Teufelsdarstellungen im protestantischen Drama der Reformationszeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

20 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Generelle Darstellung der Figur des Teufels

3. Charaktereigenschaften des Teufels

4. Motivation des Teufels

5. Verhältnis des Teufels zu Gott und Jesus

6. Sprache des Teufels

7. Reformationstypische Elemente der Teufelsdarstellungen

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Diese Hausarbeit ist im Rahmen des Seminars II „Das protestantische Drama der Reformationszeit“ unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Reinitzer der germanistischen Fakultät der Universität Hamburg entstanden.

Im Folgenden werde ich versuchen einzelne Aspekte der Teufelsdarstellungen ausgewählter protestantischer Dramen der Reformationszeit zu vergleichen.

An reformatorischen Dramen der Reformationszeit werden folgende Texte untersucht: „Ein schön Lieblich Spiel, von dem herlichen ursprung: Betrübtem Fal. Gnediger widerbrengunge. Müseligem leben, Seligem Ende, und ewiger Freudt des Menschen aus den Historien heiliger schrifft gezogen gantz Tröstlich“ von Valentin Voith, von 1538, die1584 erschienene „Tragedia von schöpfung, fal und außtreibung Ade“ von Hans Sachs und die „Comedia. Die ungeleichen kinder Eve, wie sie Gott, der Herr, anredt;“ ebenfalls von Hans Sachs, von 1553.

Alle Texte gehören derselben Textgattung, nämlich dem Schuldrama, an. Dies ist von besonderer Wichtigkeit für die Darstellung der Figuren in den Dramen. Schließlich hatte das Schuldrama die Aufgabe, „das geistliche Vermögen der Jugend verstandesgemäß zu schulen…und sie sittlich und moralisch zu ertüchtigen…“(Maassen, S. 33). „ Die Spiele religiösen Gehalts dienten als Belehrung über Gegenstände der Bibelverkündigung und

– erklärung und der reformatorischen Dogmatik.“ (Maassen, S. 45)

Somit verfolgten die Spiele also gezielte pädagogische Zwecke und wurden hauptsächlich für die Durchsetzung von Erziehungszielen eingesetzt, (vgl. Maassen, S. 39) wobei statt Individuen Typen dargestellt wurden.

Trotzdem zeichnen sich die Texte durch eine recht vielfältige Darstellung des Teufels und seiner Helferfiguren aus. In diesem Bereich gibt es einige Unterschiede. In anderen Punkten, wie z.B. der Motivation für ihre Taten oder dem sprachlichen Stil, weisen die Texte hingegen große Gemeinsamkeiten auf.

2. Generelle Darstellung der Figur des Teufels und seiner Helfer

In den drei reformatorischen Dramen sind auch drei verschiedene Teufelsdarstellungen zu beobachten.

Zunächst komme ich zu dem Drama von Voith. In diesem Drama ist die Teufelsdarstellung gewissermaßen zweigeteilt. Zu Beginn wird der Teufel durch die Figur „Luciper oder der Sathan aus der Schlange“ eingeführt. Die Figur der Schlange wird hier explizit als Luzifer selbst dargestellt, und nicht etwa als dessen Helfer. So sagt Luzifer schließlich: „In eine schlang wil ich mich schmigen, das ich den menschen mag bedrigen,…“ (S. 219)

Im weiteren Verlauf des Dramas wird er dann auch als „Lucifer die Schlange“ (S. 220) bezeichnet. Somit wird also zwischen beiden Figuren nicht getrennt.

Luzifer tritt zu Beginn als Erzähler der biblischen Ereignisse auf. So erzählt er von seiner eigenen Entstehung, dem Fall und seinem Plan, Eva zu verführen.(vgl. S. 219 f.) Mitten in der Erzählung wandelt sich diese Form allerdings hin zu einem Dialog mit Eva, die er als Schlange zu überzeugen sucht.

Im weiteren Verlauf des Dramas tritt dann eine Veränderung in der Teufelsdarstellung auf. Im Folgenden erscheint Luzifer als Figur gar nicht mehr auf, sondern die Figur des Teufels wird durch vier zusammengehörige Gesellen, nämlich Satan, die Sünde, das Gesetz und den Tod verkörpert. Die Zusammengehörigkeit dieser vier Figuren wird mehrfach genannt. So wird von den vier Feinden des Menschen gesprochen, wobei Gesetz, Sünde, Tod und Satan jeweils als eine Feindfigur bezeichnet werden.(vgl. S.223 f.) Auch sagt Satan selbst zu Adam, dem Vertreter der Menschen:

„…, Adam, wir vier zugleich

Nemen dich hin mit seel und leib,…“

Auch dies deutet auf die Zusammengehörigkeit der vier Gesellen hin. Des Weiteren treten sie zusammen auf und beratschlagen gemeinsam, was ein gemeinsames Ziel voraussetzt.

Genau wie Luzifer zu Beginn des Dramas, treten auch diese vier Gesellen als Erzähler biblischer Ereignisse auf. Dies kann z.B. in der sechsten Szene des dritten Aktes beobachtet werden, in der sie die weitere Geschichte der Menschen nach dem Mord Kains erzählen.

Die Funktion des Versuchers wird auch hier, nach dem Sündenfall, noch einmal deutlich, nämlich in der Szene von Kain und Abel, in der Satan Kain zum Mord überredet.

Schließlich kapitulieren Gesetz, Sünde und Tod, als Christus vor dem Tor der Hölle erscheint. (S 310: „ Wir müssen nu al gehen zu grundt.“) Satan allerdings sieht die Niederlage noch nicht ein, obwohl schließlich zu Beginn des Dramas diese Niederlage vorausgesagt wurde. So sagt er zu den anderen z.B., dass sie trotz der Ankunft Christi nicht verzagen möchten (vgl. S. 310)

Schließlich werden alle vier von Christus einzeln angesprochen und somit alle einzeln von ihm besiegt (S. 312 ff.)

Das nächste Drama, die „Tragedia von schöpfung, fal und außtreibung Ade“ von Hans Sachs,

zeigt dem Leser eine ganz andere Teufelsdarstellung.

Auch hier lässt sich eine Teilung der Figur des Teufels erkennen, jedoch eine ganz andere als im vorherigen Drama. Wird im Prolog zunächst noch nur von Satan (und der Schlange) gesprochen, so treten drei Teufelsfiguren, nämlich Luzifer, Satan und Belial auf.(vgl. S. 31)

Unter diesen lässt sich eine gewisse Hierarchie feststellen, denn Satan spricht z.B. von seinem Thron (S. 32), was auf eine Art königliche Herrschaft hindeutet.

Des Weiteren nennen sich die Teufel wiederholt gegenseitig Geister (S. 32 und S, 41), was eine neue Dimension ihrer Person darstellt. Geht die Bezeichnung "Geister“ doch auf die Verbindung von Teufeln mit den sieben Lastern, also z.B. Geiz oder Völlerei, zurück. Somit ist den Teufeln also jeweils eine Aufgabe zugeschrieben. Dies ist hier allerdings nur angedeutet, denn es gibt schließlich nur drei Teufelsfiguren und keine sieben, die als Geister für jeweils ein Laster verantwortlich sein könnten. (vgl. Grübel, S. 189 f.)

Auch die Figur der Schlange ist in diesem Drama anders dargestellt.

War sie im vorigen Drama noch die Verkörperung Luzifers, so ist sie in diesem Drama nur ein Gehilfe (S. 34), der von Luzifer entdeckt und „angelernt“ wird. So treten später beispielsweise auch beide Figuren, also Luzifer und die Schlange, zur gleichen Zeit auf.(vgl. S.37 f.) Betont wird zudem ein Aspekt der Schlange, der im vorherigen Drama zumindest nicht im Vordergrund stand, nämlich dass die Schlange noch auf ihren Füßen steht, als sie Eva verführt. So ist in der Szenenanweisung zu lesen: „Die schlang steht auf ihr füß.“ (S. 34)

Dadurch wird die Bestrafung der Schlange, nämlich dass sie auf dem Bauch kriechen und Staub essen muss, sehr viel deutlicher. (vgl. S.46) Schließlich wird explizit in der Szenenanweisung auch noch einmal gesagt, dass die Schlange niederfällt und auf allen vieren kriecht. (vgl. S. 46) Kurz darauf ist allerdings eine Veränderung in der Figur der Schlange zu beobachten. Sie wird hinfort nämlich nicht mehr als Gehilfe Luzifers dargestellt, sondern als der Satan selbst. So sagt Adam beispielsweise, dass der Satan sie (Eva und ihn) verführt habe. (S. 48) Auch könnte man annehmen, dass Christus, der der Schlange den Kopf zertritt und sie somit besiegt, nicht die Schlange als Gehilfen Luzifers, sondern Satan selbst und alle seine Teufel damit meint.

Des Weiteren treten in diesem Drama besonders die einzelnen Versuchungen, die der Satan für die Menschen bereithält, in den Vordergrund. So werden von dem Cherub in der Abschlussrede z.B. Geiz, Ehebruch oder Krieg genannt. (vgl. S.50) So explizit sind sie im Drama von Voith nicht im Zusammenhang mit dem Satan genannt worden.

Auch das folgende Drama von Hans Sachs, „Die ungeleichen kinder Eve“, zeichnet sich durch eine weitere, andere Teufelsdarstellung aus.

Die Schlange tritt hier nicht als eigene Figur auf, sondern von ihr wird nur durch Eva berichtet. Sie wird in diesem Drama nicht ausdrücklich als Gehilfe des Teufels dargestellt, sondern durch die Bezeichnung Evas: „…Der hellisch sathanischen schlangen,…“ (S. 54) könnte man eher auf eine Gleichsetzung der Schlange mit Satan bzw. der Personifizierung des Satans durch die Schlange schließen. Die Gleichsetzung der Schlange mit dem Satan setzt sich, wie im vorigen Drama auch, durch die Prophezeiung des Herrn, dass die höllische, böse Schlange zertreten werden wird (S. 65), fort. Auch Set äußert später noch, dass der Heiland dem Satan selbst den Kopf zertritt. (vgl. S. 74)

Neben dem Satan (z. B. S. 54) wird als weitere Teufelsfigur in diesem Drama noch Belial (S. 57) erwähnt.

Eine Hierarchie der Teufel wird hier nur angedeutet. Der Satz „…des Sathanas und seiner glider!“ (S. 68) lässt schließlich auf eine „mehrgliedrige Vereinigung“ mit Satan an der Spitze schließen. Auch die Selbstbezeichnung Satans, ein Fürst der ganzen Welt zu sein (vgl. S. 78), lässt auf eine Hierarchie schließen, denn ein Fürst besitzt normalerweise auch einen Hofstaat und ein Volk, das ihm angehört.

Die einzelnen, durch die Teufel ausgelösten Laster und Sünden werden hier nicht einfach aufgezählt, wie es in der „Tragedia von schöpfung, fal und außtreibung Ade“ geschehen ist, sondern sie werden von einzelnen Figuren in einem Gespräch mit dem Satan angeführt. (ab S. 76) Auch hier werden die verschiedensten Sünden, z.B. Lüge, Völlerei oder Aberglauben, angeführt. Dies weist auf den Kontext des Schuldramas hin, denn die Schüler mussten schließlich erst ein Bewusstsein für das gesamte Spektrum der Sünden bekommen, bevor sie sich dagegen wappnen konnten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Teufelsdarstellungen im protestantischen Drama der Reformationszeit
Hochschule
Universität Hamburg
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V48654
ISBN (eBook)
9783638453035
ISBN (Buch)
9783638860734
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Teufelsdarstellungen, Drama, Reformationszeit
Arbeit zitieren
Vera Schmitz (Autor), 2005, Teufelsdarstellungen im protestantischen Drama der Reformationszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48654

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