SHINSON HAPKIDO ALS PRÄVENTION - Asiatische Bewegungskünste als Form der Prävention und Gesundheitsförderung von älteren Personen


Bachelorarbeit, 2005

57 Seiten, Note: 1,1 9 ECTS-Punkte


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINFÜHRUNG

2 METHODIK

3 DEFINITIONEN
3.1 Shinson Hapkido
3.2 Prävention
3.2.1 Primärprävention
3.2.2 Tertiärprävention
3.2.3 Sekundärprävention
3.3 Das Präventionsgesetz
3.4 Ältere Personen

4 ASIATISCHE BEWEGUNGSKÜNST
4.1 Philosophie asiatischer Bewegungskünste
4.1.1 Taoismus und Konfuzianismus
4.1.2 Buddhismus
4.1.3 Philosophie des Shinson Hapkido
4.2 Aufgaben und Ziele des Shinson Hapkido
4.2.1 Grundlagen und Prinzipien des Shinson Hapkido
4.3 Auszüge aus dem Training
4.3.1 Die Atmung (Dan Jon Ho Hop Bup)
4.3.2 Die natürliche Stellung und Form (Jahse)
4.3.3 Fallen wie eine Katze (Nak Bop)
4.3.4 Der Tanz des göttlichen Kranichs (Son-Hak Hyong)
4.4 Tai Chi Chuan
4.4.1 Wirkungen des Tai Chi

5 PRÄVENTION
5.1 Einführung in den Präventionsgedanken
5.2 Prävention in Deutschland
5.3 Zielsetzung der Prävention
5.4 Kostenreduktion durch Prävention
5.5 Chancen und Möglichkeiten der Prävention bei älteren Personen
5.6 Deutsches Forum Prävention und Gesundheitsförderung
5.7 Sturzprävention
5.7.1 Welche Maßnahme verhindert Stürze? Metaanalyse
5.7.2 Stürzen entrinnen – Eine Studienbeschreibung der Universität Freiburg
5.7.3 Tai Chi Chuan als Sturzprävention

6 ÄLTERE PERSONEN
6.1 Demografische Entwicklung
6.2 Kompetenz im Alter
6.2.1 Kognitive Kompetenz
6.2.2 Körperliche Kompetenz
6.2.3 Alltagspraktische Kompetenz
6.3 Motorik des älteren Menschen
6.3.1 Sensomotorik und Propriozeption
6.3.2 ZNS – Einfluß auf die Motorik im Alter

7 ERGEBNISSE
7.1 Darstellung der Vorgaben durch das Präventionsgesetz
7.2 Erörterung der Motorik und Kontrolle bei älteren Personen
7.3 Wirkungen von asiatischen Bewegungskünsten auf den Menschlichen Körper

8 DISKUSSION
8.1 Möglichkeiten der Prävention
8.2 Diskussion über die gesetzlichen Grundlagen und ihre Folgen
8.3 Asiatische Bewegungskünste als Präventiver Faktor in der Physiotherapie

9 KONKLUSION
9.1 Zusammenfassung
9.2 Interpretation und Persönliche Stellungnahme
9.3 Ausblick und Empfehlung

10 LITERATUR

11 LINKS FÜR WEITERE INFORMATIONEN

12 ANLAGEN
1. Bilder des Kranichformlaufes
2. Genehmigung für die Verwendung von Bildmaterial
3. §20 SGB V
4. § 12 Abs. 1 SGB V

1 EINFÜHRUNG

In der folgenden Arbeit möchte ich die Frage klären ob die asiatische Bewegungs- und Kampfkunst Shinson Hapkido als Form der Prävention für ältere Personen geeignet ist.

Oft wird von Patienten die Frage an uns Physiotherapeuten herangetragen welche Form der Bewegung für sie eine förderliche darstellt. Gerade bei älteren Personen über 65 Jahren ist diese schwieriger zu beantworten, da die Problemstellung oft eine komplexere ist, als beim jungen Erwachsenen.

In den Jahren die ich selber, mit einer starken Sinnesbehinderung, diese Bewegungs- und Kampfkunst ausübe, hat sich mein subjektives Empfinden im Bezug auf ein stabiles und selbstsicheres Verhalten und Bewegen im Alltag so verändert, das Außenstehende meine Sehbehinderung nicht wahrnehmen.

Durch einen kurzen Exkurs in die Philosophie wird versucht den Zusammenhang zwischen den Bewegungskünsten Asiens und dem Verständnis, das diese eher ein Kulturgut für die Bevölkerung Asiens sind, als in unserem naturwissenschaftlich europäischem Sinne Sport.

Mit den vielfach belegten Wirkungen des Tai Chi auf den älter werdenden menschlichen Organismus werden die Parallelen zum Shinson Hapkido und seinen umfangreichen Übungen dargestellt.

Die zweite Säule dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem umfangreichen Thema Prävention, den gesetzlichen Grundlagen und dem derzeitigen politischem Willen.

Prävention soll in Zukunft als vierte Säule des deutschen Gesundheitswesens, neben Kranken-, Renten- und Unfallversicherung ausgebaut werden. Prävention soll die Kosten die für das Gesundheitswesen aufgewandt werden senken und den Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessern. Kosten können durch die Verhinderung von Erkrankungen oder Verletzungen vermindert werden. Gerade bei älteren Personen resultieren vielschichtige Folgen durch Stürze, deshalb spielt die Sturzprävention eine besonders wichtige Rolle. Verschiedene Untersuchungen zeigen Wege um die Aufgabe der Sturzprävention zu bewältigen. Unter anderem werden sensomotorisches Training und asiatische Bewegungskunst genauer betrachtet.

Durch die demografische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland kann verdeutlicht werden welchen Stellenwert Prävention bei älteren Erwachsenen erhalten kann. Um die Bedeutung dieser Präventionsmaßnahmen effektivieren zu können, ist es wichtig über die verschiedenen Kompetenzen des Alters und der veränderten Motorik des älteren Menschen zu wissen. Diese Aspekte werden in gesonderten Abschnitten erörtert.

Zusammenfassend werden die Themenblöcke Shinson Hapkido, Prävention und Ältere Personen zusammengeführt. Hier wird dargelegt welche Rolle die asiatische Kampf- und Bewegungskunst Shinson Hapkido als präventiver Faktor innerhalb der Physiotherapie spielen kann.

2 METHODIK

Ziel dieser Arbeit ist die Beantwortung der Fragestellung ob asiatische Bewegungskünste, im Besonderen Shinson Hapkido und als Vergleich Tai Chi, als Primärpräventive Maßnahme und Ergänzender Faktor in der Physiotherapie, für ältere Personen geeignet ist. Um diese Frage beantworten zu können wurden folgende Schritte durchgeführt:

- Definition der Untersuchungsgegenstände
- Literaturrecherche

Zur Erfassung der relevanten Literatur und Publikationen wurden die aufgeführten Datenbanken und Suchmaschinen, GeroLit®, GeroStat®, DIMDI®, BISP®, DZA®, Medline®, Medpilot® und Google®, sowie Fachliteratur genutzt. Literatur des Zeitraums 1995 bis 2005 kam zur Anwendung. Literaturverzeichnisse wesentlicher Arbeiten gaben weiterhin der Arbeit dienliche Hinweise.

Zur Anwendung kamen Untersuchungen die aus dem Blickwinkel der Sportwissenschaften und der Ärzteschaft klinischen Untersuchungen entsprach, einschlägige Fachliteratur und Veröffentlichungen die Aufgrund der Sachkenntnis der Autoren annehmen ließ das hier ein hoher Grad von Validität vorhanden ist.

Veröffentlichungen die keinerlei wissenschaftlichen Evidenz vermittelten wurden nicht zum auswerten von Fakten, nur zum Erörtern und besserem Verstehen, herangezogen.

3 DEFINITIONEN

3.1 Shinson Hapkido

Shinson Hapkido ist ein Gesundheitstraining das mit der Achtung vor Mensch und Natur stattfindet (Shinson). Durch Shinson Hapkido wird ein Weg (Do) beschritten der zur Harmonie (Hap) von Körper, Geist und Lebenskraft (Ki) führt. (vgl. Myong K., 1999)

Hapkido ist eine sehr alte Kunst, verschiedene Quellen sprechen von einem Entstehungszeitraum von vor 2000 bis 3000 Jahren. Die genaue Entstehungsgeschichte bleibt deshalb im unklaren.

Hapkido ist eine Selbstverteidigungskunst, bei der das natürliche Zusammenwirken von Körper und Geist im Vordergrund steht und die weltweit zu den effektivsten Kampfsystemen zu zählen ist. (vgl. Schöneberger G., 1998 S. 9)

Erst nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde Hapkido der Öffentlichkeit in Korea zugänglich, vorher war es wie üblich bestimmten gesellschaftlichen Schichten, wie Mönchen oder dem Adel, vorbehalten.

Die Wurzeln liegen in der asiatischen Philosophie wie Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus. Später wurde diese Selbstverteidigungskunst auch von Militärs angewandt.

Shinson Hapkido stellt eine Weiterentwicklung durch Sonsanim Ko Myong dar. Sonsanim Ko Myong ist Meister des Zen, des Hapkido, des Taekwondo sowie der koreanischen Naturheilkunde. In Darmstadt gründete er 1983 die erste Schule für Shinson Hapkido.

Das Training von Shinson Hapkido beinhaltet nicht nur die Selbstverteidigung, sondern auch Gymnastik mit verschiedenen Zielsetzungen, Atemübungen, Entspannungstechniken, Meditation, u.v.m.

Shinson Hapkido bedeutet, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu trainieren und zu leben. Das Ziel das Trainings ist Gesundheit, Menschlichkeit, (Selbst-) Vertrauen und Lebensfreude. (vgl. Bujak U., 03/2005 Internet)

3.2 Prävention

In der Prävention sollen Maßnahmen zum Tragen[SK1] kommen die Krankheiten verhindern, deren Ausbrechen oder Verlauf verzögern oder die Gesundheit fördern. Diese Maßnahmen können auf verschiedenen Ebenen stattfinden. So spricht man von der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Lebensqualität und selbstbestimmtes Leben sollen durch Prävention weitestgehend erhalten und verbessert werden.[SK2]

Prävention nimmt ihren Ausgangspunkt bei spezifischen Krankheitsrisiken und hat das Ziel, die Risiken für diese Krankheiten zu minimieren. Gesundheitsförderung hingegen zielt nicht auf die Risiken, sondern auf die Ressourcen für die Gesunderhaltung oder Gesundung; sie hat das Ziel, personale und soziale Ressourcen zu stärken und Handlungsspielräume zu erweitern, um damit zur Gesunderhaltung und zum Wohlbefinden beizutragen. (vgl. BMGS, 02/2005 Internet)

3.2.1 Primärprävention

Bei der Primärprävention geht es darum das es nicht zur Ersterkrankung kommt. Hier verlangt der Gesetzgeber Maßnahmen zur Gesunderhaltung bzw. zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versicherten.

3.2.2 Tertiärprävention

Innerhalb der tertiären Prävention soll eine Verschlimmerung einer bereits bestehenden bzw. eine Folgeerkrankung verhindert werden.

3.2.3 Sekundäre Prävention

Die sekundäre Prävention ist ausschließlich dafür vorhanden, Erkrankungen möglichst frühzeitig zu erkennen um entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können.

3.3 Das Präventionsgesetz

Am 22.04.05 hat der Deutsche Bundestag das Präventionsgesetz mit den Stimmen der Rot-Grünen-Regierung beschlossen. Mit dem neuen Präventionsgesetz verfolgt die Bundesregierung den Weg einer vorausschauenden und nachhaltigen Gesundheitspolitik.

Es schafft die Rahmenbedingungen für die Inhalte der verschiedenen Präventionsmaßnahmen, sowie die Finanzierung der für die Gesamtbevölkerung geforderte Prävention. Es nimmt Einfluss um die Bevölkerung durch sog. Lebenswelten bzw. Setting zu erreichen.

Grundsätzlich wurde die Schaffung eines solchen Gesetzes, und der damit verknüpften Ziele, in der eigens eingerichteten Bund-Länder-Konferenz begrüßt.

Jedoch sieht die Opposition (CDU / CSU und FDP) verschiedene Schwierigkeiten wie z. B. das die Finanzierung vorwiegend von den gesetzlich Versicherten erbracht werden soll, oder das für Sekundär- und Tertiärprävention kaum Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Das Präventionsgesetz der Bundesregierung soll Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu Gesundheitsangeboten erleichtern und gesundheitliche Prävention stärker im Alltag verankern.

(vgl. SPD Franktion des Deutschen Bundestages / Bund-Länder-Konferenz 02/2005)

3.4 Ältere Personen

In der derzeitigen Präventionsdebatte gibt es die Personengruppe die mit dem Schlagwort „50+“ behandelt wird. Diese stellt eine Interessante Gruppierung der Bevölkerung dar.

Jedoch wird in dieser Arbeit die Gruppe der Personen über 65 betrachtet. Die über 65-jährigen befinden sich in der Regel nicht mehr im Arbeitsprozess und die alterungsbedingten körperlichen Problematiken tauchen deutlicher auf.

In der Arbeit findet keine Abgrenzung aufgrund des Geschlechtes statt.

4 ASIATISCHE BEWEGUNGSKÜNSTE

4.1 Philosophie asiatischer Bewegungskünste

Um zu verstehen warum verschiedene asiatische Völker von sich aus zu Tausenden jeden Tag Ihre traditionellen Übungen machen, siehe zum Beispiel Thai Chi C´uan in China oder Taekwondo an koreanischen Schulen, muss man einen kleinen Einblick in die Philosophie bekommen. Für uns, die wir in einem anderen Kulturkreis leben und eher christlicher Erziehung und Werten verbunden sind, die auch eher den Begriff „Energie“ ihrer naturwissenschaftlichen Bedeutung zuordnen, ist es schwer den Zugang zu den Hintergründen der asiatischen Bewegungskünste zu finden. Oft und gerne werden verschiedene Beschreibungen aus den Erläuterungen der asiatischen Bewegungskünste der Esotherik zugeschrieben. Dieses ist aber sicherlich falsch. In allen Kampf- und Bewegungskünsten fließen die Lehren aus Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus ein. Die auch der Philosophie entspringenden Bewegungsübungen sind eher als Kulturgut zu betrachten. Mit diesem kleinen Einblick lässt sich das natürliche Verständnis für Körper und Geist der Asiaten besser verstehen.

4.1.1 Taoismus und Konfuzianismus

Im 6. Jahrhundert v. Chr. erlebte der Taoismus, zur Zeit der Streitenden Reiche, eine Blütezeit. Viele Gelehrte beschäftigten sich damit, wie wieder Frieden und Stabilität eintreten könnte.

Die taoistische Lehre greift viele Gedanken des chinesischen Kulturkreises auf. Dazu gehören die kosmologischen Vorstellungen von Himmel und Erde, die Fünf Wandlungsphasen, die Lehre vom Qi (Energie), Yin und Yang, aber auch die Tradition der Körper und Geistkultivierung, die mit Atemkontrolle und Meditation die Unsterblichkeit erreichen wollte. (vgl: WikipediA Internetezyklopädie 05/2005)

Mit seiner Lehre vom Gleichgewicht und der Natürlichkeit der Dinge befürwortet der Taoismus das Praktizieren von Gymnastik, da man erkannte, dass man nur dann ausreichend Energie zur Konzentration auf die Meditation hat, wenn man gesundheitlich in einer guten Verfassung ist. (vgl. Kuhn C., 2002 S. 9)

Der Konfuzianismus ist die Lehre des Konfuzius.
Der Name Konfuzius ist die latinisierte Wiedergabe des chinesischen k´ung-fu-tse. K´ung ist ein Familienname. Fu-tse bedeutet Lehrer, Weiser.
Konfuzius lebte von 551 v. Chr. - 479 v. Chr.. Er war Beamter.

Der Konfuzianismus ist im eigentlichen Sinne keine Religion, sondern eine praktisch orientierte, moralische Philosophie. Das zentrale Anliegen des Konfuzianismus ist die Einbettung des Einzelnen in Familie, Staat und Moral im Sinne der chinesischen Tradition. Die Beziehungen der Menschen werden im Konfuzianismus durch die Tugenden der Menschenliebe, der Gerechtigkeit und der Ehrerbietung bestimmt. Pietät bildet die Grundlage für das Familienleben und den Staat. Diese Pietät äußert sich durch die Verehrung und den Erhalt des Vererbten, durch Riten, durch Musik und durch literarische Bildung. Aus der Verschmelzung des Konfuzianismus mit einheimischen und buddhistischen Elementen entstand der Neo-Konfuzianismus. (vgl. Schlottmann D., 03/2005 Internet)

Ungefähr in der Zeit von 300 v. Chr. bis ca. 300 n. Chr. etablierten sich beide Philosophien in Korea und wurden dort in einer Koexistenz praktiziert, wenn auch mal mehr die eine oder die andere Form der politisch herrschenden Klasse genehm war. Beide konnten existieren da sie keinen Fanatismus kennen und die Grundwerte von Ethik und Moral ähnlich benennen.

Bis heute prägt der Konfuzianismus das gesellschaftliche Zusammenleben in Korea, allerdings wird er eher als Gegenspieler zu den zweifelhaften Errungenschaften einer modernen Industriegesellschaft, gegen die Vereinsamung, betrachtet.

In Korea wurde der Konfuzianismus 1995 zur Religion erklärt.

(vgl. Schlottmann D., 03/2005 internet; Wikipedia internetenyklopädie; Kuhn C., 2002 S. 5 - 7)

4.1.2 Buddhismus

Innerhalb des ersten Jahrtausend n. Chr. fand der Buddhismus Verbreitung im gesamten ostasiatischen Raum. Mit aller Wahrscheinlichkeit ist der Buddhismus im Laufe des 4. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung nach Korea gekommen. Die buddhistischen Lehren wurden von dem benachbarten China zuerst in das Koguryõ-Königreich getragen, das im Nordwesten an China grenzte. Da er zunächst als Variation des Taoismus verstanden wurde, bekam er viel Zuspruch bei der politisch herrschenden Kaste. Wie im Taoismus fand hier der Erlösungsgedanke viel Beachtung.

(vgl. Fischer-et al 1986)

Die Übungen des Yoga sind eng mit dem Buddhismus verknüpft. Die Gymnastik soll dazu beitragen den Körper gesund zu halten, um in Meditation dem Erlösungsgedanken nachzukommen. (vgl. Gan 1997)

Aus diesen gymnastischen Übungen heraus und aus der Erfordernis sich verteidigen zu können entstanden die Kampfkünste. Die wohl bekanntesten Vertreter hierfür sind die buddhistischen Mönche des Klosters Shaolin. (Kuhn C., 2002 S.8; Schlottmann D., 03/2005 Internet)

4.1.3 Philosophie des Shinson Hapkido

Um eine Erläuterung der Philosophie von Shinson Hapkido zu bekommen bietet es sich an die einzelnen Wörter und ihre Bedeutung zu übersetzen, denn der Name wurde mit bedacht gewählt.

Aus der Natur kommend und mit ihr verwoben erhebt Hapkido den Anspruch Teil des Natürlichen Kreislauf allen Seins zu sein.

Hap Gemeinschaft, Harmonie, Einheit

Ki Licht, Energie, Lebenskraft

Do Weg, Prinzip, Lehrmethode

Alle drei Begriffe haben eine zweifache Bedeutung: Hap bedeutet sowohl die Einheit des gesamten Universums, als auch die Harmonie jedes einzelnen von uns mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit der Natur. Ki ist die Urkraft die das ganze Universum erschaffen hat und die individuelle Kraft die aus der Einheit von Körper, Geist, persönlicher Lebensenergie und Urenergie entstanden ist. Do ist das Urprinzip des Universums (Dae Do) und unser persönlicher Lebensweg, der Weg den wir gekommen sind, und der Weg auf dem wir zu unserem Ursprung zurückkehren; der klare Weg (chong Do).

„Shin übermenschliche und übernatürliche Kraft, geistige Kraft, göttliche Kraft

Son hell leben (Erleuchtung), in Einklang mit den Gesetzen des

Universums (Do) leben, Herz und Geist klar machen (innere Reinigung), in

Liebe und Hingabe leben, Gutes tun.“

(Myong K. 1999 S. 18 – 20)

Wie aus den oben genannten Wörtern erkennbar ist handelt es sich bei Shinson Hapkido nicht nur um eine Selbstverteidigungs- und Bewegungskunst aus Korea. Es handelt sich eher um eine Lebenseinstellung. Angestrebt wird im Hapkido das verschmelzen des Einzelnen mit der Natur gemäß dem Zen-Buddhismus bzw. dem Taoismus.

Die Harmonie von Hap im Training unterliegt den Kosmischen Gesetzen von Uom und Yeang, Yin und Yang im chinesischen. (vgl. Schöneberger G., 1998 S. 47 – 52; Myong K., 1999 S. 41 – 45)

4.2 Aufgaben und Ziele des Shinson Hapkido

Shinson Hapkido stellt sich als Werkzeug dar. Es kann dafür sorgen das wir ein gesundes, freies und selbstbestimmtes Leben führen. Es kann einen Menschen zu sich selbst führen. Dies spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, das Shinson Hapkido nicht Leistungsorientiert ist und ohne Wettkampf auskommt.

Bei den Zielen und Aufgaben muss man sicherlich auch unterscheiden welchen Blickwinkel der Zielsetzende hat.

Aus europäischem Standpunkt heraus stellt sich Hapkido als Selbstverteidigung, mit dem erlernen von Techniken, dar. Hier gibt Hapkido dem Trainierenden die Möglichkeit eine effektive Art der Selbstverteidigung zu lernen die mit sicherem Stand und Gang verbunden ist.

Aus koreanischer Sicht ist eher die Betrachtungsweise des zu beschreitenden Weges (Do) zu erwähnen. Hier ist Hapkido ein Mittel auf dem Weg zur Mitte, zur Menschlichkeit.

„Sinnvoll benutzt bringt das Wasser Leben und Gedeihen, wenn es aber außer Kontrolle gerät oder missbraucht wird, kann es auch große Zerstörung anrichten. Shinson Hapkido ist wie Wasser, es darf jedoch niemals benutzt werden um andere zu schaden, sondern nur um Leben und Gesundheit zu schützen und zu erhalten. Dies gilt insbesondere für die im Programm von Shinson Hapkido enthaltenen Selbstverteidigungstechniken.

Selbstverteidigung und Kampfkunst gleichen einem scharfen Messer das man entweder dazu benutzen kann um für die Menschen ein wohlschmeckendes und gesundes Mahl zu zubereiten oder um jemanden zu verletzen. Shinson Hapkido darf nur zum Zwecke der Gesundheit und zum Wohle von Mensch und Natur benutzt werden, es darf aber niemals zu einem Mittel der Gewalt werden!“ (Myong K. 1999 S. 56)

4.2.1 Grundlagen und Prinzipien des Shinson Hapkido

Hapkido ist wie Wasser das sich jedem Gefäß anpasst.

Im Hapkido finden sich drei Grundprinzipien. Jede einzelne Technik wird unter der Anwendung dieser drei Prinzipien durchgeführt.

Der Kreis (Won) als geometrische Figur verkörpert Harmonie. Das Prinzip des Kreises umzusetzen bedeutet Angriffe immer kreisförmig weiterzuleiten oder umzuleiten und so unter Kontrolle zu bekommen. Durch die kreisförmige Bewegung kann die Kraft des Gegners für die eigene Technik benutzt werden. (vgl. Schöneberger G., 1989 S. 55 – 59; Bülow C., 2004 S. 35)

Dies kann aber im Alltag, auch bedeuten einer mit Sturzgefahr verbundenen Situation so auszuweichen, das man sein Gleichgewicht behält und nicht stürzt.

Der Fluss (Yu)

So wie man einen Fluss aufstauen kann, um dann durch das Öffnen des Staudammes seine gesamte potentielle Energie innerhalb eines kurzen Zeitraumes explosionsartig freizusetzen, ist es auch möglich, die innere Energie, das KI, durch Konzentration und Atemtechnik zu sammeln und an beliebiger Stelle freizusetzen.

Das Einwirken (Hwa)

Man unterscheidet zwischen physischer und psychischer Einwirkung. Körperlich wirkt alles Materielle, alles was wir mit unserem Sinnen wahrnehmen ein, dazu gehören auch Geräusche und Blicke, sowie auch Körpersprache und –haltung des Gegenübers. Durch eine klare, aufrechte Köperhaltung wird die eigene Standfestigkeit nach außen Kundgetan. (vgl. Myong K., 1999 S. 51 – 53; Schöneberger G., 1989 S. 55 – 59; Bülow C., 2004 S. 35)

4.3 Auszüge aus dem Training

Hier möchte ich einen Teil des sehr umfangreichen Shinson Hapkido Trainings vorstellen. Elemente die für unser alltägliches Leben und besonders für ältere Personen wichtig sind. Elemente die sich mit dem Ausnutzen und Fördern großer Atemvolumina und Atemräume beschäftigen, Elemente die sich mit dem festen Stand und Gang beschäftigen, Elemente die sich mit dem Fallen bzw. Stürzen auseinandersetzen und nicht zu vergessen ein gutes Beispiel für sensomotorisches, koordinatives und kognitives Trainieren.

4.3.1 Die Atmung (Dan Jon Ho Hop Bup)

Innerhalb des Training werden Übungen der Bauchatmung gelehrt, auch die Synergie zu den Beckenbodenmuskeln wird herausgearbeitet und betont. Ziel ist es hier eine tiefe, gleichmäßige Atmung zu erreichen. Die physiologischen Atemrichtungen, Einatmung durch die Nase, Ausatmung durch den leicht geöffneten Mund werden beachtet. Durch bestimmte Übungen sollen alle Atemräume der Lunge aktiviert und belüftet werden.

Das bei der Bauchatmung befindliche Ziel ist das Dan Jon, das Zentrum der Ki Energie. Die Energieform Ki ist nicht mit der naturwissenschaftlich definierten Bezeichnung von Energie, Enerie = Kraft mal Weg, gleichzusetzen. Das Dan Jon befindet sich etwas unterhalb des Bauchnabels in der Tiefe unseres Körpers. Interessant hierbei ist, das verschiedene Kulturen hier ein wichtiges Zentrum unsers Körpers sehen und die uns bekannte Naturwissenschaft vor dem zweiten Sacralwirbel den Körperschwerpunkt des Menschen ermittelt hat.

Viele Völker gehen davon aus das der Punkt, an dem ein Baby seine gesamte Energiezufuhr bezieht (Nabel), auch für den Erwachsenen Menschen für die Dauer seines ganzen Lebens von großer Bedeutung ist.

(vgl Schöneberger G., 1998 S. 59)

Am Ende der Dan Jon Bauchatemtechniken kommt es oft zu einem Kampfschrei dem sogenannten Kiah, hier wird das Prinzip des Flusses angewandt. Kraft aus dem Bauchraum wird explosionsartig freigesetzt. Auch wird hier gelehrt das man in geeigneten Momenten die Kraft und Lautstärke seiner Stimme verwenden kann.

Ein Beispiel:

Man steht mit etwas über Hüftbreit geöffneten Beinen, die Füße sind parallel zueinander in aufrechter Körperhaltung. Beide Hände sind zu Fäusten geschlossen und werden in etwas Abstand vor der Stirn gekreuzt. Man versucht, sinnbildlich, die Luft bis in den Bauch einzuatmen. Nun erfolgen einige Dinge gleichzeitig: etwa ein Drittel der Luft wird schnell ausgeatmet, der Bauch und Beckenboden wird mehr angespannt, die Fäuste werden geöffnet so dass die Finger gespreizt sind und die Arme werden gestreckt, die Knie werden leicht gebeugt, der Oberkörper bleibt aber aufrecht. Nun werden in einer langen gleichmäßigen Ausatmung beide Arme in einer kreisförmigen Bewegung nach unten bis vor die Knie geführt. Die Ausatmung sollte dann beendet sein, wenn die Hände sich auf Kniehöhe befinden. Der Blick sollte sich immer auf Höhe der Hände befinden. Die Übung wird mit voller Konzentration verfolgt. Anschließend kommt man in eine Aufrechte Haltung zurück.

Hierbei findet wie bereits oben beschrieben eine Tiefatmung mit Ausnutzung aller Atemräume und einer adäquaten Atemschulung statt.

Das Shinson Hapkido kennt mehrere dieser beschriebenen Atemübungen.

4.3.2 Die natürlich Stellung (Jahse)

Jahse bezeichnet die Haltungsschulung während des Trainings, aber auch die aufrechte, klare Haltung im Alltagsleben.

Das Aufrechterhalten der eigenen Balance bei der Ausführung bestimmter Aktionen mit den Füßen, den Beinen oder dem Körper wird durch die Einnahme verschiedener der Situation angepasster Körperhaltungen erreicht. (vgl. Bülow C., 2004 S.58)

Hieraus resultieren eine hohe Aktionsfähigkeit mit gleichzeitiger, maximaler Stabilität des Gleichgewichts.

Es findet eine Körperschulung dahingehend statt, den Körperschwerpunkt immer innerhalb der Standfläche zu halten. Das Bewusstmachen dieser Gesetzmäßigkeit verleiht dem Trainierenden die Möglichkeit in bestimmten Situationen, sei es beim Anfahren der U-Bahn oder beim Ausführen einer Hapkido-Technik, das Gleichgewicht und einen stabilen Stand zu behalten.

Sonsanim Ko Myong legt viel Wert darauf das beim Training eine klare aufrechte Haltung eingenommen wird. Die Energie darf nicht gehemmt werden. Gemeint ist hierbei der negative Einfluß von Engstellen der Gefäße oder Nerven. Die Körperhaltung stellt sich immer als Zustand unserer Inneren Verfassung dar. (vgl. Myong K., 1999 S. 295 – 309)

Die rückwärtige Verteidigungsstellung (Bango Jahse)

Es handelt sich um die Grundstellung die zur Verteidigung eingenommen wird. Beide Fersen befinden sich auf einer Linie. Beide Füße haben vollen Bodenkontakt, beide Knie sind leicht gebeugt. Die Gewichtsverteilung liegt mit ca. 2/3 auf dem hinteren Bein. Das vordere soll schon das Potential einer kommenden Aktion erhalten, einen Tritt zur Abwehr oder einen Schritt zurückgehen. Vom hinteren Bein wird eine deutlich höhere propriozeptive Antwort gefordert. Die Kokontraktion im hinteren Bein muß so hoch sein das die Stabilität des Körpers gehalten werden kann.

Aus dieser Position heraus werden z. B. Handverteidigungstechniken trainiert, so das dadurch die sensomotorischen und kognitiven Anforderungen erhöht werden.

4.3.3 Fallen wie eine Katze (Nak Bop)

Wer hat nicht schon einmal die eleganten, geschmeidigen und federnden Bewegungen einer Katze beobachtet und bewundert: selbst wenn sie aus großer Höhe springt oder fällt, landet sie ganz sanft und sicher und verletzt sich nicht.

(vgl. Myong. K. 1999 S. 324)

Diesem elegantem kontrolliertem zu Boden gehen ist das Fallen des Shinson Hapkido nachempfunden. Fallen mit runden, kontrollierten Bewegungen, die vor allem eines können: den Trainierenden nicht verletzen.

Für das Ausüben von Shinson Hapkido spielt das Fallen eine ganz entscheidende Rolle. Das erlernte kann und soll ins Alltagsleben übernommen werden. So wird zum Beispiel das Fallen nicht nur auf den verschiedenen Mattenböden, sondern auch je nach Gegebenheit auf Holzböden oder Draußen trainiert. Das Fallen wird in jede Richtung geübt, auch mit dem erzielten Schwung gleich wieder aufzustehen.

[...]


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Details

Titel
SHINSON HAPKIDO ALS PRÄVENTION - Asiatische Bewegungskünste als Form der Prävention und Gesundheitsförderung von älteren Personen
Hochschule
Hogeschool van Amsterdam  (Institut Physiotherapy)
Note
1,1 9 ECTS-Punkte
Autor
Jahr
2005
Seiten
57
Katalognummer
V48554
ISBN (eBook)
9783638452328
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
SHINSON, HAPKIDO, PRÄVENTION, Asiatische, Bewegungskünste, Form, Prävention, Gesundheitsförderung, Personen
Arbeit zitieren
Bachelor of Physiotherapy Harald Bachmeier (Autor), 2005, SHINSON HAPKIDO ALS PRÄVENTION - Asiatische Bewegungskünste als Form der Prävention und Gesundheitsförderung von älteren Personen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48554

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