„Der Ursprung Europas - Die Wiege des Westens vor 6000 Jahren“, so der Titel eines populärwissenschaftlichen Buches von Carl-Heinz Boettcher, in dem er das „erste Reich der Frühzeit“ in die Zeit der Neolithisierung des Nordens legt. Seine Thesen sind abenteuerlich und archäologisch schwer zu überprüfen, das Buch wurde aber gerne gekauft und zeigt das Interesse, das der Jungsteinzeit und den Thesen über den Übergang von einer Jäger-und-Sammler- zu einer bäuerlichen Gesellschaft entgegengebracht wird. In der Forschung gibt es in dieser Frage des Übergangs vom Mesolithikum zum Neolithikum in Nordeuropa fast ebenso viele Forscher wie Forschungsmeinungen, was die Aktualität aber auch die Problematik dieses Themas verdeutlicht.
In meiner Arbeit werde ich zunächst kurz auf den Ursprung und die Ausbreitung des Neolithikums eingehen, um dann - ebenfalls nur kurz - die bäuerlichen Kulturen Mitteleuropas vorzustellen, soweit sie durch ihre räumliche Nähe in Kontakt mit der Ertebölle-Kultur des Nordens getreten sein könnten. Bei der Besprechung der Ertebölle-Kultur werde ich Fundplätze vorstellen, die als Belege einiger Neolithisierungsmodelle dienten. Nach einer kurzen Darstellung der Trichterbecherkultur werde ich Modelle zur Neolithisierung verschiedener Forscher vorstellen, ohne aber eine Vollständigkeit erlangen zu können.
Ein Problem bei der Beschäftigung mit dem Thema stellt die zum Teil schlechte Publikationslage verschiedener Fundplätze da. So können manche Neolithisierungstheorien kaum überprüft werden, da die als Beleg vorgebrachten Grabungen nur in Vorberichten publiziert sind.
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Hauptteil
a) Der Ursprung und der Weg nach Mitteleuropa
b) Die ersten Kulturen in Mitteleuropa
c) Die Ertebölle-Kultur
d) Die Neolithisierung des Nordens – Die Trichterbecherkultur
e) Wohin gingen die Jäger?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Übergang vom Mesolithikum zum Neolithikum in Nordeuropa. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Prozess der Neolithisierung – der Wandel von der Jäger- und Sammlergesellschaft zur bäuerlichen Lebensweise – verlief und welche Rolle die einheimischen Populationen dabei spielten.
- Ursprung und Ausbreitung der neolithischen Wirtschaftsweise
- Charakterisierung der bandkeramischen Kultur und der Ertebölle-Kultur
- Analyse archäologischer Fundplätze als Belege für Neolithisierungsmodelle
- Untersuchung der Trichterbecherkultur als Ausdruck eines überregionalen Phänomens
- Diskussion verschiedener wissenschaftlicher Theorien zur Akkulturation und Einwanderung
Auszug aus dem Buch
e) Wohin gingen die Jäger?
Die Neolithisierungsdebatte der 1950er und 60er Jahre wurde vor allem von Becker und Troels-Smith bestimmt. Becker kam nach intensiven typologischen Materialstudien an Keramik und Flintartefakten von einer neolithischen Forschungstradition zu dem Schluss, dass alle charakteristischen Elemente der Trichterbecherkultur in vollem Umfang eingeführt worden seien. Daher wäre es unwahrscheinlich, dass mehrere der neuern Kulturerscheinungen auf Traditionen früherer mesolithischer Kulturen beruhen würden. Er sah das Problem, dass es keine älteren neolithischen Kulturen gibt, aus denen die neuen Elemente eingeführt worden sein könnten. Aus Mangel an Vergleichsmaterial vermutete er eine Einwanderung aus dem Südosten, von „irgendeiner Stelle im archäologischen Niemandsland innerhalb der großen südrussischen Flusssysteme“.
Troels-Smith nahm den seeländischen Fundplatz Muldbjerg I als Grundlage für sein Neolithisierungsmodell. Im Keramikinventar wollte er eine Entwicklung von dickwandiger Ertebölleware in U-Technik über spitzbodige Gefäße mit Schrägaufbau zu den Trichterbechern erkannt haben. Nach diesem Befund wäre dann die Ertebölle-Kultur am Fundplatz Muldbjerg bereits eine Semi-Bauernkultur, die lokal aus einem Jäger- und Sammler-Umfeld hervorgegangen wäre. Als weitere neolithische Elemente führte Troels-Smith Haustierknochen, Scherben mit Getreideeindrücken und geschliffene spitznackige Beile an. Unterstützung fand er mit seinem Modell in der Pollenanalyse, nach der die Fundschicht unmittelbar in die Zeit nach dem Rückgang der Ulmenkurve zu datieren ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I.) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Übergangs vom Mesolithikum zum Neolithikum in Nordeuropa ein und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Herausforderungen aufgrund der Publikationslage.
II.) Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Ursprünge der Landwirtschaft, stellt prägende Kulturen wie die Bandkeramik und die Ertebölle-Kultur vor, untersucht die Neolithisierung des Nordens anhand der Trichterbecherkultur und diskutiert verschiedene wissenschaftliche Theorien zu diesen Transformationsprozessen.
Schlüsselwörter
Neolithikum, Mesolithikum, Nordeuropa, Ertebölle-Kultur, Trichterbecherkultur, Bandkeramische Kultur, Neolithisierung, Akkulturation, Siedlungsstruktur, Jäger-und-Sammler-Gesellschaft, Landwirtschaft, Keramik, Archäologie, Fundplätze, Populationswandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt den Übergang von der Jäger- und Sammlergesellschaft zur bäuerlichen Gesellschaft in Nordeuropa während der Jungsteinzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ausbreitung bäuerlicher Wirtschaftsformen, die Charakteristika spezifischer Kulturen wie der Ertebölle- und Trichterbecherkultur sowie die Debatte um die Art und Weise der Neolithisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Prozess der Neolithisierung in Nordeuropa zu beleuchten und zu bewerten, inwieweit dieser durch Einwanderung oder durch Akkulturation einheimischer Gruppen vollzogen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, vergleicht verschiedene archäologische Fundplätze (wie Löddesborg, Grube-Rosenhof und Norsminde) und diskutiert die Theorien unterschiedlicher Forscher zur kulturellen Transformation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der Entstehung der Landwirtschaft im Vorderen Orient bis hin zu spezifischen regionalen Fallbeispielen in Nordeuropa und der kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Modellen zum Neolithisierungsprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Neolithisierung, Ertebölle-Kultur, Trichterbecherkultur, Akkulturation und Siedlungsarchäologie charakterisiert.
Welche Bedeutung hat der Fundplatz Löddesborg für die Forschung?
Löddesborg wird oft als Beispiel für eine sogenannte „gemischte Siedlung“ angeführt, an der keine scharfe Grenze zwischen mesolithischer und neolithischer Zeit erkennbar ist, was für ein Modell der allmählichen Veränderung spricht.
Warum ist die Publikationslage laut dem Autor problematisch?
Einige Neolithisierungstheorien lassen sich nur schwer überprüfen, da viele der als Beleg herangezogenen Grabungen lediglich in Vorberichten veröffentlicht wurden und keine umfassende wissenschaftliche Auswertung vorliegt.
- Arbeit zitieren
- Stefan Feuser (Autor:in), 2002, Der Beginn des Neolithikums in Nordeuropa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48807