Die Alterspyramide steht Kopf. Bildete früher eine breite Geburtenfront die
Basis der sich nach oben altersmäßig ausdünnenden Pyramide, so ist dieses
Fundament heute merklich zusammengeschrumpft. Breit hingegen läuft die
ehemalige Pyramide nun nach oben zu – die Bevölkerung wird immer älter.
Und nicht nur das: Gerade die über 60-Jährigen strahlen momentan in neuem
Glanz. In der Wirtschaft wird immer mehr von der Parole Abstand genommen,
die Führungsebenen seien gnadenlos zu verjüngen, weil sonst gar nichts mehr
vorangehe.1 Der Schuhhersteller Salamander soll von einem 65-Jährigen aus
der Krise geführt werden, Hewlett-Packard Deutschland reaktivierte den 63-
jährigen Computerspezialisten Jörg Menno Harms als Topmanager. Wissen
und Erfahrung werden teilweise wieder höher geschätzt als Jugend. Weniger
geschätzt wird die Altersentwicklung dagegen in der Politik. Das Phänomen
der zunehmenden Alterung der Bevölkerung stellt die entwickelten
Industrienationen der Welt vor enorme Herausforderungen. Viele Bereiche der
aktuellen Politik werden durch die demographische Entwicklung beeinflusst:
Insbesondere die Diskussion um den Umbau beziehungsweise Abbau des
Sozialstaates sei hier genannt. Verschärfend kommt hinzu, dass die
demographische Entwicklung ein langfristiger Prozess ist, der sich nicht durch
kurzfristig angelegte Gegenmaßnahmen aufhalten lässt.
Auch in der öffentlichen Diskussion nehmen die älteren Mitbürger einen
breiten Raum ein. Zum Thema „Rente“ liest man beinahe täglich etwas in den
Zeitungen, Begriffe wie „Generationengerechtigkeit“ sowie
„Gesellschaftsvertrag“ sind allgegenwärtig. Man weiß vieles von den Älteren:
Was sie kaufen, wie sie leben, wie viel Geld sie zur Verfügung haben. Jedoch,
wie wählt diese immer größer werdende Gruppe unserer Gesellschaft? Eine
gängige Vorstellung des politischen Alterns brachte Winston Churchill einmal
treffend auf den Punkt: „Wer unter 35 kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer es
über 35 noch ist, hat keinen Verstand.“ Dahinter steht die Annahme, dass
Menschen mit zunehmendem Alter automatisch konservativer werden
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Wertewandel
II.1. Werte und Wertewandel
II.1.1. Der Wertbegriff
II.2. Erklärungsmodelle zum Wertewandel
II.3. Die Postmaterialismus Theorie nach Inglehart
II.4. Lebenszyklus Theorie nach Klages
III. Wählerverhalten
III.1. Der sozialstrukturelle Ansatz
III.1.1. Das Mikrosoziologische Erklärungsmodell
III.1.2. Der Makrosoziologische Erklärungsansatz
III.2. Der Sozialpsychologische Ansatz (Ann Arbor Modell)
III.3. Der Rational-Choice Ansatz
IV. Ausgangslage
IV.1. Demographische Lage
IV.1.1. Ursachen des Alterungsprozesses
IV.1.1.1. Fertilität
IV.1.1.2. Mortalität
IV.1.1.3. Migration
IV.2. Der Alterungsprozess im internationalen Vergleich
IV.3. Probleme alternder Gesellschaften
V. Das Verhältnis zwischen den Generationen
V.1. Generationenbeziehungen
V.2. Politische Einstellungen
VI. Politische Partizipation der über 60-Jährigen
VI.1. Wahlberechtigte und Wahlbeteiligung
VI.2. Altersstruktur der Parteien/Parteimitglieder
VII. Das Wahlverhalten der Generationen auf Parlamentsebenen
VII.1. Datensätze und Forschungsdesign
VII.2. Untersuchungsgruppe
VII.3. Bundesebene
VII.3.1. Bundestagswahl 1990
VII.3.2. Bundestagswahl 1994
VII.3.3. Bundestagswahl 1998
VII.3.4. Bundestagswahl 2002
VII.4. Zusammenfassung Bundesebene
VII.5. Landesebene
VII.5.1. Landtagswahl Baden-Württemberg 2001
VII.5.2. Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2002
VII.5.3. Bürgerschaftswahl Hamburg 2001
VII.6. Zusammenfassung Landesebene
VIII. Unterschiede im Wahlverhalten der Generationen
VIII.1. Ändert sich das Stimmgewicht?
VIII.2. Verändern sich politische Entscheidungen mehr auf der einen oder der anderen Parlamentsebene?
IX. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und wie die zunehmende Alterung der Gesellschaft in der Bundesrepublik das Wahlverhalten und damit politische Entscheidungsprozesse beeinflusst. Hierbei wird der Frage nachgegangen, ob mit dem demographischen Wandel eine Verschiebung der politischen Prioritäten einhergeht und ob ältere Wähler systematisch anders wählen als jüngere Generationen.
- Demographische Entwicklung und Alterungsprozess in Deutschland
- Wertewandel und Theorien zum Wählerverhalten
- Politisches Interesse und Partizipation der Generation 60+
- Vergleichende Analyse des Wahlverhaltens auf Bundes- und Landesebene
- Einfluss der demographischen Struktur auf das politische Stimmgewicht
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
Die Alterspyramide steht Kopf. Bildete früher eine breite Geburtenfront die Basis der sich nach oben altersmäßig ausdünnenden Pyramide, so ist dieses Fundament heute merklich zusammengeschrumpft. Breit hingegen läuft die ehemalige Pyramide nun nach oben zu – die Bevölkerung wird immer älter.
Und nicht nur das: Gerade die über 60-Jährigen strahlen momentan in neuem Glanz. In der Wirtschaft wird immer mehr von der Parole Abstand genommen, die Führungsebenen seien gnadenlos zu verjüngen, weil sonst gar nichts mehr vorangehe. Der Schuhhersteller Salamander soll von einem 65-Jährigen aus der Krise geführt werden, Hewlett-Packard Deutschland reaktivierte den 63-jährigen Computerspezialisten Jörg Menno Harms als Topmanager. Wissen und Erfahrung werden teilweise wieder höher geschätzt als Jugend.
Weniger geschätzt wird die Altersentwicklung dagegen in der Politik. Das Phänomen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung stellt die entwickelten Industrienationen der Welt vor enorme Herausforderungen. Viele Bereiche der aktuellen Politik werden durch die demographische Entwicklung beeinflusst: Insbesondere die Diskussion um den Umbau beziehungsweise Abbau des Sozialstaates sei hier genannt. Verschärfend kommt hinzu, dass die demographische Entwicklung ein langfristiger Prozess ist, der sich nicht durch kurzfristig angelegte Gegenmaßnahmen aufhalten lässt.
Auch in der öffentlichen Diskussion nehmen die älteren Mitbürger einen breiten Raum ein. Zum Thema „Rente“ liest man beinahe täglich etwas in den Zeitungen, Begriffe wie „Generationengerechtigkeit“ sowie „Gesellschaftsvertrag“ sind allgegenwärtig. Man weiß vieles von den Älteren: Was sie kaufen, wie sie leben, wie viel Geld sie zur Verfügung haben. Jedoch, wie wählt diese immer größer werdende Gruppe unserer Gesellschaft? Eine gängige Vorstellung des politischen Alterns brachte Winston Churchill einmal treffend auf den Punkt: „Wer unter 35 kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer es über 35 noch ist, hat keinen Verstand.“ Dahinter steht die Annahme, dass Menschen mit zunehmendem Alter automatisch konservativer werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die demographische Alterung der Gesellschaft ein und formuliert das zentrale Forschungsziel, den Zusammenhang zwischen Altersstruktur und Wahlverhalten zu untersuchen.
II. Wertewandel: Das Kapitel erläutert den Begriff des Wertewandels und stellt zentrale Erklärungsmodelle wie die Postmaterialismus-Theorie von Inglehart und die Lebenszyklustheorie von Klages gegenüber.
III. Wählerverhalten: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Wahlforschung diskutiert, insbesondere sozialstrukturelle, sozialpsychologische und rational-choice Ansätze.
IV. Ausgangslage: Dieses Kapitel analysiert die demographische Situation in Deutschland, einschließlich der Faktoren Fertilität, Mortalität und Migration sowie die daraus resultierenden gesellschaftlichen Probleme.
V. Das Verhältnis zwischen den Generationen: Es wird die Beziehung zwischen Jung und Alt beleuchtet, wobei sowohl Generationenbeziehungen als auch Unterschiede in politischen Einstellungen und Interessen untersucht werden.
VI. Politische Partizipation der über 60-Jährigen: Der Fokus liegt hier auf der tatsächlichen politischen Beteiligung, der Wahlbeteiligung und der Altersstruktur in politischen Parteien.
VII. Das Wahlverhalten der Generationen auf Parlamentsebenen: Dies ist der empirische Hauptteil, der Bundestagswahlen und ausgewählte Landtagswahlen analysiert, um das Wahlverhalten der Älteren im Vergleich zu Jüngeren darzustellen.
VIII. Unterschiede im Wahlverhalten der Generationen: Das Kapitel fasst die Ergebnisse hinsichtlich des Stimmgewichts der Altersgruppen und der Frage der Veränderung politischer Entscheidungen zusammen.
IX. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und bewertet die These des Alterskonservatismus sowie die wachsende politische Bedeutung der älteren Generation.
Schlüsselwörter
Demographischer Wandel, Alterspyramide, Wahlverhalten, Generationen, Wertewandel, politische Partizipation, Postmaterialismus, Wahlbeteiligung, Sozialstaat, Rentensystem, Alterskonservatismus, Bundestagswahl, Landtagswahl, Wählerstruktur, Generationengerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des demographischen Wandels, insbesondere der fortschreitenden Alterung der Gesellschaft, auf politische Prozesse und das Wahlverhalten in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen den theoretischen Wertewandel, die demographische Ausgangslage, die politische Partizipation älterer Bürger sowie den empirischen Vergleich von Wahlentscheidungen über verschiedene Generationen hinweg.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu beantworten, ob politische Entscheidungen in der Bundesrepublik durch die Alterung der Gesellschaft verändert werden und ob die wachsende Zahl älterer Wähler deren politischen Einfluss signifikant steigert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Längsschnittanalyse und greift auf Wahltagsbefragungen der Forschungsgruppe Wahlen e.V. sowie auf statistische Daten des Bundes zurück.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert das Wahlverhalten bei vier Bundestagswahlen (1990–2002) sowie drei ausgewählten Landtagswahlen, um Unterschiede zwischen den Altersgruppen und Geschlechtern aufzuzeigen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Demographie, Wahlbeteiligung, Parteiidentifikation, Generationenverhältnis, Wertewandel sowie der Einfluss der Altersstruktur auf die Parteienlandschaft.
Gibt es einen "Alterskonservatismus" in der Wählerschaft?
Die Arbeit hinterfragt diese These kritisch und kommt zu dem Schluss, dass es keinen automatischen "Alterskonservatismus" gibt, da sich das Wahlverhalten differenziert gestaltet und andere Faktoren als nur das Alter eine Rolle spielen.
Welche Rolle spielen Frauen innerhalb der Generation 60+?
Die Untersuchung zeigt, dass Frauen in der Gruppe der über 60-Jährigen nicht nur zahlenmäßig stark vertreten, sondern auch politisch aktiver sind und damit eine entscheidende Wählergruppe für die Volksparteien darstellen.
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- Kay Rentsch (Author), 2005, Verändern sich politische Entscheidungen durch die Alterung der Gesellschaft? Das Wahlverfahren in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48815