Die Mutter-Kind-Bindung im Borderline-Kontext. Wie wirkt sich die Krankheit aus?


Hausarbeit, 2019
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Borderline-Störung
2.1 Begriffsbestimmung und Definition
2.2 Symptome der Borderline-Störung
2.2.1 Affektregulation
2.2.2. Psychosoziale Integration
2.2.3. Kognitive Funktionsfähigkeit
2.2.4. Verhaltensebene
2.2.5. Selbstbild

3. Mutter-Kind-Bindung
3.1. Bindungstheorie nach Bowlby
3.1.1. Postulate der Bindungstheorie
3.1.2. Bindungstypen
3.1.2.1. Unsicher-ambivalente Bindung
3.1.2.2. Unsicher-desorganisierte Bindung

4. Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Bindung im Borderline-Kontext
4.1 Bindung in den Bildungsgrundsätzen NRW

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit in einer Ganztagsgrundschule betreuen meine Kollegen und ich nachmittags zahlreiche Kinder. Durch den alltäglichen Umgang und die zahlreichen Gespräche mit den Kindern, fällt eines der Kinder auf, welches ausschließlich über Vater-Tochter-Unternehmungen erzählt. Über ihre Mutter sagt das Kind zumeist nur, dass sie krank sei und sich daher nicht gut um sie kümmern kann.

Durch einen Vorfall in der OGS wurden das Kind und sein Verhalten Grund für eine interne Teamsitzung. Bei dieser wurden Sanktionen und Interventionen besprochen, die ein unerwünschtes Verhalten verhindern könnten.

Im Gespräch kam auch das Thema Mutter-Kind-Bindung zur Sprache. Bei diesem kam in Erfahrung, dass der Mutter des Kindes vor ca. 1,5 Jahren die Diagnose Borderline gestellt wurde, sie sich allerdings nicht in Therapie befindet. Nur sehr selten holt die Mutter ihre Tochter mit von der OGS ab, wobei der Umgang der beiden sichtlich lieblos und distanziert erscheint.

Aus diesem Setting heraus ergibt sich die Frage, inwiefern eine Borderline-Störung das Mutter-Kind-Verhältnis wirklich beeinflusst. Besonders interessant hierbei wäre, nicht allein zu wissen, ob es eine Beeinflussung gibt, sondern vielmehr auf welche Weise die Borderline-Störung Einfluss auf die Bindung nimmt. Angesichts dessen, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine weit verbreitete Erkrankung ist und ihr Vorkommen auf ca. 3 Prozent der Allgemeinbevölkerung geschätzt wird, wird sich die folgende Arbeit mit genau dieser Thematik auseinandersetzen (vgl. Schoppmann, S./ Hermann, M./ Tilly, C. 2015, S.21).

Durch die zahlreichen verschiedenen Vorstellungen, was unter einer Borderline-Störung verstanden werden kann und welche Symptome mit dieser Krankheit einhergehen, werde ich mit einer Begriffsbestimmung und Definition beginnen. Unter die Borderline-Thematik fällt auch die Auflistung der typischen Symptome einer Borderline-Störung. Da es eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome gibt, werde ich gezielt auf besonders prägnante und für die Fragestellung relevanten Symptome eingehen. Hierbei wird schrittweise die Affektregulation, die psychosoziale Integration, die kognitive Funktionsfähigkeit, die Verhaltensebene sowie das Selbstbild bei Borderline-Patienten dargestellt und näher erläutert.

Im weiteren Schritt wird sich die Arbeit dem zweiten wichtigen Oberthema der Arbeit widmen, der Mutter-Kind-Bindung. Hierbei wird sich zunächst mit der Bindungstheorie nach Bowlby beschäftigt, die gleichzeitig den theoretischen Rahmen der Arbeit bildet. Es werden die Grundgedanken Bowlbys vor- und erste Bezüge zur Fragstellung hergestellt.

Es folgen die Postulate der Bindungstheorie, die einen Überblick darüber geben sollen, welchen Stellenwert Bindung für die Entwicklung des Kindes hat.

Um die Thematik besser einzuordnen und auf die zu behandelnde Fragestellung zu übertragen, folgt eine Darstellung der verschiedenen Bindungstypen, wobei ein gezieltes Augenmerk auf die zwei typischen Bindungstypen bei Borderline-Persönlichkeiten, den „unsicher-ambivalenten Bindungstyp“ und den „unsicher-desorganisierten Bindungstyp“ gelegt wird und deren Charakterzüge näher beleuchtet werden.

Im nächsten Schritt folgt ein wichtiger Theorie-Praxis-Bezug, der herausstellt, inwiefern der Borderline-Kontext tatsächlich Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Bindung verzeichnet. Hierunter fällt auch die Auseinandersetzung mit dem Bildungsauftrag hinsichtlich der Bindung aus den Bildungsgrundsätzen NRW.

Den Schluss der Arbeit bildet ein Fazit, in dem noch einmal die prägnantesten Erkenntnisse zusammengetragen werden. Hierbei wird auch die Forschungsfrage beantwortet und ein Ausblick gestellt.

Diese Hausarbeit stellt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, da dies den formalen Umfang sprengen würde. Es wird in erster Linie Primär- und Sekundärliteratur genutzt und für die Bearbeitung verwendungsfähige Internetquellen eingesetzt.

Wenn in dieser Arbeit von „Mutter“ gesprochen wird, so ist aus Gründen der Einfachheit die primäre Bezugsperson gemeint, die mit dem Kind quantitativ am häufigsten Kontakt hatte.

2. Borderline-Störung

Die Borderline-Störung ist eine komplexe Persönlichkeitsstörung, an der schätzungsweise 3% der Bevölkerung leiden. Die Krankheit ist sehr facettenreich, ebenso die Versuche, sie klar zu definieren. Welche Merkmale auf diese belastende Störung der Persönlichkeit hinweisen, ist heute verbindlich festgelegt (vgl. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/borderline-stoerung/was-ist-eine-borderline-persoenlichkeitsstoerung-bps/).

In Folge wird der Begriff Borderline näher beleuchtet und dabei ein gezieltes Augenmerk gelegt, worin sich die Krankheit äußern kann.

2.1 Begriffsbestimmung und Definition

Der Begriff Borderline heißt ins Deutsche übersetzt „Grenzlinie“ (Schoppmann, S./ Hermann, M./ Tilly, C. 2015, S.20) und wird der Kategorie der Persönlichkeitsstörungen zugeordnet. Der Begriff Borderline ist längst überholt und wird oft synonym für eine „emotional instabile() Persönlichkeitsentwicklung“ (ebd., S.20) verwendet. Mit einer Persönlichkeitsstörung geht eine gestörte Persönlichkeitsentwicklung einher, die entsteht, während sich der Charakter eines Menschen herausbildet. Das heißt, sie bildet sich zumeist im Laufe der Kindheit, der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter. Dieses Störungsbild ist vielfach an einen Mangel an guten und einen Überschuss an negativen Lebensereignissen und Erfahrungen gekoppelt, weswegen es keineswegs möglich ist, eine Borderline-Störung erst im Erwachsenenalter zu entwickeln (vgl. ebd., S.20). Zwar ist es durchaus möglich, dass eine Diagnose erst in diesem Zeitraum gestellt wird, doch wird der Betroffene zuvor bereits massive Probleme mit der „Emotionsregulation“ und auch im „zwischenmenschlichen Bereich“ (Schoppmann, S./ Hermann, M./ Tilly, C. 2015, S.20) gehabt haben. Der Ursprung der Krankheit ist also grundsätzlich nicht einfach zu definieren. Oftmals sind Auslöser jedoch Erlebnisse, die sich auf die Entwicklung beziehen und meist von schweren traumatischen Erfahrungen geprägt sind. Ein entscheidender Risikofaktor für die Borderline-Störung ist das „‘invalidierende Umfeld‘“ (ebd., S.21) Gemeint ist damit eine Wechselwirkung zwischen emotional äußerst sensiblen Kindern und deren Eltern, die Schwierigkeiten haben, die besonderen Bedürfnisse ihres Kindes zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren. Dies führt im Laufe der Entwicklung zu erheblichen Schwierigkeiten, Gefühle zu erkennen, sie bestimmten Situationen zuzuschreiben und auseinanderzuhalten (vgl. ebd., S.21).

Persönlichkeitsstörungen sind dauerhafte, tendenziell festgefahrene Erlebens- und Verhaltensweisen, unter denen nicht nur die Betroffenen der Erkrankung, sondern auch ihr Umfeld zu leiden haben (vgl. Schoppmann, S./ Hermann, M./ Tilly, C. 2015, S.22). Das DSM-IV gibt folgende Definition von Persönlichkeitsstörungen: „Eine Persönlichkeitsstörung stellt ein überdauerndes Muster von innerem Erleben und Verhalten dar, das merklich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweicht, tiefgreifend und unflexibel ist, seinen Beginn in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter hat, im Zeitverlauf stabil ist und zu Leid oder Beeinträchtigungen führt” (Saß, H./ Wittchen, H./ Zaudig, M. 2003, S. 71).

Im nächsten Schritt werden die Symptome der Borderline-Störung definiert, wobei zu beachten ist, dass nicht alle Störungen bei Borderline-Patienten auftreten müssen und auch eine abgewandelte Form dieser zum Vorschein kommen kann.

2.2 Symptome der Borderline-Störung

Um eine Borderline-Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren müssen nach dem DSM-IV mindestens fünf der nachfolgenden neun Kriterien erfüllt sein:

- „Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden
- Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist
- Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung
- Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen […]
- Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten
- Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung […]
- Chronische Gefühle von Leere
- Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren […]
- Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome“ (Schoppmann, S./ Hermann, M./ Tilly, C. 2015, S.23).

Zudem weisen die Personen erhebliche Schwierigkeiten auf, mit sich selbst zurechtzukommen und auf Situationen mit einer angemessenen Emotionalität zu reagieren (vgl. ebd., S.23).

Im Umgang mit anderen Menschen fällt es Borderline-Patienten oftmals schwer, „Nähe und Distanz zu regulieren“ (http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/189038). In diesem Zusammenhang haben sie zu kämpfen mit einem inneren, kontrastierenden Konflikt zwischen der „Angst vor Nähe“ und der „Angst vor dem Alleinsein“ (ebd.). Hierbei kann es durchaus vorkommen, dass Betroffene andere kränken, wenn auch unbewusst, was eine „Form von Autoaggression“ (ebd.) darstellen oder auch der Auslöser durch die Angst vor Nähe sein kann (vgl. ebd.).

2.2.1 Affektregulation

Im Zentrum der Borderline-Persönlichkeitsstörung sehen einige Forscher die gestörte Affektregulation. Hierunter wird die Existenz einer merklich niedrigen Reizschwelle verstanden. Alle Kriterien aus dem DSM-IV können entweder als unmittelbare Auswirkung dieser Regulationsstörung oder als Versuch ihrer Kompensation gesehen werden. Hierbei betroffen sind einige Faktoren: Zum einen die niedrige Reizschwelle in Bezug auf das Auslösen von Emotionen, zum anderen das hohe Erregungsniveau, welches eng gekoppelt mit extremen Gefühlen ist sowie zuletzt auch die verzögerte Rückkehr zum emotionalen Ausgangsniveau (vgl. Bohus, M. 2002, S.6). Wenn der Borderline-Patient unter erheblichem Stress steht, fällt es ihm enorm schwer, Gefühle differenziert wahrzunehmen, was wiederum ein völliges „Gefühlswirrwarr“ (Bohus, M. 2002, S.6) beim Betroffenen auslöst. Hierbei ist auch möglich, dass der Betroffene unterschiedliche, möglicherweise auch völlig widersprüchliche Gefühle gleichzeitig wahrnimmt (vgl. ebd., S.6).

Ein weiteres Symptom, unter dem ein Großteil der Borderline-Betroffenen leiden, sind aversive, also widerwillig hervorgerufene Spannungszustände, die über einen Zeitraum von vielen Stunden hinweg andauern können. Diese Spannungen können von Borderline-Patienten nicht auf ein bestimmtes Gefühl begrenzt werden und gleichzeitig sind jegliche Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten blockiert (vgl. Bohus, M. 2002, S.6). Folge dessen kann die Entstehung dissoziativer Symptome, also „Störungen der Selbst- und Realitätswahrnehmung unter Einschränkung der sensumotorischen Reizverarbeitung“ (Bohus, M. 2002, S. 7) sein. Bewältigungsstrategien, die nicht einhergehen mit unterschiedlichen Arten der Selbstverletzung, haben Borderline-Betroffene in diesem schweren inneren Zustand kaum (vgl. ebd., S.7).

Im Gegensatz zu den gefühlsüberwältigenden Phasen, erleben Patienten auch Augenblicke, in denen sich in ihnen völlige innere Leere und emotionale Taubheit breit macht. Dieser Zustand ist durch ein Fehlen jeglicher Gefühlswahrnehmungen gekennzeichnet, welches mit einem Verlust des Identitätsgefühls einhergehen kann (vgl. Bohus, M. 2002, S.7).

2.2.2. Psychosoziale Integration

Das Selbstbild eines Borderline-Patienten ist gekennzeichnet von zahlreichen Gefühlen des „Andersseins“, sie fühlen sich isoliert und abgeschnitten von der Realität. Ihr Gefühlszustand ist eine Paarung zwischen Einsamkeit und Gefühlen des „Verlassenseins“, wobei in diesen Bereich auch „die Schwierigkeit der Regulation von Nähe und Distanz“ reinspielt (Bohus, M. 2002, 2.7). Diese Gefühle zeigen sich auch in wiederkehrenden Mustern chaotischer Beziehungen in allen bedeutsamen Bereichen, wie Familie, Liebe und Arbeit. Das unmittelbare Umfeld des Borderline-Patienten wird an einem Tag geliebt und am nächsten Tag gehasst, was für die betroffenen Personen im Umfeld als eine emotionale Achterbahn empfunden wird (vgl. Kreisman, J./ Straus, H. 2008, S.77). Aus diesem Gefühlszustand heraus versuchen sie Personen zwanghaft an sich zu binden. Dies zeigt sich meist in Liebesbeziehungen, in denen die Betroffenen ihre Partner mit ihrer starken Bindung regelrecht bedrängen. Gefühle von Geborgenheit und Nähe schlagen daraufhin schnell in Angst, Schuld oder Scham um. Diese wechselnden Emotionen scheinen zu den auffälligsten Verhaltensmustern der Borderline-Betroffenen zu zählen (vgl. Bohus, M. 2002, S.8). Bohus präzisiert die Gefühle der Patienten wie folgt: „So aktiviert etwa das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Geborgenheit die Selbstwahrnehmung, gewalttätig und zerstörerisch zu sein“ (ebd., S.8).

2.2.3. Kognitive Funktionsfähigkeit

Klinische Untersuchungen belegen, dass ca. 60 Prozent der Borderline-Patienten in Bezug auf das „Depersonalisations- und Derealisations- Erleben“ (Bohus, M. 2002, S.8) eine ausgeprägte dissoziative Symptomatik aufweisen. Das heißt, dass Veränderungen der Raum- Zeit- und Ich-Wahrnehmung, die ein gesunder Mensch problemlos voneinander unterscheiden kann, von Borderline-Betroffenen nicht voneinander abgegrenzt werden können (vgl. ebd., S.8).

Zudem werden Flashbacks erlebt, bei denen der Patient traumatisierende Erlebnisse kognitiv zwar der Vergangenheit zuordnen kann, diese jedoch auf emotionaler Basis immer wieder nacherleben muss (vgl. Bohus, M. 2002, S.8).

Weitere Symptome, die in diesen Bereich fallen, sind „Pseudohalluzinationen“ (Bohus, M. 2002, S.8). Hierbei weiß der Borderline-Patient zwar, dass es sich bei den Halluzinationen um akustische oder optische Halluzinationen handelt, trotzdem schränken diese ihn erheblich ein und sind gleichzeitig eine enorme Belastung für den Betroffenen (vgl. ebd., S.8).

2.2.4. Verhaltensebene

Bei einem Großteil der Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung kommt es zu selbstverletzendem Verhalten. Bohus nennt eine prozentuale Angabe von etwa 70% bis 80% (vgl. https://www.u25-freiburg.de/infothek/borderline/).

Unter dem Begriff selbstverletzendes Verhalten wird das „Zufügen von Schnittwunden (die sich oft über den ganzen Körper ausbreiten), ‚head-banging‘ (…), Brennen, Verbrühen, (…) Verätzen, ‚Strangling‘ (…) oder das Zufügen von Stichwunden“ (https://www.u25-freiburg.de/infothek/borderline/) verstanden. Selbstverletzende Verhaltensweisen entstehen bei ca. 80% in einer Verfassung, in der die Schmerzen nicht gespürt werden (analgetischer Zustand). Den Effekt dieses Verhaltens beschreiben viele Borderline-Patienten als ein Gefühl der Entspannung, der Ruhe, der Geborgenheit sowie der Entlastung. Erst ca. 20 Minuten später setzt dann das körperliche Empfinden bei den Betroffenen wieder ein (vgl. https://www.u25-freiburg.de/infothek/borderline/).

Einen weiteren Bereich auf der Verhaltensebene stellt das hochrisikoreiche Verhalten dar (z.B. Balancieren in großen Höhen, Rasen auf der Autobahn…) (vgl. ebd.).

Grundsätzlich sind die Verhaltensmuster als Prozedere zur „Reduktion aversiver Spannungszustände oder schwer dissoziativer Symptome“ (https://www.u25-freiburg.de/infothek/borderline/) zu verstehen oder fungieren für die Betroffenen als Ausgleich von Ohnmachtsgefühlen.

Bei 20% der Patienten wird selbstverletzendes Verhalten als Mittel eingesetzt, um „subeuphorisches Verhalten“ (ebd.) hervorzurufen. Dieses charakterisiert sich durch die Verbesserung der Stimmung, der Kreativität sowie der Konzentration.

2.2.5. Selbstbild

Im Zentrum des Problembereichs Selbstbild steht bei Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ein tief verankertes Gefühl von Unsicherheit hinsichtlich der eigenen Identität und Integrität (vgl. https://www.u25-freiburg.de/infothek/borderline/).

In diesem Zusammenhang fällt es Betroffenen oft schwer, eine Antwort auf die Frage zu finden, wer sie wirklich sind und welche Eigenschaften sie als Persönlichkeit ausmachen. Die Frage kollidiert bei den Betroffenen mit einem innerlichen Gefühl von Leere sowie dem Gefühl, weit von sich selbst entfernt zu sein. Der eigene Körper wird von Borderline-Patienten zudem oft sehr negativ wahrgenommen (vgl. ebd.).

3. Mutter-Kind-Bindung

Bindung ist ein Ausdruck für eine „enge emotionale Beziehung zwischen zwei Menschen“ (Ahnert, L. 2010, S.43) und verleitet ein Kind dazu, in unwohlen Situationen, die mit Angst, Schmerz oder Gefahr verbunden sind, Hilfe, Ruhe und Schutz bei erwachsenen oder älteren Personen zu suchen (vgl. ebd., S.43).

Primäre Bindungen entstehen mit Bindungspersonen, meist den Müttern, zu denen das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten den innigsten Kontakt hat (vgl. Ahnert, L. 2010 S.43). Grundsätzlich bringt das Baby hierbei Bindungsverhaltensweisen mit auf die Welt, die „durch Anklammern an die Bindungsperson, durch Schreien, Rufen und Armeausstrecken sowie durch aktives Kriechen und Hinlaufen zur Herstellung einer Beziehung eingesetzt werden können“ (Ahnert, L. 2010, S.43).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Mutter-Kind-Bindung im Borderline-Kontext. Wie wirkt sich die Krankheit aus?
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V489107
ISBN (eBook)
9783668971158
ISBN (Buch)
9783668971165
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bindung Beziehung Borderline
Arbeit zitieren
Alina Welke (Autor), 2019, Die Mutter-Kind-Bindung im Borderline-Kontext. Wie wirkt sich die Krankheit aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489107

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Mutter-Kind-Bindung im Borderline-Kontext. Wie wirkt sich die Krankheit aus?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden