Diese Arbeit beschäftigt sich zunächst unter dem Stichwort "Othering" mit dem Aspekt warum wir "die Anderen" als solche überhaupt erschaffen und dadurch die Notwendigkeit herstellen sich mit Phänomenen der Andersartigkeit zu beschäftigen. Im nächsten Schritt sollen die Ausländerpädagogik, die interkulturelle Pädagogik, die Integration sowie die Inklusion dargestellt und erläutert werden. Alle vier Konzepte weisen unterschiedliche Betrachtungsweisen und Umgangsformen bezüglich "der Anderen" auf. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es herauskristallisieren in welchem Ausmaß die genannten Konzepte Analogien im Umgang mit "den Anderen" aufweisen und inwiefern diesen im pädagogischen Kontext Bedeutung zugemessen werden kann.
Jeden Tag begegnen wir einer Vielzahl an Menschen. Einige von ihnen fallen uns direkt auf, da sie Merkmale besitzen, welche wir als different zu unserer eigenen Person betrachten. Das kann beispielsweise der Junge im Rollstuhl sein, welcher im Gegensatz zu uns nicht die Treppen des Einkaufzentrums nutzen kann. Es kann eine Person sein, dessen Hautton heller oder dunkler als unserer eigener ist. Es könnte aber auch ein Gespräch sein, welchem wir nicht folgen können, da das Gespräch auf einer Sprache basiert, welche nicht unsere eigene darstellt.
In Gesprächen über diese Menschen, welche wir als different zu unserer eigenen Person betrachten, werden diese häufig als "die Anderen" betitelt. Die Anderen werden zu solchen, da sie beispielsweise spezifische Merkmale besitzen, welche die Mehrheit der Gesellschaft nicht besitzt. Durch die allgemeinen Differenzen zwischen Individuen, welche wir selbst konstruieren, ist es notwendig Phänomene der Andersartigkeit zum Thema zu machen. Speziell Fachkräfte aus dem pädagogischen Kontext sollten für den Umgang mit Phänomenen der Andersartigkeit sensibilisiert sein. Sozialarbeiter/in sollten der Vielfalt an Menschen individuell begegnen können indem Präventionsformen, Lösungen für Probleme betreffend des sozialen Bereichs sowie die Unterstützung, Beratung und Betreuung in belastenden Situationen den Bedürfnissen der Individuen gerecht angepasst werden.
Im pädagogischen Kontext entstanden im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung bereits mehrere Konzepte, welche unterschiedliche Perspektiven auf "die Anderen" einnehmen und differenzierbare Arten des Umgangs mit Andersartigkeit erstellten. Ziel dessen sollte es sein das gesellschaftliche Zusammenleben mit der Vielfalt an Menschen zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Othering
3. Unterschiedliche Umgangsformen mit kulturellen Differenzen und Migration
3.1 Ausländerpädagogik
3.2. Interkulturelle Pädagogik
3.3. Interkulturellen Pädagogik vs. Ausländerpädagogik
4. Unterschiedliche Umgangsformen mit körperlichen Beeinträchtigungen/ Behinderungen und sonstigen spezifischen Merkmalen
4.1. Integration
4.2. Inklusion
4.3. Integration vs. Inklusion
5. Gegenüberstellung der vier pädagogischen Konzepte
5.1. Ausländerpädagogik vs. Integration
5.2. Interkulturelle Pädagogik vs. Inklusion
6. Fazit
6.1. Bedeutung für den pädagogischen Kontext
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene pädagogische Ansätze auf soziale Differenzen und die Konstruktion von "den Anderen" reagieren, mit dem Ziel, die Konzepte der Ausländerpädagogik, interkulturellen Pädagogik, Integration und Inklusion kritisch zu vergleichen und ihre Bedeutung für die professionelle pädagogische Praxis herauszuarbeiten.
- Analyse des Mechanismus "Othering" als Grundlage gesellschaftlicher Abgrenzung.
- Differenzierte historische Einordnung und Gegenüberstellung der pädagogischen Konzepte.
- Kritische Reflexion der Defizit- vs. Ressourcenorientierung in der Pädagogik.
- Ableitung von Anforderungen an eine professionelle pädagogische Grundhaltung im Umgang mit Vielfalt.
Auszug aus dem Buch
2. Othering
Othering (engl. other 'andersartig' oder 'fremd',), ein Begriff welcher immer häufiger in der deutschsprachigen Literatur auftaucht und damit im Grundgedanken „die Anderen“ bzw. den Prozess in welchem die Anderen zu solchen gemacht werden bezeichnet. Wie Othering entsteht und welche Bedeutung diesem Mechanismus im gesellschaftlichen Kontext beigemessen werden kann soll im Folgenden differenziert erläutert werden.
Der deutsche Bildungswissenschaftler und Professor für Migration und Bildung Paul Mecheril betont, dass in der heutigen Zeit immer noch auf Praktiken zurückgegriffen werde, welche Migrant/innen als Andere, als Fremde oder als diejenigen welche nicht dazugehören darstelle. Durch diese Abbildung der Migrant/innen komme es zu Positionierung dieser durch die Mehrheitsgesellschaft. Machtverhältnisse würden sich dadurch ganz klar ausprägen (vgl. Mecheril, 2010, S.6). Praktiken dieser Art tauchen jedoch nicht nur im Zusammenhang mit Migrant/innen auf, sondern beispielsweise auch in Bezug auf Menschen mit Behinderung (vgl. Mattner, 2000, S.105). Zwei klar abgrenzbare Gruppen entstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der gesellschaftlichen Differenzkonstruktion ein und benennt das Ziel der Arbeit, die Konzepte der Ausländerpädagogik, interkulturellen Pädagogik, Integration und Inklusion zu vergleichen.
2. Othering: Dieses Kapitel erläutert den Mechanismus des "Othering", bei dem durch die Konstruktion einer outgroup gegenüber einer ingroup Machtverhältnisse und soziale Abgrenzung erzeugt werden.
3. Unterschiedliche Umgangsformen mit kulturellen Differenzen und Migration: Das Kapitel behandelt die historische Entstehung und die Unterschiede zwischen der defizitorientierten Ausländerpädagogik und der interkulturellen Pädagogik.
4. Unterschiedliche Umgangsformen mit körperlichen Beeinträchtigungen/ Behinderungen und sonstigen spezifischen Merkmalen: Hier werden die Konzepte der Integration und Inklusion kontrastiert, wobei insbesondere die Ablösung des separativen durch ein inklusives Denken thematisiert wird.
5. Gegenüberstellung der vier pädagogischen Konzepte: In diesem Kapitel werden die Konzepte direkt miteinander verglichen, um Analogien und Differenzen in ihrer Zielsetzung und Arbeitsweise aufzuzeigen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer ständigen kritischen Reflexion pädagogischer Fachkräfte zur professionellen Gestaltung von Vielfalt.
Schlüsselwörter
Othering, Ausländerpädagogik, Interkulturelle Pädagogik, Integration, Inklusion, Mehrheitsgesellschaft, Minderheit, Differenz, Marginalisierung, Assimilation, Ressourcenorientierung, Machtverhältnisse, Pädagogische Professionalität, Vielfalt, Teilhabe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie vier pädagogische Konzepte – Ausländerpädagogik, Interkulturelle Pädagogik, Integration und Inklusion – mit dem Phänomen der Andersartigkeit umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion des "Anderen" (Othering), der historische Wandel pädagogischer Leitkonzepte und die Abgrenzung von Defizit- hin zu Ressourcenorientierung.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Analogien und Unterschiede der vier Konzepte aufzuzeigen und deren Bedeutung für eine gerechte pädagogische Praxis zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt eine systematische Literaturanalyse und begriffliche Gegenüberstellung, um die theoretischen Konzepte historisch und inhaltlich zu reflektieren.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Konzepte im Kontext von Migration sowie körperlichen Beeinträchtigungen und deren anschließende direkte Gegenüberstellung.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Othering, Inklusion, Integration, Interkulturelle Pädagogik und das Konzept der Ressourcenorientierung im pädagogischen Handeln.
Inwiefern beeinflusst das Konzept des "Othering" die untersuchten Pädagogik-Ansätze?
Das Othering dient als grundlegender Erklärungsmechanismus für die Bildung von Wir- und Nicht-Wir-Gruppen, auf welche die pädagogischen Konzepte jeweils unterschiedlich reagieren.
Wie unterscheidet sich laut Arbeit die Inklusion von der Integration?
Während Integration das Ziel verfolgt, Randgruppen in eine bestehende Mehrheitsgesellschaft einzugliedern, zielt Inklusion darauf ab, Barrieren abzubauen und Vielfalt als Normalzustand ohne vorherige Ausgrenzung zu betrachten.
Welche Bedeutung kommt dem "Brillensortiment" im pädagogischen Kontext zu?
Das "Brillensortiment" dient als Metapher für die notwendige Erweiterung professioneller Perspektiven, damit Fachkräfte Situationen nicht nur einseitig wahrnehmen, sondern der Komplexität individueller Bedürfnisse gerecht werden können.
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- Mara Christin Schäfer (Author), 2018, Differenzen in der sozialen Arbeit und wie die Pädagogik daran ansetzt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489123