Nicht nur Großunternehmen und Konzerne spüren den Innovationsdruck, den die Digitalisierung mit sich bringt, auch die öffentliche Verwaltung veränderte sich in den letzten Jahren mit dem Ziel digitaler, transparenter und bürgerfreundlicher zu werden. Diese Transformation kann allerdings nicht von heute auf morgen erfolgen. Nicht jedes Bundesland, jede Kommune oder sogar jede Verwaltungsabteilung ist auf dem gleichen Stand wie die andere und kann digitale Dienste gleich positiv und effektiv für sich nutzen.
Im Rahmen des Projekts „Digitale Lotsen der Stadt Konstanz“, das im Frühjahr 2019 startet, untersuche ich in dieser Bachelorarbeit, welche grundlegenden Unterschiede die Verwaltungsmitarbeiter, in Bezug auf digitale Innovation erwarten. Der Fokus liegt vor allem auf den Personen, ihren Erfahrungen und ihren Einstellungen zu Innovationsprojekten wie diesem. Ziel ist zu untersuchen, inwiefern sich die Auffassung von Innovation zwischen den Verwaltungsmitarbeitern unterscheidet und welchen Stellenwert Digitalisierung für sie hat. Nachdem ich anhand meiner Literaturrecherche die Kategorien Change Management, Innovation, Erwartungen und Digitalisierung charakterisiere, definiere ich die Forschungsfrage „Wie differenziert sich die Erwartungshaltung von Verwaltungsmitarbeitern an ihre Rolle als Digitaler Lotse?“. Zur Beantwortung dieser Frage erstellte ich einen Interviewleitfaden um anhand von 16 qualitativ geführten Interviews diese Frage zu untersuchen. Dabei stellte ich fest, dass sich anhand der Analyse die vier Kategorien Erwartungen, Anforderungen, Hinderungen und Erfahrungen definieren lassen, die die Kernaussagen der befragten Lotsen umfassen. Den Interviewten ist dabei vor allem wichtig, dass Digitalisierung nur dann erfolgt, wenn sie einen effektiven und effizienten Gewinn erzielt. Für das Projekt tritt der Wunsch auf einerseits die Möglichkeit einer digitalen Schulung zu erhalten und andererseits die erlernten Inhalte mit in die Ämter zu tragen und als Experten für Digitalisierung zu fungieren. Es wird aber auch deutlich, dass diese Veränderung einige Ressourcen benötigt und viele Hindernisse mit sich führen kann, auf die ich in dieser Arbeit eingehe. Im folgenden Abschnitt erläutere ich die Fallauswahl und stelle danach die Literatur zu meinem Forschungsthema vor. Anschließend folgen die Beschreibung der Methode des Forschungsprozesses und die Analyse der Ergebnisse. In der abschließenden Diskussion fasse ich die Ergebnisse zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fallauswahl „Digitale Lotsen der Stadt Konstanz“
2. Literatur
2.1 Erwartungen
2.2 Change Management
2.3 Innovation
2.4 Digitalisierung
2.5 Theoretisches Framework
3. Forschungsdesign
3.1 Sampling und Casing
3.2 Datensammlungsmethode
3.3 Erstellung des Interviewleitfadens
3.4 Herleitung der Interviewfragen
3.5 Durchführung der Interviews
3.6 Datenanalyse und -synthese
3.7 Gütekriterien und Limitationen
4. Ergebnisse
4.1 Erwartungen
4.2 Anforderungen
4.3 Hinderungen
4.4 Erfahrungen
5. Diskussion
5.1 Einfluss des Forschungsprozesses auf die Aussagekraft der Ergebnisse
6. Fazit
7. Anhang
7.1 Interviewleitfaden
7.2 Deduktive Kodierungsstartliste
7.3 Kategorienbeschreibung
7.4 Kodierungstaxonomie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Bachelorarbeit untersucht, wie sich die Erwartungshaltungen von Verwaltungsmitarbeitern der Stadt Konstanz an ihre Rolle als „Digitale Lotsen“ differenzieren. Ziel ist es, Muster über die Einstellung von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes gegenüber Innovationsprojekten vor deren Beginn zu identifizieren und Orientierung für die praktische Umsetzung zu bieten.
- Analyse von Erwartungen und Anforderungen an digitale Innovationsprojekte in der Verwaltung
- Untersuchung von Hürden und persönlichen Erfahrungen mit Digitalisierung
- Klassifizierung der Akteure nach dem Diffusionsmodell von Rogers
- Bedeutung von Kommunikation und Veränderungsmanagement im öffentlichen Sektor
- Herausforderungen durch demografischen Wandel und Datenschutzbedenken
Auszug aus dem Buch
Erwartungen
Die Erwartungen der interviewten Digitalen Lotsen für das Projekt sind überwiegend sehr positiv, allerdings haben zwölf der 17 Interviewten auch kritische Bedenken geäußert. Um einen Auszug davon zu geben, präsentiere ich die Kernaussagen anhand von wörtlichen Zitaten.
„Also wenn wir sagen, dass wir als Stadt auch zu einem bestimmten Ziel kommen möchten dann wären die Mitarbeiter auch bereit, da mitzumachen. Das ist auch Teil meiner Aufgabe als Mitarbeiter der Stadt Konstanz.“
Interview 11, Zeile 198-201
Diese Aussage entie interviewte Person weist damit auf die Wichtigkeit einer Zielsetzung für ein anstehendes Veränderungsprojekt hin. Damit meint sie den Zusammenhang zwischen dem Nutzen der Person und der Verwaltung und dem Glauben, an etwas Positives in dem Projekt, der auch in der Literatur zu finden ist (Clegg et al., 2002; Nilsson, 2010). Dennoch verdeutlicht die Aussage, dass der Interviewte nicht nur grundsätzlich den persönlichen Nutzen erkennt, sondern auch auf den Motivationsgrund hindeutet, die Stadt positiv verändern zu wollen. Ähnlich ist dies in folgender Aussage eines anderen Befragten erkennbar, wobei sich dieser mehr auf den Nutzen der Bürger bezieht:
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in den Innovationsdruck der öffentlichen Verwaltung und Vorstellung des Projekts „Digitale Lotsen der Stadt Konstanz“ als Untersuchungsgegenstand.
Literatur: Literaturrecherche zu den zentralen Themenbereichen Erwartungen, Change Management, Innovation und Digitalisierung, sowie Erstellung eines theoretischen Frameworks.
Forschungsdesign: Erläuterung der qualitativen Einzelfallstudie, der Sampling-Methode, der Datensammlung durch halbstandardisierte Interviews und der Analyse mittels kodierender Inhaltsanalyse.
Ergebnisse: Präsentation der vier identifizierten Kategorien Erwartungen, Anforderungen, Hinderungen und Erfahrungen anhand der Interviewtranskripte.
Diskussion: Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf die Forschungsunterfragen und kritische Reflexion des Einflusses des Forschungsprozesses auf die Ergebnisse.
Fazit: Zusammenfassende Erkenntnisse über die Erwartungshaltungen, die Bedeutung der Kommunikation und Empfehlungen für die praktische Umsetzung zukünftiger Projekte.
Schlüsselwörter
Öffentliche Verwaltung, Digitalisierung, Digitale Lotsen, Innovation, Change Management, Erwartungshaltung, Qualitative Forschung, Experteninterviews, Kodierung, Implementierung, Effizienz, Verwaltungsmodernisierung, Diffusionsforschung, Projektmanagement, Stadt Konstanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einführung eines Projekts zur Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung der Stadt Konstanz durch sogenannte „Digitale Lotsen“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Erwartungen, Change Management, Innovation und die spezifischen Anforderungen an die Digitalisierung im öffentlichen Sektor.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist die Untersuchung der unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Verwaltungsmitarbeitern an ihre neue Rolle und die Identifikation von Mustern, die für eine erfolgreiche Umsetzung von Innovationsprojekten entscheidend sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine qualitative Einzelfallstudie, bei der 16 narrative, halbstandardisierte Experteninterviews durchgeführt und mittels deduktiver und induktiver Kodierung ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Literaturanalyse, die Beschreibung des methodischen Vorgehens und die detaillierte Darstellung der Ergebnisse, unterteilt in die Kategorien Erwartungen, Anforderungen, Hinderungen und Erfahrungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Digitalisierung, Verwaltungsmodernisierung, Innovationsdiffusion, Veränderungsmanagement, Bürgerorientierung und Qualifizierungsbedarf.
Wie werden die „Digitalen Lotsen“ klassifiziert?
Die Lotsen wurden anhand ihrer Einstellung zu Innovationen nach dem Modell von Rogers (2003) in die Kategorien „Early Adopters“, „Early Majority“ und „Late Majority“ eingeteilt.
Welche Rolle spielen Ängste bei der Digitalisierung?
Ängste vor Veränderung, dem Verlust von Macht oder dem Umgang mit neuer Technik stellen zentrale Hinderungsgründe dar, denen durch Kommunikation und frühzeitige Einbeziehung begegnet werden muss.
Welches Fazit zieht die Autorin zur Kommunikation?
Ein wesentliches Ergebnis ist, dass für den Projekterfolg eine ständige, transparente Kommunikation zwischen den Projektverantwortlichen, den Lotsen und den Mitarbeitern in den Ämtern unabdingbar ist.
Warum ist die Stadt Konstanz als Fallbeispiel besonders?
Konstanz nimmt eine Vorreiterrolle ein, indem es unabhängig von landesweiten Plänen ein eigenes Projekt zur Digitalisierung entwickelt, um Kompetenzen als Schlüsselqualifikation zu verankern.
- Arbeit zitieren
- Philipp Erdmann (Autor:in), 2019, Digitale Lotsen in der öffentlichen Verwaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489012