„Welche Einrichtungen im Bereich der Erwachsenenbildung kennen sie?“ Von 400 Passanten, die im Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme der Gesellschaft für Konsumforschung befragt wurden, antworteten 75% mit Volkshochschule(Kett, Bildungszentrum Stadt Nürnberg, Programmheft des Sommersemesters 2001). Dies zeigt in aller Deutlichkeit welche Relevanz Volkshochschulen im Bewusstsein der Bevölkerung inne haben. Ist ein Bedarf an Bildung vorhanden und der Entschluss gefasst diesen durch eine Weiterbildungsmaßnahme zu befriedigen, dann ist für den Großteil der Bevölkerung die Volkshochschule der erste Anlaufpunkt. Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich versuchen das allgemeine Selbstverständnis der Volkshochschulen wiederzugeben. Es wird sich zeigen, dass die darin enthaltenen Zielsetzungen, die als Ziel an sich immer den Charakter einer ideellen Vorstellung integrieren, durch die oben angeführten Umfrageergebnisse, zum Teil auch in der Wirklichkeit umgesetzt sind. Weiter soll die aus dem Selbstverständnis resultierende Angebotsstruktur einer Volkshochschule näher betrachtet werden. Vielfalt, Offenheit und Integration sind hierbei Schlagwörter, deren Erklärungen dann folgen werden.
Im darauffolgenden Teil richte ich den Blick auf die Teilnehmerstruktur der Volkshochschulen. Wer besucht die Volkshochschulen? Zeigt sich eine homogene Teilnehmerstruktur oder gibt es bestimmte Gruppierungen, welche die sich in den Volkshochschulen bietenden Möglichkeiten der Weiterbildung bevorzugt nutzen? Zudem werde ich auch einen kurzen Blick auf die Mitarbeiter der Volkshochschulen werfen. Abschließend ergibt sich mit dem Blick auf die Zielsetzungen der Volkshochschulen auch ein Blick auf deren Perspektiven. Wohin verlagert sich die Schwerpunktsetzung von Volkshochschulen? Sind sie der Wirklichkeit, mit ihrem Selbstverständnis und der sich daraus ergebenden Angebotsgestaltung, überhaupt noch gewachsen? Ist eine Anpassung an eine immer mehr von Leistung und Effizienz gekennzeichnete Gesellschaft wünschenswert oder muss gerade die Volkshochschule eine Bastion sein, die sich dem Ansturm moderner Rationalitätsansprüche entzieht?
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Selbstverständnis der Volkshochschulen
II.1. Integration
II.1.1. Notwendigkeit der modernen pluralistischen Welt
II.1.2. Integration als historisch gewachsenes Selbstverständnis
II.2. Offenheit
II.3. Das demokratische Prinzip
II.3.1. Institutionelle und organisatorische Bedingungen
II.3.2. Demokratische Legitimation
II.3.3. Relative Autonomie
II.3.4. Transparenz
III. Angebotsvielfalt
III.1. Adressatenfreundliche Angebotsgestaltung
III.2. Teilnehmerorientierte Veranstaltungen
III.3. Formelle Aspekte der Angebotsgestaltung
III.4. Inhaltliche Aspekte der Angebotsgestaltung
III.5. Konkrete Veranstaltungsformen einer voll ausgebauten Volkshochschule
IV. Teilnehmer und Mitarbeiter
IV.I. Teilnehmer
IV.2. Mitarbeiter
V. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Selbstverständnis der Volkshochschulen sowie deren Angebotsstruktur, Teilnehmerdemografie und zukünftige Perspektiven im Kontext einer leistungsorientierten Gesellschaft. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Vereinbarkeit der ideellen Maximen Offenheit, Integration und Vielfalt mit den zunehmenden ökonomischen Rationalitätsansprüchen in der modernen Bildungslandschaft.
- Historische und moderne Grundlagen des Selbstverständnisses von Volkshochschulen
- Didaktische Konzepte der Angebotsgestaltung und Teilnehmerorientierung
- Quantitative und qualitative Analyse der Teilnehmerstruktur
- Rolle und Struktur des haupt- sowie nebenberuflichen Personals
- Herausforderungen durch Organisationsentwicklung und Ökonomisierung
Auszug aus dem Buch
II.1.1. Notwendigkeit der modernen pluralistischen Welt
In einer pluralistischen Welt gibt es die Neigung bestimmten Gruppeninteressen den Vorzug gegenüber anderen zu geben. Die Volkshochschulen versuchen mit ihrer Maxime der Integration dieser Entwicklung gegenüberzutreten.
„Indem sie den Pluralismus bei sich selbst verwirklichen, bieten sie die Möglichkeit der Begegnung verschieden Denkender und unterschiedlich Lebender. Eine solche integrative Aufgabe, die dem Zwischen der Gruppen verschiedenster Art zugewandt ist, macht Volkshochschule zu einer Einrichtung interkultureller Bildung im weiteren Sinne“(Tietgens, 1990, S.59).
Mit dieser integrativen Funktion der Volkshochschulen ist eine Flexibilität der Angebote verbunden. Denn wenn die Volkshochschule im erläuterten Sinn, Stätte des integralen Verständnisses sein will, so erfordert der permanente Wandel der Gesellschaft eine hohe Anpassungsfähigkeit. Für die Volkshochschule bedeutet dies, dass sie sich in ihren Angeboten auf die wechselnden Themen des gesellschaftlichen Lebens einstellen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einführung verdeutlicht die hohe Relevanz der Volkshochschulen im Bildungsbewusstsein der Bevölkerung und umreißt die zu behandelnden Themengebiete sowie die Zielsetzung der Arbeit.
II. Selbstverständnis der Volkshochschulen: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Maximen Integration, Offenheit und das demokratische Prinzip als identitätsstiftende Grundpfeiler der Institution.
III. Angebotsvielfalt: Hier werden die formellen und inhaltlichen Kriterien der Angebotsgestaltung sowie die didaktischen Veranstaltungsformen detailliert analysiert.
IV. Teilnehmer und Mitarbeiter: Dieser Abschnitt liefert eine quantitative und qualitative Bestandsaufnahme zu den Nutzern der Bildungsangebote sowie zur Struktur des Lehr- und Verwaltungspersonals.
V. Schluss: Der Abschluss reflektiert die aktuellen Herausforderungen durch Rationalisierungs- und Ökonomisierungsprozesse und hinterfragt die Zukunftsfähigkeit der traditionellen Zielsetzungen.
Schlüsselwörter
Volkshochschulen, Erwachsenenbildung, Selbstverständnis, Integration, Offenheit, Demokratisches Prinzip, Angebotsgestaltung, Teilnehmerorientierung, Lebensweltorientierung, Weiterbildung, Organisationsentwicklung, Ökonomisierung, Teilnehmerstruktur, Bildungspolitik, Bildungslandschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und dem Selbstverständnis von Volkshochschulen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung ihrer Angebotsstruktur und Zielsetzung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Maximen der Volkshochschule, der Teilnehmerdemografie, der Personalsituation sowie den Auswirkungen gesellschaftlicher Wandlungsprozesse auf die Weiterbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu prüfen, ob die traditionellen, ideellen Zielsetzungen der Volkshochschulen den Anforderungen einer effizienz- und leistungsorientierten Gesellschaft noch standhalten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine analytische Aufarbeitung der Literatur und des Selbstverständnisses von Volkshochschulen, gestützt durch Statistiken und fachdidaktische Diskurse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Selbstverständnis, die Angebotsvielfalt hinsichtlich formeller und inhaltlicher Aspekte sowie die Struktur der teilnehmenden Bürger und des Personals.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Volkshochschulen, Erwachsenenbildung, Integration, Offenheit, Teilnehmerorientierung und der wachsende Ökonomisierungsdruck.
Inwiefern beeinflusst das demokratische Prinzip die Arbeitsweise der Volkshochschulen?
Das demokratische Prinzip erfordert Transparenz, Mitwirkung der Bürger in Aufsichtsgremien und eine relative Autonomie der Einrichtung, was ihre Legitimation in der Kommune sichert.
Welche Bedeutung kommt dem nebenberuflichen Personal zu?
Das nebenberufliche Personal sichert die Flexibilität und Praxisnähe des Bildungsangebots und ermöglicht es, schneller auf wandelnde Bedürfnisse der Teilnehmer zu reagieren.
Wie steht die Arbeit zur gegenwärtigen Ökonomisierung der Bildung?
Die Arbeit betrachtet den zunehmenden Rationalisierungsdruck kritisch und hinterfragt, ob die traditionellen Werte der Volkshochschule in einem rein ökonomisch geprägten Umfeld ihre Gültigkeit behalten können.
- Arbeit zitieren
- M.A. Mirko Jungkunz (Autor:in), 2004, Die Volkshochschulen - Erläuterungen zum Selbstverständnis zur Angebotsgestaltung zur Teilnehmerstruktur und zur allgemeinen Zielsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48615