Die Lizentiatsarbeit im Bereich Arbeits- & Organisationspsychologie behandelt eine Untersuchung zu Illegitimen Arbeitsaufgaben - also Arbeitsaufgaben nach dem Konzept 'Stress as Disrespect' von Semmer, welche Regeln und Normen des Respekts und der Zumutbarkeit verletzen und dadurch mangelnde Wertschätzung ausdrücken - und sie wurde als Längsschnitt konzipiert.
Bisher wurden die Folgen von Illegitime Arbeitsaufgaben in zwei Längsschnitten untersucht: in einer Längsschnittstudie mit drei Messzeitpunkten im Abstand von je sechs Monaten (Jacobshagen) und in einer Auswertung über zwei Jahre, welche anhand des Datensatzes gemacht wurde, auf welchem die vorliegende Untersuchung basiert. Im zweiten Fall beinhalteten diese Berechnungen Analysen zu fünf Befindensparameter auf der psychologischen Ebene, bisher wurden aber hauptsächlich Haupteffekte untersucht (Jacobshagen).
Es besteht also Forschungsbedarf für eine Arbeit, welche die längerfristigen Auswirkungen von Illegitimen Arbeits- aufgaben bezüglich Drittvariablen wie Mediatoren und Moderatoren untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Thematische Einführung zu Illegitimen Arbeitsaufgaben
1.2. Forschungsziele und Nutzen der vorliegenden Untersuchung
2. Theorie und Stand der Forschung
2.1. Stress in Organisationen
2.1.1. Definition von Stress
2.1.2. Die probabilistische Stresskonzeption
2.1.3. Entstehung und Folgen von Stress: Stressmodelle
2.1.3.1. Das transaktionale Stressmodell von Lazarus
2.1.3.2. Das Modell von Kahn und Byosiere
2.1.3.3. Das Person - Enviroment Fit Modell
2.1.3.4. Das Modell der Gratifikationskrisen von Siegrist
2.1.3.5. Das SOS - Konzept von Semmer & Jacobshagen
2.1.3.5.1. Wertschätzung als wesentliches Bedürfnis
2.1.3.5.2. Stress as Disrespect
2.1.3.6. Mechanismen der umgekehrten Verursachung
2.2. Stressoren
2.2.1. Definition, Klassifizierung und Ebenen von Stressoren
2.2.2. Illegitime Arbeitsaufgaben
2.2.2.1. Einführung und Definition
2.2.2.2. Empirische Korrelate und Stabilität
2.2.2.3. Umgekehrte Verursachung
2.2.3. Zentralität der Arbeit als ‘Enhancer’
2.2.4. Efford-Reward Imbalance
2.3. Stressreaktionen und Befinden
2.3.1. Determinanten von Kündigungsabsicht: Allgemeine Arbeitszufriedenheit und Resignative Einstellung zur Arbeit
2.3.1.1. Einführung und Definition
2.3.1.2. Entstehung von Arbeitszufriedenheit und Resignation
2.3.2. Determinanten von Kündigungsabsicht: Affektives Commitment
2.3.2.1. Einführung und Definition
2.3.2.2. Entstehung von Affektivem Commitment
2.3.3. Kündigungsabsicht
2.3.3.1. Kündigungsabsicht als innerlicher Rückzug
2.3.3.2. Entstehung von Kündigungsabsicht
2.3.4. Folgen von Kündigungsabsicht: Beinahe - Kündigung
2.3.4.1. Beinahe - Kündigung als fast gezeigtes Verhalten
2.3.4.2. Entstehung von Beinahe - Kündigung
2.3.5. Absentismus - Frequenz
2.3.5.1. Absentismus als Rückzugsverhalten
2.3.5.2. Entstehung von Absentismus
2.3.6. Selbstwert
2.3.6.1. Entstehung von Selbstwert
2.3.6.2. Regulation und Veränderung von Selbstwert
2.3.6.3. Folgen von tiefem Selbstwert: Die Plastizitätshypothese von Brockner
2.3.7. Burnout
2.3.7.1. Einführung und Definition
2.3.7.2. Entstehung von Burnout
2.3.7.3. Folgen von Burnout: die umgekehrte Verursachung
2.3.8. Weitere mögliche Einflüsse: Alter, Geschlecht und Negative Affektivität
2.4. Die Fragestellungen und Hypothesen
2.4.1. Die vier zentralen Fragestellungen
2.4.2. Korrelations- Mediations- und Moderationshypothesen
3. Methode
3.1. Datenerhebung und Stichprobenbeschreibung
3.2. Das Untersuchungsdesign
3.2.1. Das ‘Zwei-Wellen Full Panel Design’
3.2.2. Das Zeitintervall
3.2.3. Kausalität
3.3. Fragebogen und Konstrukte
3.4. Statistische Analysen
3.4.1. Voranalysen
3.4.1.1. Varianzanalyse zu Responder - Non-Responder
3.4.1.2. Deskriptive Analysen zu Skalen und Single -Items
3.4.1.3. Zusatzanalyse zu Fluktuation
3.4.2. Hauptanalysen
3.4.2.1. Korrelationsanalysen
3.4.2.2. Lineare hierarchische Regressionsanalysen
3.4.2.2.1. Der Längsschnitt und der Synchron I Schnitt
3.4.2.2.2. Schritte der Dateneingabe
3.4.2.2.3. Kontrollvariablen
3.4.2.2.4. Bedingungen der Mediationsanalyse
3.4.2.2.5. Die Moderationsanalyse
3.4.2.2.6. Zusatzanalyse zur umgekehrten Verursachung bei der Fragestellung Kündigungsabsicht
3.4.2.2.7. Zusatzanalyse zum Synchron II Schnitt
4. Ergebnisse
4.1. Ergebnisse zur Fragestellung Kündigungsabsicht
4.1.1. Korrelationshypothesen zu Kündigungsabsicht
4.1.2. Mediationshypothesen zu Kündigungsabsicht
4.1.3. Zusammenfassung der Ergebnisse zur Fragestellung Kündigungsabsicht
4.2. Ergebnisse zur Fragestellung Selbstwert und umgekehrte Verursachung
4.2.1. Korrelationshypothesen zu Selbstwert
4.2.2. Mediationshypothesen zu Selbstwert
4.2.3. Moderationshypothesen zur Fragestellung Selbstwert
4.2.4. Zusammenfassung der Ergebnisse zur Fragestellung Selbstwert und umgekehrte Verursachung
4.3. Ergebnisse zur Fragestellung Burnout und umgekehrte Verursachung
4.3.1. Korrelationshypothesen zu Burnout
4.3.2. Mediationshypothesen zu Burnout
4.3.3. Moderationshypothesen zu Burnout
4.3.4. Zusammenfassung der Ergebnisse zur Fragestellung Burnout und umgekehrte Verursachung
6. Diskussion und Ausblick
5.1. Zusammenfassung und Diskussion zur Fragestellung Kündigungsabsicht
5.2. Zusammenfassung und Diskussion zur Fragestellung Selbstwert und umgekehrte Verursachung
5.3. Zusammenfassung und Diskussion zur Fragestellung Burnout und umgekehrte Verursachung
5.4. Einschränkungen und Vorteile der Untersuchung
5.5. Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von illegitimen Arbeitsaufgaben auf das arbeitsbezogene Befinden und die psychische Gesundheit. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob solche Aufgaben kurzfristige oder längerfristige negative Konsequenzen nach sich ziehen, welche Mechanismen (Mediatoren) diesen Prozess beeinflussen und ob die Identität (Zentralität der Arbeit) als Moderator fungiert, wobei auch umgekehrte Kausalbeziehungen (Befinden beeinflusst die Stresswahrnehmung) analysiert werden.
- Untersuchung von illegitimen Arbeitsaufgaben (Stress as Disrespect) und deren gesundheitliche Auswirkungen.
- Analyse verhaltensbezogener Rückzugsfolgen wie Kündigungsabsicht, Beinahe-Kündigung und Absentismus.
- Erforschung der Bedeutung des Selbstwerts und des Burnout-Prozesses im Arbeitskontext.
- Prüfung der Rolle der Zentralität der Arbeit als identitätsrelevanter Verstärker (Enhancer).
- Anwendung bidirektionaler Kausalanalysen im Längsschnitt über zwei Jahre.
Auszug aus dem Buch
1.1. Thematische Einführung zu Illegitimen Arbeitsaufgaben
In meiner Lehr- und Ausbildungszeit zum Sanitärzeichner kam mein damaliger Chef mehrmals zu mir, gab mir seinen Autoschlüssel und meinte, ich solle doch bitte noch kurz sein Auto waschen gehen. Dabei machte er mehr als einmal mit einem Augenzwinkern die Bemerkung, dass er seinem Chef früher die Wohnung putzen musste. Diese Bemerkung implizierte wohl, dass man als Lehrling halt einfach solche ‘harmlosen’ Arbeiten zu erledigen hat.
Solche und ähnliche Situationen, wie die von mir erlebte, können wohl viele Menschen aus ihrem Arbeitsalltag erzählen – wie die Forschung zeigt, sind Aufgaben, die als demütigend empfunden werden, aber alles andere als ‘harmlos’, sie können sehr belastend sein und Auswirkungen auf die Gesundheit haben.
Semmer und Jacobshagen (2003; under review; Semmer, Jacobshagen & Meier, 2006) haben zu Arbeitsaufgaben, welche als unfair und als verletzend – also als illegitim – bewertet werden, das SOS - Konzept (‘Stress as Offence to Self’) entwickelt. Es besteht aus zwei Subkonzepten, nämlich aus ‘Stress as Insuffiency’ und aus ‘Stress as Disrespect’, wobei das zweite im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung steht. Stress as Disrespect beinhaltet Illegitime Arbeitsaufgaben, also Aufgaben, welche Regeln und Normen des Respekts und der Zumutbarkeit verletzen (Semmer & Jacobshagen, under review). Die beiden Autoren gehen davon aus, dass Illegitime Arbeitsaufgaben Stress auslösen, indem sie als mangelnde Wertschätzung eingeschätzt werden. Das heisst, die Person, welche die Aufgabe ausführen muss, fühlt sich durch diese Aufgabe bzw. durch die Organisation oder die Person, welche ihr die Aufgabe zugeteilt hat, gekränkt, respektlos behandelt und zu wenig wertgeschätzt, was Stressreaktionen hervorrufen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept der illegitimen Arbeitsaufgaben ein und formuliert die Forschungsziele sowie den praktischen Nutzen der Untersuchung.
2. Theorie und Stand der Forschung: Hier werden relevante Stressmodelle und die theoretische Basis zu Stressoren, Selbstwert und Burnout dargestellt, um die Hypothesen für die Arbeit herzuleiten.
3. Methode: Dieses Kapitel beschreibt das Studiendesign (Zwei-Wellen-Panel), die Datenerhebung und die statistischen Verfahren zur Überprüfung der Mediations- und Moderationsmodelle.
4. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die statistischen Auswertungen zu den Korrelationen, Mediationen und Moderationen für die Bereiche Kündigungsabsicht, Selbstwert und Burnout.
6. Diskussion und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse kritisch reflektiert, Implikationen für die Praxis abgeleitet und Möglichkeiten für zukünftige Forschungsansätze aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Illegitime Arbeitsaufgaben, Stress, Wertschätzung, Selbstwert, Burnout, Arbeitszufriedenheit, Kündigungsabsicht, Absentismus, Zentralität der Arbeit, Längsschnittstudie, Stress as Disrespect, psychische Gesundheit, Arbeitsplatz, berufliche Gratifikationskrisen, Resignation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der „illegitimen Arbeitsaufgaben“ und untersucht deren Auswirkungen auf das Befinden, die psychische Gesundheit und verschiedene Rückzugsverhaltensweisen von Mitarbeitenden in Organisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Stress in Organisationen, die Rolle von Wertschätzung und Fairness bei der Zuteilung von Aufgaben, Burnout-Prozesse, Selbstwertdynamiken sowie die Bindung an das Unternehmen.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob illegitime Arbeitsaufgaben kurz- oder langfristige negative Konsequenzen für das Wohlbefinden haben und ob Faktoren wie die Identifikation mit der Arbeit (Zentralität) diesen Effekt verstärken oder abmildern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einem Längsschnittdesign (Zwei-Wellen-Panel) mit einem Zeitabstand von zwei Jahren. Zur Analyse werden Korrelationsrechnungen sowie hierarchische Regressionsanalysen verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Modelle zur Stressentstehung (z.B. SOS-Konzept von Semmer & Jacobshagen) analysiert und empirische Hypothesen zur Mediatierung und Moderation von stressbedingten Auswirkungen auf das Arbeitsverhalten abgeleitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Illegitime Arbeitsaufgaben, Stress as Disrespect, Arbeitszufriedenheit, Kündigungsabsicht, Selbstwert und Burnout geprägt.
Warum ist die „Zentralität der Arbeit“ für die Forschung relevant?
Die Zentralität der Arbeit beschreibt, wie wichtig die Arbeit für die Identität einer Person ist. Die Arbeit untersucht, ob eine hohe Bedeutung der Arbeit dazu führt, dass illegitime Aufgaben als bedrohlicher empfunden werden (identitätsrelevante Stressoren).
Was bedeutet in dieser Arbeit „umgekehrte Verursachung“?
Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass nicht nur Stressoren das Befinden beeinflussen, sondern dass eine Verschlechterung des Befindens (z.B. durch Burnout) dazu führen kann, dass eine Person verstärkt illegitime Arbeitsaufgaben wahrnimmt oder zugeteilt bekommt.
- Quote paper
- Christian Ganser (Author), 2007, Stress durch mangelnde Wertschätzung bei der Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/486698