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"Faule Verbrecher" - Roma und Sinti in der Weimarer Republik. Zur rassistischen Diskriminierung und ihrer praktischen Umsetzung

Title: "Faule Verbrecher" - Roma und Sinti  in der Weimarer Republik. Zur rassistischen Diskriminierung und ihrer praktischen Umsetzung

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 28 Pages , Grade: gut

Autor:in: Franziska Irsigler (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Die Sinti und Roma, abwertend als ‚Zigeuner’ bezeichnet, wurden über alle Jahrhunderte diskriminiert und verfolgt. Fremdartig aussehend, eine eigene Sprache sprechend und mit eigenen Sitten und Riten, riefen sie bei der einheimischen Bevölkerung des deutschen Reiches, wann immer sie auftauchten, Abneigung, Angst oder Widerwillen hervor. Vor allem die Polizeibehörden machten die Roma zu ihrem Problem: Einbrüche, Diebstähle und Betteleien zählten vornehmlich zu den Hauptdelikten der Sinti und Roma.
Doch wie kam es von diesen Vorstellungen, Erfahrungswerten und Klischees zu der massenhaften Vernichtung von Zigeunern im Nationalsozialismus? Wie wurde die Verbindung geschaffen, die störende und fremde, aber nichtsdestotrotz deutsche (bzw. preußische, bayerische...) Mitbürger zu Menschen ‚zweiter Klasse’ machte?
Um diese Fragen zu lösen, werden zuerst die Grundbedingungen, der ‚Nährboden’ der rassistischen Diskriminierung, dargestellt, die dann in den ersten Ansätzen, welche vornehmlich durch Moritz Grellmann und Cesare Lombroso entstanden, junge Triebe zeigen. Außerdem muss auf die Dialektik der Zigeunerdiskriminierung eingegangen werden, welche sich vor allem in der fehlgeschlagenen Ansiedlung und damit einhergehenden Nutzbarkeit ihrer Arbeitskraft äußert.
Anschließend wird die Zigeunerverfolgung während der Weimarer Republik in drei Teilen behandelt: zuerst werden rassistische Schriften vorgestellt, die vor allem die Ein- und Vorstellungen der damaligen deutschen Bevölkerung eindringlich dokumentieren. Das bayerische Zigeuner – Gesetz im zweiten Teil zeigt, wohin solche Vorstellungen führen: Die Beschränkungen und Verbote, die den Sinti und Roma auferlegt wurden, stellen für die Autorin einen rassistischen Höhepunkt während der Weimarer Republik dar. Der dritte Teil zeigt anhand einer einzelnen Äußerung von Hans F. K. Günther, wohin die gesetzlichen und polizeilichen Beschränkungen der ziganistischen Lebensweise führen können und werden. In der Zeit zwischen 1919 und 1932 gibt es kaum rassenhygienische Schriften, die sich mit den Roma beschäftigten. Dies stellte den Anreiz dar, genau diese Lücke zu schließen und die rassenanthropologische Entwicklung der Zigeunerverfolgung in diesem Zeitraum zu untersuchen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sinti und Roma – Wer sind die ‚Zigeuner’?

3. Die Grundbedingungen

a) Die historische Situation

b) Das ‚Andere’

c) Sesshaftigkeit gegen Nomadentum

4. Grundlagen der rassischen Stigmatisierung – Arbeit als Konstruktionsmodell

5. Zigeunerverfolgung während der Weimarer Republik

a) Rassistisches Schrifttum

b) Das bayerische Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz und seine Folgen

c) Hans Friedrich Karl Günther

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die rassistische Diskriminierung und die praktische Verfolgung von Sinti und Roma während der Weimarer Republik, wobei insbesondere die Rolle polizeilicher Maßnahmen und die Entwicklung rassenanthropologischer Argumentationsmuster im Vordergrund stehen. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie die Verbindung zwischen soziologischen Stigmatisierungen und polizeilicher Repression geschaffen wurde, um Sinti und Roma als Menschen „zweiter Klasse“ zu definieren.

  • Ursachen und Grundbedingungen der jahrhundertelangen Diskriminierung.
  • Die Rolle der Arbeit als Konstruktionsmodell für rassische Stigmatisierung.
  • Die praktische Zigeunerverfolgung durch polizeiliche Sondergesetze.
  • Die Bedeutung des rassenanthropologischen Diskurses in der Weimarer Republik.
  • Der Übergang von traditionellen Vorurteilen zur systematischen Ausgrenzung.

Auszug aus dem Buch

3. Die Grundbedingungen

Um die Zigeunerverfolgung und –diskriminierung des 20. Jahrhunderts auch nur ansatzweise verstehen zu können, muss man sich die Ursachen und Voraussetzungen, welche über mehrere Jahrhunderte entstanden, vor Augen führen. Dabei ist es, um mit Hehemann zu sprechen, leichter, „die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Verhältnisse des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Deutschland (und Europa) [zu untersuchen] (…), die psychologischen Hintergründe [entziehen sich] einer endgültigen Klärung aufgrund ihrer besonderen Problematik, zumal dann, wenn Irrationalität und Emotionen die Kausalität aufzuheben scheinen“ (…). Das „Wechselspiel von Unterdrückung, Vertreibung, Ausrottung und gelegentlichen Ruhephasen“ fasst in seiner Beschreibung nicht die Ursachen der Verfolgung, welche ähnlich einem Teufelskreis, einmal in Gang gesetzt, zu genau den Verhaltensweisen unter den Zigeunern führten, die sie dann wieder in den Blickpunkt der Verfolgung und Diskriminierung brachten.

Die Stigmatisierung der Zigeuner der frühen Neuzeit fand interessanterweise im Zeitraum der Kolonialisierung statt, also zu einem Zeitpunkt, in dem die Europäer neue Erfahrungen in allen Kontinenten sammelten. Nur war der Kontakt zu anderen, kolonialen, Völkern insofern unproblematischer, als dass die Europäer hier die agierende Partei waren, während sie auf die Zigeuner, welche ja in ihren Reichsgrenzen auftauchten, nur reagieren konnten. Dieser enorme Unterschied zwischen Agitation und Reaktion ist noch mehr als der Umgang mit dem „Fremden“ an sich ein Erklärungsansatz, um die Diskriminierung der Zigeuner zu verstehen. Hehemann weist neben diesem Punkt und der historischen Situation, also der Geschichte der Zigeuner in Europa, noch auf eine dritte Erklärungsmöglichkeit hin, welche stark mit den ersten beiden Ansätzen verbunden ist: und zwar den „Gegensatz der kulturellen Systeme“, welcher sich in der Sesshaftigkeit des größten Teils der europäischen Bevölkerung und im Nomadentum der Zigeuner äußert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Diskriminierung von Sinti und Roma ein und stellt die zentrale Frage, wie es zur massenhaften Vernichtung im Nationalsozialismus kommen konnte.

2. Sinti und Roma – Wer sind die ‚Zigeuner’?: Dieses Kapitel klärt die Begrifflichkeiten und die historische Herkunft der Sinti und Roma sowie ihre Situation in der deutschen Gesellschaft.

3. Die Grundbedingungen: Hier werden die historischen, soziologischen und kulturellen Ursachen der Stigmatisierung und Ausgrenzung, insbesondere der Gegensatz zwischen Sesshaftigkeit und Nomadentum, erläutert.

4. Grundlagen der rassischen Stigmatisierung – Arbeit als Konstruktionsmodell: Dieses Kapitel analysiert, wie durch die Verknüpfung von Arbeitsethik und Rassenkonstruktion ein minderwertiges Bild des „Zigeuners“ geschaffen wurde.

5. Zigeunerverfolgung während der Weimarer Republik: Im Zentrum stehen die polizeilichen Überwachungsmaßnahmen, das bayerische Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz sowie der rassenanthropologische Einfluss von Hans F. K. Günther.

6. Schlussbetrachtung: Die Autorin resümiert, dass die Weimarer Republik einen vorläufigen Höhepunkt der Diskriminierung darstellte, der die ideologische Plattform für den Nationalsozialismus bot.

Schlüsselwörter

Sinti, Roma, Weimarer Republik, Rassenanthropologie, Stigmatisierung, Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz, Diskriminierung, Preußen, Hans F. K. Günther, Nomadentum, Sozialhygiene, Kriminalisierung, Ausgrenzung, Eugenik, Minderheitenpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die rassistische Diskriminierung und die systematische Verfolgung von Sinti und Roma während der Zeit der Weimarer Republik.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Stigmatisierung, der Rolle des rassenanthropologischen Diskurses und der Umsetzung polizeilicher Repressionsgesetze.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den „Nährboden“ und die Mechanismen der Verfolgung aufzuzeigen, die Sinti und Roma in der Weimarer Republik zu Menschen „zweiter Klasse“ machten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine geschichtswissenschaftliche Analyse von Sekundärliteratur, zeitgenössischen Schriften, Gesetzestexten und polizeilichen Anweisungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Grundbedingungen, die Konstruktion von Rassenstereotypen durch Arbeitsethik und die konkrete Ausführung der Verfolgung mittels Sondergesetzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sinti und Roma, Rassenhygiene, Diskriminierung, polizeiliche Erfassung und Weimarer Republik geprägt.

Welche Bedeutung hat das bayerische Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz?

Es fungierte als radikales Sondergesetz, das polizeiliche Willkür legitimierte und die systematische Verfolgung durch zwangsweise Sesshaftmachung und Einweisung in Arbeitshäuser verschärfte.

Welche Rolle spielte Hans F. K. Günther?

Günther war ein einflussreicher Rassenforscher, der durch seine Schriften das rassistische Gedankengut verbreitete, das den „Untergang der nordischen Rasse“ durch „fremdes Blut“ proklamierte.

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Details

Title
"Faule Verbrecher" - Roma und Sinti in der Weimarer Republik. Zur rassistischen Diskriminierung und ihrer praktischen Umsetzung
College
University of Trier
Course
Hygiene, Sozialhygiene und Eugenik im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Grade
gut
Author
Franziska Irsigler (Author)
Publication Year
2005
Pages
28
Catalog Number
V48518
ISBN (eBook)
9783638452021
ISBN (Book)
9783638708319
Language
German
Tags
Faule Verbrecher Roma Sinti Weimarer Republik Diskriminierung Umsetzung Hygiene Sozialhygiene Eugenik Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Irsigler (Author), 2005, "Faule Verbrecher" - Roma und Sinti in der Weimarer Republik. Zur rassistischen Diskriminierung und ihrer praktischen Umsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48518
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