Die Hitlerjugend als Element außerschulischer Erziehung im Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen

1 Einleitung

2 Die junge Generation und der Nationalsozialismus

3 Die Entstehung der Hitlerjugend
3.1. Der Aufbau der Hitlerjugend

4 Der Bildungsanspruch der Hitlerjugend
4.1. Methoden der außerschulischen Erziehung
4.2. Der Bildungsanspruch der Schule
4.3. Der Konflikt der Bildungsinstitutionen

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

Vorbemerkungen

Die Entscheidung zur Erarbeitung einer Hausarbeit, mit dem Thema: “Die Hitlerjugend als Element außerschulischer Erziehung im Nationalsozialismus“, traf ich aus mehreren Gründen. Zum einen um deutlich zu machen, dass die Indoktrination der Bevölkerung mit nationalsozialistischem Gedankengut bereits in frühester Kindheit begann und zum anderen um den eigentlichen Zweck der Hitlerjugend klar heraus zu arbeiten. Ziel dieser Arbeit soll es also nicht sein eine bloße Chronologie der geschichtlich bedeutsamsten Ereignisse im Verlauf der Entstehung und Arbeit der HJ zu geben. Vielmehr soll der Focus auf Konflikten zwischen der schulischen und außerschulischen Erziehung liegen. Dieses ist jedoch nicht ohne eine vorrangehende historische Einordnung möglich, welche ich im zweiten Kapitel vornehme.

Darauf aufbauend betrachte ich im folgenden dritten Kapitel die Entstehung, den Aufbau und die wachsende Bedeutung der Hitlerjugend genauer. Im vierten, Kapitel welches zugleich den Schwerpunkt meiner Arbeit darstellt, beleuchte ich die Konflikte, welche sich im Rahmen der außerschulischen Bildung durch die Hitlerjugend im Bezug auf die in der Schule zu vermittelnden Lerninhalte ergeben, genauer. Auch mögliche Konfliktsituationen innerhalb der Familie von Mitgliedern der Hitlerjugend werden hier bearbeitet. Das fünfte und abschließende Kapitel dient mir dazu, die erarbeiteten Punkte zu einem Ganzen zusammenzufassen und eine Aussage darüber zu treffen, inwiefern die Hitlerjugend als Mittel der nationalsozialistischen Erziehung missbraucht beziehungsweise genutzt wurde.

Zur Erarbeitung dienten mir im wesentlichen Werke von WOLFGANG KEIM, HANS CHRISTIAN BRANDENBURG und HEINZ SCHRECKENBERG, welche somit meine Hauptliteratur darstellen.

Die von mir gewählte Arbeitsweise ist die historische – hermeneutische Methode, da ich mein Thema im Wesentlichen anhand von Quellen aufarbeite.

1 Einleitung

Die Zeit um das ausklingende 19. Jahrhundert und das beginnende 20. Jahrhundert bis etwa 1933 wird in der Pädagogischen Geschichte als die Phase der Reformpädagogik beschrieben. Kennzeichnend für diese Phase war die vermeintliche Rückbesinnung auf althergebrachte Werte und Normvorstellungen. Gerade die Neuerungen der Industrialisierung mit ihren Fließbändern und oftmals monotonen Arbeitsabläufen in tristen, grauen Fabrikhallen veranlassten die Bevölkerung in ihrer knapp bemessenen Freizeit ein naturverbundenes Leben zu führen.

So erklären sich die auch heute noch nahezu überall zu findenden Kleingartenvereine, welche zumindest am Wochenende Erholung abseits der Industrie zuließen. Ebenfalls entstanden in dieser Zeit sind die Reformhäuser, Landschulheime oder auch die Frei Körper Kultur Bewegung (FKK). Alles was den Charakter der Natürlichkeit trug war begehrt und gesellschaftlich akzeptiert. So bezogen sich die Angebote der erwähnten Reformhäuser keinesfalls nur auf Nahrungsergänzungen. Vielmehr war es auch Kleidung welche verkauft wurde. Man hüllte sich in feine Leinen, um so der Natur verbundener und der Freiheit näher zu sein.

In eben diese Zeit fällt die Gründung einer Vielzahl von Jugendbewegungen, welche über das Wandern und das Leben in und mit der Natur versuchten, dieser ein Stück näher zu kommen.

Ziel war es abseits der Werkshallen und dem Alltag sein Leben möglichst frei zu gestalten, ohne äußere Zwänge und Vorschriften.

Ausdruck findet dieses neue Bewusstsein der Jugend dieser Zeit in der „Meißner Formel“ von 1913. „Die Freideutsche Jugend will ihr Leben vor eigener Verantwortung, nach eigener Bestimmung in innerer Wahrhaftigkeit selber gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein. Zur gegenseitigen Verständigung werden Freideutsche Jugendtage abgehalten. Alle gemeinsamen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei.“ (Brandenburg 1968,15)

Aus dieser Formel und dem Handeln der Jugendorganisationen lassen sich keinerlei politische Ansprüche ableiten und sie waren seinerzeit auch noch nicht vorhanden.

Enden sollte diese Phase der unpolitisch motivierten Jugend mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Zusammenführung sämtlicher Jugendorganisationen in der Hitlerjugend 1933. Von nun an stand hinter den Bemühungen um die deutsche Jugend sehr wohl ein tieferer politischer Sinn, dem sich viele freiwillig fügten, nahezu alle jedoch letztlich fügen mussten. Dieser Missbrauch endete erst mit dem Krieg 1945 und soll in den folgenden Kapiteln hinreichend betrachtet und beleuchtet werden.

2 Die junge Generation und der Nationalsozialismus

Wie bereits angeführt war die in Verbänden wie „Freideutsche Jugend“ oder „Wandervogel e.V.“ organisierte Jugend gänzlich unpolitisch. Eine antibürgerliche Orientierung lässt sich trotz alledem nicht verleugnen, jedoch waren die althergebrachten Institutionen wie Elternhaus, Schule oder Kirche in ihrer Machtstellung unangefochten und so gab man sich mit dem Erwandern der deutschen Heimat zufrieden.

„Diese Jugend war wohl antibürgerlich, doch vermochte sie nicht, die Grenzen des Bürgertums zu überschreiten und die Nöte des jungen Proletariats als ihre eigenen Nöte zu sehen.“ (Brandenburg 1968,15)

Es genügte sich einen Lebensraum zu gestalten, welcher sich unterschied von dem in der Wilhelminischen Epoche. Schon kurze Zeit später sollte der erste Weltkrieg diese Jugend zwingen ihre vermeintliche Individualität und errungene Freiheit aufzugeben. Uniformiert und durch das gleiche Schicksal zusammengeführt entstand über die Kriegsjahre ein Zusammengehörigkeitsgefühl auch mit den vorher verachteten Anhängern der Arbeiterbewegung.

Diese Zusammengehörigkeit und das Wissen um das gemeinsam erlebte trugen nach dem Kriegsende die heimkehrenden Soldaten ins gesamte Land. Es entstand ein nationaler Sozialismus, ein Ideal des Teilens und gegenseitigen Helfens, welches nun schnell die breite Masse der Bevölkerung erreichte. Waren die Jugendbewegungen ehemals einigen Wenigen vorbehalten, so bildeten sich nun allerorts Jugendorganisationen, die den Geist der heimkehrenden Soldaten aufnahmen und ihn fortführten. So entstanden aktive Jungmannschaften wie die „Jungsozialisten“, „Jungdemokraten“ oder „Jungevangelische“. Bestehende Jugendverbände zerfielen und es entstand eine Vielzahl neuer Organisationen wie der „Jungdeutsche Bund“, die „Böhmerland- Bewegung“, die „Neupfadfinder“ oder die „sozialistische Arbeiterjugend“.

Trotz der Masse der Organisationen war eines allen gemein, die Ablehnung alles „Alten“. Diese Generation der Kriegsheimkehrer die sich nun im eigenen Land, im bürgerlichen Leben, in einer von Putschen und politischen Attentaten geprägten Zeit nicht mehr zurechtfand, begehrte mehr und mehr auf. Ein Versäumnis der Weimarer Republik die es nicht schaffte diese entwurzelte Generation für sich zu gewinnen.

So waren es nun immer häufiger die Widersacher der Republik die versuchten die Jugend für sich einzunehmen, um so ein Gegengewicht zu den sozialistischen und kommunistischen Jugendverbänden zu schaffen. In dieser Zeit entstand erstmals die Idee sämtliche bestehenden Verbände zu einer deutschen Jugendgemeinschaft zusammenzufassen. Dieser von Reinhold Wulle (ein deutschvölkischer Politiker) 1919 initiierte Versuch scheiterte jedoch an allzu heftigem Wiederstand selbst der rechten Flügel. „Wulle stieß jedoch selbst bei dem rechten Flügel der Jugendbewegung auf so heftigen Wiederspruch, dass er seine Pläne für eine große nationale Jugendorganisation fallenlassen musste.“ (Brandenburg 1968, 20)

Kurze Zeit später trat ein weitaus geschickter agierender Politiker in den Fokus der Aufmerksamkeit. Adolf Hitler verstand es, die Wünsche und Hoffnungen der Jugend geschickt mit Rassismus und faschistischem Führerkult zu vermengen und sie auf diese Weise hinter sich zu scharen.

3 Die Entstehung der Hitlerjugend

Erste Bemühungen zum Aufbau einer Jugendorganisation, der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), lassen sich bereits ab dem Jahr 1922 erkennen. Diese kamen jedoch mit dem Verbot der Partei 1923 schnell wieder zum erliegen. In den Jahren 1925/26 entstanden parallel mit der Parteineugründung ebenfalls neue Jugendgruppen. 1926 wurden diese, bis dahin verschiedenartigen Gruppen, auf einem Parteitag der NSDAP erstmals unter dem Namen der Hitlerjugend zusammengefasst. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Hitlerjugend etwa 40.000 Mitglieder und war eher eine Nachwuchseinrichtung der Sturm Abteilung (SA) denn eine selbstständige Jugendorganisation.

So hatte jeder Hitlerjunge mit erreichen des 18. Lebensjahres in die SA überzutreten, der die Hitlerjugend bis zum Jahre 1932 unterstand.

Erst mit der Ernennung Baldur von Schirachs zum Reichsjugendführer der NSDAP, im Herbst 1931, begann der nun immer stärker vorangetriebene Ausbau der Hitlerjugend und ihr wachsender Einfluss. Hatte der Anteil der in der Hitlerjugend organisierten Jugendlichen bis dahin weniger als 1% aller in Jugendverbänden erfassten Personen betragen, wuchs dieser mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten dramatisch an. „Der Anteil der HJ an allen in Jugendverbänden organisierten Jugendlichen betrug somit weniger als ein Prozent“

(Keim 1995, 127)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Hitlerjugend als Element außerschulischer Erziehung im Nationalsozialismus
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V48475
ISBN (eBook)
9783638451802
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hitlerjugend, Element, Erziehung, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Sebastian Schlör (Autor), 2003, Die Hitlerjugend als Element außerschulischer Erziehung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48475

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