Die Entwicklung der Geburtsanzeigen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart


Hausarbeit, 2005
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt :

0. Vorwort

1. Die Anfänge der Geburtsanzeigen

2. Die Untersuchungsmethode der Autorin Frese

3. Die Geburtsanzeigen in ihren Anfängen

4. Die Geburtsanzeigen von 1940 bis 1973

5.Die Geburtsanzeigen im Zeitraum 1980/81 und 1984

6. Die Geburtsanzeigen von Januar 1995, 2000 und 2005

7. Schlussbemerkung

Literaturangaben

Tabellen Fehler! Textmarke nicht definiert.

Geburtsanzeigen – Materialsammlung Fehler! Textmarke nicht definiert.

Versicherung der eigenständigen Arbeitsleistung Fehler! Textmarke nicht definiert.

0. Vorwort

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Geburtsanzeigen. Ihr Ziel ist es, die Anzeigen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts zunächst einmal kurz denen aus den Anfängen der Geburtsanzeigengeschichte zu vergleichen bzw. herauszuarbeiten, was sich in dieser Zeit grundsätzlich verändert hat, und die Anzeigen von Januar 1995, 2000 und 2005 zu analysieren.

Zunächst jedoch soll geklärt werden, was genau eine Textsorte bzw. was die Textsorte Geburtsanzeigen ist. Textsorten im allgemeinen zeichnen sich dadurch aus, dass bestimmte Arten von Texten (z.B. Rezepte, Briefe, bestimmte Anzeigentypen etc.) aufgrund von Vorhandensein verschiedener Merkmale einzelnen Kategorien zugeteilt werden.

Leider „[...] ist [es] im Rahmen textlinguistischer Forschung bisher nicht gelungen, eine einheitliche, `gültige’ Textsortenklassifikation zu erstellen und es besteht auch noch kein textlinguistischer Konsens darüber, nach welchen Verfahren die Zuordnung eines Textes zu einer Textsorte genau erfolgen müsste.“[1]

Mögliche Kriterien für die Zuordnung eines Textes zu einer Textsorte können jedoch z.B. das Thema eines Textes, sein Themenverlauf, die Wortwahl sowie die Textfunktion selbst sein.[2]

Nimmt man nun die Textsorte Geburtsanzeigen, so lässt sich feststellen, dass ihr Thema stets die Bekanntgabe von Geburten ist und das ihre Funktion darin besteht, eben diese Geburt der Öffentlichkeit anzuzeigen.

Geburtsanzeigen gehören zur Klasse der Familienanzeigen, d.h. zu der Gruppe von Inseraten, welche meist soziale Hintergründe haben. Dazu gehören zum Beispiel auch Heirats-, Bekanntschaftsgesuche, Todes- und Geburtsanzeigen sowie private Verkäufe und Gesuchtes. Oft wird diese Rubrik auch als „Vermischtes“ bezeichnet.[3]

I.d.R. finden sich diese eher persönlich orientierten Anzeigentypen bzw. Textsorten wie Todes-, Geburts-, Geburtstags- und Hochzeitsanzeigen ausschließlich in Lokalzeitungen, da nur hier das Interesse an dem persönlichen bzw. familiären Veränderungen im sozialen Umfeld bei der Leserschaft gegeben ist.[4]

1. Die Anfänge der Geburtsanzeigen

Vor der verbreiteten Lesekompetenz der Bevölkerung war die Kirche zuständig für die Bekanntgabe von Geburten: Ihre Küster meldeten von der Kanzel aus wer geboren wurde, wer verstorben war und riefen z.T. selbst Angaben über aufgefundene Gegenstände etc. aus. In den kleinen Gesellschaften konnte sich zudem auf die Mund-zu-Mund-Weitergabe der Informationen über die veränderten familiären Verhältnisse verlassen werden. Direkt, d.h. persönlich bzw. durch Karten oder Boten benachrichtigt wurden in der Regel nur nahe Freunde und Verwandte.

Mit der wachsenden Lesekompetenz, der steigenden Urbanisierung und dem stetigem Wachsen der Bevölkerung wurde diese Form der Informationsverbreitung allerdings zunehmend kompliziert. Zum einen wurden Wege ständig weiter, die Zahl der Bekannten wird mit zunehmend größer werdenden Städten ebenfalls zugenommen haben und zum anderen wurde damit der finanzielle Aufwand für Karten und Botengänge immer größer. Außerdem musste sorgfältig darauf geachtet werden, auch tatsächlich jeden zu informieren, der den Anspruch erheben konnte über die Änderungen der persönlichen Lebensumstände seiner Bekannten / Freunde informiert zu werden, denn „Vergessene Freunde“ konnten z.T. sehr nachtragend sein. Dies wird mit ein Grund gewesen sein, weshalb gerade in den Anfängen der Geburtsanzeigen, genauso wie bei den Todesanzeigen die meisten Anzeigen den Zusatz „statt anderer Benachrichtigung“ bzw. „statt Karten“ trugen.[5]

Die meisten Anzeigen baten zudem darum, nicht zu gratulieren bzw., bei Todesanzeigen, von Beileidsbekundungen abzusehen. Ein Motiv dafür wird ebenfalls der Kosten- und Zeitaufwand von Kartenschreibens und Botenaussendens gewesen sein.[6]

Zuerst verbreitete sich der Brauch gedruckte Geburtsanzeigen zu versenden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Oberschicht[7], wo dies vor allem als Zeichen der Höflichkeit ausgelegt wurde. Es dauerte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, bis dieser Brauch der Kartenversendung auch von den unteren Schichten, d.h. von Dienstboten, Handwerkern etc. übernommen wurde.[8]

Die ersten Familien- und Geburtsanzeigen in den Zeitungen fanden sich bereits in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts. Als erste Zeitung, welche diese Form der Inserate druckte, gilt die „Vossische Zeitung“.[9] Damit kann man sagen, dass Geburtsanzeigen mit der Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert hin eingeführt wurden, wobei die Erscheinungen der jeweils ersten Geburtsanzeigen sich von Region zu Region unterscheiden.

2. Die Untersuchungsmethode der Autorin Frese

In ihrem Buch „Wie Eltern von sich reden machen: sprachliche Analyse von Geburtsanzeigen in Tageszeitungen zwischen 1790 und 1985“[10] untersucht die Autorin Karin Frese die ihr vorliegenden 4267 Anzeigen aus dem im Titel genannten Zeitraum nach einem bestimmten Schema. Dabei untersucht die Autorin, bei vorheriger Definition der Anzeigen als einseitige Kommunikation, das vorhandene Material nach der „Klassischen Formel der Kommunikationsanalyse“ nach Lasswell.

Unbedingt notwendig sind in diesem Zusammenhang die Informationen zu der folgenden Fragestellung: Wer sagt was zu wem? Dabei entspricht die Frage nach „wer“ der nach dem Inserenten, „was“ derjenigen nach der Aussage und „wem“ der nach dem Rezipienten.[11] Weitere Untersuchungsaspekte sind bei Frese die „Verbittung jeglicher Gratulation“[12] und die Miteilung, dass diese Anzeige anstatt einer besonderen persönlichen Meldung aufgegeben wurde.

Eine Untersuchung der grafischen Gestaltung wird von der Autorin weitestgehend unterlassen, zum einen, da die ersten Geburtsanzeigen keine besondere Gestaltung aufweisen, nicht einmal besonders vom übrigen redaktionellen Teil getrennt sind, und zum anderen, da die Möglichkeiten der besonderen grafischen Gestaltung in den Anfängen allein rein technisch betrachtet kaum gegeben waren.

Ab etwa 1800 wurden die Anzeigen zwar vom redaktionellen Teil der Zeitungen getrennt, weisen abgesehen von einem dünnen, an den Ecken abgerundeten Rahmen jedoch keinerlei weitere Gestaltungsmerkmale auf.

3. Die Geburtsanzeigen in ihren Anfängen

Wie bereits ausgeführt bezieht Frese sich in ihren Untersuchungen auf Anzeigen ab 1792, welche noch nicht deutlich vom übrigen Zeitungsteil getrennt waren. Die Trennung von Anzeigen- und Redaktionsteil kam in einzelnen Zeitungen jedoch bereits ab etwa 1800 auf, allerdings wurden diese dann in Spalten unter- und nebeneinander gedruckt und noch nicht einzeln gekennzeichnet.[13]

Gerade bzgl. der Anfänge kommt die Autorin zu dem Schluss, dass die Anzeigen einem relativ stabilem Schema folgen: angegeben werden i.d.R. der Inserent, die Aussage wird explizit getroffen, der Rezipient wird deutlich angegeben und jede Form der Gratulation wird sich verbeten, eine gesonderte Meldung in Form von „statt besonderer Meldung“ u.ä. bürgert sich zudem ab etwa 1850 ein.[14]

Ein Unterschied zu moderneren Anzeigen zeigt sich v.a. darin, dass es lange Zeit alleinige Aufgabe des Ehemannes gewesen ist die Geburt eines Kindes öffentlich zu machen; nur im Ausnahmefall wurde diese Aufgabe auch von anderen männlichen Familienmitgliedern übernommen, d.h. z.B. im Fall von Abwesenheit oder Krankheit bzw. Tod des Ehemannes.[15] Sprachlich fällt dies durch folgende Formulierungen auf:

„In zahlreichen Anzeigen [...] spricht der glückliche Vater von dem Kind, das ihm geboren wurde oder seine Freude bzw. sein häusliches Glück erhöhte.“[16]

[...]


[1] Siehe Linke, Angelika / Nussbaumer, Markus / Prtmann, Paul R. : „Studienbuch Linguistik“, Tübingen: Max Niemeyer Verlag GmbH, 2001 S. 248

[2] vgl. Linke S. 249 f

[3] vgl. Frese, Karin : „Wie Eltern von sich reden machen: sprachliche Analyse von Geburtsanzeigen in Tageszeitungen zwischen 1790 und 1985“, Heidelberg: Winter, 1987 S. 40

[4] vgl. Frese S. 55

[5] Vgl. Frese S. 78

[6] Vgl. Frese S. 47

[7] Siehe Frese S. 26

[8] Siehe Frese S. 28

[9] Siehe Frese S. 43

[10] Karin Frese „Wie Eltern von sich reden machen: sprachliche Analyse von Geburtsanzeigen in Tageszeitungen zwischen 1790 und 1985“, Heidelberg: Winter, 1987

[11] vgl. Frese S. 62

[12] siehe Frese, S. 49

[13] vgl. Frese S. 89f

[14] vgl. Frese S. 90 f

[15] vgl. Frese S. 95

[16] siehe Frese S. 95

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Geburtsanzeigen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Textsortengeschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V48757
ISBN (eBook)
9783638453608
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Abbildungen der Geburtsanzeigen konnten leider nicht mitgeliefert werden, da sie in digitalisierter Form nicht vorliegen.
Schlagworte
Entwicklung, Geburtsanzeigen, Anfängen, Gegenwart, Textsortengeschichte, Germanistik, Textsorten, Zeitungsanzeigen, Anzeigen, Annoncen
Arbeit zitieren
Conny Meyer (Autor), 2005, Die Entwicklung der Geburtsanzeigen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48757

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