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Gebete zur Einweihung eines Hauses der Tzotzil von Zinacantan/Mexiko

Title: Gebete zur Einweihung eines Hauses der Tzotzil von Zinacantan/Mexiko

Term Paper , 2005 , 14 Pages , Grade: 1

Autor:in: Grit Tuchscheerer (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Unter Tzotzil versteht man eine Sprachgruppe, die im Gebiet von Mexiko lebt. Insgesamt werden dieser 114.000 monolinguale Sprecher zugeordnet (Laughlin 1969, 155). Aktuellere Angaben gehen jedoch von einer Sprecherzahl von 250.000 aus. In Zinacantán selbst, einer der 24 Gemeinden, in denen die Tzotzil leben und die als Gemeinde mit der anteilig größten Anzahl von Tzotzil-Sprechern gilt, wird von 7650 Tzotzil-Indianern ausgegangen (Cancian 1965, 7). Allerdings bedürften diese Angaben wohl nunmehr ebenso einer Korrektur.
Zinacantán ist, als eine Gemeinde im Hochland des mexikanischen Bezirks Chiapas, direkt am Pan American Highway und in der Nähe der regionalen Metropole San Cristóbal gelegen.
Es wurde zwar in das politische System Mexikos integriert, hat aber auf kultureller, d.h. also auch speziell auf sprachlicher, Ebene die Formen und Güter der ursprünglichen Bewohner – in Zinacantán leben neben dem Großteil Tzotzil außerdem eine kleine Anzahl von Ladinos, wie die Menschen mit gemischten Anteilen von Genen sowohl weißer, als auch indianischer Herkunft in Mexiko bezeichnet werden – weitestgehend beibehalten. Es hat also hier keine kulturelle Überformung stattgefunden. Das wird außerdem von der Identitätshierarchie unterstrichen, denn die Identifikation der Tzotzil bezieht sich in erster Linie auf die Herkunft von Zinacantán, als zweites auf die Identität als Indianer und erst zuletzt auf die Identität als Mexikaner.
Ökonomisch sind die Tzotzil als Kleinbauern einzuordnen, sie betreiben also Landwirtschaft mit Mais als der Hauptanbaupflanze. Ihre Siedlungen richten sich deshalb hauptsächlich nach dem Angebot an Wasser und sind als Weiler organisiert. Diese fungieren als politische und zeremonielle Einheiten und liegen an den Hängen der Berge und Hügel, von denen das politische und religiöse Zentrum – dieses selbst liegt schon auf einer Höhe von 2152 Metern über dem Meeresspiegel (Cancian 1965, 10) - umgeben ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

1.1. Allgemeiner Hintergrund

1.2. Aufbau der religiösen Hierarchie

2. Bau eines Hauses

3. Kosmologie

4. Einweihungszeremonie

5. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die rituelle Bedeutung des Hausbaus bei den Tzotzil von Zinacantán, Mexiko, und analysiert, wie das Wohnhaus als Mikrokosmos die weltanschaulichen und religiösen Vorstellungen der Gemeinschaft widerspiegelt.

  • Strukturelle Organisation und religiöse Hierarchie der Tzotzil
  • Typisierung und Konstruktionsweisen von Wohnbauten
  • Kosmologische Vorstellungen und die Symbolik des "Nabels der Welt"
  • Rituelle Abläufe und Opferhandlungen bei der Hauseinweihung

Auszug aus dem Buch

2. Bau eines Hauses

Die folgende Schilderung bezieht sich hauptsächlich auf den Artikel von Norbert Ross, der den traditionellen Hausbau der Tzotzil-Indianer in San Andrés, einer Nachbargemeinde Zinacantáns, beschreibt. Es werden hier auch die Transkribtionen der Tzotzil-Sprache nach Ross benutzt. Der Ablauf beim Bau eines neuen Hauses in Zinacantán kann in sechs unterscheidende Phasen eingeteilt werden (Ross 1994, 283). Im Einzelnen ist das das Beschaffen des Baumaterials, das Vorrichten des Bauplatzes, das Stellen des Grundgerüstes, das Errichten des Dachstuhls und damit verbunden das Decken des Daches, das Errichten der Wände und schließlich die Zeremonie zur Einweihung des Hauses.

Traditionell sind alle Häuser der Tzotzil-Indianer einräumig und einstöckig und werden ihrer Funktion nach unterschieden, was sich auch sprachlich widerspiegelt. So gibt es Wohn-, Koch-, Schlaf- oder Vorratshäuser. Allerdings werden in den meisten Fällen alle Funktionen in einem Haus vereint. Trotz dieser schon vorab festgelegten Merkmale gibt es inzwischen in Zinacantán und seiner Umgebung eine große Palette von Variationsmöglichkeiten, die die Konstruktionsweise und die dazu verwendeten Materialien betreffen. Generell lassen sich folgende Formen von Typisierung, die auch emisch verwendet werden, erkennen. Zum einen sind das eine Unterscheidung anhand der Materialien und zum anderen die Einteilung nach der jeweiligen Dachform des Hauses. Theoretisch sind alle Kombinationsmöglichkeiten von Konstruktionsweisen und Materialien möglich, allerdings werden in der Praxis gewisse Einschränkungen, die sich auf Kosten oder Haltbarkeit beziehen, gemacht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Tzotzil-Sprachgruppe, ihre ökonomische Situation als Kleinbauern in Zinacantán und erläutert den Aufbau der lokalen religiösen Hierarchie.

2. Bau eines Hauses: Hier werden die verschiedenen Phasen des Hausbaus, die architektonischen Typisierungen sowie die symbolische Bedeutung der Baumaterialien und Hausteile behandelt.

3. Kosmologie: Dieses Kapitel beleuchtet das Weltbild der Tzotzil, ihre Schöpfungsmythen sowie die Rolle verschiedener Gottheiten und deren Bezug zur räumlichen Anordnung.

4. Einweihungszeremonie: Hier werden die rituellen Handlungen, wie Opfergaben und Segnungen, beschrieben, die notwendig sind, um ein Haus zu weihen und in die religiöse Ordnung einzubinden.

5. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass das Tzotzil-Haus als Mikrokosmos fungiert und die enge symbolische Verknüpfung zwischen Lebensraum, Kosmologie und göttlichem Schutz verdeutlicht.

Schlüsselwörter

Tzotzil, Zinacantán, Hausbau, Ritualanalyse, Kosmologie, religiöse Hierarchie, Mikrokosmos, Erdgottheit, Opferzeremonie, Schutzgötter, Siedlungsstruktur, Ethnoarchitektur, Mittelpunkt der Erde, Kulturanthropologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Hausarbeit befasst sich mit der rituellen Analyse des traditionellen Hausbaus bei den Tzotzil-Indianern in Zinacantán und dessen Bedeutung für deren Weltbild.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die religiöse Struktur der Tzotzil, die architektonischen Bauweisen, die kosmologischen Vorstellungen und die rituellen Einweihungszeremonien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Wohnhaus als Spiegelbild der kosmologischen Vorstellungen der Tzotzil dient und welche rituellen Schritte zur Etablierung dieses Mikrokosmos vollzogen werden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer ethnologischen Literaturanalyse, wobei primär Arbeiten von Autoren wie Frank Cancian, Norbert Ross und Robert M. Laughlin ausgewertet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung der sozialen und religiösen Struktur, den physischen Bauprozess des Hauses, die kosmologischen Weltbilder und die spezifischen Rituale der Hauseinweihung.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Begriffe wie Zinacantán, Tzotzil, Mikrokosmos, religiöse Hierarchie und rituelle Performance sind zentral für das Verständnis dieser ethnologischen Untersuchung.

Welche Rolle spielen die "vašak-men" in der Kosmologie?

Die vašak-men sind Schöpfergötter, die die Erdpfeiler stützen und die Erde bei der Erschaffung festgestampft haben.

Warum wird das Haus wie ein Lebewesen betrachtet?

Aufgrund metaphorischer Bezeichnungen für Hausteile (z.B. Ohren für Rauchöffnungen, Rippen für Dachsparren) wird das Haus als belebtes Wesen verstanden.

Warum darf der Besitzer das Haus nach der Einweihung drei Tage nicht verlassen?

In diesen drei Tagen gilt die Seele (c'ulel) des Besitzers als verwundbar, weshalb das Haus wie eine kranke Person behandelt und nicht allein gelassen werden darf.

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Details

Title
Gebete zur Einweihung eines Hauses der Tzotzil von Zinacantan/Mexiko
College
University of Leipzig  (Institut für Ethnologie)
Course
Ritualanalyse
Grade
1
Author
Grit Tuchscheerer (Author)
Publication Year
2005
Pages
14
Catalog Number
V48587
ISBN (eBook)
9783638452557
ISBN (Book)
9783638824279
Language
German
Tags
Gebete Einweihung Hauses Tzotzil Zinacantan/Mexiko Ritualanalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Grit Tuchscheerer (Author), 2005, Gebete zur Einweihung eines Hauses der Tzotzil von Zinacantan/Mexiko, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48587
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