Wissenschaftliche Modelle und Untersuchungen zum Verhältnis von Public Relations (PR) und Lokaljournalismus sind das Thema dieser Hausarbeit.
Die Beziehung von PR und Journalismus ist seit den siebziger Jahren ein Thema der Kommunikationswissenschaft in Deutschland, was eine Vielzahl von empirischen und theoretischen Arbeiten belegt. Die Konstellation zwischen PR und Journalismus ist keinesfalls unumstritten. Verschiedene theoretische Modelle nehmen unterschiedliche Machtverhältnisse zwischen den beiden Systemen an und jedes Modell hat Vertreter gefunden.
Unsere Hausarbeit stellt eine Kombination aus Literaturarbeit und Forschungsbericht dar. Im ersten Teil der Arbeit wird das Verhältnis von Journalismus und Public Relations in der Bundesrepublik beschrieben. Ausgehend von der Studie „Journalismus in Deutschland“ von Siegfried Weischenberg, Martin Löffelholz und Armin Scholl aus dem Jahr 1994 liegt der Fokus unserer Arbeit auf den Erkenntnissen den Lokaljournalismus betreffend. Im Anschluss an diese empirischen Befunde stellen wir wissenschaftliche Modelle zur Beschreibung des Verhältnisses zwischen PR und Journalismus vor. Das Spektrum reicht von der Determinierungsthese aus den siebziger Jahren über die Annahme eines Supersystems von Fritz Plasser aus dem Jahr 1985 und verschiedene Alternativansätze, die die Wechselseitigkeit der Beziehung zwischen PR und Journalismus betonen, bis zum elaboriertesten Modell, dem Intereffikationsmodell von Günter Bentele, Tobias Liebert und Stefan Seeling aus dem Jahr 1997.
Im zweiten Teil der Arbeit werden exemplarisch drei Untersuchungen vorgestellt, die die Beziehung zwischen kommunaler Öffentlichkeitsarbeit und Lokaljournalismus untersuchten. Die Forschungsergebnisse einer eigenen Studie der Arbeitsgruppe schließen sich an. Untersucht wurde die Resonanz der vom Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Dresden veröffentlichten Pressemitteilungen in den Dresdner Abonnement-Tageszeitungen „Sächsische Zeitung“ und „Dresdner Neueste Nachrichten“. Den Abschluss unserer Arbeit bildet ein Kapitel, das sowohl methodische Probleme bei der theoretischen Annäherung an das Thema aufgreift als auch einen Ausblick auf geplante und notwendige empirische Untersuchungen bietet.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DAS VERHÄLTNIS VON JOURNALISMUS UND PUBLIC RELATIONS IN DEUTSCHLAND
2.1 ALLGEMEINES: JOURNALISMUS UND PUBLIC RELATIONS
2.2 „JOURNALISMUS IN DEUTSCHLAND“ – ERGEBNISSE EINER REPRÄSENTATIVEN JOURNALISTEN-BEFRAGUNG
2.3 PARADIGMEN DER BEZIEHUNG ZWISCHEN PR UND JOURNALISMUS
2.4 PR-ROLLEN IM JOURNALISMUS
2.5 LOKALJOURNALISMUS UND PUBLIC RELATIONS
3. WISSENSCHAFTLICHE MODELLE
3.1 ÜBERBLICK ÜBER WISSENSCHAFTLICHE MODELLE ZUR BESCHREIBUNG DES VERHÄLTNISSES VON JOURNALISMUS UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
3.2 DIE DETERMINATIONSHYPOTHESE
3.3 DIE MEDIALISIERUNGSTHESE
3.4 DIE THESE DER SYMBIOSE
3.5 DAS SUPERSYSTEM
3.6 DIE INTERPENETRATION
3.7 DAS INTEREFFIKATIONMODELL
3.8 KONZEPT DER STRUKTURELLEN KOPPLUNG
3.9 DAS MARKTMODELL
4. PUBLIC RELATIONS UND LOKALJOURNALISMUS – EMPIRISCHER FORSCHUNGSSTAND
4.1 UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND: LOKALJOURNALISMUS
4.2 DAS VERHÄLTNIS VON PR UND LOKALJOURNALISMUS IN DER FORSCHUNG – EIN ÜBERBLICK
4.3 BILANZ DER ERGEBNISSE
5. ZWEI BEISPIELSTUDIEN: „ZWISCHEN ROUTINE UND RECHERCHE“ UND „JOURNALISMUS UND PUBLIC RELATIONS“
5.1 GRIMME (1991) „ZWISCHEN ROUTINE UND RECHERCHE“ – EINE STUDIE ÜBER LOKALJOURNALISTEN UND IHRE INFORMANTEN
5.2 SCHWEDA, CLAUDIA & OPHERDEN, RAINER (1995): JOURNALISMUS UND PUBLIC RELATIONS: GRENZBEZIEHUNGEN IM SYSTEM LOKALER KOMMUNIKATION
6. VERSUCH EINER EIGENEN STUDIE
6.1 METHODISCHES DESIGN
6.2 BEFUNDE
6.3 FAZIT & KRITIK
7. ÜBERBLICK/ AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Public Relations (PR) und Lokaljournalismus in Deutschland, wobei der Schwerpunkt auf der kritischen Analyse wissenschaftlicher Modelle und empirischer Forschungsstände liegt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, inwieweit PR-Aktivitäten den Lokaljournalismus determinieren oder ob ein wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis besteht.
- Analyse des Einflusses von Public Relations auf die journalistische Nachrichtenproduktion.
- Theoretische Auseinandersetzung mit Modellen wie der Determinationshypothese und dem Intereffikationsmodell.
- Empirische Bestandsaufnahme zum Verhältnis von PR und lokalem Journalismus anhand bestehender Studien.
- Diskussion der Qualität und Autonomie des Lokaljournalismus unter dem Einfluss externer PR-Akteure.
- Vorstellung einer eigenen Forschungsstudie zur Resonanz von Pressemitteilungen in lokalen Medien.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Determinationshypothese
Ausgehend vom Agenda-Setting-Ansatz wurde insbesondere von Barbara Baerns versucht, zu erklären wie Informationen zu den relevanten Kommunikatoren gelangen – und somit als Nachrichten verbreitet werden. Seit gut einem Vierteljahrhundert wird nunmehr der mehrfach selektive Prozess der Nachrichtenentstehung erforscht. Doch nach wie vor zählt dieser noch zu den eher unbeleuchteten Kapiteln der Agenda-Setting-Forschung (vgl. Bentele/Liebert/Seeling 1997, S.235).
Die Determinationshypothese ist, wenn auch der erste, lediglich ein Erklärungsversuch von mittlerweile vielen. Die Bedeutung dieser Hypothese mag indes nicht unbedingt in der hohen Plausibilität oder allseitigen Verifikation liegen. Die Ergebnisse sind bei näherer Betrachtung eher uneinheitlich, wie im Verlauf noch gezeigt werden soll. Jedoch ist es der am häufigsten empirisch untersuchte Ansatz zu dieser Thematik, aus dessen Kritik und Diskussion sich im Großen und Ganzen die weiteren Ansätze speisten und speisen.
Des Weiteren ist der Determinationhypothese zuzuschreiben, dass sie auf das Spannungsfeld des Verhältnisses von PR und Journalismus fokussiert und damit dieses Problemfeld in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtungen in der Kommunikationswissenschaft gerückt hat. Insbesondere in der Lokalberichterstattung ergeben sich bei näherer Betrachtung Schnittpunkte zwischen beiden Systemen, die Spannungen erzeugen und die Fragen aufkommen lassen, zu welchen Abhängigkeiten es dabei kommen kann, ja zwangsläufig kommen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die Thematik der Hausarbeit und erläutert die methodische Vorgehensweise, die eine Kombination aus Literaturarbeit und eigener kleiner Forschungsstudie darstellt.
2. DAS VERHÄLTNIS VON JOURNALISMUS UND PUBLIC RELATIONS IN DEUTSCHLAND: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die partnerschaftlichen, aber potenziell spannungsgeladenen Beziehungen zwischen den Berufsfeldern und diskutiert die PR-Rollen im Journalismus.
3. WISSENSCHAFTLICHE MODELLE: Hier werden zentrale theoretische Ansätze wie die Determinationshypothese, Medialisierungsthese und das Intereffikationsmodell vorgestellt, um die Machtverhältnisse zwischen PR und Journalismus wissenschaftlich einzuordnen.
4. PUBLIC RELATIONS UND LOKALJOURNALISMUS – EMPIRISCHER FORSCHUNGSSTAND: Dieser Abschnitt beleuchtet die spezifische Bedeutung von Lokalmedien und fasst den aktuellen Wissensstand zu deren Abhängigkeit von externen PR-Akteuren zusammen.
5. ZWEI BEISPIELSTUDIEN: „ZWISCHEN ROUTINE UND RECHERCHE“ UND „JOURNALISMUS UND PUBLIC RELATIONS“: Es erfolgt eine detaillierte Analyse zweier wegweisender Studien, die das Zusammenspiel von Lokaljournalisten und ihren Informanten untersuchen.
6. VERSUCH EINER EIGENEN STUDIE: Die Autoren präsentieren die Ergebnisse ihrer eigenen kleinen Input-Output-Analyse zur Resonanz von Pressemitteilungen der Stadt Dresden in lokalen Tageszeitungen.
7. ÜBERBLICK/ AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert die Entwicklung eines wissenschaftlichen Grundkanons zur besseren Vergleichbarkeit zukünftiger Studien.
Schlüsselwörter
Lokaljournalismus, Public Relations, Determinationshypothese, Intereffikationsmodell, Nachrichtenproduktion, Medienresonanz, Kommunalpolitik, PR-Einfluss, Nachrichtenwerte, Journalistische Autonomie, Verlautbarungsjournalismus, Medienlogik, Input-Output-Analyse, Journalistische Forschung, Kommunikationswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht das theoretische und praktische Verhältnis zwischen Public Relations und Lokaljournalismus in Deutschland, mit dem Ziel, die gegenseitige Beeinflussung besser zu verstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die wissenschaftliche theoretische Modellbildung zur Interaktion der beiden Systeme sowie die empirische Bestandsaufnahme, wie PR-Materialien den redaktionellen Alltag im Lokalbereich strukturieren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie stark die Lokalberichterstattung durch PR-Einflüsse determiniert wird und ob die oft zitierte Hofberichterstattung empirisch haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine Kombination aus Literaturanalyse bestehender Studien sowie eine eigene kleine empirische Input-Output-Analyse, um die Wirkung städtischer Pressemitteilungen zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Diskussion verschiedener Modelle (z.B. Intereffikationsmodell) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit empirischen Studien zum Lokaljournalismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Lokaljournalismus, PR-Einfluss, Determinationshypothese, Nachrichtenproduktion sowie journalistische Autonomie.
Wie bewerten die Studien den Einfluss der PR auf Lokalredaktionen?
Die Ergebnisse sind ambivalent: Während eine starke Präsenz von PR-Material unbestritten ist, zeigen differenziertere Studien, dass Journalisten durchaus eigene Rechercheleistungen erbringen und PR-Texte modifizieren.
Welches spezielle Ergebnis lieferte die eigene Untersuchung der Autoren?
Die Autoren stellten fest, dass eine hohe Selektionsquote von Pressemitteilungen besteht, die Redakteure bei unbedeutenden Artikeln eher zu unkritischer Übernahme neigen, während bei wichtigeren Themen eine stärkere journalistische Bearbeitung erfolgt.
- Quote paper
- Anne Lehwald (Author), Ellen Dietzsch (Author), Lars Oertel (Author), 2005, Wissenschaftliche Modelle und Untersuchungen zum Verhältnis von Public Relations und Lokaljournalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48624