Der Lernbegriff im Kontext neuer Lernkulturen


Hausarbeit, 2004

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Lernbegriff
2.1 Definitionen des Lernens
2.2 Abgrenzung pädagogischer und psychologischer Lernbegriff

3. Neue Lehr- und Lernkulturen
3.1 Was sind Lernkulturen?
3.2 Welche Lernkulturen lassen sich unterscheiden

4. Auswahl und Gestaltung von Lernorten
4.1 Neue Lernorte
4.2 Beispiel: Lernzentren in England

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang: Erklärung über Selbstständigkeit
Ausgefüllter Leistungsschein

1. Einleitung

Lernen ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Dieser Prozess beginnt mit der Geburt und endet erst mit dem Tod. Über die Jahrhunderte hat es immer wieder Definitionen gegeben, welche versuchten, dass zu beschreiben was allgemein unter Lernen verstanden wird. Dieser Begriff ist jedoch so vielfältig und beinhaltet in sich derartig viele Beschreibungsmöglichkeiten, dass eine allgemeingültige Definition unmöglich erscheint. Ziel dieser Arbeit soll es somit auch nicht sein, eine solche Definition zu wagen, sondern vielmehr im zweiten Kapitel verschiedene Definitionen des Lernen gegenüberzustellen und in ihren historischen Kontext einzuordnen. Im Unterkapitel 2.2 wird eine klare Abgrenzung zwischen dem psychologischen und dem pädagogischen Lernbegriff vorgenommen. Kapitel drei dieser Arbeit befasst sich mit aktuellen Lehr- und Lernkulturen. Durch sich verändernde Selbstverständnisse des Lernbegriffs entwickeln sich auch unterschiedliche Lernkulturen. Ziel soll es hier sein unterschiedliche Kulturen zu identifizieren und deren Inhalte zu beschreiben. Im vierten Kapitel werde ich zuerst beschreiben welche Kriterien berücksichtigt werden müssen um Lernorte adäquat zu wählen und anschließend auf das Praxisbeispiel der Lernzentren aus England eingehen. Im fünften Kapitel werde ich die Arbeit mit einer Schlussbetrachtung und einem Fazit beschließen. Zur Erarbeitung wurde im wesentlichen Literatur von Dr. Stefanie Fuleda (Erwachsenenbildung im Dialog mit Psychologie, ein interdisziplinärer Beitrag für eine subjektorientierte Lern und Bildungskultur in der Trias Individuum, Gesellschaft und Wissenschaft), Horst Siebert (Selbstgesteuertes Lernen und Lernberatung), Peter Dehnbostel (Lernen, Wissensmanagement und berufliche Bildung) sowie Ulrike Heuer (Neue Lehr- und Lernkulturen in der Weiterbildung) verwand.

2. Der Lernbegriff

Lernen ist ein sehr häufig und in den verschiedensten Lebenslagen und Situationen verwandter Begriff. Meistens assoziiert man unwillkürlich eine bildende Institution wie die Schule oder Hochschulen mit lernen. In den meisten Fällen sind diese Assoziationen dann negativ behaftet. Lernen wird sehr häufig als eine Art fremdbestimmter Prozess empfunden der nur sehr bedingt selbst steuerbar ist. (vgl. Fuleda 2000, S. 54ff) Wesentlichen Einfluss auf den Lernbegriff hat zum einen, die Umwelt und zum anderen die Genetik. Je nach Zeitgeist und wissenschaftlicher Erkenntnis überwiegt zeitweise einmal die Genetik oder die Umwelt wenn es um den elementareren Einfluss auf den Lernprozess geht. Die genetische Komponente des Lernens verändert sich mit zunehmendem Alter. Es kommt zu verlangsamten Übertragungsprozessen zwischen den Nervenbahnen und somit zu einem verschlechterten Lernprozess. In diesem Zusammenhang stellt sich heute die Frage in wieweit Lernerfolg bereits genetisch vorbestimmt ist und zu welchem Teil die Umwelt einen wesentlichen Einfluss auf das Lernen hat. Was aber ist nun unter Lernen zu verstehen? „Die Aneignung von theoretischem Wissen zählt sicherlich dazu, als auch der Erwerb von motorischen Fähigkeiten“ (www.plassmann.de/dipl/einleitung.htm) Im Alltäglichen Gebrauch verstehen wir unter Lernen eher die Aneignung von Inhalten, womit hier Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gemeint sind. Lernen bedeutet also auch eine Veränderung unserer Verhaltensweisen aufgrund von Erfahrungen. Hier sind die alltäglichsten Vorgänge und Situationen zu nennen. So zum Beispiel das Autofahren, Essen mit Messer und Gabel oder auch das Sprechen. (vgl. www.plassmann.de/dipl/einleitung.htm) Neben diesen praktischen Beispielen fallen aber auch Handlungen die wir aus Erfahrungen heraus gemacht haben in den Bereich der Lernprozesse. So stehen wir aus Erfahrung früher auf, um pünktlich auf der Arbeit zu sein, wenn der Verkehr montags erfahrungsgemäß sehr stark ist. Lernen ist somit ein häufig unbemerkt stattfindender Prozess, der uns täglich begleitet und welcher ständig abläuft.

2.1 Definitionen des Lernens

Aufgrund der Mannigfaltigkeit der möglichen Lernprozesse und einem sich ständig ändernden Einfluss der Umwelt oder der Genetik auf den Lernprozess ist es nicht möglich eine einzige umfassende Definition, dessen was unter Lernen zu verstehen ist, zu geben. Daher ist die zentrale Aufgabe des Erwachsenenbildners die Formulierung eines Lernverständnisses. (vgl. Fuleda 2000, S. 56f) Trotz der Notwendigkeit für sich selbst eine Verständnis dessen was man selbst unter Lernen versteht zu schaffen, sollen hier nun einige ausgewählte Definitionen von Lernen dargestellt werden. Unbestreitbar ist, dass am Ende eines Lernprozess eine jeweils neue Qualität des Wissens zu einer speziellen Problematik steht. Hierzu schreibt Rosemarie Wilke „Das Wort „Lernen“ geht auf die gotische Bezeichnung für „ich weiß“ (lais) und das indogermanische Wort für „gehen“ (lis) zurück. Die Herkunft des Wortes deutet bereits darauf hin, dass Lernen ein Prozess ist, bei dem man einen Weg zurücklegt und dabei zu Wissen gelangt.“ (Mielke 2001, S. 11) Hier wird Lernen als eher aktiver und selbstgesteuerter Prozess verstanden. Der Lerner selbst hat einen wesentlichen Einfluss auf die Lerninhalte die er aufnimmt. Genauso lassen sich in der Literatur jedoch auch Beispiele für Lernen als passiven und fremdgesteuerten Prozess finden. „In der Geschichte des abendländischen Denkens prägten sich relativ früh zwei (konkurrierende) Auffassungen von Lernen aus. Für Platon bedeutet Lernen Wiedererinnerung, und zwar der Ideen, die die Seele immer schon in sich trägt und die anlässlich konkreter Sinneseindrücke reaktiviert werden. …Für Aristoteles ist die Seele eine tabula rasa (eine leere Tafel), auf die Sinneseindrücke eingetragen werden; Lernen bedeutet so gesehen, Aufnahme und Speicherung von Sinnesdaten. Diese Auffassung lässt sich über Locke, Hume, den englischen Empirismus, den Behaviorismus bis zu gegenwärtigen Konditionierungstheorien verfolgen“ (Böhm 2000, S. 342) Hier hat der Lerner wenig bis gar keinen Einfluss auf den Lerninhalt und nimmt lediglich Informationen auf.

Unterscheiden tun sich beide Sichtweisen, sowohl von Platon als auch von Aristoteles, in der Tatsache das einmal vorhandene Daten durch Sinneseindrücke reaktiviert werden (Platon), also schon immer vorhanden waren oder eine bis dato leere Seele mit neuen Informationen gefüllt wird (Aristoteles). Eine weitere Auffassung dessen was unter Lernen zu verstehen ist liefert Leo Roth in seinem Wörterbuch der Pädagogik. Hierbei ist interessant das er beide vorangegangenen Definitionen aufnimmt und zu einer ganzheitlichen vereint. Er Unterscheidet nämlich Lernen im engeren und im weiteren Sinne. „Der Lernprozess beinhaltet all jene kognitiven und verhaltensbezogenen Aktivitäten des Lerners, die dazu führen, dass neue Gedächtnisinhalte erworben werden. Dabei kann unterschieden werden zwischen dem Lernprozess im engeren Sinn, dem kognitiven Vorgang des Erwerbs neuen Wissens und dem Lernprozess im weiteren Sinn, der auch die Steuerung dieses Erwerbsprozesses umfasst.“ (Roth 2001, S. 849) Nach diesen vorangegangenen eher pädagogischen Betrachtungen des Lernens möchte ich mich nun der ebenfalls sehr vielschichtigen Betrachtung aus psychologischer Sicht zuwenden. Hier definiert Zimbardo Lernen wie folgt: „Wir können Lernen als einen Prozess definieren, der zu relativ stabilen Veränderungen im Verhalten oder im Verhaltenspotential führt und auf Erfahrung aufbaut. Lernen ist nicht direkt zu beobachten. Es muss aus den Veränderungen des beobachtbaren Verhaltens erschlossen werden.“ (Zimbardo 1995, S. 263) Lernen wird hier als Verhaltensänderung beschrieben, die aufgrund von Erfahrungen zustande kommt. Lernen würde sich somit an der Verbesserung von Leistung beobachten lassen. Diese Leistung jedoch in Prüfungssituationen in vollem Umfang abzurufen fällt schwer und würde nicht selten die wahre Leistungsfähigkeit und somit den wahren Lernerfolg verdecken. Daher bezeichnet Zimbardo solche erst später feststellbaren Lernerfolge als „latentes Lernen“ (vgl. Zimbardo 1995, S. 264) Ein weiterer Indikator für einen erzielten Lernerfolg ist die relative Stabilität der Ergebnisse eines Lernprozess. „Um das Etikett „gelernt“ zu erhalten, muss die Veränderung im Verhalten oder im Verhaltenspotential relativ stabil sein. Wer einmal schwimmen gelernt hat, wird vermutlich von da an schwimmen können.“ (Zimbardo 1995, S. 264) Weiterhin wesentlich ist eine gelungene Interaktion mit der Umwelt, aufgrund derer Erfahrungen entstehen. „Lernen vollzieht sich nur durch Erfahrung“ (Zimbardo 1995, S. 264) Die Psychologie versucht nun herauszufinden welche Aspekte des Verhaltens durch Erfahrungen verändert werden können und wie diese Veränderungen letztlich zustande kommen. Eine Änderung von Verhalten hervorgerufen durch die Einnahme von Drogen oder Verhaltensänderungen durch kurzzeitiges ermüden werden nicht als Lernen verstanden. Dies sind bloße, nicht steuerbare Anpassungen und Reaktionen des Körpers auf Umwelteinflüsse, welche nicht von Dauer oder Stabilität sind. Die pädagogischen und psychologischen Darlegungen aufgreifend, beschreibt folgende Definition sehr treffend was unter Lernen verstanden werden kann. „Lernen beschreibt den Erwerb von Erlebens- und Verhaltensweisen, welche durch eine Interaktion mit der Umwelt zustande kommen. Lernen kann auch zur Unterdrückung oder zu Veränderungen von Erlebens- und Verhaltensweisen führen, wenn diese keine Befriedigung (egal welcher Art) bringen. Kurzum: Lernen bedeutet eine Veränderung des Erlebens und Verhaltens aufgrund von individuellen Erfahrungen in bzw. mit der Umwelt.“ (http://www.plassmann.de/dipl/common/lernen.htm)

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Lernbegriff im Kontext neuer Lernkulturen
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V48472
ISBN (eBook)
9783638451772
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernbegriff, Kontext, Lernkulturen
Arbeit zitieren
Sebastian Schlör (Autor), 2004, Der Lernbegriff im Kontext neuer Lernkulturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48472

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