Was ist Soziologie? Prozeß- und Figurationstheorie von Norbert Elias


Seminararbeit, 2005
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1. Leben

2. Hintergrund und Einführung

3. Was ist Soziologie?
3.1. Verflechtungen
3.2. Bewegung, Prozess und Wandel
3.3. Der Begriff der Figuration
3.4. Theorie gesellschaftlicher Entwicklung
3.5. Macht

Nachwort

Bibliographie

Vorwort

Diese Hausarbeit ist aus dem Rahmen eines Proseminars, abgehalten im Sommersemester 2005, an der Technischen Universität Dresden, bei Prof. Dr. Rehberg hervor gegangen. Unter gleichnamigen Titel referierte ich das Thema im Seminar und möchte dieses nun hier, unter Bezugnahme weiterer Literatur schriftlich niederlegen und vorstellen.

1. Leben

Norbert Elias gilt heute als einer der einflussreichsten Soziologen überhaupt. Seine bedeutendste Schrift ist „Über den Prozess der Zivilisation“. Dieses Werk, welches Elias in England verfasste (1939) steht heute auf Platz sieben der „Books of the Century“[1]. Sein Gesamtwerk wird inzwischen weltweit von Soziologen wie von Historikern gleichermaßen rezipiert.

Von 1903 bis 1915 besuchte Elias das Johannes Gymnasium in Breslau. Nach seiner Schulzeit meldete er sich als Kriegsfreiwilliger in den ersten Weltkrieg. Nach Fronteinsätzen an Ost- und Westfront war Elias ab 1917 feldunfähig und wurde Sanitätssoldat in Breslau. 1917 beginnt Elias ein Studium der Philosophie, der Psychologie und der Medizin in Breslau, Heidelberg und Freiburg.

Im Jahre 1924 erfolgte seine Promotion zum Dr. phil. An der Universität Breslau. Titel seiner Dissertation war „Idee und Individuum“, deren Betreuer Richard Hönigswald[2] war. 1924 ging Elias nach Heidelberg um sein Studium der Soziologie fortzusetzen. Er wurde von Alfred Weber[3] für eine Habilitation zum Thema „Die Bedeutung der Florentiner Gesellschaft und Kultur für die Entstehung der Wissenschaft“ zugelassen, welche er allerdings 1930 abbrach, um Karl Mannheim[4] nach Frankfurt am Main zu folgen. Dort arbeitete er als dessen Assistent an der Universität und begann seine Habilitation mit der Schrift „Der höfische Mensch“. 1933 wurde als Folge der Machtergreifung der Nationalsozialisten das Institut für Soziologie geschlossen und das Habilitationsverfahren abgebrochen. Die Schrift erschien erst 1969 in veränderter Form unter dem Titel „Die höfische Gesellschaft“. Im Jahre 1935 ging Norbert Elias ins Exil zunächst nach Frankreich und später nach Großbritannien. Ab 1962 war er Professor für Soziologie an der University of Ghana in Accra[5]. Ab 1975 hatte er seinen ständigen Wohnsitz in Amsterdam und hielt Gastprofessuren in verschiedenen Städten Deutschlands. Erst jetzt wurde Elias Arbeit in Deutschland „wieder entdeckt“ und allgemein anerkannt. !977 erhält Elias den zum ersten Mal vergebenen Theodor- W.- Adorno- Preis[6]. Von 1978 bis 1984 arbeitete er unter anderem am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld. Am 01. August 1990 starb Norbert Elias in Amsterdam.

2. Hintergrund und Einführung

Im Jahre 1965 folgte Norbert Elias einer Einladung als Gastprofessor, von Dieter Claessens[7], nach Münster. Zu diesem Zeitpunkt gab Claessens die Buchreihe: „Grundfragen der Soziologie“ heraus, welche äquivalent zu einer erfolgreichen nordamerikanischen Einführungsreihe sein sollte. Als Band I dieser Reihe, sollte die Übersetzung von „What is Sociology?“ von Alex Inkeles[8] dienen. Claessens gab Elias das gerade frisch eingetroffene Buch und erzählte ihm von seinem Vorhaben. Elias sein Kommentar war deutlich: „What is Sociology?. Das ist eine wichtige Frage, aber Herr Claessens, Sie können ganz sicher sein, Herr Inkeles weiß die Antwort nicht.“ Darauf hin überredete Claessens Elias den Band selbst zu übernehmen und Elias beantwortete diese Aufforderung mit seinem Buch: „Was ist Soziologie?“, fünf Jahre später (Korte, Hermann: Über Norbert Elias, Das Werden eines Menschenwissenschaftlers, Baden-Baden 1988, S. 28).

Norbert Elias ist ein Denker, dessen soziologische Wurzeln in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen[9]. Er steht somit in unmittelbarer Tradition zu den großen Klassikern, zu welchen er mittlerweile selbst zählt (vgl. Kaesler, Dirk (Hrsg.): Klassiker der Soziologie I. München 2003). Er reihte sich sozusagen in die Linie von Comte, Marx, Durkheim, Weber und Simmel ein, wobei er insbesondere deren Interesse an Fragen der geschichtlichen Entwicklung teilt[10]. Elias versucht Geschichte als einen Prozess zu kennzeichnen, der prinzipiell ungeplant und ungesteuert verläuft und trotzdem durch eine Ordnung und eine Entwicklungsrichtung gekennzeichnet ist. Er nutzt eine Prozesstheoretische Vorgangsweise um dem Problem gesellschaftlicher Prozesse als einer Ordnung sui generis auf die Spur zu kommen. Da wir es bei Gesellschaftlichen Erscheinungen immer mit Beziehungen zwischen Menschen zu tun haben, welche einer eigenen Dynamik folgen, ist dem zu folge ein prozesssoziologischer Zugang nötig. Die sich bildenden Beziehungsstrukturen unterliegen somit immer einer geschichtlichen Seinsweise, d.h. sie lassen sich nicht mit ewig gekühlten Gesetzmäßigkeiten erklären. Nur mit Hilfe von Prozessmodellen kann geklärt werden, wie und warum etwas sich so und nicht anders zu einem geschichtlichen Zeitpunkt darstellt (Morel, Julius...-6. Hgg.: Soziologische Theorie. Oldenbourg 1999, S. 191.).

3. Was ist Soziologie?

3.1. Verflechtungen

Die Aufgabe der Soziologie ist es laut Elias Zusammenhänge zwischen sozialen Gebilden aufzudecken und zu verstehen. Diese Zusammenhänge stellen Prozesse dar, welche niemand geplant hat, sondern die ihre Dynamik aus der jeweiligen Konstellation heraus bekommen. Es geht bei Elias um Verflechtungszusammenhänge die Menschen produzieren und von denen Menschen produziert werden. Um seine Theorie zu veranschaulichen wählte er als erstes das sogenannte egozentrische Gesellschaftsbild der Philosophen des 18. u. 19.Jh. (Abb. 1)[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Wir erkennen hier dass das einzelne „Ich“ von sozialen Gebilden so umgeben ist, das diese wirken, als wären sie bloße Gegendstände die außerhalb des „Ich“ handeln. So auch die Gesellschaft. Elias meint, dass dieses Gesellschaftsbild von vielen Menschen akzeptiert wird, da sie es oft in Gedanken haben, wenn sie über ihr Verhältnis zur Gesellschaft sprechen. Es ist vielleicht jedem schon einmal aufgefallen, dass bei Familienfeiern oder anderswo, die Leute, wenn sie sich beschweren (z.B. über den Staat) immer so argumentieren, als ob die Gesellschaft ganz weit weg wäre[12].

[...]


[1] Die wichtigsten soziologischen Werke, nachzulesen bei: International Sociological Association (ISA) unter http://www.ucm.es/info/isa/books/vt/bkv_000.htm

[2] Richard Hönigswald (18.07.1875 – 11.06.1947) war ein bekannter Philosoph, der dem weiten Kreis des Neukantianismus zuzurechnen ist

[3] Alfred Weber (30.07.1868 – 02.05.1958) war Nationalökonom und gilt als Begründer der Standorttheorien (1909) in der Volkswirtschaftslehre, wirkte aber später ins besondere als Kultursoziologe. Er war Professor in Heidelberg und in Prag. Bei der Bundespräsidentenwahl 1954, wurde er von der KPD für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen.

[4] Karl Mannheim (27.03.1893 – 09.01.1947) war ab 1930 ordentlicher Professor für Soziologie an der Universität Frankfurt am Main, musste jedoch 1933 nach England emigrieren und war dort bis zu seinem Tode Dozent für Soziologie an der London School of Economics and Political Science.

[5] Hauptstadt von Ghana.

[6] Der Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main wird seit 1977 zur Anerkennung herausragender Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film verliehen.

[7] Nach dem Abitur und begonnenem Studium der Theaterwissenschaft in Berlin, dann Fronteinsatz und (bis 1949) russischer Kriegsgefangenschaft und zunächst einer Ausbildung als Sozialarbeiter, studierte er Soziologie, Anthropologie, Psychologie und Ethnologie an der Freien Universität Berlin. Nach der Promotion zum Dr. phil. 1957 arbeitete er dort als Assistent. 1960 wechselte er zur Sozialforschungsstelle an der Universität Münster und habilitierte bei Helmut Schelsky im Bereich „Soziologie“. 1962-66 war er Professor an der Universität Münster, sodann bis zur Emeritierung an der FU Berlin; zugleich 1974-78 Rektor der Berliner „Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpsychologie“. Bis zuletzt Forscher starb er 1997.

[8] Professor für Soziologie am Hoover Institut an der Universität Stanford.

[9] Vgl. Redebeitrag zur Diskussion über „die Konkurrenz“, in: Verhandlungen des 6. Deutschen Soziologentages vom 17.-19.9.1929 in Zürich. Tübingen, S281-284.

[10] Zitat Elias: „ Die Geschichte ist das Laboratorium des Soziologen“, in: Interview mit Carmen Thomas, Aufn. WDR 30.05.1985.

[11] Alle folgenden Unterpunkte beziehen sich, wenn nicht ausdrücklich erwähnt, auf das Buch: Elias, Norbert: Was ist Soziologie?, München 1986.

[12] Anmerkung des Verfassers.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Was ist Soziologie? Prozeß- und Figurationstheorie von Norbert Elias
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Soziologie)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V48920
ISBN (eBook)
9783638454957
ISBN (Buch)
9783638751087
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Prozeß-, Figurationstheorie, Norbert, Elias, Proseminar
Arbeit zitieren
Erik Buder (Autor), 2005, Was ist Soziologie? Prozeß- und Figurationstheorie von Norbert Elias, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48920

Kommentare

  • Gast am 18.5.2009

    Was ist Soziologie? Prozeß- und Figurationstheorie von Norbert Elias.

    Meine Erwartungen bezüglich der Tiefe des Inhalts wurden leider enttäuscht. Viel Geld für wenig Inhalt

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Titel: Was ist Soziologie? Prozeß- und Figurationstheorie von Norbert Elias


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