'You may. Put him over the bar, just there, look where my finger is’.Obwohl man jedes einzelne dieser Wörter kennt und auch dessen Sinn versteht, ist es einem Hörer nicht möglich, die Bedeutung der gesamten Aussage zu verstehen. Offensichtlich ist, dassmyauf den Verfasser dieser Aufforderung referiert, währendyouauf den Adressaten bzw. den Gesprächspartner,himauf den Gesprächsgegenstand undthereauf einen bestimmten Ort hinweist. Es bleiben aber dennoch einige Fragen offen:
Ein ähnliches Problem wie bei obigem Exempel ist bei der an einer Bürotür hängenden Notiz ‚Backin twenty minutes’zu beobachten. In diesem Beispiel sind weder Personalpronomen noch räumliche Adverbien (spatialadverbs)vorhanden, die mit einer konkreten Bedeutung ausgefüllt werden müssen; aber dennoch bereitet die Interpretation Schwierigkeiten. Denn ohne die Kenntnis, wann die Notiz verfasst bzw. an der Tür befestigt wurde, kann der Rezipient nicht erkennen, ob er nur noch eine Minute oder nahezu zwanzig Minuten zu warten hat.
Die Propositionen der beiden Beispielsätze sind dementsprechend unterbestimmt. Zu ihrer vollständigen Bestimmung ist die genaue Kenntnis des kontextabhängigen Bedeutungsanteils der unterstrichenen Ausdrücke unerlässlich. Genau an dieser Stelle tritt das Phänomen Deixis in Erscheinung. Deiktische Ausdrücke sind solche, die sowohl einen kontextunabhängigen, invarianten Bedeutungsanteil aufweisen, als auch einen kontextabhängigen Bedeutungsanteil, der sich mit der jeweiligen Äußerungssituation ändert. Ihre vollständige Bedeutung finden deiktische Ausdrücke dementsprechend erst im außersprachlichen Kontext, der Äußerungssituation. Das PronomenIbeispielsweise kann einer bestimmten Person nur dann zugeordnet werden, wenn der Situationskontext, in demIgeäußert wird, bekannt ist. Dies mag eindeutig und simpel erscheinen. DassIaber nicht immer auf die Person referieren muß, die dieses Pronomen äußert -He said:’I take you out for dinner tomorrow’. I promise.- zeigt bereits, dass das PhänomenDeixiskomplexer ist, als man wahrscheinlich zunächst vermutet hätte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Deixis
2.1 Der Referenzbegriff
2.2 Zur Definition der Deixis
2.3 Deixis als Forschungsgegenstand der Semantik und der Pragmatik
2.4 Kontext einer Äußerung
2.4.1 Sprachlicher versus nichtsprachlicher Kontext
2.4.2 Sprecherkontext versus Hörerkontext
2.5 Origo
2.5.1 Verlagerung der Origo
2.6 Deiktische Dimensionen
2.6.1 Personendeixis
2.6.1.1 Pronomen der ersten Person
2.6.1.2 Pronomen der zweiten Person
2.6.1.3 Pronomen der dritten Person
2.6.2 Lokaldeixis
2.6.2.1 Positionale Deixis
Here versus there
This versus that
2.6.2.2 Dimensionale Deixis
Intrinsische Verwendung dimensionaler Ausdrücke
Deiktische Verwendung dimensionaler Ausdrücke
Fälle, in denen Deixis und Intrinsik zusammenfallen
Interpretationsprobleme dimensionaler Ausdrücke
Resistenz der intrinsischen gegenüber der deiktischen Orientierung
2.6.2.3 Direktionale Deixis
Come versus go
Nicht-deiktische Verwendung von come and go
2.6.3 Temporaldeixis
Äußerungszeit
2.6.3.1 Tempora
Reichenbach
Rauh
2.6.3.2 Temporaladverbien
Deiktische Verwendung der Temporaladverbien
Anaphorische Verwendung von then
Nicht-deiktische, nicht-phorische Verwendung von now und then
2.6.4 Diskursdeixis
2.6.5 Sozialdeixis
2.6.6 Emotionale Deixis
2.6.7 Deixis am Phantasma
3 Genrespezifität deiktischer Ausdrücke
3.1 Annahmen
Face-to-Face Gespräche
Briefe
Sachtexte
4 Analyse
4.1 Face-to-Face Gespräche
4.1.1 At the Post Office
4.1.2 Ordering food in a restaurant
4.2 Briefe
4.2.1 Personal letter
4.2.2 Letter of Recommendation
4.3 Sachtexte
4.3.1 Lectures on Deixis
4.3.2 Zeitungsartikel: Muslim leaders fly to Iraq to plead for Bigley’s life
4.4 Vergleich
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Magisterarbeit besteht darin, die Verwendung und Häufigkeit deiktischer Ausdrücke (insbesondere Personalpronomen sowie Lokal- und Temporaladverbien) in verschiedenen kommunikativen Genres des Englischen zu untersuchen und deren spezifische Funktionen sowie die Abhängigkeit vom situativen Kontext zu analysieren.
- Grundlagen und Definition der Deixis im sprachwissenschaftlichen Diskurs.
- Die Rolle von Sprecherkontext, Hörerkontext und der Origo bei der Interpretation deiktischer Bezüge.
- Untersuchung von Face-to-Face-Gesprächen, Briefen und Sachtexten hinsichtlich ihrer deiktischen Struktur.
- Vergleich der Häufigkeit und Verwendung (deiktisch vs. phorisch) der untersuchten Sprachmittel.
Auszug aus dem Buch
1 EINLEITUNG
'You may. Put him over the bar, just there, look where my finger is'. Obwohl man jedes einzelne dieser Wörter kennt und auch dessen Sinn versteht, ist es einem Hörer nicht möglich, die Bedeutung der gesamten Aussage zu verstehen. Offensichtlich ist, dass my auf den Verfasser dieser Aufforderung referiert, während you auf den Adressaten bzw. den Gesprächspartner, him auf den Gesprächsgegenstand und there auf einen bestimmten Ort hinweist. Es bleiben aber dennoch einige Fragen offen:
1. Wer ist der Verfasser?
2. Wer ist der Adressat?
3. Welchen Gegenstand bezeichnet him?
4. Welcher Ort ist mit there gemeint?
Ein ähnliches Problem wie bei obigem Exempel ist bei der an einer Bürotür hängenden Notiz 'Back in twenty minutes' zu beobachten. In diesem Beispiel sind weder Personalpronomen noch räumliche Adverbien (spatial adverbs) vorhanden, die mit einer konkreten Bedeutung ausgefüllt werden müssen; aber dennoch bereitet die Interpretation Schwierigkeiten. Denn ohne die Kenntnis, wann die Notiz verfasst bzw. an der Tür befestigt wurde, kann der Rezipient nicht erkennen, ob er nur noch eine Minute oder nahezu zwanzig Minuten zu warten hat.
Die Propositionen der beiden Beispielsätze sind dementsprechend unterbestimmt. Zu ihrer vollständigen Bestimmung ist die genaue Kenntnis des kontextabhängigen Bedeutungsanteils der unterstrichenen Ausdrücke unerlässlich. Genau an dieser Stelle tritt das Phänomen Deixis in Erscheinung. Deiktische Ausdrücke sind solche, die sowohl einen kontextunabhängigen, invarianten Bedeutungsanteil aufweisen, als auch einen kontextabhängigen Bedeutungsanteil, der sich mit der jeweiligen Äußerungssituation ändert. Ihre vollständige Bedeutung finden deiktische Ausdrücke dementsprechend erst im außersprachlichen Kontext, der Äußerungssituation.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Deixis anhand von Beispielsätzen, die aufzeigen, dass zur Bedeutungskonstitution Kontextwissen unerlässlich ist.
2 Deixis: Umfassende theoretische Grundlegung zu Referenz, Origo und den verschiedenen Dimensionen (Person, Lokalität, Zeit, Diskurs, Soziales, Emotionen) sowie dem Phänomen der "Deixis am Phantasma".
3 Genrespezifität deiktischer Ausdrücke: Aufstellen von Annahmen zur unterschiedlichen Verteilung und Verwendung (deiktisch vs. phorisch) von Deiktika in Face-to-Face-Gesprächen, Briefen und Sachtexten.
4 Analyse: Empirische Untersuchung anhand ausgewählter Textbeispiele (At the Post Office, Ordering food in a restaurant, Briefe, Sachtexte) und Vergleich der Ergebnisse.
5 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass Deixis ein komplexes Phänomen ist und die Verwendung deiktischer Ausdrücke stark von den jeweiligen Genres beeinflusst wird.
Schlüsselwörter
Deixis, Referenz, Origo, Kontext, Personendeixis, Lokaldeixis, Temporaldeixis, Diskursdeixis, Sozialdeixis, Emotionale Deixis, Deixis am Phantasma, Pragmatik, Semantik, Face-to-Face-Gespräche, Phorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Deixis, also sprachliche Ausdrücke, deren Referenz vom Kontext der Äußerung abhängt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die verschiedenen Dimensionen der Deixis (Person, Raum, Zeit, Diskurs) und deren unterschiedliche Ausprägung in geschriebener und gesprochener Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Verteilung und Funktion deiktischer Ausdrücke über verschiedene Text-Genres hinweg empirisch zu analysieren und zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung der Fachliteratur sowie eine empirische Korpus-Analyse von ausgewählten Texten und Transkripten, um deiktische Häufigkeiten und Verwendungsweisen zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche theoretische Fundierung (Kapitel 2) und eine anschließende empirische Analyse (Kapitel 4), in der Daten aus Face-to-Face-Gesprächen, Briefen und Sachtexten ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Deixis, Origo, Referenz, Kontext, Phorik sowie die Differenzierung zwischen gesprochener und geschriebener Sprache.
Warum spielt die "Origo" eine so zentrale Rolle?
Die Origo bildet das "Koordinatensystem" bzw. Orientierungszentrum, relativ zu dem deiktische Ausdrücke wie "ich", "hier" oder "jetzt" ihre Bedeutung im Raum und in der Zeit erhalten.
Kann man Deixis auch in Sachtexten finden?
Ja, die Analyse zeigt, dass deiktische Ausdrücke keineswegs auf die gesprochene Sprache beschränkt sind, wobei ihre Funktion in Sachtexten oft stärker phorisch bzw. textdeiktisch geprägt ist.
- Quote paper
- Constanze Ries (Author), 2004, Deiktische Bezüge im geschriebenen und gesprochenen Englisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48791