In dieser Arbeit möchte ich mich mit der phonologischen Bewusstheit und deren Bedeutung für den Schriftspracherwerb auseinandersetzen. Als erstes werde ich grundlegende Erkenntnisse zum Schriftspracherwerb vorstellen und den Aufbau von Prinzipien der Schriftsprache erklären. Die wichtigste Orientierung, auf der unsere Schrift basiert, stellt das phonematische Prinzip dar, bei dem die Schrift möglichst lautgetreu abgebildet wird. Mit diesem Prinzip werde ich mich in dem ersten Teil der vorliegenden Arbeit befassen.
Im zweiten Teil der Arbeit werde ich den Entwicklungsprozess des Schriftspracherwerbs anhand von Stufenmodellen von Günther und Scheerer- Neumann verdeutlichen. Die Modelle zeigen den Normalverlauf des Schriftspracherwerbs. Es gibt aber auch Kritik an Stufenmodellen. Daher werde ich auch auf die Nachteile von Stufenmodellen eingehen.
Im letzten Teil der Arbeit werde ich zunächst den Begriff der phonologische Bewusstheit erklären. Dazu verwende ich die Aussagen von verschiedenen Wissenschaftlern, da es keine einheitliche Definition gibt. Um den Begriff der phonologische Bewusstheit noch enger zu differenzieren, werde ich auf die phonologische Bewusstheit im engeren Sinn und im weiteren Sinn näher eingehen.
Die übergreifende Zielsetzung der Arbeit besteht darin, die Frage zu beantworten, inwiefern die phonologische Bewusstheit für den Schriftspracherwerb von Bedeutung ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Erkenntnisse zum Schriftspracherwerb
2.1 Aufbau und Prinzipien der Schriftsprache
3. Der Entwicklungsprozess des Schriftspracherwerbs
3.1 Das Stufenmodell von Günther
3.2 Die vier phonemischen Stufen der Rechtschreibentwicklung nach Scheerer- Neumann
3.3 Kritik an Entwicklungsmodellen und Zusammenfassung
4. Die phonologische Bewusstheit als zentrale Voraussetzung und als wichtiger Begleitprozess für den Schriftspracherwerb
4.1 Begriffserklärung der phonologischen Bewusstheit
4.2 Phonologische Bewusstheit als Begleitprozess des Schriftspracherwerbs
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit im Kontext des Schriftspracherwerbs bei Kindern. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese Fähigkeit als notwendige Voraussetzung oder als begleitender Prozess für den erfolgreichen Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen anzusehen ist.
- Grundlagen des Schriftspracherwerbs und phonematische Prinzipien
- Analyse verschiedener Stufenmodelle (Günther, Scheerer-Neumann)
- Differenzierung der phonologischen Bewusstheit (enger vs. weiter Sinn)
- Zusammenhang und Interaktion von Bewusstheit und Schriftspracherwerb
Auszug aus dem Buch
2.1 Aufbau und Prinzipien der Schriftsprache
Das Prinzip von alphabetischen Schriften- wie der deutschen Schrift- liegt darin, dass Laute oder Lautsequenzen durch Buchstaben bzw. Buchstabensequenzen abgebildet werden. Mit Hilfe dieses Prinzips kann eine unendlich große Zahl von Wörtern mit Hilfe einer sehr geringen Anzahl von an sich bedeutungslosen Zeichen verschriftet werden. Bei alphabetischen Schriften wird die Bedeutung nicht direkt, sondern die Lautung der Sprache durch die Schrift erfasst. Die Bedeutung ergibt sich also erst über den Umweg der Lautung. Bei dem logographischen Schriftsystem, wie beispielsweise der chinesischen Schrift, wird kein Bezug zur Lautsprache gezeigt. Die Bedeutungsentnahme erfolgt direkt; ein Wissen um die Aussprache des betreffenden Wortes ist nicht notwendig. (vgl. Topsch, 2000; Crämer & Schumann, 1999)
Während die kleinsten bedeutungsunterscheidenden sprachlichen Einheiten unserer Lautsprache die Phoneme sind, werden die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten auf der schriftsprachlichen Ebene Grapheme genannt. Zum Niederschreiben der Grapheme benutzen wir Buchstaben, die in ihrer optischen Realisierung je nach Schrifttypus ( z.B. Druckschrift/Schreibschrift; Groß-/Kleinschreibung) variieren. So stellen zum Beispiel Buchstaben wie <A> und <a> ein und dasselbe Graphem dar. Die graphische Form der Grapheme weist normalerweise keine Ähnlichkeit zur Lautebene auf. Bei dem Graphem <o> kann zwar noch eine Beziehung zur Mundstellung erkannt werden (die Mundstellung ist rund), bei anderen Graphemen ist die graphische Gestalt allerdings völlig willkürlich gewählt. Auch Phoneme, die gleich klingen, wie z.B. /k/ und /g/ weisen in ihrer graphischen Realisierung keine Gemeinsamkeiten auf (vgl. Sassenroth, 1995).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Zielsetzung der Arbeit dar, welche darin besteht, die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für den Schriftspracherwerb kritisch zu beleuchten.
2. Grundlegende Erkenntnisse zum Schriftspracherwerb: Hier werden die theoretischen Grundlagen erläutert, insbesondere das phonematische Prinzip der deutschen Sprache und die Abgrenzung zu logographischen Schriftsystemen.
3. Der Entwicklungsprozess des Schriftspracherwerbs: In diesem Kapitel werden Modelle von Günther und Scheerer-Neumann diskutiert, um die Phasen des Lese- und Schreiblernprozesses und deren Kritikpunkte aufzuzeigen.
4. Die phonologische Bewusstheit als zentrale Voraussetzung und als wichtiger Begleitprozess für den Schriftspracherwerb: Dieses Kapitel definiert den Begriff der phonologischen Bewusstheit und untersucht deren wechselseitigen Zusammenhang mit dem Schriftspracherwerb.
5. Zusammenfassung: Hier werden die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst und die Rolle der phonologischen Bewusstheit als Voraussetzung sowie als Folge des Schriftspracherwerbs hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, phonologische Bewusstheit, Graphem, Phonem, Stufenmodell, Lautanalyse, Alphabet, Lese- und Schreibentwicklung, Schriftsprache, Lautung, Morphem, Metaphonologie, Orthographie, Alphabetisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der phonologischen Bewusstheit und deren Bedeutung für den Prozess, in dem Kinder lesen und schreiben lernen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Prinzipien der Schriftsprache, verschiedene Entwicklungsmodelle der Rechtschreibung sowie die Definition und Differenzierung der phonologischen Bewusstheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwiefern die phonologische Bewusstheit für den Schriftspracherwerb von Bedeutung ist und wie diese beiden Aspekte zusammenhängen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung bestehender Fachliteratur, Stufenmodellen der Schriftsprache und der Auswertung relevanter Forschungsergebnisse zu Korrelationen zwischen phonologischen Fähigkeiten und Schriftspracherfolg.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Schriftspracherwerbsmodellen (Günther, Scheerer-Neumann) sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der phonologischen Bewusstheit im weiteren und engeren Sinn.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Phonem-Graphem-Korrespondenz, Schriftspracherwerb, phonologische Bewusstheit und die Stufenmodelle der kindlichen Lese- und Schreibentwicklung.
Warum wird die phonologische Bewusstheit im engeren und weiteren Sinn differenziert?
Die Differenzierung hilft, verschiedene Teilfertigkeiten zu unterscheiden: Während im weiteren Sinn eher oberflächliche Sprachleistungen wie Reimerkennung gemeint sind, bezieht sich der engere Sinn auf die gezielte Analyse von Phonomen.
Welche Kritik wird an den vorgestellten Stufenmodellen geübt?
Kritiker wie Mechthild Dehn führen an, dass Kinder nicht zwangsläufig alle Stufen linear durchlaufen und dass Modelle die individuelle Lernentwicklung von Kindern mit Schwierigkeiten nur unzureichend erfassen.
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- Rebecca Grohnfeldt (Author), 2004, Schriftspracherwerb und phonologische Bewusstheit., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48535