung

Mittlerweile dürfte es auch für den größten Buchliebhaber unübersehbar geworden sein, das wir uns längst inmitten einer beweglichen ‚Bildkultur’ befinden, die zudem mehr und mehr auch von digital gesteuerten Bildern bestimmt wird. ‚Sehen’ ist insofern wichtiger denn je. Wie auch Doelker forderte bereits Schwerdtfeger 1989 aus einem anthropologischen Verständnis heraus dezidiert die Anerkennung des Sehverstehens als eine fünfte „Fertigkeit“ für das Sprachlernen (Blell/Lütge 2004: 402).

Filme im Fremdsprachenunterricht sind noch nicht selbstverständlich im heutigen Schulalltag. Zwar werden in den Schulen verbreitet Filme in den Unterricht eingegliedert, doch über die verschiedenen Darstellungsverfahren des Mediums Film sind viele Lehrer und Lehrerinnen noch zu wenig informiert. Oft wird deshalb eine Lektüre der Betrachtung eines Films vorgezogen oder „ausgehend von der Lektüre [...] wird der Film als Vergleichsmedium hinzugezogen, verbleibt dabei aber oft im Schatten des literarischen Textes“ (Blell/Lütge 2004: 405).

In dieser Hausarbeit möchte ich infolgedessen nicht nur darauf eingehen, warum es selbstverständlich sein sollte, dass Filme Gegenstand des Fremdsprachenunterrichts sind. Vielmehr möchte ich das Medium Film als ein eigenständiges „Kunstwerk“ hervorheben, das es verdient hat, auch wenn es auf einer literarischen Textvorgabe basiert und somit eine Literaturverfilmung ist, im Unterricht seinen Platz zu finden (vgl. Blell/Lütge 2004: 405).

Im ersten Teil werde ich zunächst auf die Unterschiede von Film und Buch eingehen, danach Gründe für den Einsatz von Filmen nennen, Tipps für die richtige Auswahl von Filmen geben, verschiedene Darstellungsverfahren und Aufgabenbeispiele vorstellen sowie allgemeine Lernziele formulieren.

Im zweiten Teil werde ich anhand des Films ‚ Angela’s ashes ’ von Alan Parker konkrete Vorschläge für den Einsatz dieses Films im Unterricht aufführen.

2. Warum sollten Filme Gegenstand des Fremdsprachenunterrichts sein?

2.1 Unterschiede von Buch und Film

Filme sind mittlerweile ein wichtiger Bestandteil unseres alltäglichen Lebens. Besonders für Jugendliche ist das Medium Film nicht mehr wegzudenken. Dies ergibt sich auch aus Umfragen zum typischen Kinopublikum. So waren bereits 1992 71% aller Kinogänger zwischen 14 und 29 Jahren alt (vgl. Burger 1995: 592).

Diese Tatsache und das damit verbundene hohe Motivationspotential für Filme bei Jugendlichen blieben jedoch auf Seiten der Schulen bisweilen zum größten Teil unbeachtet. Schule und Unterricht konzentrieren sich immer noch weitgehend auf geschriebene Texte.

Dabei gibt es wohl kaum ein aktuelleres Medium als den Film. Natürlich sind Bücher ebenfalls immer aktuell, doch heutzutage wird man die Aufmerksamkeit vieler Schüler eher mit einem Film als mit einem Buch gewinnen – was nicht heißen soll, dass Bücher aus dem Unterricht wegzudenken sind.

Laut Schwerdtfeger (1989: 14) ergänzen sich Filme und Bücher wie zwei Hälften einer Kugel, was mit dem einen Medium im fremdsprachlichen Unterricht nicht erreicht werden kann, kann das andere erzielen und umgekehrt. Mit einer Verinnerlichung dieser Tatsache können Lehrer und Lehrerinnen nicht nur einen abwechslungsreichen sondern vor allem einen zeitgemäßen Unterricht schaffen.

Um die Unterschiede von Buch und Film zu verdeutlichen, sollen einige von ihnen im Folgenden aufgeführt werden (vgl. Schwerdtfeger 1989: 14).

Das Medium Buch spricht nur einen Sinn der Schüler an. Der Film hingegen spricht mehrere Sinne zugleich an. Die Schüler sehen die Bilder und hören die gesprochene Sprache. Hinzu kommt, dass Beschreibungen von Personen entfallen, da man diese sieht. Im Buch wird im Gegensatz dazu die Fantasie gefördert.

Ein besonders wichtiger Unterschied ist, dass bei Dialogen im Film die Personen einschließlich Rhythmus, Intonation, Zögerungen und Wiederholungen gehört und gesehen werden. So wird die Fremdsprache zu einem neuen Erlebnis für die Schüler, da sie erstens von native speakern angewandt wird und zweitens in ihrem alltäglichen Gebrauch gesehen wird.

Hingegen ist das nochmalige Betrachten einer Situation, zum Beispiel eines Dialoges in einem Film, bei Nichtverstehen erst durch die Video und DVD Technik möglich geworden, bei einem Buch kann man einfach zurückblättern.

Diese Unterschiede sollen keinesfalls für eines der beiden Medien sprechen, sondern verdeutlichen, wie wichtig eine Vereinigung beider im Unterricht ist.

Doch zu dieser Selbstverständlichkeit einer Vereinigung kann und wird es erst kommen, wenn möglichst viele Lehrer die Gründe für einen verstärkten Einsatz von Filmen im Unterricht verinnerlicht haben.

Deshalb sollen im Folgenden Abschnitt diese Gründe erläutert werden.

2.2 Gründe für den Einsatz von Filmen

Wie bereits erwähnt gehören Filme zum Alltag jedes Jugendlichen dazu. Allerdings ermöglichen nicht mehr nur der Fernseher, die Videokassette oder das Kino das Anschauen von Filmen, sondern auch das neue Trägermedium DVD. Es bietet ganz „neue Möglichkeiten für die Beschäftigung mit audiovisuellen Texten im Unterricht“ (Surkamp 2004: 3). Nicht nur die gute Qualität überzeugt, sondern auf jeder DVD findet man viel zusätzliches Material, das sich sehr gut im Unterricht verwenden lässt. Neben Trailern des dazugehörigen Films bietet die DVD auch Interviews mit Darstellern, ein making of oder alternative Enden an. Außerdem erlaubt die DVD den Zugriff auf ausgewählte Filmsequenzen, so dass man im Unterricht auch nur einzelne Szenen besprechen kann, ohne das ständige lästige „spulen“ bei einer Videokassette.

Zudem ist bei der DVD die Sprache individuell wählbar. So können einzelne Szenen des Films im Fremdsprachenunterricht bei Nichtverstehen nochmals in der Muttersprache gezeigt werden. Das Einblenden eines Untertitels in der Fremdsprache kann das Verständnis ebenfalls erleichtern (vgl. dazu auch Raabe 2003: 425).

DVD’s sind mittlerweile nicht nur in Videotheken erhältlich sondern auch im Internet bestellbar. Somit ist zumindest die Voraussetzung für den Filmeinsatz gegeben.

Wenn man sich entschieden hat, einen Film im Unterricht zu zeigen, kann man sicher sein, dass die Motivation auf Schülerseite sehr hoch ist. Da Filme laut Surkamp (2004: 3) für die Schüler „attraktiver sind als viele andere Textsorten, schaffen sie ein für die Motivation zur Begegnung mit der fremden Sprache und Kultur förderliches Klima“. Außerdem kann jeder Schüler etwas aus seinem eigenen Erfahrungsbereich, im Hinblick auf Filme, zum Unterricht beitragen, denn heutzutage verfügt fast jeder Schüler über ein großes angesammeltes Wissen über Filme.

Ein anderer Grund für Filme im Fremdsprachenunterricht ist, dass die Schüler bei einem Film die Zielsprache in mehreren Ebenen erleben, „durch Bilder, Situationen und menschliche Begegnungen“ wird die Zielsprache „für die Lernenden leichter zugänglich“ (Surkamp 2004: 3).

Auch bei Dialogen wird das Verstehen des Gesprochenen durch zusätzliche Aspekte der Kommunikation erleichtert. In den Filmdialogen spielen auch Gestik, Mimik, Körpersprache, Intonation, Sprechtempo und Sprechpausen eine wichtige Rolle (vgl. Buchloh 1983: 259 und Surkamp 2004: 3).

Diese Aspekte lassen eine Sprache erst richtig ‚leben’ und machen es den Schülern einfacher, sich mit der Sprache zu identifizieren. Es wird ihnen teilweise leichter fallen einen Film in der Fremdsprache, durch die genannten Ebenen und Aspekte, zu verstehen als einen Text, der im Gegensatz dazu nur allein auf Sprache gründet.

Hinzu kommt die damit verbundene Ausbildung der fünften Fertigkeit, des „Seh-Verstehens“. Schüler werden dadurch in ihrer Sprechfähigkeit und Sprechlust gefördert und motiviert (vgl. dazu Schwerdtfeger 1989: 24).

Ein besonders wichtiger Grund für den Einsatz von Filmen ist, dass die Schüler mit unterschiedlichsten Situationen, Verhaltensweisen, kulturellen Unterschieden, Weltansichten etc. konfrontiert werden. Natürlich werden sie das auch in einem Buch, aber durch die Visualisierung wird es ihnen stärker bewusst gemacht.

Die Schüler werden so automatisch „zu emotionalen Reaktionen und persönlichen Stellungnahmen in Bezug auf die dargestellte Geschichte“ (Surkamp 2004:3) angeregt. Durch die meistens erfolgende Identifizierung mit dem/r Protagonisten/in, mit dem/r der Schüler im Film durch Höhen und Tiefen geht, wird dies noch unterstützt. Ein erfolgreiches und verwertendes Unterrichtsgespräch ist somit sichergestellt.

Die Identifizierung und die Auseinandersetzung mit dem Film bringen aber noch einen weiteren positiven Aspekt für die Schüler mit sich, die Schüler können etwas für ihren weiteren Lebensweg lernen. Viele Schüler nehmen sich starke Charaktere aus Filmen als Vorbild. So kann man mit einer guten Filmauswahl, in der so ein Charakter vorkommt, den Schülern gezielt bestimmte ehrbare Charakterzüge näher bringen, die dann im besten Fall von den Schülern verinnerlicht werden.

Aber nicht nur in Bezug auf die Charaktere bringt der Film Vorteile sondern er gibt auch Einblicke in fremde Welten. So können Vorurteilen, auf Schülerseite, gegenüber fremden Kulturen entgegengewirkt werden. Denn auch bei einem ausländischen Film, zum Beispiel einem indischen, wird es Schüler geben, die sich mit einem indischen Darsteller identifizieren, seine Umwelt kennen lernen und bestimmte Charakterzüge nachahmen (vgl. dazu Grau 2004: 34-39).

Fremdsprachige Filme liefern anhand von anschaulich geschilderten fiktionalen Einzelschicksalen Vorstellungen von lebensweltlichen menschlichen Erfahrungen und vermitteln aufgrund ihrer „Erfahrungshaltigkeit“ fremde Lebensweisen, Werte, Normen und Weltsichten. Durch die Beschäftigung mit ihnen erhalten die Lernenden daher Einblicke in fremdkulturelle Lebenswelten, die auch Unterschiede zu eigenkulturellen Verhaltensweisen erfahrbar machen (Surkamp 2004: 3).

Durch die Tatsachen, dass die Schüler, wie bereits erwähnt, bei einem Film sehr motiviert sind und zusätzlich jeder Schüler etwas zum Unterricht beitragen kann, da jeder von ihnen eine Reaktion auf den Film zeigen wird, ist der Unterricht sehr schülerorientiert, was einen weiteren Grund für den Einsatz von Filmen schafft.

Es gibt verschiedene Aufgabentypen wie zum Beispiel „kognitiv-analytische“ und „handlungs- und prozessorientierte“ (Surkamp 2004: 3), die diesen Aspekt noch unterstreichen. Außerdem gibt es vorab verschiedene Darstellungsverfahren von Filmen. Auf diese soll jedoch später eingegangen werden.

Natürlich gibt es noch viel mehr Gründe, die einen Einsatz von Filmen im Fremdsprachenunterricht rechtfertigen. Die genannten reichen meiner Meinung nach jedoch aus, um festzuhalten, dass Filme ganz selbstverständlich Gegenstand des Unterrichts sein sollten. Filme sind so facettenreich, dass es für jeden Lehrer bzw. jede Lehrerin vertretbar sein sollte, einen passenden auszusuchen und diesen in den Unterricht zu integrieren.

Um die Suche nach einem geeigneten Film zu erleichtern, gibt es verschiedene Kriterien an denen man sich orientieren kann.

2.3 Kriterien für die richtige Auswahl von Filmen im Unterricht

Besonders in der Sekundarstufe I muss man darauf achten, die richtige Filmauswahl zu treffen, nur so können die Vorteile von Filmen im Fremdsprachenunterricht gewährleistet werden.

Will man schon zu Anfang der Sekundarstufe I einen Film in den Unterricht integrieren, ist darauf zu achten, dass die Handlung des Films einfach und klar strukturiert ist. Die Schüler sollten sich höchstens auf ein oder zwei Leitfragen konzentrieren. Außerdem sollten wesentliche Handlungen im Film visualisiert sein, so dass diese auch bei Sprachschwierigkeiten nachvollziehbar sind. Hinzu kommt, dass die Anzahl von Darstellern, characters, von Beziehungen und von möglichen Verwicklungen für die Schüler überschaubar sein muss. Die thematisierten Probleme und Konflikte müssen altersgemäß sein, so dass das Interesse der Schüler geweckt wird (vgl. dazu Grogan-Schomers/Hallet 1997: 185-186).

Natürlich gelten diese Kriterien nicht nur für den Anfangsunterricht, aber besonders dort.

Weitere Kriterien, die für alle Klassenstufen zu beachten sind, beschreiben Teasley und Wilder (1997: 8-10). Demnach soll der Film nicht nur passend für eine bestimmte Lerngruppe sein sondern auch ‚unterrichtbar’. Ein Film, der zwar den Schülern gefällt, mit dem man aber im Unterricht nicht wirklich etwas erreichen kann, bzw. mit dessen Betrachtung auch die Schüler nicht weiter kommen, ist verschwendete Zeit. Des weiteren ist es sinnvoll Filme zu zeigen, welche die Schüler zuvor noch nicht gesehen haben. Hier sind vor allem ausländische Filme vorteilhaft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Filme im Englischunterricht
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
31
Katalognummer
V48452
ISBN (eBook)
9783638451611
ISBN (Buch)
9783640328932
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vor allem der theoretische Teil ist sehr ausführlich. Der praktische Teil besteht aus einem Unterrichtsvorschlag anhand des irischen Filmes "Angela's ashes". Ein sehr guter Film übrigens.
Schlagworte
Filme, Englischunterricht
Arbeit zitieren
Julia Klein (Autor), 2005, Filme im Englischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48452

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