Vor einigen Jahren war es noch selbstverständlich, dass Kinder ihre Nachmittage nach Schulschluss und Erledigung der Hausaufgaben spielend im Freien verbringen und oft erst bei einbrechender Dunkelheit nach Hause zurückkehren. Heutzutage stellt sich die Situation in den Familien sehr verändert dar, die Kinder verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen, spielen Computerspiele oder schauen Filme auf Tablets oder Smartphones. Dies geht meist auch zu Lasten der Bewegung in der Natur. Hinzu kommt, dass für die Kinder aus städtischen Gebieten der Zugang zu Naturraum generell begrenzt ist. Doch gerade in unserer Leistungsgesellschaft, in welcher an Kinder hohe Leistungsanforderungen gestellt werden, ist es umso wichtiger, dass Zeit und Raum für Aktivitäten an der frischen Luft bleiben. Bewegung an der frischen Luft hilft dabei, sich zu erholen und Gelerntes besser zu verarbeiten. Speziell beim Naturort Wald kommt hinzu, dass viele Kinder in ihrer Freizeit wenig bis gar keine Zeit mehr im Wald verbringen. Sie können dadurch einheimische Bäume nicht unterscheiden, Tierspuren nicht erkennen oder Früchte und Bäume nicht richtig zuordnen. Um genau diesen Kindern, welche in ihrer Freizeit keine Sinneserfahrungen in der Natur und insbesondere im Wald sammeln können, Möglichkeiten zu bieten, ist es sinnvoll, waldpädagogische Konzepte in das Unterrichtsgeschehen zu integrieren. Die Lernmöglichkeiten sind dabei besonders vielfältig, neben dem reinen Faktenwissen können die Kinder viel über sich selbst lernen und ihre Kreativität in der Natur entfalten. Auch die psychische und physische Entwicklung der Kinder wird durch den Aufenthalt in der Natur positiv beeinflusst.
Vor diesem Hintergrund soll in dieser Arbeit dargestellt werden, inwieweit die Waldpädagogik und speziell eine Auswahl von waldpädagogischen Konzepten in den Schulalltag eingegliedert werden kann. Um diese Themenstellung umfassend zu erläutern, werden nach der Einleitung im zweiten Kapitel der Begriff Waldpädagogik definiert und die geschichtliche Entwicklung kurz dargestellt. Besonderes Augenmerk wird in diesem Kapitel auf die pädagogischen Anliegen und Aufgaben der Waldpädagogik im Abschnitt 2.2 gelegt. Die Erläuterung der Ziele rundet das zweite Kapitel ab. Das dritte und zugleich letzte Hauptkapitel beschäftigt sich mit unterschiedlichen Konzepten und Beispielen, mit denen die Waldpädagogik im schulischen Alltag berücksichtigt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDLAGEN ZUR WALDPÄDAGOGIK
2.1 Geschichte und Definition der Waldpädagogik
2.2 Pädagogische Anliegen und Aufgaben der Waldpädagogik
2.3 Ziele der Waldpädagogik
3. KONZEPTE FÜR DIE SCHULE
3.1 Naturerlebnispfad
3.2 Geocaching
3.3 Landart
3.4 Waldklassenzimmer
3.5 Nachtwanderung
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Integration der Waldpädagogik in den schulischen Alltag zu untersuchen, um Kindern, die in ihrem Freizeitalltag kaum noch Naturerfahrungen sammeln, einen Zugang zum Lernort Wald zu ermöglichen. Dabei werden theoretische Grundlagen beleuchtet und konkrete, praxisorientierte Konzepte vorgestellt.
- Geschichtliche Entwicklung und Definition der Waldpädagogik
- Pädagogische Anliegen, Aufgaben und Ziele waldpädagogischer Arbeit
- Vorstellung ausgewählter Konzepte: Naturerlebnispfade und Geocaching
- Methodik und Gestaltung von Landart, Waldklassenzimmern und Nachtwanderungen
- Persönlichkeitsentwicklung und Förderung von Umweltbewusstsein
Auszug aus dem Buch
3.2 Geocaching
Geocaching bietet sich als Möglichkeit an, moderne Medien mit Waldpädagogik und Umweltbildung zu verbinden. Der Begriff besteht aus den Bestandteilen geo (Erde) und stash (Geheimversteck) und kann vom Konzept her mit einer herkömmlichen Schnitzeljagd verglichen werden. Für Geocaching wird ein versteckter Cache, meist eine Plastikdose, benötigt, welche an einem auffälligen Ort hinterlegt wird. Dafür ist beispielsweise der Wurzelbereich eines Baumes geeignet. Außerdem braucht man einen GPS-Empfänger, mit dem die Suche gestartet wird. Im Cache befinden sich in der Regel ein Logbuch, um sich als Finder darin zu verewigen und unterschiedliche Tauschobjekte. Als Finder hat man das Recht, einen mitgebrachten Gegenstand gegen einen anderen in der Dose einzutauschen. Entsprechende Koordinaten für das Geocaching können verschiedenen Internetseiten entnommen werden. Wenn der Finder anhand des GPS-Signals das Versteck gefunden hat, trägt er sich in das Cache-Logbuch ein und nimmt sich einen „Schatz“ aus der Plastikbox.
Bei der hier beschriebenen Umsetzung handelt es sich um die simpelste Variante. Als Abwandlung dieser einfachen Geocaching Schnitzeljagd existiert das Multi Cache, bei der jeweils im Versteck die Koordinaten für das nächste Versteck liegen. Beim Earth Cache sind geologisch interessante Verstecke aufzuspüren. Das Nacht Cache ist in den meisten Fällen ein Multi Cache unter besonderen Voraussetzungen, es können die Hinweise nämlich nur im Dunklen, beispielsweise durch Reflektoren, erkannt werden. Beim Geocaching liegt der Fokus auf dem intensiven Naturerlebnis, weil die Kinder und Jugendlichen den Weg zum nächsten Versteck selbst suchen und finden müssen. Dabei können sie abseits von den angelegten Waldwegen neue Wege durch den Wald finden und den Wald hautnah erleben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Es wird die abnehmende Naturerfahrung von Kindern in der heutigen Leistungsgesellschaft thematisiert und das Ziel formuliert, waldpädagogische Konzepte in den Schulalltag zu integrieren.
2. GRUNDLAGEN ZUR WALDPÄDAGOGIK: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Herleitung der Waldpädagogik, definiert den Begriff und arbeitet die zentralen pädagogischen Aufgaben sowie Ziele wie die Förderung des Umweltbewusstseins heraus.
3. KONZEPTE FÜR DIE SCHULE: Hier werden konkrete didaktische Formate wie Naturerlebnispfade, Geocaching, Landart, Waldklassenzimmer und Nachtwanderungen für den schulischen Einsatz vorgestellt und analysiert.
4. FAZIT: Das Kapitel fasst die Bedeutung der Waldpädagogik für die Persönlichkeitsentwicklung zusammen und betont die Notwendigkeit, neue Wege der Verbindung von Schule und Wald zu beschreiten.
Schlüsselwörter
Waldpädagogik, Umweltbildung, Naturerlebnis, Schule, Lernort Wald, Nachhaltige Entwicklung, Geocaching, Landart, Naturerlebnispfad, Waldklassenzimmer, Nachtwanderung, ganzheitliches Lernen, Umweltbewusstsein, Digitale Medien, Persönlichkeitsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Waldpädagogik als pädagogischer Ansatz, um Kindern wieder mehr Sinneserfahrungen und Naturbegegnungen innerhalb des Schulalltags zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Ausarbeitung behandelt?
Die zentralen Felder sind die theoretischen Grundlagen der Waldpädagogik, die historische Entwicklung, pädagogische Zielsetzungen sowie eine Vielzahl an praxisorientierten Konzepten für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, inwieweit verschiedene waldpädagogische Konzepte in den regulären Schulalltag integriert werden können, um dem Trend der Naturentfremdung bei Kindern entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftlich fundierte Ausarbeitung, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Untersuchung bestehender pädagogischer Ansätze und Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Klärung der Waldpädagogik konkrete Konzepte wie Naturerlebnispfade, Geocaching, Landart, Waldklassenzimmer und Nachtwanderungen detailliert beschrieben und didaktisch reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Waldpädagogik, Umweltbildung, ganzheitliches Lernen, Naturerfahrung, außerschulischer Lernort und die genannten spezifischen Konzepte zur schulischen Umsetzung.
Warum spielt die Einbindung digitaler Medien wie beim Geocaching eine besondere Rolle?
Geocaching spricht die Lebenswelt der heutigen „Digital Natives“ an und kombiniert motivierende moderne Technik mit dem Aufenthalt im Naturraum Wald.
Welche Rolle nimmt der Wald als Lernort ein?
Der Wald fungiert nicht nur als bloßes Anschauungsobjekt, sondern als komplexer Raum, der ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand ermöglicht und zur persönlichen sowie sozialen Entwicklung beiträgt.
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- Theresa Sammereier (Author), 2019, Waldpädagogik und Konzepte für die Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/488766