Zur Subventionierung fossiler Brennstoffe in Nigeria

Welche Folgen hätte eine Abschaffung der Subventionierung von Benzin für die arme Bevälkerung?


Hausarbeit, 2018
20 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlage
2.1 Uberblick Nigeria
2.2 Subventionen fossiler Brennstoffe
2.2.1 Begriffserklarung, Subventionen fossiler Brennstoffe allgemein
2.2.2 Benzinsubventionen bzw. Subvention fossiler Brennstoffe in Nigeria
2.3 Pareto-Effizienz und Hauptsatze der Wohlfahrtsokonomik

3 Diskussion
3.1 Diskussion der Vor- und Nachteile einer Subventionsabschaffung
3.2 Redistribution der Staatseinnahmen, Kompensationsstrategien

4 Fazit und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Karte mit Armutsraten

Abbildung 2 Hohe der Erdolsubventionen 2016

Abbildung 3: Einkommensverteilung und Konzentrationskurven der Subventionen

Abbildung 4: Anstieg der Armutsraten bei unkompensierter Subventionsabschaffung .

1 Ei nleitung

Subventionen fur Benzin und fossile Brennstoffe im Allgemeinen sind „teuer, dreckig und ungerecht". Wahrend der Konsum von Benzin- und Benzinprodukten in den meisten In- dustrielandern besteuert wird, subventionieren viele Regierungen in Entwicklungs- und Schwellenlandern fossile Brennstoffe (Buhse, 2014).

Benzinsubventionen verursachen einen Schaden fur die Umwelt, haben negative Auswir- kungen auf die Wohlfahrtsverteilung und bedeuten eine hohe Belastung fur die Staats- ausgaben. Aus diesen Grunden haben die G-20 Staaten bereits im Jahr 2009 beschlossen, Anstrengungen zu unternehmen, um die Subventionen abzuschaffen (G20, 2009, S. 5). Im Januar 2012 erfolgte ein Abschaffungsversuch seitens der nigerianischen Regierung, allerdings wurde dieser bereits kurze Zeit spater ruckgangig gemacht und die Subventio­nen wurden aufgrund schwerer Proteste innerhalb der Bevolkerung wieder eingefuhrt (Alleyne, 2013, S. 45).

Im Folgenden wird untersucht, welche Verteilungswirkungen mit einer Abschaffung der Subventionierung fossiler Kraftstoffe - insbesondere Benzin - in Nigeria einhergehen.

Dafur wird in Abschnitt 2.1 zunachst ein Uberblick uber das Land Nigeria gegeben, und in Abschnitt 2.2 die aktuelle Subventionssituation auf der Welt und in Nigeria vorgestellt. Dabei wird anhand der Studie von Soile & Mu besonders auf die ungleiche Verteilung von Benzinsubventionen eingegangen. In Kapitel 2.3 werden das Konzept der Pareto-Verbes- serung und die Hauptsatze der Wohlfahrtsokonomik erklart, um nach der Diskussion in Teil 3, welche Verteilungswirkung eine Abschaffung der Benzinsubvention in Nigeria hat, zu uberprufen, inwieweit sich die theoretischen Modelle in der Realitat anwenden lassen. Als Grundlage fur die Diskussion dient die Studie von Rentschler aus dem Jahr 2016. Er untersucht den sozialen Effekt einer Abschaffung auf die einzelnen Bundesstaaten Nige- rias. Speziell fur Nigeria ist es wichtig, nicht nationale Durchschnitte vor und nach der Reform zu vergleichen, sondern auf die verschiedenen Bevolkerungsgruppen einzugehen und zwischen stadtischen und landlichen Gegenden zu unterscheiden, da die Einkom- mens- und Wohlfahrtsverteilung in Nigeria sehr ungleich ist (siehe Kapitel 2.1).

Es wird gezeigt, dass eine unkompensierte Subventionsabschaffung, obwohl von der Sub­vention vor allem die reichen Haushalte profitieren, in allen Bundesstaaten die Armutsraten steigert. Rentschler untersucht verschiedene Kompensationsstrategien, mit denen die negativen Effekte einer Abschaffung abgemildert werden konnen, stoRt aber auf das Problem, dass umfassendere Daten notig sind, um vor allem die armeren Haus- halte vor groRerer Armut zu bewahren. Da Rentschler nur die sozialen, direkten Effekte in kurzer- und mittlerer Frist untersucht, werden anhand der Studien von Siddiq (2014) und Mundaqa (2017) auch die indirekten und okonomischen Effekte untersucht.

2 Grundlage

Das folgende Kapitel dient als Grundlage fur die anschlieRende Diskussion. Zunachst wird in Teil 2.1 ein kurzer Uberblick uber das Land Nigeria gegeben. AnschlieRend werden in Teil 2.2.1 die Subventionen fossiler Brennstoffe auf der ganzen Welt beleuchtet und in Teil 2.2.2 die Subventionssituation in Nigeria dargestellt. In Teil 2.3 erfolgt eine kurze Er- klarung des Konzepts der Pareto-Verbesserung und der Hauptsatze der Wohlfahrtsoko- nomik.

2.1 Uberblick Nigeria

Nigeria ist das bevolkerungsreichste Land Afrikas und verzeichnet hohe Wachstumsraten. Es wird prognostiziert, dass Nigeria bis 2040, nach Indien, China und den USA, das viert- bevolkerungsreichste Land der Welt sein wird. Die nigerianische Wirtschaftsleistung machte 2014 30% der gesamten subsaharischen Wirtschaftsleistung aus, bis 2040 wird dieser Wert auf 42% ansteigen (IEA, 2014, S. 71).

Erdolvorkommen und -verarbeitung

Nigeria verzeichnet eines der groRten Erdolvorkommen der Welt. Mit 98,8 Mio. Ton- nen/Tag im Jahr 2016 belegt es den 13. Platz der groRten Erdolforderer weltweit (BP, 2017, S. 14). Die starke Abhangigkeit der Wirtschaft vom Ol zeigt sich durch den hohen Olexport von 86,4 Mio. Tonnen pro Tag, wodurch die Wirtschaft sehr stark abhangig von Schwankungen des internationalen Olpreises ist (BP, 2017, S. 16). Von 2001 bis 2010 machten die Einnahmen aus Ressourcen, vorrangig Erdol, durchschnittlich 75% der Staatseinnahmen aus (IEA, 2014, S. 178).

In Nigeria gibt es vier Olraffinerien mit einer potenziellen Produktionskapazitat von 445.000 Barrel/ Tag (IEA, 2014, S. 62). Die Raffinerien werden von der Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC) betrieben, die eine Monopolstellung innehat (Raji, et al., 2018, S. 64). Bei optimaler Nutzung konnte die gesamte inlandische Nachfrage nach Ol (400.000 Barrel/Tag im Jahr 2013) gedeckt werden (IEA, 2014, S. 142). Durch Unterinves- tition und Korruption im Energiesektor arbeiten die Raffinerien allerdings nur bei circa 20% ihrer gesamten Kapazitat und 70-80% des inlandischen Verbrauchs mussen uber Im- porte gedeckt werden (IEA, 2014, S. 62).

Armut

Der Reichtum an naturlichen Ressourcen fuhrt nicht zu positiven Wohlfahrtseffekten fur die Bevolkerung. Korruption und Schmuggel, vor allem im Energiesektor, fuhren dazu, dass nur Wenige vom Ressourcenvorkommen profitieren (Raji, et al., 2018, S. 61). In den Jahren 2012 - 2017 schwankte der Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) zwischen 25 und 28 (0 = sehr korrupt, 100 = gar nicht korrupt). Somit liegt Nigeria sogar noch unter dem Durchschnitt der Subsahara-Region, der im Jahr 2016 bei 32 lag (Transparency International ).

Der Wohlstand im Land ist ungleichmaRig verteilt. Der Gini-Koeffizient1 der Einkommens- verteilung liegt bei 0,43 (Mu & Soile, 2015, S. 321). Im Jahr 2009 lebten 53% der Bevolke­rung unterhalb der Armutsgrenze von weniger als 1,9 USD/Tag (Weltbank, 2011). Im Durchschnitt sind die Haushalte in landlichen Regionen armer als die Haushalte in den Stadten (Siddig, Aguiar, Grethe, Minor, & Walmsley, 2014, S. 168). Die folgende Abbil- dung zeigt die Armutsraten in den verschiedenen Bundesstaaten in Nigeria. Es ist zu se- hen, dass die sudlichen Bundesstaaten durchschnittlich geringere Armut verzeichnen als die Nordlichen und die Armutsraten stark variieren.

Abbildung 1: Karte mit Armutsraten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Rentschler, 2016, S. 500

Energiekonsum

Die Nachfrage nach Energie variiert zwischen der stadtischen und landlichen Bevolke- rung. Generell ist zu beobachten, dass die durchschnittlichen Ausgaben fur Energie mit dem Einkommen steigen. Der Anteil an Ausgaben fur Energie an den Gesamtausgaben liegt in den Stadten durchschnittlich bei 5% und in den landlichen Gegenden bei durch- schnittlich 3% (Rentschler, 2016, S. 493).

Soile und Mu untersuchen die Nutzung von Benzin und Kerosin, indem sie die Haushalte sortiert nach Einkommen in Funftel aufteilen. Die armsten 4 Gruppen geben durch­schnittlich mehr fur Kerosin als fur Benzin aus. Nur im reichsten Funftel ubersteigen die Ausgaben fur Benzin die Ausgaben fur Kerosin. Etwa 66% der Bevolkerung nutzen Kerosin und der Konsum ist uber die Einkommensgruppen relativ gleich verteilt. Die Verteilung des Benzinkonsums dagegen ist ungleich. Die reichsten 20% der Haushalte konsumieren durchschnittlich 30-mal so viel Benzin wie die armsten 20%. Der Anteil an den gesamten Kraftstoffausgaben fur Benzin liegt beim reichsten Funftel der Haushalte bei 61% und beim armsten Funftel bei 7,5% (Mu & Soile, 2015, S. 320).

Kerosin wird sowohl in stadtischen als auch in landlichen Gegenden aufgrund der gerin- gen Elektrifizierungsrate vor allem zum Kochen und zur Beleuchtung genutzt. Somit ist es fur viele Haushalte ein essenzielles Gut (Mu & Soile, 2015, S. 320).

Der Verwendungszweck von Benzin variiert zwischen der landlichen und stadtischen Be­volkerung. Wahrend Benzin in den Stadten vor allem direkt als Kraftstoff genutzt wird (Rentschler, 2016, S. 493), konsumiert die landliche Bevolkerung Benzin eher indirekt durch andere Konsumguter, die Benzin benotigen. Dies sind zum Beispiel offentliche Ver- kehrsmittel (Siddig, Aguiar, Grethe, Minor, & Walmsley, 2014, S. 174). Des Weiteren ist die landliche Bevolkerung vor allem im Agrarsektor beschaftigt (Raji, et al., 2018, S. 63). Benzin wird in der Landwirtschaft fur den Betrieb der landwirtschaftlichen Gerate und fur den Transport der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in die Stadt gebraucht, wo diese ver- kauft werden.

Somit konsumieren die Haushalte in landlichen Gegenden weniger Benzin als die stadti­schen Haushalte. Trotzdem ist Benzin essenziell fur ihre Einkommenssicherung, da sie Benzin benotigen, um ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu verkaufen und ihren Le- bensunterhalt zu sichern (Rentschler, 2016, S. 493).

2.2 Subventionen fossiler Brennstoffe

Um die Auswirkungen der Abschaffung der Subventionen fossiler Brennstoffe zu disku- tieren, werden zunachst die wichtigsten Begrifflichkeiten erklart. Danach werden auf Ba­sis von Commander (2012) die allgemeinen Grunde fur die Einfuhrung einer Subvention fossiler Brennstoffe vorgestellt. AnschlieRend wird gezeigt, in welchen Landern Benzin und fossile Kraftstoffe allgemein subventioniert werden und welcher Schaden davon aus- geht. Darauffolgend wird in Sektion 2.2.2 speziell auf Nigeria eingegangen und die dortige Subventionssituation dargestellt. Hierbei soll vor allem auf die unterschiedliche Vertei- lung des Nutzens von Subventionen innerhalb der einzelnen Bundesstaaten eingegangen werden.

2.2.1 Begriffserklarung, Subventionen fossiler Brennstoffe allgemein

Fossile Energietrager (englisch: fossil fuels) umfassen Erdol (petroleum), Erdgas (natural gas) und Kohle (coal). In Raffinerien wird Erdol durch Destillation in seine verschiedenen

Bestandteile geteilt. Fertigprodukte sind unter anderem Benzin (gasoline/ petrol) und Ke- rosin (kerosene) (Gary, Handwerk, & Kaiser, 2007, S. 3).

Im Jahr 2016 wurden Erdol, Elektrizitat, Erdgas und Kohle weltweit mit etwa 262 Milliar- den US-Dollar subventioniert. Davon machten etwa 105 Milliarden US-Dollar (etwa 40%) die Subventionen fur Erdol aus. Tendenziell ist die Hohe der Subventionen fur Erdol und Erdgas rucklaufig (IEA / OECD, 2017)

Die folgende Abbildung zeigt die Hohe der Erdolsubventionen in den verschiedenen Lan- dern im Jahr 2016.

Abbildung 2 Hohe der Erdolsubventionen 2016

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: (IEA / OECD, 2017)

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1 GINI KOEFFIZIENT ERKLAREN ^ je naher an 1 desto ungleicher

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Details

Titel
Zur Subventionierung fossiler Brennstoffe in Nigeria
Untertitel
Welche Folgen hätte eine Abschaffung der Subventionierung von Benzin für die arme Bevälkerung?
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V489134
ISBN (eBook)
9783668947856
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verteilungswirkung, abschaffung, subventionierung, brennstoffe, nigeria
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Zur Subventionierung fossiler Brennstoffe in Nigeria, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489134

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