Chancengleichheit im Bildungssystem der BRD

Begriffe und Befunde


Hausarbeit, 2004

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

I. Begriffsdefinition und Einordnung der Chancengleichheit in das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland

II. Chancengleichheit im Bildungsverlauf?
1. Begriffsbestimmung Chancengleichheit
2. Bildung als Faktor sozialen Wohlstandes
3. Kriterien zur Bemessung von sozialer Gleichheit
4. Die Primarstufe, Grundstein der Bildungskarriere in Kritischer Betrachtung
4.1 Chancengleichheit nach der Einschulung
4.2 Übergangsproblematik
4.2.1 Rechtlicher Rahmen der Elternentscheidung
4.2.2 Das Lehrerurteil
5. Schülerverteilung auf den weiterführenden Schulen hinsichtlich Ihres sozialen Hintergrundes
6. Abschlüsse und Kompetenzen

III. Herkunftsethnien, Migrantenstatus sowie geschlechtsspezifische Unterschiede

IV. Zusammenfassender Überblick über die Ergebnisse

Literaturverzeichnis

I. Begriffsdefinition und Einordnung der Chancengleichheit in das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland

Spätestens seit Pisa ist die deutsche Bildungspolitik in aller Munde. Plötzlich ist ein Jeder Experte und Kenner der Szene und weiß genau über die Gründe der Bildungsmisere bescheid. Bildungsmisere? Ist es das, was die Studie der deutschen Politik attestiert? Nun, die Ergebnisse sind deutlich. Deutsche Schüler haben in vielen Disziplinen im internationalen Vergleich recht mäßig abgeschnitten, obwohl Deutschland, zumindest rein wirtschaftlich gesehen, immer noch eine europäische Vormachtsstellung einnimmt. Andere Länder, deren wirtschaftliche Datenlage nicht so verheißungsvoll ausfällt, schaffen es jedoch im Gegenzug ihren Nachwuchs qualitativ besser auszubilden, womit für deutsche Kinder eine Konkurrenz auf dem Bildungsmarkt entsteht, die nicht von der Hand zu weisen ist, und die die zukünftige Entwicklung Deutschlands im internationalen Vergleich negativ beeinflussen wird. Aber warum gelingt es anderen Ländern trotz verhältnismäßig geringerer Etats eine womöglich bessere Bildungspolitik anzubieten? Die Ursachen dafür müssen in den Problemen des deutschen Bildungssystems gesucht werden, die leider vielfältig sind und von denen an dieser Stelle nur einige Wesentliche genannt werden sollen. Zum ersten zu nennen wäre die Tatsache, dass Bildung dezentral geleitet und verwaltet wird. Bund und Länder bilden zwar ein föderatives System, jedoch bedingt Föderalismus immer Kommunikationsprobleme und Ungleichheiten in der Exekutiven aufgrund unterschiedlicher Gewichtung von Prämissen. Zum zweiten zu nennen wäre die mangelnde vorschulische Erziehung des Nachwuchses, der früh angesetzt in der prägenden Phase von Kindern, in der die Lernmotivation immens hoch ist, eine qualitative Steigerung der Lernmöglichkeiten zur Folge hat, jedoch in Deutschland zumeist völlig missachtet wird. Andere Länder zeigen dabei deutlich die positiven Folgen dieser Lehrmethode auf und können erhebliche Erfolge dadurch aufweisen. Eine weitere Problematik, die genannt werden muss, ist die Lage der Lehrkräfte in Deutschland. Dieses Problemfeld ist ein sehr großes und weit reichendes, da die Qualität der schulischen Ausbildung der Zöglinge maßgeblich durch die Lehrkräfte beeinflusst wird. Diese jedoch sind im deutschen Schnitt sehr alt, ihre Methoden wenig innovativ und nach modernen Maßstäben wenig praxisgerecht, ihre Motivation nach 25 Jahren gemeinhin als unterdurchschnittlich zu bezeichnen und ihre soziale Versorgung durch BAT so stabil, dass keinerlei Anreize gegeben werden können um eine Verbesserung der Lehrleistung herbeizuführen. Diese Entwicklung ist bekannt, eine Änderung jedoch nur schleppend durchführbar. Ein Lösungsansatz wie bei der Motivation durch leistungsgerechte Bezahlung von Professoren an Hochschulen ist dabei positiv hervorzuheben, der Transfer jedoch in das System der Lehrkräften an den Schulen des primären und sekundären Bereiches aufgrund der Personalmasse nur mit äußersten Mühen zu bewältigen. Diese Unflexibilität des Systems zeigt sich auch bei der Ausbildung und Qualifizierung des Lehrernachwuchses, der bis dato keinerlei methodische Kompetenzen erlernen kann, und der ebenfalls bereits bei seiner Einstellung davon ausgehen muss, einen völlig studienfremden Unterricht abhalten zu müssen. Auch dies ist hinlänglich bekannt, doch Änderungen in nicht sichtbarer Zukunft. Als letztes Problem anzuführen ist die Behauptung der Ungleichheit im Bildungssystem Deutschland. Dieses Thema ist zentral und somit auch Gegenstand dieser Arbeit. Betrachtet man die aktuelle Situation an den Schulen wird deutlich, dass zumeist eine Zugehörigkeit zu einer Schule wesentlich durch das soziale Umfeld der Schüler bestimmt ist, respektive durch dessen Elternhaus und dem jeweiligen Bildungsverlauf der Eltern. Es ist also zu prüfen, ob diese Erscheinung nur Ausnahme ist, oder bezeichnend für die Schülergenerationen von heute und dementsprechend durch die Reproduktion auch die von morgen, ob die sozialen Disparitäten der Bildungsbeteiligten auch Disparitäten in der Wahl von Schulform mit sich bringen. In diesem Feld ist ebenfalls stark diskutiert die Annahme, dass bei der Entscheidung über die Schulwahl nach der Primarstufe keine objektiven Richtlinien existieren, die den entscheidenden Lehrkräften einen Handlungsanweisung geben, so dass diese nach Gutdünken und Sympathie, bzw. Antipathie gegenüber Schülern und Eltern Entscheidungen treffen, die für die weitere Bildungskarriere des Zögling von eminenter Bedeutung sein können. Dies betreffend stellt sich auch die Frage, ob durch die Zuweisung eines Schülers in eine ungeeignete Schulform das Lehrangebot an Schulen verändert wird und Lerngeschwindigkeiten angepasst werden müssen, und ob dadurch Nachteile für die Schüler entstehen, denen Eignung zugesprochen wurde. Ein weiteres Problemfeld ist die Lage der Einwandererkinder. Diese Schüler, deren Eltern zumeist in Stadtteilen leben, deren prozentualer Ausländeranteil sehr groß ist, finden sich zumeist auf den gleichen Schulen wieder, so dass heutige Entwicklungen zeigen, dass Schulklassen in manchen Orten keine gesunde Durchmischung von deutschen und Einwandererkindern zeigen, sondern sich das Verhältnis dahingehend verändert hat, dass Klassen existieren, in denen fast ausschließlich letztere Schüler sind. Dabei stellt sich dementsprechend ebenfalls die Frage nach Vor- und Nachteilen, sowie nach Lösungsansätzen zur Entschärfung der Lage.

Die Thematik wird also deutlich. Bildung bedeutet Fortschritt und Wohlstand. Als ein großes Problemfeld der Bildungspolitik wird die Ungleichheit betitelt. Sinn dieser Arbeit ist es nun also, Begriffe und Befunde zu erfassen, die eine kontroverse Betrachtung und Beurteilung dieses Themas abseits von Wahlparolen und politischer Diskrepanz zulassen. Die Themenschwerpunkte ergeben sich hieraus aus der nüchternen Betrachtung aktueller Parameter an deutschen Schulen an sich und im Vergleich mit internationalen Mitstreitern. Ziel ist es, einen ausführlichen Tatsachenbericht zu liefern und Möglichkeiten aufzuzeigen, die eine Entschärfung der allgemeinen Lage zulassen, sofern dies überhaupt notwendig ist.

II. Chancengleichheit im Bildungsverlauf

1.1 Begriffsbestimmung Chancengleichheit

Um eine umfassende Betrachtung zuzulassen, ist zunächst eine Definition der Chancengleichheit anzuführen. Chancengleichheit bezüglich Bildungsmöglichkeiten bedeutet in diesem Kontext, dass jedes Kind, das Schüler einer Schule in Deutschland wird, grundsätzlich die Möglichkeit hat, jede Bildungskarriere einzuschlagen, zu deren Abschluss es die nötigen kognitiven und sozialen Vorraussetzungen erfüllt. Deutlich dabei wird, dass als Kriterium der Chancengleichheit lediglich die biologischen Fähigkeiten des Kindes den schulischen Werdegang beeinflussen dürfen. Um objektive Chancengleichheit zuzulassen, ist es demnach nicht zulässig, dem Kind aufgrund familiärer Verhältnisse, des sozialen Umfeldes, aufgrund finanzieller oder ethnologischer Hintergründe Möglichkeiten zum Besuch von Bildungseinrichtungen in Deutschland zu verwehren oder sie in irgendeiner Weise einzuschränken. Dieser Grundsatz wird an sich bereits durch das Grundgesetz geregelt, das interpretierend aussagt, dass alle Menschen gleich sind, die gleichen Rechte haben und demnach wohl auch die gleichen Möglichkeiten. Die Ausführung dieses Gesetzes ist jedoch fraglich, wenn man weiterführende Themen begutachtet.

2. Bildung als Grundlage sozialen Wohlstandes

Zur Begründung der Betrachtung der Frage ob es eine Chancengleichheit im Bildungssystem der BRD gibt, ist es notwendig, die Bedeutung von Bildung vorab zu klären. Dabei beziehen sich meine Ausführungen zunächst vornehmlich auf die schulische Bildung, die im Laufe der letzten Jahrzehnte einen gesellschaftlichen Wandel durchlaufen hat. Die Grundbedeutung der Bildung ist dabei relativ simpel. Bildung soll Grundfertigkeiten vermitteln, die dem Subjekt helfen, in seiner biografischen Zukunft einem geregelten Lebensablauf nachzugehen. Dies impliziert die Fähigkeit an sozialer und ökonomischer Teilhabe, sprich sich in das Gesellschaftssystem einzufügen und die Möglichkeit zu besitzen aufgrund seiner Fertigkeiten eine berufliche Laufbahn einzuschlagen. Dafür ist bestimmtes Werkzeug von Nöten, das in Form von Bildung in Schulen zu vermitteln versucht wird. Dieses Werkzeug umfasst ganz elementare Grundfertigkeiten wie Lesen und Schreiben, Mathematik, Geschichte, Fremdsprachen und viele weitere andere. Ohne diese Grundfertigkeiten, bzw. bei mangelhafter Beherrschung dieser, ist es dem Individuum wahrscheinlich nicht möglich, den Lebensweg einzuschlagen, der angestrebt ist, und der den meisten Wohlstand bedeutet. Der Zugang zu diesem Wohlstand wird daher also zuerst über das Kriterium der Beherrschung der Grundfertigkeiten reglementiert. Eine Chancenungleichheit bei Erlangen dieser Skills würde demnach auch eine Ungerechtigkeit der Verteilung des Wohlstandes mit sich ziehen. Allerdings kann Bildung nicht mehr als reines Mittel zum Zweck gesehen werden, das ausschließlich die Grundlage für die biographische Zukunft darstellt (vgl. Forum Bildung. 2001. S.29); vielmehr vermittelt Bildung eine bestimmte Einstellung. Sie entwickelt Werte, die mit steigendem Bildungsgrad komplexer werden und einen reflektierenden Blick über gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse zulassen. Bildung erschafft aufgrund der Beschäftigung mit komplexen Gegenständen eine Arbeitsanregung und Interesse an Innovationen, Prozessen, Zusammenhängen, demnach ein differenziertes Verständnis, das es erlaubt, sich in fremden Situationen auf unterschiedliche Problemstellungen einzulassen. (vgl. Cortina, Leschinsky. 2003. S. 39) Diese Fähigkeiten werden in einem großen Zusammenhang stehen mit beruflichen Kompetenzen, die letztlich auch ökonomischen Wohlstand bedeuten und deren Erlangen angestrebt sein sollte. Jedoch kann Wohlstand nicht nur in rein ökonomisch empirischen Werten dargestellt werden, sondern auch in sozialen Kompetenzen. Und hierbei verlässt schulische Bildung ihren normativen Charakter. Es muss davon ausgegangen werden, dass Sozialisation, respektive die Vermittlung von Normen und Werten, nicht ausschließlich durch das Elternhaus und die soziale Umgebung von Schülern außerhalb der Schule stattfindet, sondern auch zu einem großen Teil durch die Erziehungsanstalten geleistet wird. Die Ausprägung dessen findet sich in der Hypothese, dass demnach die Schüler, die eine höhere Schule besuchen und länger Schüler sind, höhere soziale Kompetenzen erreichen werden, als Schüler niedrigerer Schulformen. Dies kann verifiziert werden z.B. anhand des Faktors der Toleranz gegenüber Ausländern, der signifikant höher ist bei Absolventen höherer Schulen. (Vgl. Cortina, Leschinsky. 2003. S. 42/43) Geistiger Wohlstand wird demnach ebenfalls durch Bildung maßgeblich beeinflusst, so dass die Bedeutung derer und das eminente Gewicht der Chancengleichheit im Bildungssystem zur Förderung des allgemeinen Wohlstandes deutlich wird.

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Chancengleichheit im Bildungssystem der BRD
Untertitel
Begriffe und Befunde
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
25
Katalognummer
V48769
ISBN (eBook)
9783638453691
ISBN (Buch)
9783638659949
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chancengleichheit, Bildungssystem
Arbeit zitieren
Christian Göbel (Autor:in), 2004, Chancengleichheit im Bildungssystem der BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48769

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