Interkulturelle Kompetenzen


Hausarbeit, 2005

34 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fundamente und Begriffsabgrenzungen
2.1. Der Begriff „Kultur“
2.2. Kulturdefinitionen und Kulturstandards

3. Interkulturelle Kompetenz

4. Interkulturelle Kompetenz im wirtschaftlichen Handeln
4.1. Kulturdimensionen
4.1.1. Machtdistanz
4.1.2. Unsicherheitsvermeidung
4.1.3. Individualismus versus Kollektivismus
4.1.4. Maskulinität versus Femininität
4.1.5. Langfristige versus kurzfristige Orientierung
4.2. Interkulturelle Unternehmensführung
4.2.1. Zielfindung und Zielerreichung
4.2.2. Zeitverständnis
4.2.3. Führungsstil
4.2.4. Mitarbeiterbeurteilung
4.2.5. Motivation

5. Interkulturelle Kompetenz in sozialen Einrichtungen
5.1. Interkulturelle Kompetenz in der Schule
5.2. Interkulturelle Kompetenz in Clearing-Stellenund Heimen
5.3. Interkulturelle Kompetenz in Alten- und Pflegeheimen

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

8. Internetquellen

1. Einleitung

Ich habe mich mit dem Thema „Interkulturelle Kompetenz“ bereits beschäftigt, bevor ich mit dieser Hausarbeit begonnen habe, was damit zusammenhängt, dass ich mit verschiedenen Kulturen aufgewachsen bin. Der Beweggrund, dieses Thema stärker zu hinterfragen, ergab sich für mich aus der Fragestellung, ob Konflikte im gesellschaftlichen Leben und im Berufsleben kultureller Natur sind, und wie man diesen Konflikten eventuell vorbeugen bzw. sie überwinden kann.

Interkulturelle Kompetenz gewinnt vor allem vor dem Hintergrund der Tatsache an Bedeutung, dass sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen nicht mehr in kulturell homogenen Umwelten, sondern unter kulturell sehr heterogenen Bedingungen vollziehen. Multinationale Unternehmen haben schon lange erkannt, dass sie für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Mitarbeitern verschiedener kultureller Herkunft innerhalb des nationalen Unternehmens auf deren Werte und Normen Rücksicht nehmen müssen. Ebenso wichtig ist dies für Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen aus anderen Kulturen.

In meiner Arbeit werde ich mich mit folgenden Fragestellungen beschäftigen:

- Was ist interkulturelle Kompetenz?
- Warum ist es notwendig, interkulturelle Kompetenz zu erwerben?
- Wo ist interkulturelle Kompetenz gefordert?

In Kapitel 2 werden die konzeptionellen Grundlagen zur Beantwortung der zentralen Fragestellungen gelegt, indem der Begriff Kultur definiert wird. Dabei werde ich aus unterschiedlichen Kulturdefinitionen der Literatur eine auf die Arbeit zugeschnittene Definition von Kultur ableiten.

Im darauf folgenden Kapitel werde ich auf die interkulturelle Kompetenz eingehen. Dabei werde ich in einem Fallbeispiel eine interkulturelle Begegnung mit Hindernissen darstellen. Ausgehend von diesem Beispiel wird der Begriff Interkulturelle Kompetenz näher erläutert.

Im vierten Abschnitt meiner Arbeit werde ich, basierend auf der Studie von Geert Hofstede, die Notwendigkeit der interkulturellen Kompetenz erörtern. Dabei werde ich auf den Einfluss der Kultur auf die Unternehmensführung eingehen. Die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz in sozialen Einrichtungen wird anschließend in Kapitel 5 erläutert.

Ziel dieser Arbeit ist es darzustellen, dass Interkulturelle Kompetenz überall gefragt ist, wo Menschen unterschiedlichen kulturellen Ursprungs miteinander leben und arbeiten. Dabei ist es nicht meine Absicht vorzugeben, dass jedes Verhalten kulturell bedingt sei. Genauso wenig ist mir daran gelegen, einzelne ausgewählte Kulturen von innen zu beschreiben. Mit dieser Arbeit soll vielmehr ein Gespür für die grundsätzliche Problematik entwickelt werden. In konkreten praktischen Fällen kann das Wissen über eine bestimmte Kultur dann erweitert werden.

2. Fundamente und Begriffsabgrenzungen

Für den Gegenstand dieser Arbeit ist die Definition des Begriffs Kultur von zentraler Bedeutung. Sie bildet die Grundlage des Denkmodells Interkulturelle Kompetenz.

2.1. Der Begriff „Kultur“

Im allgemein umgangssprachlichen Gebrauch wird mit dem Begriff Kultur oft Hochkultur gemeint, also Kunst, Literatur etc. Für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Interkultureller Kompetenz spielt jedoch Kultur in diesem Sinne nur eine untergeordnete Rolle.

Kultur ist ein ursprünglich gegenständlicher Prozess und wurde später auf den Bereich des Geistes übertragen. Kultur als materieller Prozess bedeutet das „Kultivieren“ von Pflanzen, also Agrikultur.

Die Wurzel des Wortes stammt aus dem Lateinischen „colere“ und bedeutet hegen, pflegen, bewohnen, anbauen. Auf dem Bereich des Geistes übertragen bedeutet „cultura animi“: die „Pflege des Geistes“ (vgl. Kulturdimensionen 2005).

Der Begriff Kultur wird in den Sozialwissenschaften, aber auch in vielen anderen Disziplinen unterschiedlich definiert. Ziel dieses Abschnitts ist es, aus den verschiedenen Definitionsversuchen der Literatur eine Arbeitsdefinition von Kultur festzulegen.

2.2. Kulturdefinitionen und Kulturstandards

Die im Zusammenhang dieser Arbeit interessanten Definitionen kommen aus dem Bereich der Sozialwissenschaften. In der folgenden Zusammenstellung sind beispielhaft Definitionen mit zunehmender Präzision aufgelistet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Eigene Darstellung

Die Definition von Goodenough ist im Zusammenhang dieser Arbeit von besonderer Bedeutung, weil sie auf einen relevanten Bestandteil interkultureller Kompetenz verweist: Die Fähigkeit zu gesellschaftlich vertretbarem Handeln. Trotz der zahlreichen verschiedenen Kulturbegriffe besteht doch weitgehend Einigkeit darüber, dass Kultur dem Menschen nicht angeboren, sondern während der Eingliederung des Individuums in die Gesellschaft erlernt wird. Konkreter ausgedrückt: Kultur ist ein Satz von erlernten Werten und Normen. Dies ist der Bedeutungszusammenhang, in dem der Begriff Kultur im weiteren Verlauf dieser Arbeit verwendet wird.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die kulturelle Dynamik. Kulturen verändern sich ständig durch die Konfrontation mit Einflüssen von außen und innen: „Das so häufig benutzte Bild vom Kulturkreis suggeriert eine Abgeschlossenheit, die es so nicht gibt.“ (Barth 1998: 15f.). Kulturen passen sich also ständig gesellschaftlichen Veränderungsprozessen an. Diese Veränderungen werden durch Fremdkulturen und Subkulturen angetrieben. Fremdkulturelle Standards werden dabei auf- oder übernommen, wie beispielsweise ausländische Mode, Musik oder Küche. Eine Subkultur dagegen charakterisiert die „interne Differenzierung“ einer Kultur, die in erster Linie nach Eigenschaften von Alter und sozialer Schicht erfolgt. Je unterschiedlicher eine Gesellschaft, umso breiter wird die Gesamtheit verschiedener Möglichkeiten an Subkulturen, die spezifische Lösungen auf ihre unterschiedlichen Lebensbedingungen entwickeln müssen (vgl. IFIM 2005).

Mitglieder einer Kultur zeichnen sich durch gemeinsame Grundannahmen, Symbole, Rituale, Werte und Normen aus (vgl. Blom/Meier 2004: 40ff), die jedem einzelnen die Möglichkeit zur Identifizierung und dem Verstehen der Angehörigen seiner Kultur ermöglichen und die Grundlage kultureller Identität darstellen. (vgl. IFIM 2005). Die konkrete Ausgestaltung dieser Werte und Normen zeigt sich in Kulturstandards, die von Thomas als „typische Orientierungsmaßstäbe des Wahrnehmens, Denkens und Handelns“ definiert werden. Sie legen „den Maßstab fest, wie Mitglieder einer bestimmten Kultur sich zu verhalten haben, wie man Objekte, Personen und Ereignisabläufe zu sehen, zu bewerten und zu behandeln hat.“ (Thomas 1991: 5). Jeder Mensch trägt also in seinem Innern Muster des Denkens, Fühlens und potenziellen Handelns, welche von Kultur zu Kultur unterschiedlich sind.

Zu unterscheiden bleiben noch die viel zitierten Begriffe interkulturell und multikulturell: Während multikulturell die bloße Koexistenz von Personen mehrerer Kulturen meint, charakterisiert interkulturell die Gegebenheit, dass Menschen unterschiedlichen kulturellen Ursprungs in einer kulturellen Überschneidungssituation miteinander agieren (vgl. Wikipedia_Interkulturalität 2005). Das Verhalten der Person aus der fremden Kultur wird dann meist aus dem eigenen Wissen heraus interpretiert. Hier macht ein neues Schlagwort die Runde – die Interkulturelle Kompetenz.

3. Interkulturelle Kompetenz

Für eine interkulturelle Begegnung ist es bedeutend, die unbewussten kulturellen Muster „sichtbar“ zu machen. (Vgl. Blom/Meier 2004: 39). Erst das Wissen der eigenen Werte und Normen befähigt, neben der bloßen Wahrnehmung des Fremden, diese auch einzustufen und in Beziehung zu dem Bekannten zu setzen - ohne jedoch gleich zusagend oder ablehnend zu bewerten. Zunächst ein Beispiel:

„Die Verhandlungen verliefen sehr mühsam. Der Araber lud den Niederländer zu sich nach Hause ein. Der Niederländer jedoch nahm die Einladung nicht an. Er entschuldigte dies damit, dass er zeitlich unter Druck stehe. Endlich kam es dann zum Vertragsabschluss. Der Vertragsabschluss war für das Unternehmen, für das der Niederländer arbeitete, von herausragender Bedeutung. Es handelte sich hier schließlich um einen Millionenvertrag. Der Niederländer unterschrieb den Vertrag unverzüglich und zeigte sich zufrieden. Er lehnte sich zurück, kreuzte ein Bein über das Andere und übergab nun dem Araber den Vertrag mit seiner linken Hand. Überraschend aber lehnte es der Araber ab, mit dem Niederländer einen Vertrag einzugehen und unterzeichnete diesen folglich nicht.“ (Blom/Meier 2004: 65).

Während des Vertragsabschlusses ist es im vorliegenden Fall zu Missverständnissen gekommen: Für den Araber war es mehr als nur unfreundlich, dass sein Vertragspartner die Einladung abgelehnt hat, was sogar einer Beleidigung gleichzusetzen ist. Araber gehen nämlich erst zum Geschäftlichen über, wenn sich auf privater Ebene eine Vertrauensbeziehung entwickelt hat. Diese Vertrauensbeziehung entsteht durch das Teilen des Brotes beim gemeinsamen Essen. In der „arabischen Kultur“ wird die linke Hand als unkeusch angesehen. „Araber gehen davon aus, dass Geschäfte, die mit der linken Hand abgeschlossen werden, Unglück nach sich ziehen.“ (Blom/Meier 2004: 66). Beim Kreuzen der Beine zeigten die Fußsohlen des Niederländers in die Richtung des Arabers, was in der arabischen Kultur als fehlender Respekt aufgenommen wird (vgl. Blom/ Meier 2004: 66).

[...]


[1] Das Originalzitat lautet: „(…) the set of important assumptions (often unstated) that members of a community hold in common.“ Übersetzung durch den Verfasser.

[2] Das Originalzitat lautet: „Culture (…) is that complex whole which includes knowledge, belief, art, law, morals, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society.” Übersetzung duch den Verfasser.

[3] Das Originalzitat lautet: „A society’s culture consists of whatever it is one has to know or believe in order to operate in a manner acceptable to its members. Culture is not a material phenomenon; it does not consists of things, people, behavior, or emotions. It is rather an organization of these things. It is the form of things that people have in mind, their models for perceiving, relating, and otherwise interpreting them.” Übersetzung durch den Verfasser.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenzen
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
34
Katalognummer
V48606
ISBN (eBook)
9783638452700
ISBN (Buch)
9783638659840
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle, Kompetenzen
Arbeit zitieren
Diplom Kaufmann Ali El-Khatib (Autor), 2005, Interkulturelle Kompetenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48606

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