Chinesische Firmenkäufe und -beteiligungen in Deutschland zwischen 2010 und 2018. Ein Kampf zwischen David und Goliath?


Facharbeit (Schule), 2019
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemanalyse
a. Rahmenbedingungen: Rechtliche Vorgaben
b. Entwicklung chinesischer Investitionen in Deutschland
c. Vorteile der Investitionen
d. Fallbeispiel Kuka
e. Problematik der Investitionen

3. Diskussion
a. Offenheit gegenüber Investoren
b. David gegen Goliath
c. Mögliche Lösungen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis12

1. Einleitung

Das augsburgische Unternehmen Kuka ist eines der größten deutschen Maschinenbauunternehmen, es stellt seit 1898 diverse Elektronikgeräte her. Im Sommer 2016 jedoch kam es zu einer Übernahme, der chinesische Konzern „Midea“ hat für 4,5 Milliarden Euro fast 95% der Aktien des Konzerns aufgekauft. De facto ist das Unternehmen somit seit Sommer 2016 in chinesischen Händen. Dieses Unternehmen ist jedoch kein Einzelfall. Im Jahr 2009 waren in Deutschland noch 153 Unternehmen chinesisch kontrolliert,1 im Jahr 2014 waren es bereits 270 Unternehmen,2 2016 heißt es: „Eine aktuelle vollständige Auflistung, die auch die Höhe der jeweils übernommenen Firmenanteile beziffern würde, ist anhand der verfügbaren Daten nicht möglich.“3 Ist dieser Prozess der Übernahmen nun eine Bereicherung für Deutschland oder entpuppt es sich als eine Büchse der Pandora? Darum stellt sich die Frage: Chinesische Firmenkäufe und - beteiligungen in Deutschland zwischen 2010 und 2018 – ein Kampf zwischen David und Goliath?

Um diese Frage klären zu können, müssen zunächst die in ihr enthaltenen Begriffe erklärt werden. Bei einem Firmenkauf/ Unternehmenskauf oder auch Übernahme wird die Leitung eines Unternehmens meist gegen Geldzahlungen zu Gunsten des Käufers geändert. Sie liegt nur dann vor, wenn das Unternehmen tatsächlich in den Händen des Käufers ist. Sollte dies nicht der Fall sein, sollte das Unternehmen nur zu Teilen verkauft worden sein, handelt es sich um eine Beteiligung und nicht um eine Übernahme. Der Begriff Kampf in der Problemfrage würde nur zutreffen, sollte es nur einen Gewinner geben können. Wenn es sich um eine Win-Win Situation handelt, wäre der Begriff Kampf unpassend. Die biblische Geschichte von David und Goliath handelt vom Hirtenjungen namens David. David stellt sich, wohlgemerkt noch als Kind, einem Riesen, welchem sich kein anderer stellen wollte, dessen Name war Goliath. Damit ein Sachverhalt einen Kampf zwischen David und Goliath darstellt, muss es sich um eine komplett aussichtslose Lage für David, hier Deutschland handeln.

2. Problemanalyse

a. Rahmenbedingungen: Rechtliche Vorgaben

Direktinvestitionen in der Europäischen Union, sind vergleichsweise mit wenig Hürden zu bewerkstelligen, nach dem FDI Index der OECD, welcher angibt wie offen ein Land für Investoren ist, hat die EU eines der offensten Regulierungssysteme.4 Die Europäische Union überlässt jedoch jedem Mitgliedsstaat selber, über die Offenheit für Direktinvestitionen zu entscheiden. In Deutschland werden Direktinvestitionen von dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie überprüft, diese Überprüfung ist aber nur zulässig, wenn der übernommene Anteil 25% übersteigt.5 2017 wurden die Investitionsprüfverfahren verschärft, nun liegt die Schwelle, ab der eine Überprüfung zulässig ist, bei ca. 15%.6 Wie die Überprüfung aussieht, ist in der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) festgelegt. Jedoch gelten für ausländische Direktinvestoren weitestgehend die gleichen Rechtsvorschriften wie für europäische Investoren, das bedeutet, dass die Hürden einer ausländischen Direktinvestition vergleichsweise gering sind. Auch die Besteuerung und der Zugang zu Subventionen sind identisch.7 Da in China ausländische Unternehmen teils anderen Regelungen unterliegen als die chinesischen Unternehmen, führt das zu einer Asymmetrie in den Wettbewerbsbedingungen. Doch das hat sich im April 2019 geändert, die EU-Kommission hat eine Verordnung, in Form eines EU-Rahmens, verabschiedet. In dieser werden Staaten mehr Kompetenzen gegeben, wenn es um Direktinvestitionen aus dem Ausland geht. Zudem wird der Kommission ein Mitspracherecht eingeräumt, sollte eine Direktinvestition möglicherweise mehrere EU-Staaten betreffen.8

b. Entwicklung chinesischer Investitionen in Deutschland

In dem Zeitraum von 2000-2016 haben chinesische Investoren sich mit insgesamt fast 19 Milliarden US-Dollar an deutschen Unternehmen beteiligt,9 davon waren allein 13 Milliarden im Jahr 2016.10 Der Anstieg der chinesischen Direktinvestitionen zeigt auf, dass chinesische Unternehmen eine Internationalisierungsstrategie verfolgen: Durch Direktinvestitionen im Ausland suchen sie den Zugang zu attraktiven Absatzmärkten, zukunftsträchtigen Technologien und qualifizierten Arbeitskräften.11 Sieht man sich diese Entwicklung an, möge man denken, die Investitionen seien bis heute weiter gestiegen, dem ist aber nicht so. Die Investitionen hatten 2016 ihren Höhepunkt, nach diesem Jahr fielen die Investitionen wieder, im Jahr 2017 und 2018 wurden zusammen etwa 3,3 Milliarden Euro investiert. Diese Investitionen sehen im Vergleich zum Jahr 2016 mickrig aus. Doch woran liegt dieser Rückgang? Daran, dass sich das Jahr 2016 zu wenig lohnte jedenfalls nicht: Mit dem Unternehmen Kuka wurde eines der wichtigsten Maschinenbauunternehmen im Jahr 2016 übernommen. Ein Grund könnte sein, dass die chinesische Regierung nun strenge Kapitalkontrollen durchführt. Das führt dazu, dass es schwerer für chinesische Unternehmen ist, Geld ins Ausland zu schaffen.12 Ein weiterer Grund könnte sein, dass China generell unter wirtschaftlichem Druck steht, seit die USA einen Handelskrieg mit ihnen führen. Durch den amerikanischen Protektionismus ist China einer der größten Absatzmärkte verloren gegangen, was in einer Konjunkturkrise mündete. Sollte das die Ursache für den Rückgang der Investitionen in Deutschland sein, wäre der Verlauf weiterer Investitionen maßgeblich von Chinas Verhältnis mit den USA beeinflusst.

c. Vorteile chinesischer Investitionen

Doch sind die Investitionen überhaupt problematisch? China ist bei Weitem nicht der größte Investor in Deutschland, diesen Titel tragen die Niederlande, im Jahr 2016 investierten niederländische Unternehmer fast 105 Milliarden Euro in Deutschland.13 Der größte außereuropäische Investor sind die USA mit knapp 29 Milliarden Euro im Jahr 2016, erst dann folgt China als zweitgrößter außereuropäischer Investor. Doch was bewegt Investoren zum Investieren? Für die Investoren ist es teilweise riskant: Da sie einen Anteil an der Firma besitzen, haben sie natürlich Profite zu erwarten, sollte der Firmenwert steigen. Fällt der Wert der Firma jedoch, wird der von Investoren gekaufte Anteil an Wert verlieren. Jedoch bringen Investitionen für den Investor auch Einfluss auf die Wirtschaft des Landes in dem investiert wurde. Doch was ist der Vorteil für die Unternehmen? Oft ist es so: Speziell kleine Unternehmen brauchen Startkapital, um eine Innovation umzusetzen, dabei helfen oftmals Investoren. Für den Unternehmer macht es meist keinen Unterschied, ob es ein Inlandsinvestor oder Auslandsinvestor ist. Deshalb gibt es auch Beispiele, welche die chinesischen Investitionen sehr begrüßen. „Wir haben einfach ein sehr konstruktives und effizientes Miteinander.“14 Doch warum werden die hohen Investitionen dann überhaupt als problematisch angesehen? Der Fall Kuka ist ein gutes Beispiel, um das zu erklären.

d. Das Fallbeispiel Kuka

Wie in der Einleitung angeschnitten ist Kuka bis heute eines der größten „deutschen“ Maschinenbauunternehmen. Momentan sieht die Aktionärsstruktur wie folgt aus: Den größten Anteil hält die chinesische Midea Group mit Sitz in Foshan, VR China. Dieses Unternehmen besitzt 94,6% der Anteile des Unternehmens. Somit ist Kuka ein Tochterunternehmen der Midea Group.15 Die Übernahme im August 2016 wurde in der deutschen Regierung als überaus problematisch aufgefasst. Nach der Übernahme hat die Bundesregierung den Verkauf des Computerchipherstellers AIXTRON an eine chinesische Firma gestoppt. Der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel warnte vor einem Ausverkauf deutscher Technologie nach China16. Man hatte zudem die Befürchtung, China werde viele Arbeitsplätze abbauen. Man drohte den Chinesen damals indirekt mit Verschlechterungen der Wirtschaftsbeziehungen.17 Kuka hat seit der Übernahme die Mitarbeiterzahl erhöht, jedoch sinkt der Umsatz seit Anfang 2017 kontinuierlich.18 Aktuell fängt der Konzern Kuka an, Stellen abzubauen, erst im März wurden 350 Vollzeitstellen gekündigt.19 Es bleibt zu erwarten, dass der Konzern dies fortsetzt, falls die Gewinne nicht steigen sollten. Doch ist das wirklich mit der Übernahme in Verbindung zu setzen? Eins ist klar, die Auslandsinvestition hat das Unternehmen nicht langfristig gestärkt.

e. Problematik der chinesischen Investitionen

Die erste Problematik ist recht simpel, wenn China deutsche Unternehmen großflächig übernimmt, hat es maßgeblich Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Gerade in Zeiten der Spannung könnte die Wirtschaft dann gezielt geschwächt werden. Außerdem ist das Bild der Chinesen von Kopien und Fälschungen geprägt, es besteht die Sorge, dass chinesische Unternehmen die erworbenen Firmengeheimnisse in China reproduzieren und somit ein konkurrenzfähiges Produkt erschaffen. Außerdem besteht die Sorge, dass deutsche Datenschutzrichtlinien verletzt werden. Denn chinesische Unternehmen sind gesetzlich dazu verpflichtet, für China relevante Daten zu speichern und diese der Regierung zur Verfügung zu stellen.20 Dies führt natürlich zu einem enormen Risiko, dass deutsche Datensätze an die chinesische Regierung kommen. Da seit 2013 ein zunehmendes Engagement von chinesischen Staatsunternehmen, die direkt der Zentralregierung unterstehen, zu verzeichnen ist, wird diese Befürchtung noch verschärft.21 Weiterhin problematisch wird der deutliche Anstieg von Unternehmenskäufen im Bereich von Spitzentechnologien genannt.22 Der verstärkte Technologietransfer und teilweise auch Technologieraub könnte zum Verlust der Innovationskraft und damit der Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft führen.23

[...]


1 Übernahme von deutschen Firmen durch chinesische Investoren. https://www.bundestag.de/resource/blob/478082/13d4920b8ecac4db4af161bef92563b1/WD-5-085-16-pdf-data.pdf (Zugriff am 4.5.2019).

2 Vgl. ebenda.

3 Vgl. ebenda.

4 Gerhard, Markus: Mehr Schutz vor ausländischen Direktinvestitionen? (2018) S. 814.

5 Ebenda S. 817.

6 Vgl. ebenda.

7 Jungbluth, Cora: Aufbruch nach Westen – Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland (2013) S. 9.

8 http://europa.eu/rapid/press-release_IP-19-2088_de.htm (Zugriff am 6.6.2019).

9 Welfens, Paul: CHINAS DIREKTINVESTITIONEN IN DEUTSCHLAND UND EUROPA (2017) S. 33.

10 https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-294069.html (Zugriff am 4.5.2019).

11 Gerhard, Markus: Mehr Schutz vor ausländischen Direktinvestitionen? (2018) S. 816.

12 China investiert weniger in Europa. https://www.dw.com/de/china-investiert-weniger-in-europa/a-47794704 (Zugriff am 4.5.2019).

13 US-Kapital Bleibt in Deutschland. https://www.iwd.de/artikel/us-kapital-bleibt-deutschland-treu-399012/ (Zugriff am 5.5.2018).

14 Deinhard, Wolfgang (Geschäftsführer Deutsche Mechatronics). https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-294069.html (Zugriff am 5.5.2019).

15 Unsere Aktionärsstruktur. https://www.kuka.com/de-de/investor-relations/aktie/aktion%C3%A4rsstruktur (Zugriff am 5.5.2019).

16 China kauft deutsche Unternehmen: Droht Deutschland der Ausverkauf? https://www.youtube.com/watch?v=Uu93CmxEDcY&t=0s (Zugriff am 5.5.2019).

17 Ankenbrand, Hendrik: Angst vor dem Ausverkauf. https://kurzelinks.de/x7z1 (Zugriff am 5.5.2019).

18 Unsere Finanzzahlen im Überblick. https://www.kuka.com/de-de/investor-relations/unternehmensprofil/finanzkennzahlen (Zugriff am 5.5.2019).

19 https://kurzelinks.de/t5nh (Zugriff 5.5.2019).

20 Rohrbeck, Felix: Das ist ein gehöriges Sicherheitsrisiko. https://www.zeit.de/2019/01/china-unternehmen-sicherheitsrisiko-industriespionage-friedolin-strack (Zugriff am 5.5.2018).

21 Gerhard, Markus: Mehr Schutz vor ausländischen Direktinvestitionen? (2018), S. 814.

22 http://europa.eu/rapid/press-release_IP-19-2088_de.htm (Zugriff am 5.5.2019).

23 Gerhard, Markus: Mehr Schutz vor ausländischen Direktinvestitionen? (2018) S. 817.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Chinesische Firmenkäufe und -beteiligungen in Deutschland zwischen 2010 und 2018. Ein Kampf zwischen David und Goliath?
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V487802
ISBN (eBook)
9783346049704
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chinesische, firmenkäufe, deutschland, kampf, david, goliath
Arbeit zitieren
Johann Nikolaus Nepomuk Aurich (Autor), 2019, Chinesische Firmenkäufe und -beteiligungen in Deutschland zwischen 2010 und 2018. Ein Kampf zwischen David und Goliath?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/487802

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