„Frühmittelalterliche Burganlagen in Südwestdeutschland“ - der Titel legt den Schluss nahe, dass es sich bei ihnen um Verteidigungsanlagen mit weit in das Umland ausstrahlender Bedeutung handelt. Burgen, wie man sie aus dem Hochmittelalter kennt. Der von mir betrachtete Zähringer Burgberg und der Geißkopf bei Berghaupten gehören zu der Quellengattung der frühalamannischen Höhensiedlungen. In der neuesten Auflistung aller völkerwanderungszeitlichen Höhensiedlungen1umfasst ihre Zahl 62 bekannte Plätze.
Der Zähringer Burgberg und der Geißkopf wurden beide durch aktuelle Grabungen bekannt, ihr Fundspektrum gehört einer ähnlichen Zeitstellung an und die ergraben Fläche steht bei beiden Orten im gleichen Verhältnis zu der vermuteten Siedlungsfläche2. Aus diesen Gründen eignen sich die beiden Orte gut für eine eingehende Untersuchung und für die Beantwortung der Frage, ob es sich bei ihnen, wie bei den Höhensiedlungen im Allgemeinen, um Zentralorte handelt.
Die Funde und Befunde der Grabungen sind leider noch nicht ausführlich publiziert worden, so gestaltete sich eine tabellarische Gegenüberstellung der Funde (Tabelle 1) als schwierig. Aus diesem Grund konnten nur einige Fundgruppen aufgenommen werden. Trotzdem kann man dieser Tabelle eine gewisse Aussagekraft im Hinblick auf die Bedeutung der beiden Plätze zusprechen.
Zunächst werden Forschungsgeschichte, Funde und Befunde der beiden „Burganlagen“ getrennt vorgestellt, um sie dann in einem abschließenden Kapitel gegenüberstellen zu können.
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Der Zähringer Burgberg
a) Die Forschungsgeschichte
b) Die Besiedlungsphasen
c) Die Terrassierung
d) Die Funde der frühalamannischen Zeit
III.) Der Geißkopf bei Berghaupten
a) Die Forschungsgeschichte
b) Die Funde
IV.) Zentralorte oder Rückzugspunkte?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die frühalamannischen Höhensiedlungen Zähringer Burgberg und Geißkopf bei Berghaupten, um zu klären, ob diese Orte als bedeutende Zentralorte oder als rein funktionale Rückzugspunkte einzustufen sind.
- Vergleichende Analyse der archäologischen Fundspektren beider Plätze.
- Untersuchung der sozialen Struktur und der Funktion der Anlagen im 4. und 5. Jahrhundert.
- Auswertung von Umbaumaßnahmen und Siedlungsspuren im Hinblick auf deren Aussagekraft.
- Diskussion der Rolle von Höhensiedlungen im Kontext der alamannischen Siedlungsgeschichte.
Auszug aus dem Buch
IV.) Zentralorte oder Rückzugspunkte?
Als erster machte J. Werner auf die Quellengattung der germanischen Höhensiedlungen aufmerksam. Er deutete die Plätze als ständige Wohnsitze der bei Ammianus Marcellinus genannten reges. Weitere Ausgrabungen, nicht zuletzt auf dem Zähringer Burgberg und dem Geißkopf bei Berghaupten, haben den Kenntnisstand über diese Quellengattung beträchtlich erweitert. Die neuen Forschungen wurden von Steuer und später von Hoeper in ihren Zusammenstellungen der Höhensiedlung der alamannischen Zeit in Süddeutschland berücksichtigt.
Bisher singulär sind die gewaltigen Umbaumaßnahmen, wie sie am Zähringer Burgberg durchgeführt wurden. Für diese Maßnahmen müssen viele Arbeitskräfte über Jahre benötigt haben. Für die entsprechende Organisation und Infrastruktur, wie Planung der Anlage und Versorgen der Arbeiter hat es einer starken leitenden Kraft bedurft, die man am ehesten mit einem der bei Ammianus Marcellinus genannten reges in Verbindung bringen kann. Die große Umgestaltung der Bergkuppe ist aber nicht der einzige Hinweis für die Anwesenheit höhergestellter Personen auf dem Zähringer Burgberg. Das Fundspektrum mit den Waffen- und Trachtbestandteilen, der feinen römischen Keramik und den Glasgefäßen weist auf die hohe soziale Stellung der Bewohner, bei denen es sich der Funde nach um Männer, Frauen und auch Kindern gehandelt haben dürfte.
Zusammenfassung der Kapitel
I.) Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Charakters frühalamannischer Höhensiedlungen und Einordnung der beiden Fallbeispiele in den historischen Kontext.
II.) Der Zähringer Burgberg: Detaillierte Darstellung der Forschungsgeschichte, der Siedlungsphasen, der künstlichen Geländeveränderungen sowie der archäologischen Funde aus der frühalamannischen Zeit.
III.) Der Geißkopf bei Berghaupten: Untersuchung der Forschungsgeschichte und der Fundlage, die maßgeblich durch metallische Objekte und ein spezifisches Fundspektrum geprägt ist.
IV.) Zentralorte oder Rückzugspunkte?: Abschließende Synthese und Vergleich der beiden Plätze zur Beantwortung der zentralen Fragestellung, ob es sich um Zentralorte oder militärische Rückzugspunkte handelte.
Schlüsselwörter
Frühmittelalter, Alamannen, Höhensiedlung, Zähringer Burgberg, Geißkopf, Archäologie, Zentralort, Rückzugspunkt, Frühalamannische Zeit, Siedlungsgeschichte, Fundspektrum, Trachtbestandteile, Waffen, Südwestdeutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Funktion zweier spezifischer frühalamannischer Höhensiedlungen im Südwestdeutschland des 4. und 5. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die archäologische Fundauswertung, die bauliche Gestaltung von Höhensiedlungen und die sozio-ökonomische Einordnung dieser Plätze.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu beantworten, ob die analysierten Plätze als übergeordnete Zentralorte oder lediglich als temporäre Rückzugspunkte der Alamannen fungierten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt einen vergleichenden archäologischen Ansatz, bei dem die Grabungsbefunde und das Fundmaterial beider Orte gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die getrennte Vorstellung der beiden archäologischen Plätze sowie eine abschließende vergleichende Diskussion ihrer Funktion.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Höhensiedlung, Alamannen, Zentralort, Siedlungsgeschichte und Fundspektrum.
Wie unterscheidet sich der Zähringer Burgberg vom Geißkopf in seiner Funktion?
Der Zähringer Burgberg zeigt Anzeichen für eine kontinuierliche, sesshafte Nutzung durch Familienverbände und Handwerk, während der Geißkopf eher militärische Merkmale aufweist.
Welche Rolle spielt die Keramik bei der Datierung?
Die Keramik, insbesondere die frühalamannische Handware sowie römische Importe, dient als wesentlicher Zeitindikator für die Besiedlungsphasen im 4. und 5. Jahrhundert.
- Quote paper
- Stefan Feuser (Author), 2002, Frühmittelalterliche Burganlagen in Südwestdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48806