Im Gegensatz zur althistorischen Gender-Forschung wurde das Feld der antiken Sexualität wesentlich früher durch die Wissenschaft beleuchtet, wobei insbesondere homoerotische Beziehungen im Vordergrund standen. Dabei wurde immer wieder der Fokus darauf gelegt, Aussagen über bestimmte antike Praktiken treffen zu können und Thesen darüber aufzustellen, welche gesellschaftlichen Wertungen und Empfindungen dieser Art der Sexualität möglicherweise zu Grunde lagen und inwiefern diese mit heutigen Anschauungen verglichen werden können. Diese Arbeit soll das Themengebiet der Päderastie anhand einer Gerichtsrede beleuchten.
Bei der Gerichtsrede handelt es sich um eine Quelle, die vermutlich aus dem Jahr 345/346 vor Christus stammt und sich in den Kontext des Philokratesfriedens von 346 vor Christus einordnen lässt. Aischines, ein attischer Politiker, dem ein recht makedonienfreundliches Konzept zugrunde lag, wurde von Demosthenes und Timarchos, ebenfalls politisch Aktive und Ratskollegen, mit dem Vorwurf angeklagt, Gesandtschaftsverrat begangen zu haben und bestechlich gewesen zu sein, um Philipp II zu unterstützen und die Interessen Athens zu vernachlässigen. Die erste Anklage, die Timarchos erhoben hatte, schlug jedoch fehl, was an dieser Stelle unmittelbar in das hier behandelte Thema überleitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Päderastie – Theoretischer Hintergrund
3. Risiken der Knabenliebe – Aischines' Argumentation gegen Timarchos
3.1 Käuflichkeit und Gier
3.2 Anzahl der Partner
3.3 Dominanz und Unterwerfung des Timarchos
3.4 Auswahl der Partner
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Themengebiet der Päderastie in der griechischen Antike anhand der Gerichtsrede "Against Timarchos" des Politikers Aischines zu beleuchten und dabei insbesondere die Risiken der "Knabenliebe" im Hinblick auf den Vorwurf der Prostitution zu untersuchen.
- Definition und theoretische Grundlagen der antiken Päderastie
- Die Problematik der Abgrenzung zwischen Päderastie und Prostitution
- Analyse der Argumentationsstrategien des Aischines gegen Timarchos
- Der Einfluss von Geldgeschenken und Partnerwahl auf den Status eines freien Bürgers
- Diskreditierung durch Vorwürfe wie "hybris" und moralische Verfehlungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Käuflichkeit und Gier
Der soeben bereits thematisierte Aspekt der Geldgeschenke tritt bei der Gerichtsrede des Aischines besonders in den Vordergrund. Aischines führt diesen Sachverhalt thematisch ein, indem er zunächst darauf hindeutet, dass Timarchos bereits in einem Alter gewesen sei, in dem er mit den Staatsgesetzen durchaus vertraut war (,,[...] he knew the laws of the city [...]“, (39), S.80), als er sich in der Baderei (,,surgery“, (40), S.80) des Euthydikos niedergelassen habe, unter dem Vorwand, er wolle diesen Beruf erlernen (,,the pretext was hat he was a student of the profession [...]“, (40), S.80). Dies sei jedoch nicht seine reale Absicht gewesen, sondern er habe dort seinen Körper verkaufen wollen (,,[...] offer himself for sale [...]“, (40), S.80).
Zwar betont Aischines, er wolle bewusst keine Namen von denjenigen nennen, die von Timarchos' Körper Gebrauch gemacht haben, jedoch zählt er hier Kaufleute, andere Fremde und Stadtbewohner auf, die ihm für Liebesdienste Geld gegeben haben sollen (,,[...] earning fees for that very thing which the law forbids [...]“, (40), S.80). Detaillierter wird Aischines, als er sich auf einen Mann namens Misgolas bezieht, bei dem jedoch aus der Quelle selbst nicht klar wird, ob er selbst einen Besuch in der Baderei vorgenommen und Timarchos auf diese Weise kennengelernt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der antiken Sexualität ein und legt den Fokus auf die Gerichtsrede des Aischines als Quelle zur Untersuchung päderastischer Risiken.
2. Der Begriff der Päderastie – Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erörtert die Definition der Päderastie und die konträren Forschungsmeinungen dazu, ob sie als erotische Erziehung oder sexuelle Beziehung zu werten ist.
3. Risiken der Knabenliebe – Aischines' Argumentation gegen Timarchos: Das Hauptkapitel analysiert die Vorwürfe des Aischines und wie diese genutzt wurden, um Timarchos als käuflich und politisch untragbar darzustellen.
3.1 Käuflichkeit und Gier: Hier wird untersucht, wie Aischines Geldgeschenke und ein vermeintlich gieriges Verhalten des Timarchos verwendet, um den Vorwurf der Prostitution zu stützen.
3.2 Anzahl der Partner: Dieses Unterkapitel thematisiert, wie der häufige Wechsel von Liebespartnern durch Timarchos als Beleg für dessen mangelnde moralische Integrität gewertet wird.
3.3 Dominanz und Unterwerfung des Timarchos: Die Analyse konzentriert sich auf die Darstellung von Timarchos als sowohl dominant agierend als auch unterwürfig, wobei insbesondere der Begriff "hybris" zur Diskreditierung dient.
3.4 Auswahl der Partner: Hier wird kritisch beleuchtet, wie Aischines die Persönlichkeiten der Partner von Timarchos beschreibt, um dessen mangelndes Urteilsvermögen und seine "Schamlosigkeit" hervorzuheben.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Vorwürfe der Käuflichkeit und der unstatthaften Partnerwahl als Instrumente dienten, um Timarchos politisch zu diskreditieren und seine Bürgerrechte anzugreifen.
Schlüsselwörter
Päderastie, Antike, Sexualität, Aischines, Timarchos, Prostitution, Knabenliebe, Gerichtsrede, Käuflichkeit, hybris, Bürgerrechte, Polis, eromenos, erastes, Athen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Risiken päderastischer Beziehungen in der griechischen Antike anhand der Gerichtsrede "Against Timarchos" von Aischines.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen Päderastie und Prostitution, die Rolle von Geldgeschenken und die Konstruktion eines Prostitutionsvorwurfs zur politischen Diskreditierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, durch welche Argumentationsmuster Aischines Timarchos der Prostitution bezichtigte, um dessen politischen Ausschluss und den Verlust seiner Bürgerrechte zu rechtfertigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine detaillierte Quellenanalyse der Gerichtsrede mit der Einbeziehung zeitgenössischer Sekundärliteratur zur antiken Geschlechtergeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Kategorien wie Käuflichkeit, Anzahl der Partner, Dominanz-Unterwerfungs-Verhältnisse und die Auswahl der Partner durch Timarchos.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Päderastie, Prostitution, hybris, Bürgerrechte, Käuflichkeit und Aischines.
Welche Rolle spielt der Begriff "hybris" in der Argumentation des Aischines?
Der Begriff wird genutzt, um Timarchos' Handlungen als schwerwiegendes Vergehen gegen sich selbst, seinen Körper und seine Stellung als freier Bürger zu brandmarken.
Warum wird die Partnerwahl des Timarchos als belastend gewertet?
Aischines nutzt die spezifische Auswahl von Partnern, insbesondere Sklaven, um Timarchos als moralisch verkommen und seinen eigenen Status verratend darzustellen.
Was ist das Fazit zur Wirksamkeit der Anklage?
Das Fazit stellt fest, dass die Vorwürfe trotz ihrer mangelnden Beweiskraft effektiv waren, um Timarchos politisch zu isolieren und seine Glaubwürdigkeit zu zerstören.
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- Marieke Ozimek (Author), 2019, Die Risiken der Knabenliebe aus der Anklage gegen Timarchos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/488976