Schriftspracherwerb und phonologische Bewusstheit.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
21 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegende Erkenntnisse zum Schriftspracherwerb
2.1 Aufbau und Prinzipien der Schriftsprache

3. Der Entwicklungsprozess des Schriftspracherwerbs
3.1 Das Stufenmodell von Günther
3.2 Die vier phonemischen Stufen der Rechtschreibentwicklung nach Scheerer- Neumann
3.3 Kritik an Entwicklungsmodellen und Zusammenfassung

4. Die phonologische Bewusstheit als zentrale Voraussetzung und als wichtiger Begleitprozess für den Schriftspracherwerb
4.1 Begriffserklärung der phonologischen Bewusstheit
4.2 Phonologische Bewusstheit als Begleitprozess des Schriftspracherwerbs

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich mich mit der phonologischen Bewusstheit und deren Bedeutung für den Schriftspracherwerb auseinandersetzen. Als erstes werde ich grundlegende Erkenntnisse zum Schriftspracherwerb vorstellen und den Aufbau von Prinzipien der Schriftsprache erklären.

Die wichtigste Orientierung, auf der unsere Schrift basiert, stellt das phonematische Prinzip dar, bei dem die Schrift möglichst lautgetreu abgebildet wird. Mit diesem Prinzip werde ich mich in dem ersten Teil der vorliegenden Arbeit befassen.

Im zweiten Teil der Arbeit werde ich den Entwicklungsprozess des Schriftspracherwerbs anhand von Stufenmodellen von Günther und Scheerer- Neumann verdeutlichen. Die Modelle zeigen den Normalverlauf des Schriftspracherwerbs. Es gibt aber auch Kritik an Stufenmodellen.

Daher werde ich auch auf die Nachteile von Stufenmodellen eingehen.

Im letzten Teil der Arbeit werde ich zunächst den Begriff der phonologische Bewusstheit erklären. Dazu verwende ich die Aussagen von verschiedenen Wissenschaftlern, da es keine einheitliche Definition gibt. Um den Begriff der phonologische Bewusstheit noch enger zu differenzieren, werde ich auf die phonologische Bewusstheit im engeren Sinn und im weiteren Sinn näher eingehen.

Die übergreifende Zielsetzung der Arbeit besteht darin, die Frage zu beantworten, inwiefern die phonologische Bewusstheit für den Schriftspracherwerb von Bedeutung ist.

2. Grundlegende Erkenntnisse zum Schriftspracherwerb

2.1 Aufbau und Prinzipien der Schriftsprache

Das Prinzip von alphabetischen Schriften- wie der deutschen Schrift- liegt darin, dass Laute oder Lautsequenzen durch Buchstaben bzw. Buchstabensequenzen abgebildet werden. Mit Hilfe dieses Prinzips kann eine unendlich große Zahl von Wörtern mit Hilfe einer sehr geringen Anzahl von an sich bedeutungslosen Zeichen verschriftet werden. Bei alphabetischen Schriften wird die Bedeutung nicht direkt, sondern die Lautung der Sprache durch die Schrift erfasst. Die Bedeutung ergibt sich also erst über den Umweg der Lautung. Bei dem logographischen Schriftsystem, wie beispielsweise der chinesischen Schrift, wird kein Bezug zur Lautsprache gezeigt. Die Bedeutungsentnahme erfolgt direkt; ein Wissen um die Aussprache des betreffenden Wortes ist nicht notwendig. (vgl. Topsch, 2000; Crämer & Schumann, 1999)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: Beispiel für die Bedeutungsentnahme in der deutschen, alphabetischen Schrift im Gegensatz zur chinesischen, logographischen Schrift ( aus: Crämer & Schumann, 1999, S.269)

Während die kleinsten bedeutungsunterscheidenden sprachlichen Einheiten unserer Lautsprache die Phoneme sind, werden die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten auf der schriftsprachlichen Ebene Grapheme genannt. Zum Niederschreiben der Grapheme benutzen wir Buchstaben, die in ihrer optischen Realisierung je nach Schrifttypus ( z.B. Druckschrift/Schreibschrift; Groß-/Kleinschreibung) variieren. So stellen zum Beispiel Buchstaben wie <A> und <a> ein und dasselbe Graphem dar. Die graphische Form der Grapheme weist normalerweise keine Ähnlichkeit zur Lautebene auf. Bei dem Graphem <o> kann zwar noch eine Beziehung zur Mundstellung erkannt werden (die Mundstellung ist rund), bei anderen Graphemen ist die graphische Gestalt allerdings völlig willkürlich gewählt. Auch Phoneme, die gleich klingen, wie z.B. /k/ und /g/ weisen in ihrer graphischen Realisierung keine Gemeinsamkeiten auf (vgl. Sassenroth, 1995).

Die wichtigste Orientierung, auf der unsere Schrift basiert, stellt das phonematische Prinzip dar. Nach diesem Prinzip erfolgt die Verschriftung möglichst lautgetreu. Es existieren sog. Graphem- Phonem- Korrespondenzen, d.h. das bestimmten Phonemen bestimmte Grapheme zugeordnet sind. (vgl. Sassenroth, 1995). Eine eins- zu-eins Beziehung zwischen Phonemen und Graphemen gibt es allerdings nicht. Da die Anzahl der Phoneme höher ist als die der Grapheme, ist für einige Phoneme kein Zeichen vorhanden. Diese werden dann durch eine Graphemkombination abgebildet. So repräsentiert das Graphem <sch> beispielsweise das Phonem /∫/. Genauso kann auch ein einzelnes Graphem (z.B. <z>) durch ein mehrgliedriges Phonem (z.B. /ts/) realisiert werden. Eine weitere Abweichung von einlinigen Graphem- Phonem- Korrespondenzen stellen mehrdeutige Grapheme dar. Diese können unterschiedliche Phoneme abbilden. So können sich zum Beispiel dem Graphem <e> die Phoneme /e:/ in „Weg“, /ε/ in „Bett“ und /ɘ/ in „laufen“ zuordnen lassen.

Schließlich kann auch ein und dasselbe Phonem durch unterschiedliche Grapheme dargestellt werden. (z.B. /e:/ durch <e> in „Weg“, durch <ee> in „Tee“ und durch <eh> in „Mehl“).

(vgl. Crämer & Schumann, 1999)

Außer dem phonematischen Prinzip gibt es noch weitere orthographische Prinzipien, wie z.B. das morphematische Prinzip. Danach werden Morpheme (die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten) immer gleich geschrieben, um ihre Bedeutung zu erhalten. Bei Wortableitungen bleibt die Schreibung des Wortstammes identisch, d.h., das die Verwandtschaft der Wörter durch den Umlaut gekennzeichnet wird. (z.B. „Bäcker“ – „backen“).

Ein weiteres Prinzip unserer Schriftsprache ist das semantische Prinzip. Lautgleiche Begriffe wie z.B. „Lerche“ und „Lärche“ werden unterschiedlich verschriftet, um Verständlichkeit zu gewährleisten.

Zum grammatischen Prinzip gehören Regeln, durch die die Zugehörigkeit eines Wortes zu einer bestimmten Wortart bestimmt wird, wie Z.B. die Groß- und Kleinschreibung.

Nach dem historischen Prinzip werden Wörter nach der früheren Sprechweise verschriftet, auch wenn diese Wörter heute anders gesprochen werden.

Schließlich ist noch das graphisch-formale Prinzip von Bedeutung, wo eine bessere Lesbarkeit erreicht werden soll. Um Verwechslungen von ähnlichen Graphemen zu vermeiden und sinnwichtige Wörter hervorzuheben, führt man stimmlose Grapheme ein (z.B. das Dehnungs-<h> oder das <ie> ein (vgl. Crämer & Schumann, 1999; Sassenroth, 1995).

- All diese Prinzipien muss das Kind beim Schriftspracherwerb berücksichtigen. Eine besondere Herausforderung stellt aber für den Schulanfänger das phonematische Prinzip dar.

Unsere Schrift berücksichtigt nur diejenigen lautlichen Merkmale, die eine bedeutungsunterscheidende Funktion aufweisen. Phoneme sind abstrakte Einheiten der Sprachstruktur, die nicht als reale Einheiten vorkommen. Das Kind muss also eine große Abstraktionsleistung bringen, um Phoneme als abstrakte Einheiten zu erkennen und zu unterscheiden.

3. Der Entwicklungsprozess des Schriftspracherwerbs

Als erstes werde ich das Stufenmodell von Günther (1986) erklären, da dieses die Entwicklung des Lesens und Schreibens sehr ausführlich beschreibt und auch präliteral- symbolische Strategien mit einschließt. Ergänzt wird dieses Modell durch eine differenziertere Betrachtung der alphabetischen Stufe nach Scheerer- Neumann (1993; 1998), da diese Stufe besonders bedeutsam für den Aufbau phonologischer Bewusstheit ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Schriftspracherwerb und phonologische Bewusstheit.
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V48535
ISBN (eBook)
9783638452151
ISBN (Buch)
9783656447900
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schriftspracherwerb
Arbeit zitieren
Rebecca Grohnfeldt (Autor), 2004, Schriftspracherwerb und phonologische Bewusstheit., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48535

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