Fourth Party Logistics Provider - Ein theoretisches Modell


Hausarbeit, 2003
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Logistik
2.1 Begriff der Logistik
2.2 Outsourcing
2.3 Logistikdienstleister
2.3.1 First Party Logistics Provider
2.3.2 Second Party Logistics Provider
2.3.3 Third Party Logistics Provider
2.3.4 Fourth Party Logistics Provider
2.4 Fourth Party Logistics Provider Beispiele aus der Praxis

III. Potentiale und Risiken des 4PL Konzeptes
3.1 Potentiale des 4PL Konzeptes
3.2 Risiken des 4PL Konzeptes

IV. Schlußfolgerung

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Während in den 50er und frühen 60er Jahren die Beseitigung von Produktionsengpässen eines der obersten Unternehmensziele war und fast alles, was produziert wurde, auch verkauft werden konnte, ist es für ein Unternehmen in der heutigen Zeit fast unmöglich, die Veränderungen seiner Umwelt unberücksichtigt zu lassen und dennoch längerfristig in der Lage zu sein, im wirtschaftlichen Wettbewerb zu bestehen.[1] Durch sich ständig verändernde Markt- und Umweltbedingungen, wie z.B. die Wandlung fast aller Märkte von Verkäufermärkten hin zu Käufermärkten, die Globalisierung der Märkte, rasante Fortschritte in der Produktions-, Kommunikations- und Informationstechnologie, kritisches Verbraucherverhalten, ständig wechselnde Kundenbedürfnisse, Umweltauflagen, etc. werden immer höhere Flexibilitätsanforderungen an die Unternehmen gestellt. Make-or-Buy-Entscheidungen (MOB) gewinnen durch diese Entwicklungen immer mehr an Bedeutung. Um mit einem geringen Aufwand an Kosten flexibel auf die ständig wechselnden Kundenbedürfnisse und die Angebote der Konkurrenz reagieren zu können, sind die Unternehmen zunehmend gezwungen, sich auf ihre tatsächlichen Kernkompetenzen zu beschränken und die übrigen Aufgaben von anderen Unternehmen ausführen zu lassen.[2] Diese Make-or-Buy-Entscheidungen bewirken die Entstehung von Versorgungssystemen. In der Automobilindustrie sind solche Versorgungssysteme bereits durch die Zulieferung von Teilen und Komponenten entstanden, die oftmals am Fließband nur noch zusammengesetzt werden müssen. Viele Wissenschaftler sehen in einem Fourth Party Logistics Provider – einen Dienstleister, der die Planung, Steuerung und Kontrolle aller logistischen Abläufe entlang der gesamten Supply Chain vornimmt – die Lösung zur optimalen Gestaltung einer Versorgungskette.

Im Folgenden sollen zunächst Inhalt und Wesen der Logistik vorgestellt werden. Im Anschluß werden die Potentiale und Risiken, die mit dem Konzept des Fourth Party Logistics Provider verbunden sind, erläutert und abschließend wird versucht, zu klären, ob das Konzept eine geeignete Lösung darstellt, um schnell auf die wirtschaftlichen Veränderungen reagieren zu können und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens zu stärken, oder ob es sich lediglich um eine Modeerscheinung ohne Zukunftsperspektive handelt, d.h. um ein eher theoretisches Konzept, das in der Praxis nur schwer anwendbar ist.

II. Logistik

Der Begriff Logistik wird in verschiedenen Anwendungsgebieten mit unterschiedlicher Bedeutung verwandt. Ihren Ursprung hat die Logistik im Militärwesen (Kaiser Leontos IV. von Byzanz – 886-911) und bezeichnete bzw. bezeichnet auch heute noch Operationen wie die Planung, Beschaffung, Unterhaltung und den Transport von Versorgungsgütern und Ausrüstungen sowie Truppenbewegungen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Terminus Logistik ausgehend von den USA im zivilen Bereich eingeführt und fand Mitte der sechziger Jahre auch Eingang in den deutschsprachigen Raum.[3] In der betriebswirtschaftlichen Literatur gibt es jedoch keine einheitliche Definition bezüglich des Inhalts und des Wesens der Logistik, sondern eine Vielzahl von Auslegungen, von denen einige sehr weit gefaßt und schwammig, andere wiederum aber auch sehr detailliert und eingegrenzt sind.

2.1 Begriff der Logistik

Die unterschiedlichen Begriffsbestimmungen resultieren vornehmlich aus den wirtschaftlichen Entwicklungen und den unterschiedlichen Betrachtungsweisen bzw. den unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten, die der Logistik zugewiesen werden.[4]

In ihren Anfängen handelte es sich bei der betriebswirtschaftlichen Logistik um eine reine Distributionslogistik, die die optimale Belieferung der Kunden zum Ziel hatte. Nachdem Unternehmen zunehmend mit Engpässen auf der Beschaffungsseite zu kämpfen hatten, entwickelte sich die Beschaffungslogistik, die die Sicherstellung der Materialverfügbarkeit für die Produktionsprozesse gewährleisten sollte.[5] Die Hauptaufgaben der Logistikdienstleister bestanden dementsprechend vor allem in der räumlichen und/oder zeitlichen Transformation von Rohstoffen und Endprodukten, sprich dem Transport, dem Umschlag und der Lagerung von Gütern (TUL-Prozesse).

In den 80er Jahren wurde die Logistik als funktions- bzw. bereichsübergreifend, d.h. als Querschnittsfunktion zu den Grundfunktionen Forschung und Entwicklung, Beschaffung, Produktion und Distribution, betrachtet. Die Bedeutung der Logistikdienstleister veränderte sich jedoch kaum.[6]

Aufgrund der Tatsache, daß heute nicht mehr nur einzelne Unternehmen, sondern zunehmend komplexe Wertschöpfungsketten (Supply Chains) miteinander konkurrieren, ändert sich auch die Rolle der Logistikdienstleister. Sie werden in wachsendem Maße in die Planung, Steuerung und Kontrolle von Prozessen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, d.h. vom Lieferanten über den Produzenten bis hin zum Endkunden, mit einbezogen.

Angesichts der zu erbringenden Leistungstiefe durch Logistikanbieter – ob es sich nur um TUL-Prozesse, die Übernahme komplexer Prozesse oder die Steuerung einer ganzen Supply Chain handelt - variieren die gegenwärtigen Logistikdefinitionen. Sehr weit verbreitet und von einem Großteil der sich damit beschäftigenden Wissenschaftler und Gesellschaften vertreten ist die fluß- bzw. prozeßorientierte Bestimmung des Logistikbegriffs.[7]

Der amerikanische Logistikverband Council of Logistics Management (CLM) definiert Logistik wie folgt:

„Logistics is part of the supply chain process that plans, implements and controls the efficient, effective flow and storage of goods, services and related information from point of origin to the point of consumption in order to meet customers` requirements“ [8]

Häufig zitiert wird auch die Definition von Harald Ehrmann:

„Logistik stellt die aus den Unternehmenszielen abgeleiteten planerischen und ausführenden Maßnahmen und Instrumente der Gewährleistung eines optimalen Material-, Wert- und Informationsflusses im Rahmen des betrieblichen Leistungserstellungsprozesses dar, wobei sich dieser von der Beschaffung von Produktionsfaktoren und Informationen über deren Bearbeitung und Weiterleitung bis zur Distribution der erstellten Leistungen erstreckt.“[9]

Eine weitere Definition stammt von Ingrid Göpfert, die nach dem Abwägen einer Vielzahl von Begriffsbestimmungen zu folgendem Ergebnis gelangt ist:

„Die Logistik ist eine spezielle Führungskonzeption zur Entwicklung, Gestaltung, Lenkung und Realisation effektiver und effizienter Flüsse von Objekten (Güter, Informationen, Personen, Gelder) in unternehmensweiten und unternehmensübergreifenden Wertschöpfungssystemen.“ [10]

Fluß- bzw. prozeßorientiert bedeutet, daß alle Abläufe bzw. Prozesse vernetzt werden müssen, damit die Güterflüsse und die dazugehörigen Informationsflüsse an den unternehmensinternen Schnittstellen als auch an den Schnittstellen zu externen Partnern fließend, d.h. ohne Reibungsverluste ablaufen können. Unter Güterflüssen werden alle Transformationen von Gütern, sprich Transporte (räumliche Transformationen), das Umschlagen von Gütern (Transportmittelwechsel), Lagerung (zeitliche Transformation) und die Kommissionierung (mengenmäßige Transformation) zusammengefaßt.[11] Die Güterflüsse zwischen Liefer- und Empfangspunkt setzten jedoch nicht automatisch ein, sondern setzen den Austausch von Informationen voraus.

Bei den Informationsflüssen wird unterschieden zwischen vorauseilenden Informationen, die den Güterfluß bedingen, begleitenden Informationen, die den Güterfluß erläutern und ihn kontrollierbar machen und nacheilenden Informationen, die den Güterfluß nachhaltig bestätigen oder nicht bestätigen.[12]

Eine weitere Gemeinsamkeit der angeführten Definitionen besteht in der ganzheitlichen Betrachtungsweise. Zwar läßt sich die Logistik nach ihren Funktionen bzw. zuständigen Bereichen in Beschaffungs-, Produktions-, Distributions- und Entsorgungslogistik unterteilen, aber Handlungen und Entscheidungen, die die Gestaltung und den Ablauf der verschiedenen Flüsse betreffen, erfolgen nicht im Hinblick auf nur einen dieser Unternehmensbereiche (Insellösung), sondern unter Berücksichtigung aller Bereiche einschließlich der unternehmensübergreifenden Lieferanten- und Kundenbeziehungen, um eine übergeordnete Optimierung zu erzielen.[13] Dieses ganzheitliche Denken und Handeln setzt, wie Ingrid Göpfert es in ihrer Definition hervorhebt, voraus, daß die Logistik von der obersten Führungsebene gesteuert wird.

Weiterhin läßt sich aus der ganzheitlich und flußorientierten Sichtweise ableiten, daß der Logistik strategische als auch operative Aufgaben zukommen. Zu den strategischen Funktionen gehört die Gestaltung, Strukturierung und Verbesserung des gesamten Fließsystems, während zu den operativen Funktionen die Planung, Steuerung und Kontrolle, sprich die konkrete Abwicklung der Güter- und Informationsflüsse (Auftragsabwicklung, Bestandsmanagement bzw. Lagerhaltung, Verpackung und Transport einschließlich des Warenumschlags) zählen.[14] Dies soll in effektiver und effizienter Weise geschehen, d.h. die Logistik hat entsprechend des Bedarfs dafür zu sorgen, daß die richtigen Objekte in der richtigen Menge am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Qualität zu den richtigen, d.h. den dafür minimalen Kosten bereitgestellt werden.[15]

Es existieren aber auch Unterschiede zwischen den oben angeführten Definitionen. Göpferts Definition unterscheidet sich von der des CLM und der von Ehrmann dadurch, daß sie nicht nur Güter- und Informationsflüsse berücksichtigt, sondern auch Geldströme und Personen umfaßt. Ob die Beschaffung bzw. die Bereitstellung von Personen bzw. Personal in den Aufgabenbereich der Logistik fällt, ist in der aktuellen Literatur umstritten. Vereinzelt sprechen Autoren zwar von einer Personallogistik, doch im allgemeinen besteht Einigkeit darüber, daß die Beschaffung und Betreuung von Personal Aufgabe einer Personalabteilung ist.

[...]


[1] Vgl. Müller-Stewens 1997: 1f.; Ehrmann 2001: 21f.

[2] Vgl. Baumgarten et al. 1998: 20f.

[3] Vgl. Woll 1993: 446; Schulte 2001: 7; Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie: Logistik

[4] Vgl. Steinbuch 2001: 2

[5] Vgl. Ehrmann 2001: 26

[6] Vgl. BGL 2002: 85

[7] Vgl. Pfohl 2000: 12f.

[8] Council of Logistics Management: 2002

[9] Ehrmann 2001: 25

[10] Göpfert 2001: 54

[11] Vgl. Mau 2002: 5

[12] Vgl. Pfohl 2000: 8

[13] Vgl. Heiserich 2002: 8

[14] Vgl. Mau 2002: 6f.; Heiserich 2002: 7f.

[15] Vgl. Ehrmann 2001: 25; Steinbuch 2001: 8f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Fourth Party Logistics Provider - Ein theoretisches Modell
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
International Logistics
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V48798
ISBN (eBook)
9783638453905
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fourth, Party, Logistics, Provider, Modell, International
Arbeit zitieren
Constanze Ries (Autor), 2003, Fourth Party Logistics Provider - Ein theoretisches Modell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48798

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