Diese Arbeit ist als Ergänzung zum Referat „Der Regensburger Dom“ entstanden und stellt deshalb die Maßwerkfenster des Regensburger Domes in den Mittelpunkt. Wenn Epochen der Entwicklung des Maßwerks nicht an den Fenstern des Domes nachgewiesen werden können, werden, so weit vorhanden, Beispiele aus anderen Regensburger Kirchen herangezogen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung des Maßwerks in Deutschland, bzw. im damalig deutschsprachigen Raum, aufzuzeigen, die besondere Entwicklung in England wird deshalb außer Acht gelassen. Die Maßwerksformen in Frankreich sind zwar nicht Gegenstand dieser Arbeit, aber da sie vor allem in den frühen Phasen die Grundlage für die Entwicklung der Formen in Deutschland bilden, ist es oft unverzichtbar, Beispiele aus Frankreich zu benennen. Im Zuge dieser Arbeit wird vor allem auf das Maßwerk der Fenster eingegangen, Maßwerk an anderen Bauteilen folgt zwar ähnlichen Prämissen, ist aber nicht Thema dieser Arbeit. Maßgebend stütze ich mich bei dieser Arbeit auf Literatur von Günther Binding und Lottlisa Behling, die sich mit dem Maßwerk in Deutschland, Frankreich und England intensiv auseinandergesetzt haben, wobei ich mich für Bindings Terminologie als der stringenteren und moderneren entschieden habe. Des weiteren habe ich für die Baugeschichte des Regensburger Domes vor allem das recht aktuelle Werk von Achim Hubel und Manfred Schuller herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorbemerkung
II. Begriffsdefinition „Maßwerk“
III. Entwicklung des Maßwerkfensters in Deutschland
Maßwerk der Hochgotik (1220-1270/80)
Maßwerk des Rayonnant-Stiles (1260-1360/80)
Maßwerk des Flamboyant-Stiles (1350-Anfang des 16. Jh.)
IV. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der baugeschichtlichen Entwicklung des gotischen Maßwerks unter besonderer Berücksichtigung der Fenster des Regensburger Domes. Ziel der Ausarbeitung ist es, die stilistische Evolution dieser geometrischen Schmuckformen in Deutschland nachzuzeichnen und den architektonischen Kontext sowie den Einfluss zeitgenössischer Bauhütten, insbesondere aus Straßburg und Prag, auf die Regensburger Baukunst zu analysieren.
- Definition und Wesen des gotischen Maßwerks
- Die Entwicklungsphasen: Hochgotik, Rayonnant-Stil und Flamboyant-Stil
- Bautechnische Umsetzung und Profilierung des Maßwerks
- Regensburger Dom als Fallbeispiel für gotische Stileinflüsse
- Transformation von der Bauzier zum fassadengestaltenden Element
Auszug aus dem Buch
Maßwerk der Hochgotik (1220-1270/80)
„Die Urform des Maßwerks entstand in Frankreich, dem Ursprungsland der Gotik überhaupt. Der Meister der Reimser Chorkapellen (1211-1227) erfand die Form, die von dort für alle folgenden Bauten Frankreichs und der übrigen Länder auf gleicher Stilstufe verbindlich wurde: Ein umgreifender Spitzbogen wird von zwei Spitzbögen auf Säulchen unterteilt, deren Scheitel, auf kurze Strecke mit ihm verschmolzen, ein Rund mit eingesetztem Sechspass tragen“ (Abb. 1). In der Frühgotik spricht man noch nicht von Maßwerk, erst die Hochgotik kennt das Maßwerk als Zierform. Zunächst einzeln stehende, spitzbogige Fenster rückten nach und nach zu Gruppen zusammen, die schließlich ihrerseits wieder von einem Spitzbogen überwölbt worden sind. Der verbleibende Raum im Scheitel des übergreifenden Spitzbogens wurde immer mehr aufgebrochen, erst waren es Lochfiguren, die wie aus der massiven Wand ausgestanzt wirkten, später löste sich der Wandbezug gänzlich auf. Die Reimser Chorkapellenfenster gelten deshalb als. Innerhalb des übergreifenden Spitzbogens gibt es keine Wandreste mehr, „das Rund mit dem eingesetzten Sechspass ist nicht mehr Lochfigur in einem bretthaften Grunde (...), sondern ein ringförmiger Körper in einem raumerfüllten Grunde“.
Durch das Schwinden selbst der Wandzwickel zwischen Rahmen und Unterteilungsbogen schwebt das Rund des Sechspasses gleichsam auf den Scheiteln der beiden Spitzbögen (Abb. 2). Direkt in der Reimser Tradition stehen in Deutschland neben den Chorfenster der Liebfrauenkirche in Trier (um 1235 bis vor 1243) (Abb. 13) die Chorfenster der Elisabethkirche in Marburg (Chor 1235-1248). Das Profil zeigt einen Rundstab, der einem relativ breiten Pfosten aufgelegt ist. Der Kreis berührt den Laibungsbogen zwar, aber nur mit der Vorderfläche, jedoch nicht mit dem Rundstab (Abb. 3). Die aufgelegten Rundstäbe von Kreis und Lanzettbogen berühren sich, verschmelzen aber nicht. Im Westteil des Langhauses (Abb. 4) erfolgt dann der nächste Schritt der Einbindung des Maßwerks, indem die Profile der Lanzettbögen mit denen des Kreises und diese wiederum mit dem Profil des Laibungsbogens verschmelzen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorbemerkung: Einführung in die Thematik der Arbeit, die als Ergänzung zu einem Referat über den Regensburger Dom entstanden ist und den methodischen Ansatz erläutert.
II. Begriffsdefinition „Maßwerk“: Theoretische Erläuterung des Begriffs als rein geometrisches Konstruktionsprinzip, das als ungegenständliches Bauornament der Gotik definiert wird.
III. Entwicklung des Maßwerkfensters in Deutschland: Detaillierte Analyse der drei maßgeblichen Stilphasen von der Hochgotik über den Rayonnant-Stil bis zum Flamboyant-Stil, unter besonderer Betrachtung der lokalen Anwendung am Regensburger Dom.
IV. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Einordnung der Baugeschichte des Regensburger Domes in den größeren Kontext der europäischen gotischen Architekturströmungen.
Schlüsselwörter
Gotik, Maßwerk, Regensburger Dom, Baugeschichte, Architektur, Hochgotik, Rayonnant, Flamboyant, Geometrie, Fensterkonstruktion, Bauhütte, Straßburg, Prag, Ornamentik, Steinmetzkunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und stilistische Ausprägung des gotischen Maßwerks am Beispiel des Regensburger Domes im Kontext der deutschen Baugeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die geometrische Definition des Maßwerks, seine stilistische Wandlung über mehrere Jahrhunderte und der architektonische Transfer von Formen durch mittelalterliche Bauhütten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung des Maßwerks in Deutschland aufzuzeigen und die spezifischen gestalterischen Einflüsse nachzuweisen, die am Regensburger Dom ablesbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine vergleichende Analyse zeitgenössischer Fachliteratur, insbesondere von Günther Binding und Lottlisa Behling, kombiniert mit einer baulichen Bestandsaufnahme des Domes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei großen Stilepochen Hochgotik, Rayonnant und Flamboyant, wobei jede Epoche durch konkrete Beispiele und Fensterkonstruktionen in Regensburg illustriert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Gotik, Maßwerk, Baugeschichte, Regensburger Dom und Ornamentik zusammenfassen.
Welche Rolle spielte der Straßburger Stil für den Regensburger Dom?
Die Straßburger Bauhütte fungierte als entscheidender Impulsgeber, welche die neuesten Entwicklungen der französischen Kathedralarchitektur in den deutschen Raum übersetzte und damit die Formsprache in Regensburg maßgeblich beeinflusste.
Warum wird im Werk besonders auf den Südturm und die Westfassade eingegangen?
Diese Bauteile dokumentieren den Übergang vom reinen Bauornament zur umfassenden, die Wand auflösenden Fassadengliederung und zeigen zudem Einflüsse der Prager Bauhütte des Flamboyant-Stils auf.
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- M.A. Erwin Maier (Author), 2002, Das gotische Maßwerkfenster, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48902