Differenzen in der sozialen Arbeit und wie die Pädagogik daran ansetzt


Hausarbeit, 2018

24 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Othering

3. Unterschiedliche Umgangsformen mit kulturellen Differenzen und Migration
3.1 Ausländerpädagogik
3.2. Interkulturelle Pädagogik
3.3. Interkulturellen Pädagogik vs. Ausländerpädagogik

4. Unterschiedliche Umgangsformen mit körperlichen Beeinträchtigungen/ Behinderungen und sonstigen spezifischen Merkmalen
4.1. Integration
4.2. Inklusion
4.3. Integration vs. Inklusion

5. Gegenüberstellung der vier pädagogischen Konzepte
5.1. Ausländerpädagogik vs. Integration
5.2. Interkulturelle Pädagogik vs. Inklusion

6. Fazit
6.1. Bedeutung für den pädagogischen Kontext

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jeden Tag begegnen wir einer Vielzahl an Menschen. Einige von ihnen fallen uns direkt in den Blick, da sie Merkmale besitzen, welche wir als different zu unserer eigenen Person betrachten. Das kann beispielsweise der Junge im Rollstuhl sein, welcher im Gegensatz zu uns nicht die Treppen des Einkaufzentrums nutzen kann. Es kann eine Person sein, dessen Hautton heller oder dunkler als unserer eigener ist. Es könnte aber auch ein Gespräch sein, welchem wir nicht folgen können, da das Gespräch auf einer Sprache basiert, welche nicht unsere eigene darstellt.

In Gesprächen über diese Menschen, welche wir als different zu unserer eigenen Person betrachten, werden diese häufig als „die Anderen“ betitelt. Die Anderen werden zu solchen, da sie beispielsweise spezifische Merkmale besitzen, welche die Mehrheit der Gesellschaft nicht besitzt. Durch die allgemeinen Differenzen zwischen Individuen, welche wir selbst konstruieren, ist es notwendig Phänomene der Andersartigkeit zum Thema zu machen. Speziell Fachkräfte aus dem pädagogischen Kontext sollten für den Umgang mit Phänomenen der Andersartigkeit sensibilisiert sein. Sozialarbeiter/in sollten der Vielfalt an Menschen individuell begegnen können indem Präventionsformen, Lösungen für Probleme betreffend des sozialen Bereichs sowie die Unterstützung, Beratung und Betreuung in belastenden Situationen den Bedürfnissen der Individuen gerecht angepasst werden.

Im pädagogischen Kontext entstanden im laufe der gesellschaftlichen Entwicklung bereits mehrere Konzepte, welche unterschiedliche Perspektiven auf „die Anderen“ einnehmen und differenzierbare Arten des Umgangs mit Andersartigkeit erstellten. Ziel dessen sollte es sein das gesellschaftliche Zusammenleben mit der Vielfalt an Menschen zu fördern.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zunächst unter dem Stichwort „Othering“ mit dem Aspekt warum wir „die Anderen“ als solche überhaupt erschaffen und dadurch die Notwendigkeit herstellen sich mit Phänomenen der Andersartigkeit zu beschäftigen. Im nächsten Schritt sollen die Ausländerpädagogik, die interkulturelle Pädagogik, die Integration sowie die Inklusion dargestellt und erläutert werden. Alle vier Konzepte weisen unterschiedliche Betrachtungsweisen und Umgangsformen bezüglich „der Anderen“ auf. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es herauskristallisieren in welchem Ausmaß die genannten Konzepte Analogien im Umgang mit „den Anderen“ aufweisen und inwiefern diesen im pädagogischen Kontext Bedeutung zugemessen werden kann.

2. Othering

Othering (engl. other 'andersartig' oder 'fremd',), ein Begriff welcher immer häufiger in der deutschsprachigen Literatur auftaucht und damit im Grundgedanken „die Anderen“ bzw. den Prozess in welchem die Anderen zu solchen gemacht werden bezeichnet. Wie Othering entsteht und welche Bedeutung diesem Mechanismus im gesellschaftlichen Kontext beigemessen werden kann soll im Folgenden differenziert erläutert werden.

Der deutsche Bildungswissenschaftler und Professor für Migration und Bildung Paul Mecheril betont, dass in der heutigen Zeit immer noch auf Praktiken zurückgegriffen werde, welche Migrant/innen als Andere, als Fremde oder als diejenigen welche nicht dazugehören darstelle. Durch diese Abbildung der Migrant/innen komme es zu Positionierung dieser durch die Mehrheitsgesellschaft. Machtverhältnisse würden sich dadurch ganz klar ausprägen (vgl. Mecheril, 2010, S.6). Praktiken dieser Art tauchen jedoch nicht nur im Zusammenhang mit Migrant/innen auf, sondern beispielsweise auch in Bezug auf Menschen mit Behinderung (vgl. Mattner, 2000, S.105). Zwei klar abgrenzbare Gruppen entstehen. Auf der einen Seite steht die Minderheitsgesellschaft, welche aus den Individuen besteht welche Marginalisierung durch die Mehrheitsgesellschaft erfahren. Die Mehrheitsgesellschaft steht diesen gegenüber und bilde sich aus den Individuen, welche sich als dazugehörig und nicht fremd bezeichnen (vgl. Wevelsiep, 2015, S.565f.). Diese zwei entstandenen Gruppen bezeichnen Dahinden, Moret und Duemller als ingroup und outgroup. Die ingroup zeichnet sich dadurch aus, dass sie Selbstzuschreibungen konstruiert und dadurch ihre Merkmale hervorhebt und betont. Merkmale können sich auf die Herkunft, die Religion, Sprache oder auch auf andere Bereiche beziehen. Die gegenüberstehende outgroup wird dadurch ausgegrenzt, dass sie dem konstruierten Selbstbild der ingroup nicht entspricht. Die Merkmale der outgroup werden durch die ingroup als negativ beschrieben (vgl. Dahinden, Moret, Duemmler, 2011, S.228). Mecheril und Rigelsky bezeichnen diesen Vorgang der Entstehung dieser zwei Gruppen als Aufspaltungsprozess der Gesellschaft (vgl. Mecheril, Rigelsky, 2007, S.61).

Der US-amerikanischer Literaturtheoretiker und -kritiker Edward W. Said beschäftigte sich mit diesem Thema bereits 1878 als er sein Werk „Orientalismus“, welches zu den hundert bedeutendsten Sachbüchern gehört erstmals veröffentlichte.

Er entdeckte das Prinzip des Othering in den Schriften und Verfahrensweisen der Wissenschaftler auf dem Gebiet der Orientalistik. Er erkannte, dass die Unterscheidung zwischen dem „Orient“ und „Okzident“ sich nicht alleine durch die geographische Lage ausdrückt, sondern durch das konstruierte Machtverhältnis zwischen beiden. Die Erschaffung dieser geht vom Westen aus und wird im Werk von Said auch als Orientalismus betitelt. Demnach entsteht auch hier die Bildung von zwei Gruppen. Auf der einen Seite steht der dominante, mit positiven Aspekten assoziierte Westen und auf der anderen Seite der rezessive, mit negativen Aspekten assoziierten Süden (vgl. Castro Varela, Dhawan 2005,31ff.).

Um eine klare Abgrenzung zwischen zwei Gruppen zu konstruieren ist es notwendig, dass die Gruppe als homogene Einheit verstanden wird und Individuen dieser Gruppe nicht als heterogen wahrgenommen werden. Zu dieser homogenen Gruppe, welche in diesem Zusammenhang „die Anderen“ darstellen, muss es jedoch auch ein Gegenstück geben, das „Wir“.

Miladinović betont, dass demnach „die Anderen“ auch als „Nicht- Wir“ bezeichnet werden können. Das Nicht-Wir beinhalte jedoch ebenfalls das Wir. Dies mache deutlich, dass es sich bei dem Nicht-Wir um eine Konstruktion des Wir's handle (vgl. Miladinović, 2014, S.17). Vehlo erläutert dies weiter indem sie die Anderen, also die Gruppe des Nicht-Wir als sichtbar beschreibt und das Gegenstück, also das Wir als unsichtbar in der Gesellschaft. Um die Konstruktion des Nicht-Wir's aufzulösen müssten also die sichtbaren ebenfalls zu unsichtbaren werden. Dies würde aber bewusst von den unsichtbaren verhindert, da die Abgrenzungen zwischen Wir und Nicht-Wir sonst nicht mehr deutlich sei. Ohne diese Abgrenzung jedoch könnten die unsichtbaren sich selbst, als Wir nicht mehr konstruieren (vgl. Vehlo, 2010; S.114ff.).

Das Wir fordern also von dem Nicht-Wir auf der einen Seite die Anpassung an das Wir, jedoch nur in einem solchen Maße, dass auf der anderen Seite noch Differenzierungsmerkmale zum Wir bestehen.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass Othering einen Mechanismus darstellt, durch den die Konstruktion von Abbildungen und Auffassung der Anderen angeregt wird. Die eigene Darstellung wird durch die erschaffenen Konstruktionen erst möglich. Meist sind Zuschreibungen bezüglich der Anderen eher negativ besetzt, wohingegen die Konstruktion des Wir’s im positiven Kontrast dazu steht.

Abschließend möchte ich betonen, dass der Mechanismus Othering sich nicht nur auf Migrant/innen oder Menschen mit einer Behinderung beschränkt. Merkmale wie beispielsweise die Religionszugehörigkeit, das Aussehen oder der ökonomische Status können ebenfalls den Mechanismus Othering anstoßen.

3. Unterschiedliche Umgangsformen mit kulturellen Differenzen und Migration

Im Folgenden sollen die Konzepte der Ausländerpädagogik und der interkulturellen Pädagogik sowie deren Einordnung in den geschichtlichen Kontext differenziert geschildert werden. Beide Konzepte vertreten unterschiedliche Perspektiven und weisen Unterschiede in ihren Umgangsformen mit kulturellen Differenzen und Migration auf. Anschließend erfolgt eine Gegenüberstellung beider Konzepte um dessen Abgrenzung voneinander deutlich zu machen.

3.1 Ausländerpädagogik

Um das Konzept der Ausländerpädagogik verstehen zu können ist die Vergegenwärtigung ihrer Entstehung zentral.

In den 1950er Jahren herrschte, aufgrund der Folgen des zweiten Weltkrieges, in der Bundesrepublik Deutschland Arbeitskräftemangel. Dieser führte dazu, dass das anwerben von ausländischen Arbeitnehmer/innen unumgänglich war. Diese wurden als Gastarbeiter/innen bezeichnet, da ihr Aufenthalt planmäßig nur vorübergehend sein sollte. Die meisten der angeworbenen Gastarbeiter/innen strebten auch keinen langen Aufenthalt in Deutschland an. Sie wollten nur für eine absehbare Zeit bleiben und anschließend in ihre Heimat zurückkehren. Jedoch sollte die Rückkehr in die Heimat für viele nur eine Illusion bleiben und der vorübergehende Aufenthalt sollte zu einem dauerhaften werden. Als es 1973 zum Anwerbestopp der Gastarbeiter/innen durch die Wirtschafts- und Energiekrise kam, reduzierten sich zwar die Zahlen der ausländischen Arbeiter/innen, jedoch wuchs die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer/innen. Die meisten Gastarbeiter/innen sorgten für eine Wiedervereinigung zwischen ihnen und ihren Familien in Deutschland. Die Familien richteten sich auf eine längere Zeit in Deutschland ein. Somit wurde Deutschland zum Einwanderungsland. Dies brachte viele Veränderungen mit sich und forderte einen angemessenen Umgang mit der veränderten Gegebenheit (vgl. Bade und Oltmer, 2004, S.127ff.).

In den 1970er Jahren beginnt eine intensive Reaktion auf die Arbeitsmigration, es entsteht ein differenziertes Problembewusstsein. Ausgelöst wurde dieses durch die Einführung der Schulpflicht für ausländische Kinder, wodurch die Zahlen der zu unterrichtenden Schüler/innen in deutschen Schulen drastisch anstieg. Lehrer/innen gaben ihre maßlose Überforderung mit dieser Situation preis und deutschstämmige Eltern sahen die Bildung ihrer Kinder durch den erhöhten Anteil an Migranten in deutschen Schulen gefährdet (vgl. Mecheril, 2004, S.83ff. und Nieke, 2008, S.14f.).

»Die Ausländerpädagogik entwickelt sich.«

Diese nimmt Defizite der ausländischen Kinder in den Blick. Spezielle Fördermaßnahmen prägten sich aus um diese Defizite zu vermindern, welche überwiegend im Bereich der Sprache lagen (vgl. Mecheril, 2004, S.84f.). Auch Institutionen der Erwachsenenbildung sowie Sozialberatungsdienste speziell für Ausländer/innen etablierten sich (vgl. Nieke, 2008, S.14f.).

Deutlich wird, dass im Ansatz der Ausländerpädagogik „die Anderen“ diejenigen sind, welche eine andere Herkunft haben bzw. keinen deutschen Pass besitzen. Der thematische Fokus liegt auf den Sprachkompetenzen dieser Menschen und betrachtet die fehlende Fähigkeit des beherrschen der deutschen Sprache als Defizit. Die Ausländer/innen sollen sich die deutsche Sprache aneignen, also sich demnach an die deutschen Gegebenheiten assimilieren. Dieser Aspekt wird durch spezielle Maßnahmen gefördert um die Defizite möglichst schnell zu kompensieren.

Bis in die 1980er Jahre wurde das Konzept der Ausländerpädagogik verfolgt, jedoch erfolgten dann eine scharfe Kritik bezüglich der praktischen und konzeptionellen Bemühungen. Es wurde über „die Unmöglichkeit Politik durch Pädagogik zu ersetzen“ gesprochen. In den Forschungen von Seus und Wolter (1981) formulierten diese die Kritik an den in den 1970er Jahren entstandene Definition des Ausländerproblems und der diesbezüglich entstandenen Vorschläge und Lösungen aus dem pädagogischen Bereich. Die Politik erschaffe Strukturverhältnisse wie zum Beispiel das Ausländerrecht, welche es unmöglich mache, die Option der Selbstbestimmung, welches Ziel der pädagogisch angesetzten Programme sei, durchzusetzen. Hinter den pädagogischen Programmen sollten die bestehenden politischen Verhältnisse verschwinden, dies sei nach Seus und Wolter ein Ding der Unmöglichkeit (vgl. Hamburger, 2010, S.16f.).

Außerdem wurde die Stigmatisierung der Zielgruppe, also der Migrant/innen kritisiert. Ausländer/innen würden durch die Defizitorientiertheit der Ausländerpädagogik zu einer Gruppe gemacht, welche besondere Bedürfnisse im Vergleich zu den Einheimischen besitze. Besonders die praktisch und theoretisch fundierten Bemühungen, die speziell für diese „bedürftige Gruppe“ entwickelt und verfolgt werden würden dies untermauern (vgl. Nieke, 2008, S.16).

Als die zuvor geschilderte Kritik in den 1980er Jahren bezüglich der Ausländerpädagogik geäußert wurde, entwickelte sich das Bewusstsein darüber, dass die Defizit-, Förder- und Sonderperspektive keine nennenswerte Reaktion bezüglich der Konsequenz auf die Gastarbeit/innen darstellte (vgl. Mecheril, 2004, S.84f.). Daraus folgte die Forderung statt der zielgruppenorientierten Ausländerpädagogik, pädagogisch tätig zu werden ohne die Bedürfnisse der Ausländer/innen besonders hervorzuheben. Die pädagogische Unterstützung sollte im Zusammenhang mit pädagogischen Bemühungen bezüglich des Ausgleichs von allgemeiner Benachteiligung stattfinden (vgl. Hamburger, 1983, S.273). Zuzüglich lässt sich sagen das bei einer solchen Vorgehensweise die eigentliche Bedürftigkeit zurückgestellt wird jedoch auf Kosten der Notwendigkeit einer Erfüllung von diesen, nur um pädagogischen Konflikten auszuweichen.

3.2. Interkulturelle Pädagogik

Aus dem Verständnis heraus, dass die zielgruppenorientierte Ausländerpädagogik nicht die vorteilhafteste Reaktion als Konsequenz auf die Gastarbeiter/innen und ihre Familien darstellte, entwickelte sich die interkulturelle Pädagogik oder auch die interkulturelle Erziehung / Bildung genannt.

Interkulturelle Pädagogik was steckt eigentlich dahinter? Das Adjektiv „interkulturell“ soll nach Hansen und Krüger-Potratz eine Art Modewort für flexibel, multilingual und weltoffen sein (vgl. Hansen und Krüger-Potratz, 1994, S.8). Im pädagogischen Sinne würde „interkulturell“ für die Beziehung zwischen Minderheiten und Mehrheiten stehen, welche durch eine besonders vorteilhafte Gestaltung gekennzeichnet ist. Zudem würden dadurch Angebote für Migrant/innen kenntlich gemacht, welcher der Eingliederung dienen sollen (vgl. ebd., S.9). Hinter dem Begriff Pädagogik verbirgt sich die Wissenschaft von Erziehung und Bildung, weshalb die interkulturelle Pädagogik auch oft als interkulturelle Erziehung oder Bildung bezeichnet wird. Die Pädagogik und die Erziehungswissenschaften entwarfen Möglichkeiten, welche eine Alternative zur Ausländerpädagogik darstellen sollte und bezeichneten diese dann als „Interkulturelle Pädagogik“ (vgl. Hamburger, 2010, S.21)

Interkulturelle Pädagogik wendet sich ab von dem Blick auf die Defizite von Ausländer/innen und hin zu dem Blick auf die Differenzen. Durch die Fokussierung der Unterschiede zwischen Einheimischen und Zuwanderern wurden die Kulturen der Minderheiten, unter die auch die Migrant/innen fallen, entdeckt (vgl. Mecheril, 2004, S.85f.).

„Kultur bezeichnen das vom Menschen Gemachte bzw. gestaltend Hervorgebrachte – im Gegensatz zu dem, was nicht vom Menschen geschaffen, sondern von Natur aus vorhanden ist“ (Nünning, 2009). Khan bezeichnet Kultur ebenfalls als eine Art Konstrukt, welches von den Menschen erschaffen worden sei. Er betont, dass der Begriff „Kultur“ in keinerlei Verbindung mit Homogenität stehe (vgl. Khan-Svik, 2008, S.39f.).

In Bezug auf den Aspekt des Othering würde es bedeuten, dass die Kultur als erschaffenes Konstrukt ebenfalls eine Grundlage darstellen könnte, welche es der Mehrheitsgesellschaft dem „Wir“ ermöglicht Angehörige eines kleineren Kulturkreises zu „den Anderen“ zu machen.

Die interkulturelle Pädagogik fordert, dass die Begegnungen zwischen heterogenen Menschen, welche unter anderen unterschiedlichen Kulturen aufweisen, als Bereicherung verstanden wird. Vorurteile und Fehldeutungen bezüglich der Anderen, welche zum Ausschluss derjenigen aus der Gesellschaft und zu Diskriminierung führen sollen aufgedeckt werden. Festgestellte Differenzen und die Vielfalt von Menschen sollen anerkannt und respektiert werden. Nach Mecheril bildet dies Grundlage für eine multikulturelle Gesellschaft (vgl. Mecheril, 2004, S,86), welche sich in Deutschland seit dem Einzug der Gastarbeiter/innen und dessen Familien zu entwickeln schien.

3.3. Interkulturellen Pädagogik vs. Ausländerpädagogik

Im Folgenden sollen die zentralen Intuitionen der beiden Konzepte, anhand der bereits erfolgten Begriffsnäherung und des näher beleuchteten geschichtlichen Entstehungsaspekt, gegenübergestellt werden um diese voneinander abzugrenzen.

Durch die vorhergehenden Ausführungen wird deutlich, dass die interkulturelle Pädagogik nicht nur die Differenzen feststellt, sondern diese als Ressource für die Allgemeinheit beschreibt. Im Vergleich zu der vorhergehenden Ausländerpädagogik setzt die interkulturelle Pädagogik nicht auf die Defizitorientierung, sondern stellt die Ressourcenorientierung in den Vordergrund. Zudem differenzieren sich die beiden pädagogischen Ansätze bezüglich des gewählten Unterscheidungskriteriums der zwei heterogenen Gruppen. Die Ausländerpädagogik wählt die Herkunft bzw. das besitzen des deutschen Passes. Die interkulturelle Pädagogik hingegen entscheidet sich dafür den Blick auf die Kultur zu legen. Des Weiteren fällt auf das in der Ausländerpädagogik häufig die sprachliche Barriere und die sonstig (fehlenden) Kompetenzen fokussiert werden, wohingegen die interkulturelle Pädagogik den thematischen Fokus auf die einzelnen Identitäten legt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Differenzen in der sozialen Arbeit und wie die Pädagogik daran ansetzt
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Wer ist hier fremd? - Kulturelle Differenzen in der Sozialen Arbeit
Note
1.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V489123
ISBN (eBook)
9783668972124
ISBN (Buch)
9783668972131
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kultur Differenzen Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Mara Christin Schäfer (Autor), 2018, Differenzen in der sozialen Arbeit und wie die Pädagogik daran ansetzt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489123

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